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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
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			<titleStmt>
				<title>Fachdiskussion "Bauen für Behinderte" (Zeitungsartikel; Münchner Merkur, 15.12.1975)</title>
				<author>Georg Bauer</author>
				<funder>Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)</funder>
				<principal>
					<name type="person">Prof. Dr. Gabriele Lingelbach</name>
					<affiliation>
						<rs type="institution"> ref="http://d-nb.info/gnd/2097883-2">
							Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
						</rs>
						<address>
							<street>Leibnizstr. 8</street>
							<postCode>24118</postCode>
							<settlement>Kiel</settlement>
							<country key="XA-DE">Deutschland</country>
						</address>
					</affiliation>
				</principal>
				<respStmt>
					<resp>Transkription von</resp>
					<name type="person">Jan Stoll</name>
				</respStmt>
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					<resp>Ausgezeichnet durch</resp>
					<name type="person">Jan Stoll</name>
				</respStmt>
				<respStmt>
					<resp>Digitalisierung durch</resp>
					<name type="person">Jan Stoll</name>
				</respStmt>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<publisher>Münchner Merkur</publisher>
				<pubPlace>München</pubPlace>
				<availability status="restricted"><p>Die Rechte liegen beim Urheber.</p></availability>
			</publicationStmt>
			<seriesStmt>
				<title>Quellensammlung zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland seit 1945</title>
				<editor>DFG-Projekt „Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History“</editor>
			</seriesStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl><author>Georg Bauer</author>: <title type="main" level="a">Der Weg in die Stadt scheitert schon am Bordstein</title>. <title type="sub" level="a">Bei der Planung von Wohnungen und Verkehrsmitteln wird zu wenig Rücksicht auf <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderte</rs> genommen</title>, in: <title level="j">Münchner Merkur</title> vom <date><origDate when-iso="1975-12-15">15.12.1975</origDate></date>, in:</bibl>
				<msDesc>
					<msIdentifier>
						<institution ref="http://d-nb.info/gnd/2022592-1">Stadtarchiv München</institution>
						<repository>Zeitungsausschnittsammlung</repository>
						<idno type="Signatur">ZA 116</idno>
					</msIdentifier>
					<physDesc>
						<objectDesc>
							<supportDesc>
								<support>Artikel als Ausschnitt aus der Zeitungsausschnittsammlung
									des Stadtarchivs München</support>
								<extent>3 Spalten, 7 Absätze</extent>
							</supportDesc>
						</objectDesc>
					</physDesc>
				</msDesc>
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			<projectDesc>
				<p>Die digitale Quellensammlung wurde im Rahmen des DFG-Projektes "Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History" erstellt. Zielgruppe der Quellensammlung ist die interessierte Öffentlichkeit, die Materialien sind gerade auch für den Unterricht an Schulen und Hochschulen ausgewählt.</p>
			</projectDesc>
			<samplingDecl>
				<p>Die Auswahl der Quellen erfolgte auf Grundlage der Rechercheergebnisse der Dissertationen der Projektmitarbeiter Bertold Scharf, Sebastian Schlund und Jan Stoll.</p>
				<p>Es wird keine Vollständigkeit angestrebt. Ziel ist es, Ausschnitte zu präsentieren, die paradigmatisch für die Geschichte(n) von Menschen mit Behinderungen stehen oder auf markante Ausnahmen hinweisen.</p>
				<p>Die fünf Bereiche stehen für unterschiedliche gesellschaftliche	Sphären, die von der Forschung bisher kaum	berücksichtig wurden.</p>
			</samplingDecl>
			<editorialDecl>
				<hyphenation eol="none">
					<p>Die Silbentrennung des Quelltextes wurde nicht beibehalten.</p>
				</hyphenation>
				<p>Die alte Rechtschreibung wird beibehalten, Rechtschreibung und Fehler im Quelltext werden nicht korrigiert. Fehler im Original werden mit [sic!] gekennzeichnet oder mit dem Element <sic/> gekennzeichnet und im Element <corr>[Ausbesserung]</corr> ausgebessert. Zeilenumbrüche und das Layout werden nicht originalgetreu wiedergegeben. Auslassungen sind mit <gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap> gekennzeichnet. Abkürzungen werden beibehalten, ggf. aber zusätzlich aufgelöst und in eckigen Klammern dargestellt.</p>
			</editorialDecl>
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		<profileDesc><langUsage> <language ident="de" usage="100">Deutsch</language> 
		</langUsage> 
		<textClass>
		<keywords>
		<term>Städtebau</term>
