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				<title type="short">3. Mai 1827. Goethe an von
					Buttel</title>
				<title type="desc"><name type="place" subtype="orn" ref="gnd:4065105-8">Weimar</name>. <date type="orn" when="1827-05-03" sameAs="thursday">Donnerstag, 3.
						Mai 1827</date>. Brief an <name type="person" subtype="rcp" ref="gnd:119044056">Buttel, Christian
						Diedrich von</name>, in <name type="place" subtype="dtn" ref="gnd:4005728-8">Berlin</name>.
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				</title>
				<author><name type="person" subtype="aut" ref="gnd:118540238">Goethe, Johann Wolfgang
						von</name></author>
				<editor>Projekt „Wirkungsgeschichte von Goethes Werk ‚Zur
					Farbenlehre‘ in Berlin 1810-1832“</editor>
				<funder><name type="org" subtype="fnd" ref="gnd:2021825-4">Schweizerischer Nationalfonds</name></funder>
				<funder><name type="org" subtype="fnd" ref="gnd:2007744-0">Deutsche Forschungsgemeinschaft</name></funder>
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				<edition>Goethes Farbenlehre in Berlin.
					Repositorium</edition>
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					<resp>Transkription</resp>
					<name type="person" subtype="trc" ref="gnd:112790542">Nickol, Thomas</name>
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					<resp>Kollationierung</resp>
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					<resp>TEI-Kodierung</resp>
					<name type="person" subtype="dtc" ref="gnd:172196361">Krayer, Albert</name>
					<name type="person" subtype="dtc" ref="gnd:1224431839">Hölscher, Steffen</name>
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					<resp>Kommentar</resp>
					<name type="person" subtype="wac" ref="gnd:112790542">Nickol, Thomas</name>
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				<publisher>
					<name type="org" subtype="pbl" ref="gnd:2020450-4">Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek
						Göttingen</name>
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					<licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/legalcode">CC-BY-NC-SA-4.0</licence>
					<p>Editionstext kann unter der Lizenz „Creative Commons
						Attribution Non Commercial Share Alike 4.0
						International“ genutzt werden.</p>
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				<pubPlace><name type="place" subtype="pup" ref="gnd:4021477-1">Göttingen</name></pubPlace>
				<date>2021</date>
			<idno type="TextGrid">textgrid:40gck</idno></publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>
					<author>
						<name type="person" subtype="aut" ref="gnd:118540238">Goethe, Johann Wolfgang
							von</name>
					</author>
					<editor>
						<name type="person" subtype="edt" ref="gnd:116929944">Morris, Max</name>
					</editor>
					<title level="m" type="main" xml:lang="ger">Briefe</title>
					<title level="m" type="sub">Januar - Juli 1827</title>
					<title level="s" type="main" xml:lang="ger">Goethes
						Werke herausgegeben im Auftrage der Großherzogin
						Sophie von Sachsen ; Vierte Abteilung</title>
					<biblScope unit="volume" n="42">42. Band</biblScope>
					<pubPlace>
						<name type="place" subtype="pup" ref="gnd:4065105-8">Weimar</name>
					</pubPlace>
					<publisher>Hermann Böhlaus Nachfolger</publisher>
					<date type="pub" when="1907">1907</date>
					<biblScope unit="page" from="166" to="169">S.
						166-169</biblScope>
				</bibl>
				<listBibl>
					<bibl>
						<relatedItem type="print">
							<bibl><ref target="https://textgridlab.org/1.0/tgcrud-public/rest/textgrid:3zhh6/data#page=404">LA II 5B/2</ref>, S. 1251-1253, Z 3. Mai
								1827. Goethe an von Buttel</bibl>
						</relatedItem>
						<relatedItem type="letter" subtype="related">
							<ref target="Z_1827-04-18_k">18. April 1827. von Buttel an Goethe</ref>
						</relatedItem>
					</bibl>
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			<projectDesc>
				<p>Volltexte und TEI-Kodierung für das Projekt
					„Wirkungsgeschichte von Goethes Werk ‚Zur Farbenlehre‘
					in Berlin 1810-1832“</p>
			</projectDesc>
			<editorialDecl>
				<correction method="markup">
					<p>Sämtliche für das Verständnis des Textes
						erforderlichen Herausgeberkorrekturen werden über
							<gi>choice</gi> in die Texte eingearbeitet.
