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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
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			<titleStmt>
				<title>Einstellung zu Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen (Zeitungsartikel zu einer Umfrage; Mannheimer Morgen, 20.1.1972)</title>
				<funder>Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)</funder>
				<principal>
					<rs type="person">Prof. Dr. Gabriele Lingelbach</rs>
					<affiliation>
						<rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2097883-2"> Historisches Seminar der CAU Kiel
						</rs>
						<address>
							<street>Leibnizstr. 8</street>
							<postCode>24118</postCode>
							<settlement>Kiel</settlement>
							<country key="XA-DE">Deutschland</country>
						</address>
					</affiliation>
				</principal>
				<respStmt>
					<resp>Auszeichnung durch</resp>
					<name type="person">Jan Stoll</name>
				</respStmt>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<publisher>Mannheimer Morgen</publisher>
				<pubPlace>Mannheim</pubPlace>
				<availability status="restricted">
					<p>Alle Rechte liegen beim Mannheimer Morgen.</p>
				</availability>
				<date when-iso="1972-1-20">20. Januar 1972</date>
			</publicationStmt>
			<seriesStmt>
				<title>Quellensammlung zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland seit 1945</title>
				<editor>DFG-Projekt „Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History“</editor>
			</seriesStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>
					<author><abbr>sws</abbr></author>: <title level="a" type="main">Platz für geistig Behinderte in <q>Heimen an entlegenen Orten</q></title>. <title level="a" type="sub">Bevölkerung hat wenig Verständnis für <q>anormale </q>Kinder</title>, in: <title level="j">Mannheimer Morgen</title> vom <date><origDate when-iso="1972-1-20">20.1.1972</origDate></date>, in: 
				</bibl>
				<msDesc>
					<msIdentifier>
						<institution ref="http://d-nb.info/gnd/2116123-9">Deutscher Bundestag</institution> 
						<repository>Pressedokumentation</repository> 
						<idno type="Signatur">503 - 3/0</idno>
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					<physDesc>
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								<support>Kopie von aufgeklebtem Ausschnitt</support>
								<extent>1 Seite</extent>
							</supportDesc>
						</objectDesc>
					</physDesc>
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			<projectDesc>
				<p>Die digitale Quellensammlung wurde im Rahmen des DFG-Projektes "Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History" erstellt. Zielgruppe der Quellensammlung ist die interessierte Öffentlichkeit, die Materialien sind gerade auch für den Unterricht an Schulen und Hochschulen ausgewählt.</p>
			</projectDesc>
			<samplingDecl>
				<p>Die Auswahl der Quellen erfolgte auf Grundlage der Rechercheergebnisse der Dissertationen der Projektmitarbeiter Bertold Scharf, Sebastian Schlund und Jan Stoll.</p>
				<p>Es wird keine Vollständigkeit angestrebt. Ziel ist es, Ausschnitte zu präsentieren, die paradigmatisch für die Geschichte(n) von Menschen mit Behinderungen stehen oder auf markante Ausnahmen hinweisen.</p>
				<p>Die fünf Bereiche stehen für unterschiedliche gesellschaftliche	Sphären, die von der Forschung bisher kaum	berücksichtig wurden.</p>
			</samplingDecl>
			<editorialDecl>
				<hyphenation eol="none">
					<p>Die Silbentrennung des Quelltextes wurde nicht beibehalten.</p>
				</hyphenation>
				<p>Die alte Rechtschreibung wird beibehalten, Rechtschreibung und Fehler im Quelltext werden nicht korrigiert. Fehler im Original werden mit [sic!] gekennzeichnet oder mit dem Element <sic/> gekennzeichnet und im Element <corr>[Ausbesserung]</corr> ausgebessert. Zeilenumbrüche und das Layout werden nicht originalgetreu wiedergegeben. Auslassungen sind mit <gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap> gekennzeichnet. Abkürzungen werden beibehalten, ggf. aber zusätzlich aufgelöst und in eckigen Klammern dargestellt.</p>
			</editorialDecl>
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		<profileDesc>
			<langUsage>
				<language ident="de" usage="100">Deutsch</language>
			</langUsage>
			<textClass>
				<keywords>
					<term>Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen</term>
					<term>Umfrage</term>
					<term>Vorurteile</term>
					<term>Stereotype</term>
				</keywords>
			</textClass>
		</profileDesc>
		<revisionDesc>
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			<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Version 1.0. Veröffentlicht am:</note>
					<date when-iso="2017-09-28">28.9.2017</date>
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					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Endkorrektur</note>
					<date when-iso="2017-09-28">28.9.2017</date>