		<term>Barrierefreiheit</term>
		<term>Barriere</term>
		<term>Umwelt</term>
		<term>Architektur</term>
		</keywords>
		</textClass>
		</profileDesc>
		<revisionDesc>
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			<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Version 1.0. Veröffentlicht am:</note>
					<date when-iso="2017-11-28">28.11.2017</date>
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					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Endkorrektur</note>
					<date when-iso="2017-11-28">28.11.2017</date>
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					<name type="person">Jan Stoll</name>
					<note>Angleichung des Markups.</note>
					<date when-iso="2016-4-18">18.4.2016</date>
				</change>
				<change><rs type="person">Raphael Rössel</rs> <note>Überarbeitung des Markups nach den Encoding Guidelines</note> <date when-iso="2016-11-27">27.11.2016</date> </change>
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	<text>
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			<head type="main" rend="align(center)">Der Weg in die Stadt scheitert schon am Bordstein</head>
			<head type="sub" rend="align(center">Bei der Planung von Wohnungen und Verkehrsmitteln wird zu wenig Rücksicht auf <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderte</rs> genommen</head>
			<p rend="bold">Nach wie vor sind öffentliche Gebäude nur über Treppen erreichbar, die Einstiegstüren der Verkehrsmittel zu schmal, Türgriffe und Klingeln in Wohnhäusern zu hoch angebracht -  es wird, mit einem Wort, immer noch <q>behindertenfeindlich</q> geplant und gebaut. Zu diesem Ergebnis kam eine vom <q><rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/1085176592" key="Münchner Forum">Münchner Forum</rs></q> veranstaltete Diskussionsrunde mit Vertretern des Wohnungsbaus, der zuständigen Gremien der <rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4127793-4" key="München">Stadt</rs> und Behindertenverbände im  <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/4797951-3" key="Ökumenisches Kirchenzentrum Frieden Christi und Olympiakirche">Kirchenzentrum des Olympischen Dorfes</rs>.</p>
			<p>Die Fachdiskussion <q>Bauen für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderte</rs></q> unter Leitung von <q>Forum</q>-Mitglied <rs type="person" ref="http://d-nb.info/gnd/101526229" key="Mager, Friedrich">Friedrich Mager</rs> sollte auf die speziellen Probleme <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderter</rs> mit ihrer baulichen Umwelt eingehen. Die Teilnehmer der Runde (<rs type="person" key="Leitner, Ingrid">Ingrid Leitner</rs> vom <rs type="association" key="Bundesarbeitsgemeinschaft der Clubs Behinderter und Ihrer Freunde" ref="http://d-nb.info/gnd/2002226-8">Club Behinderte und ihre Freunde e.V.</rs>;  Vertreter des <rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/30066-4" key="Sozialverband VdK Deutschland">Verbandes der Kriegsbeschädigten</rs>, Baurat <rs type="person">Wildgruber</rs>, <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2029022-6" key="Baureferat der Landeshauptstadt München">Baureferat der Stadt</rs>, Stadtrat <rs type="person" key="Kripp, Peter">Peter Kripp</rs>,  <rs type="person" key="Gerold, Ludwig">Ludwig Gerold</rs>, Leiter der Planungsabteilung der <q><rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2020180-1" key="Neue Heimat">Neuen Heimat</rs></q> und Vertreter der <rs type="institution" key="Oberpostdirektion München" ref="http://d-nb.info/gnd/2020588-0">Oberpostdirektion</rs>) unterteilten das Thema in die Bereiche <q>Wohnen</q>, <q>Verkehrsmittel</q> und <q>Zugänglichkeit öffentlicher Gebäude</q>.</p>
			<p>Schon bei der Besprechung des ersten Teiles klafften die Wünsche der <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderten</rs> und die Frage der Realisierbarkeit auf seiten der Planer auseinander: Die <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderten</rs> wiesen auf die Notwendigkeit von Liften in Wohnhäusern, treppenfreie Zugänge zum Lift und automatische Türen in den Tiefgaragen hin. Demgegenüber betonte <rs type="person" key="Gerold, Ludwig">Ludwig Gerock</rs> [!] von der <q><rs type="institution" key="Neue Heimat" ref="http://d-nb.info/gnd/2020180-1">Neuen Heimat</rs></q>, auch im Wohnungsbau müsse man mit jedem Pfennig rechnen. Es sei eine Blockbildung von Wohnungen für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderte</rs>, die die geforderten Einrichtungen für möglichst viele Behinderten besäßen, schon in finanzieller Hinsicht unumgänglich. <rs type="person">Frau Herrmann</rs> vom  <rs type="institution" key="Sozialreferat der Landeshauptstadt München" ref="http://d-nb.info/gnd/1048196-5">Sozialreferat der Stadt</rs> wies auf die Tatsache hin, daß selbst bei einem Angebot an speziell eingerichteten Wohnungen nach einer Umfrage über die Hälfte der <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderten</rs> gerne in ihrer gewohnten Umwelt blieben und eine Abneigung gegen die Blockbildung zeigten. Auch seien die neuen Wohnungen, wie ein Vertreter des <rs type="association" key="Sozialverband VdK Deutschland" ref="http://d-nb.info/gnd/30066-4"><abbr>VdK</abbr></rs> meinte, gegenüber den alten Wohnungen erheblich teurer und für manche einfach unerschwinglich.</p>
			<p>Im zweiten Teil der Diskussion, der sich mit den Verkehrsproblemen für die Behinderten befaßte, kritisierten die Behinderten vor allem die schlechte Zugänglichkeitzu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Für Rollstuhlfahrer (deren Zahl in <rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4127793-4" key="München">München</rs> bei etwa 3000 liegt) sei der Einstieg in Bus und Tram ohnehin kaum möglich. Bei U- und S-Bahn seien die Einstiege zwar breit genug - nur seien die Bahnhöfe der U- und  S-Bahn fast ausschließlich über Treppen oder Rolltreppen zu erreichen, die für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Rollstuhlfahrer</rs> ein unüberwindliches Hindernis sind.</p>
			<p>Leider wurde und werde auf die <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderten</rs> auch bei der Neuplanung von Verkehrsmitteln wie der U-Bahn wenig Rücksicht genommen. Auch beim Bau der U-Bahn-Linie 8 werde der Einbau eines Liftes nicht in die Planung aufgenommen. Am Marienplatz existiere zwar ein Lift, er führt aber nur ins erste Untergeschoß. Die Fußgängerzone selbst sei nur wieder über Rolltreppen erreichbar. Warum es nicht möglich gewesen sei, statt einer der vielen Rolltreppen ein rollendes Band einzubauen, sei unverständlich.</p>
			<p>Daß öffentliche Verkehrsmittel auch den Bedürfnissen <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderter</rs> angepaßt werden könnten und trotzdem stadtplanerisch akzeptabel seien, zeige das Beispiel <rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4057648-6" key="Stockholm">Stockholms</rs>, wo innerhalb von vier Jahren alle Bahnhöfe behindertengerecht umgebaut werden konnten. <rs type="person" key="Kripp, Peter">Stadtrat Peter Kripp</rs> meinte, daß es im wesentlichen eine Sache des guten Willens sei, es werde oft gedankenlos geplant; wenn jedoch Zwang entstehe, gehe das vorher Unmögliche plötzlich doch.</p>
			<p>Im Gespräch um den dritten Themenkomplex wies <rs type="person">Frau Herrmann</rs> vom <rs type="institution" key="Sozialreferat der Landeshauptstadt München" ref="http://d-nb.info/gnd/1048196-5">Sozialreferat</rs> auf die Notwendigkeit hin, den Bahnhof Scheidplatz für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderte</rs> zugänglich zu machen. Nur dadurch sei es den <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderten</rs> des ganz in der Nähe gelegenen Rehabilitationszentrums möglich, in die Innenstadt zu gelangen. <rs type="person" key="Leitner, Ingrid">Ingrid Leitner</rs> vom <rs type="association" key="Bundesarbeitsgemeinschaft der Clubs Behinderter und Ihrer Freunde" ref="http://d-nb.info/gnd/2002226-8">Club Behinderte und ihre Freunde</rs> informierte über die Untersuchung der Zugänglichkeit von 26 verschiedenen Zielen innerhalb eines Stadtteils. Hier scheiterte der Weg der <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderten</rs> oft schon am Bordstein. Treppen machten auch Postgebäude und Amter [sic!] unzugänglich. Im Rahmen dieser Erhebung habe man auch festgestellt, daß die Betätigungsanlage bei Verkehrsampeln für Rollstuhlfahrer einfach zu hoch angebracht sei. Im Augenblick seien zwei ehrenamtlich tätige Architekten dabei, aufgrund dieser Erhebung Lösungen zu erarbeiten und den dazu nötigen Kostenaufwand zu errechnen.</p>
			<p>Ein Vertreter der <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2007726-9" key="Deutsche Bundespost">Bundespost</rs> wies darauf hin, daß bei besonderem Bedarf bereits speziell für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">Behinderte</rs> konstruierte Telefonzellen angebracht würden. Auch müsse jedes Postamt, das über mehrere Zellen verfüge, eine für <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">behinderte Menschen</rs> bereitstellen.</p><byline rend="align(right) bold">Georg Bauer</byline>
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