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            <title>Epilog zu Schillers Glocke</title>
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         <publicationStmt>
            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0006-6999-9</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:11hbz.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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            <note>
                                 Entstanden 1805 und 1810, Erstdruck 1805.
                              </note>
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            <biblFull>
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                  <title>Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe. Herausgegeben von Siegfried Seidel: Poetische Werke [Band 1–16]; Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen [Band 17–22], Berlin: Aufbau, 1960 ff.</title>
                  <author>Goethe, Johann Wolfgang</author>
               </titleStmt>
               <extent>122-</extent>
               <publicationStmt>
                  <date when="1960"/>
                  <pubPlace>Berlin</pubPlace>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg711.3.2.1">Wiederholt und erneut</hi>
                                 </p>
                                 <p rend="zenoPC" xml:id="tg711.3.3">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg711.3.3.1">bei der Vorstellung am 10. Mai 1815</hi>
                                 </p>
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                                 <p xml:id="tg711.3.5">
                                    <seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg711.3.5.1"> Freude dieser Stadt bedeute,</seg>
                                 </p>
                                 <p xml:id="tg711.3.6">
                                    <seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg711.3.6.1"> Friede sei ihr erst Geläute!</seg>
                                 </p>
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                                 <l xml:id="tg711.3.8">Und so geschah's! Dem friedenreichen Klange</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.9">Bewegte sich das Land, und segenbar</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.10">Ein frisches Glück erschien: im Hochgesange</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.11">Begrüßten wir das junge Fürstenpaar;</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.12">Im Vollgewühl, in lebensregem Drange</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.13">Vermischte sich die tät'ge Völkerschar,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.14">Lind festlich ward an die geschmückten Stufen</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.15">Die <hi rend="italic" xml:id="tg711.3.15.1">Huldigung der Künste</hi> vorgerufen.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.18">Da hör ich schreckhaft mitternächt'ges Läuten,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.19">Das dumpf und schwer die Trauertöne schwellt.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.20">Ist's möglich? Soll es unsern Freund bedeuten,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.21">An den sich jeder Wunsch geklammert hält?</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.22">Den Lebenswürd'gen soll der Tod erbeuten?</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.23">Ach! wie verwirrt solch ein Verlust die Welt!</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.24">Ach! was zerstört ein solcher Riß den Seinen!</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.25">Nun weint die Welt, und sollten wir nicht weinen?</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.27">Denn er war unser! Wie bequem gesellig</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.28">Den hohen Mann der gute Tag gezeigt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.29">Wie bald sein Ernst, anschließend, wohlgefällig,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.30">Zur Wechselrede heiter sich geneigt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.31">Bald raschgewandt, geistreich und sicherstellig</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.32">Der Lebensplane tiefen Sinn erzeugt</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.33">Und fruchtbar sich in Rat und Tat ergossen;</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.34">Das haben wir erfahren und genossen.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.36">Denn er war unser! Mag das stolze Wort</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.37">Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.38">Er mochte sich bei uns im sichern Port</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.39">Nach wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.40">Indessen schritt sein Geist gewaltig fort</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.41">Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.42">Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.43">Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.45">Nun schmückt' er sich die schöne Gartenzinne,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.46">Von wannen er der Sterne Wort vernahm,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.47">Das dem gleich ew'gen, gleich lebend'gen Sinne</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.48">Geheimnisvoll und klar entgegenkam.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.49">Dort, sich und uns zu köstlichem Gewinne,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.50">Verwechselt' er die Zeiten wundersam,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.51">Begegnet' so, im Würdigsten beschäftigt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.52">Der Dämmerung, der Nacht, die uns entkräftigt.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.55">Ihm schwollen der Geschichte Flut' auf Fluten,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.56">Verspülend, was getadelt, was gelobt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.57">Der Erdbeherrscher wilde Heeresgluten,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.58">Die in der Welt sich grimmig ausgetobt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.59">Im niedrig Schrecklichsten, im höchsten Guten</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.60">Nach ihrem Wesen deutlich durchgeprobt. –</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.61">Nun sank der Mond, und zu erneuter Wonne</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.62">Vom klaren Berg herüber stieg die Sonne.