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					<rs type="person">Jan Stoll</rs>
					<note>Markup finalisiert.</note>
					<date when-iso="2016-4-22">22.4.2016</date>
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					<rs type="person">Johanna Rödger</rs>
					<note>Überarbeitung des Markups nach den Encoding Guidelines</note>
					<date when-iso="2016-10-11">11.10.2016</date>
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					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Korrekturen am Markup</note>
					<date when-iso="2016-10-18">18.10.2016</date>
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					<rs type="person">Raphael Rössel</rs>
					<note> Anpassung an Encoding Guidelines</note>				
				<date when-iso="2017-09-28">28.09.2017</date>
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	<text>
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			<head rend="align(center)" type="scream">Platz für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig Behinderte</rs> in <q>Heimen an entlegenen Orten</q></head>
			<head rend="align(center)" type="sub">Bevölkerung hat wenig Verständnis für <q>anormale</q> Kinder</head>
			<opener><rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4007666-0" key="">Bonn</rs>. <byline>(<abbr>sws</abbr>)</byline></opener><p> Die Zahl der <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behinderten Kinder</rs> in der <country key="XA-DE">Bundesrepublik</country> steigt jährlich an. Die meisten Bundesbürger möchten diese oft besonders sensiblen und hilfsbedürftigen Kinder am liebsten isolieren. Wo nur Verständnis, Toleranz und Mitleid helfen könnten, herrschen Vorurteile, Unsicherheit und Diskriminierung. Das ist die erschreckende Bilanz einer für die <country key="XA-DE">Bundesrepublik</country> und <rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4069304-1" key="Berlin (West)">Westberlin</rs> repräsentativen sozialpsychologischen Umfrage über die Einstellung der Bevölkerung zu <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behinderten Menschen</rs>, die mit Unterstützung des <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/4020762-6" key="Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit">Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit</rs> und der <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2007744-0" key="Deutsche Forschungsgemeinschaft">Deutschen Forschungsgemeinschaft</rs> durchgeführt und jetzt veröffentlicht wurde.</p>
				<p>Kaum einer der Befragten kannte die möglichen Ursachen einer solchen Krankheit. 70 Prozent meinten sogar, daß die Eltern Schuld an dem Leiden ihrer Kinder trügen und darum auch auch - so die Ansicht der Testpersonen - versuchten, ein solches Kind, das die Familie in eine <q>ungünstige soziale Position</q> bringe, vor der Umwelt zu verheimlichen. 85 Prozent der Befragten gaben Scham und 92 Prozent Furcht vor dem Getuschel der Leute als Hauptgründe an, wenn Eltern ihre <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">behinderten Kinder</rs> nicht aus dem Hause gehen ließen. Die Frage, ob es gut sei, wenn ein solches Kind früh sterbe, wurde von 70 Prozent der Testpersonen bejaht.
				</p>
				<p>Daß die wenigsten nicht aus Mitleid mit diesen <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Kranken</rs> so urteilten, sondern vielmehr aus Angst vor ihnen, wird deutlich, wenn man die Reihe der Eigenschaften betrachtet, die ihnen zugeschrieben wurden: Stumpfsinn, Wildheit, Jähzorn, Bösartigkeit und Gefährlichkeit. Immerhin glauben gut ein Viertel der Befragten, daß diese <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">behinderten Kinder</rs> unter der Feindseligkeit und Ablehnung ihrer Umwelt leiden. Genau diese Menschen sind es aber oft, die sich nicht eingestehen wollen, daß auch sie auf geistig Behinderte mit Ablehnung, Angst und Unsicherheit reagieren. Diese negativen Verhaltensweisen schoben sie bei der Umfrage immer nur den Nachbarn zu, die sogar vor <q>hämischen Blicken</q> nicht zurückschrecken.
				</p>
				<p>Noch ungünstiger berurteilten die Testpersonen die Reaktionen gesunder Kinder auf <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig Behinderte</rs>. Sie trauten ihnen sogar zu, daß sie die <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">kranken Altersgenossen</rs> auslachen, hänseln, verspotten und schlagen. Am deutlichsten aber zeigt wohl die Frage nach der Unterbringung <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig Behinderter</rs>, wie wenig die Bevölkerung dazu bereit ist, sich ihrer anzunehmen und ihnen einen Platz in der Gesellschaft einzuräumen. Zwei Drittel der Befragten stimmten für eine Einweisung in Heime und Anstalten, die an <q>entlegenen und abgeschiedenen</q> Orten errichtet werden müßten.
				</p>
		</body>
	</text>
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