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.64">Nun glühte seine Wange rot und röter</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.65">Von jener Jugend, die uns nie entfliegt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.66">Von jenem Mut, der früher oder später</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.67">Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.68">Von jenem Glauben, der sich, stets erhöhter,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.69">Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.70">Damit das Gute wirke, wachse, fromme,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.71">Damit der Tag dem Edlen endlich komme.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.73">Doch hat er, so geübt, so vollgehaltig,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.74">Dies bretterne Gerüste nicht verschmäht;</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.75">Hier schildert' er das Schicksal, das gewaltig</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.76">Von Tag zu Nacht die Erdenachse dreht,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.77">Und manches tiefe Werk hat, reichgestaltig,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.78">Den Wert der Kunst, des Künstlers Wert erhöht.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.79">Er wendete die Blüte höchsten Strebens,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.80">Das Leben selbst, an dieses Bild des Lebens.</l>
                              </lg>
                              <lg>
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                                 <l xml:id="tg711.3.82">Ihr kanntet ihn, wie er mit Riesenschritte</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.83">Den Kreis des Wollens, des Vollbringens maß,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.84">Durch Zeit und Land, der Völker Sinn und Sitte,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.85">Das dunkle Buch mit heiterm Blicke las;</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.86">Doch wie er atemlos in unsrer Mitte</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.87">In Leiden bangte, kümmerlich genas,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.88">Das haben wir in traurig schönen Jahren,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.89">Denn er war unser, leidend miterfahren.</l>
                              </lg>
                              <lg>
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                                 <l xml:id="tg711.3.92">Ihn, wenn er vom zerrüttenden Gewühle</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.93">Des bittern Schmerzes wieder aufgeblickt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.94">Ihn haben wir dem lästigen Gefühle</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.95">Der Gegenwart, der stockenden, entrückt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.96">Mit guter Kunst und ausgesuchtem Spiele</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.97">Den neubelebten edlen Sinn erquickt</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.98">Und noch am Abend vor den letzten Sonnen</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.99">Ein holdes Lächeln glücklich abgewonnen.</l>
                              </lg>
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                                 <l xml:id="tg711.3.101">Er hatte früh das strenge Wort gelesen,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.102">Dem Leiden war er, war dem Tod vertraut.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.103">So schied er nun, wie er so oft genesen;</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.104">Nun schreckt uns das, wofür uns längst gegraut.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.105">Doch schon erblicket sein verklärtes Wesen</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.106">Sich hier verklärt, wenn es herniederschaut.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.107">Was Mitwelt sonst an ihm beklagt, getadelt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.108">Es hat's der Tod, es hat's die Zeit geadelt.</l>
                              </lg>
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                                 <l xml:id="tg711.3.110">Auch manche Geister, die mit ihm gerungen,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.111">Sein groß Verdienst unwillig anerkannt,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.112">Sie fühlen sich von seiner Kraft durchdrungen,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.113">In seinem Kreise willig festgebannt:</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.114">Zum Höchsten hat er sich emporgeschwungen,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.115">Mit allem, was wir schätzen, eng verwandt.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.116">So feiert <hi rend="italic" xml:id="tg711.3.116.1">ihn!</hi> Denn was dem Mann das Leben</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.117">Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben.</l>
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                                 <l xml:id="tg711.3.119">So bleibt er uns, der vor so manchen Jahren –</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.120">Schon zehne sind's! – von uns sich weggekehrt!</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.121">Wir haben alle segenreich erfahren,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.122">Die Welt verdank ihm, was er sie gelehrt;</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.123">Schon längst verbreitet sich's in ganze Scharen,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.124">Das Eigenste, was ihm allein gehört.</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.125">Er glänzt uns vor, wie ein Komet entschwindend,</l>
                                 <l xml:id="tg711.3.126">Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.</l>
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