						Innerhalb von <gi>choice</gi> steht der korrigierte
						Wert in <tag>corr type="corrigenda"</tag> und der zu
						korrigierende Wert in <tag>orig</tag>.</p>
				</correction>
				<normalization method="silent">
					<p>Die folgenden Aspekte der Vorlage werden nicht
						erfasst:</p>
					<p>Rezente archivalische Vermerke, Zählungen usw.</p>
				</normalization>
				<normalization method="silent">
					<p>Sogenannte Suspensionsschlingen als Zeichen der
						Abkürzung werden durch einen Schlusspunkt als
						allgemeines Abkürzungszeichen ersetzt.</p>
				</normalization>
				<normalization method="silent">
					<p>Ligaturen werden aufgelöst.</p>
				</normalization>
				<normalization method="markup">
					<p>Textbereiche in einer von der Grundschrift
						abweichenden Schriftart werden als <tag>hi
							rendition="simple:italic"</tag>
						ausgezeichnet.</p>
				</normalization>
				<hyphenation eol="all">
					<p>Worttrennungen an Zeilenumbrüchen (weiche
						Zeilentrennungen) werden durch ein einfaches
						Bindestrich-Minus (002D) angezeigt.</p>
					<p>Erstreckt sich die Worttrennung über einen
						Seitenumbruch steht das Element <gi>pb</gi> direkt
						hinter dem schließenden <tag>lb</tag></p>
				</hyphenation>
			</editorialDecl>
			<tagsDecl>
				<rendition xml:id="no_indent" scheme="css">text-indent:
					none;</rendition>
				<rendition xml:id="indent-1" scheme="css">text-indent:
					-1em;</rendition>
				<rendition xml:id="indent" scheme="css">text-indent:
					1em;</rendition>
				<rendition xml:id="l2em" scheme="css">margin-left:
					2em;</rendition>
				<rendition xml:id="l3em" scheme="css">margin-left:
					3em;</rendition>
				<namespace name="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
					<tagUsage gi="pb">Trägt obligatorisch die folgenden
						Attribute: <att>n</att> gibt die Originalseite der
						Vorlage wieder (bei Blattzählung die Zahl mit dem
						Zusatz "r" [recto] bzw. "v" [verso]);
							<att>facs</att> ruft die Faksimiledatei auf,
							<att>xml:id</att> bildet für Seitenverweise eine
						ID aus dem Wert von <att>n</att>.</tagUsage>
				</namespace>
			</tagsDecl>
			<refsDecl>
				<p>Element <gi>pb</gi>: Für das Attribut <att>n</att> sind
					neben Seitenzahlen weitere zugelassene Werte
					definiert.</p>
			</refsDecl>
			<listPrefixDef>
				<prefixDef ident="gnd" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://d-nb.info/gnd/#$1">
					<p>Projektinterne URIs mit dem Präfix "gnd" können
						umgewandelt werden, damit sie auf einen Eintrag der
							<ref target="http://d-nb.info">Gemeinsamen
							Normdatei (GND)</ref> der Deutschen
						Nationalbibliothek zeigen.</p>
				</prefixDef>
			</listPrefixDef>
		</encodingDesc>
		<profileDesc>
			<langUsage>
				<language ident="ger"/>
			</langUsage>
			<textClass>
				<keywords scheme="#gnd">
					<term ref="gnd:4008240-4">Brief</term>
					<term ref="gnd:119044056">Buttel, Christian Diedrich
						von</term>
					<term ref="gnd:118547739">Hegel, Georg Wilhelm
						Friedrich</term>
					<term ref="gnd:100162878">Henning, Leopold von</term>
				</keywords>
				<keywords scheme="free">
					<term>Druck</term>
				</keywords>
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		<!-- X -->
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			<change when="2021-03-03" who="AK">Header</change>
			<change when="2021-03-24" who="AK">Text eingefügt</change>
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	<text xml:id="Z_1827-05-03_c" xml:lang="ger">
		<body>
			<div>
				<!-- TEI-tags für Gedichte nicht implementiert -->
				<pb n="166"/>
				<p>Wie sehr mich Ihre Zuschrift gefreut und tief gerührt
					habe, will ich eilig vermelden. Mußt es mich nicht
					überraschen, zur Zeit da in meiner nächsten Nähe der
					alte Schulplunder noch auf dem academischen Trödelmarkt
					feil geboten wird, von der <hi rendition="simple:italic">ultima Thule</hi> her ein
					so frisches Lebenszeichen zu vernehmen? Lieblicher hat
					mir lange nichts geklungen als Ihre Worte:
					"Hauptsächlich in der Lehre vom Trüben, diesem
					Brautbette gleichsam, worin sich <name type="object" ref="gnd:4035596-2">Licht</name> und Finsterniß
					hochzeitlich zur <name type="object" ref="gnd:4016443-3">Farbe</name> vermählen, weilen, wohnen und
					erfreuen. Das <name type="object" ref="gnd:4035596-2">Licht</name> bleibt dabey jungfräulich rein,
					wird nicht in sich selbst getrübt oder gezwiespaltet -
					so wenig wie die Finsterniß sich zu etwas anderem <hi rendition="simple:letterspace"> als sich selbst
						aufschlösse</hi>. Beide bleiben in ihrer
					ursprünglichen Reinheit und nur das<pb n="167"/>Mittel
					ist es, das sie trübt und verbindet. Nehmen Sie zum
					Dank dagegen wenige Reimzeilen:</p>
				<p>Wann der Blick an heitern Tagen<lb/>Sich zur
					Himmelsbläue lenkt,<lb/>Bey'm <name type="object" ref="gnd:4179636-6">Siroc</name> der
					Sonnenwagen<lb/>Purpurroth sich niedersenkt,<lb/>Da
					gebt der Natur die Ehre,<lb/>Froh, an <name type="object" ref="gnd:4122841-8">Aug'</name> und Herz
					gesund,<lb/>Und erkennt der <name type="object" ref="gnd:4113517-9">Farbenlehre</name><lb/>Allgemeinen
					ew'gen Grund.</p>
				<p>Ich brauche nicht zu sagen: halten Sie fest daran; es
					hält Sie fest, Sie werden nicht loskommen.</p>
				<p>Sodann wenn Sie bemerken, daß der prismatische Fall,
					besonders der objective, nicht ganz befriedigend aus
					jenen Anfängen abgeleitet sey, so gebe ich es gerne zu
					und eröffne nur soviel im allgemeinsten: wie ein reines
					Anschauen uns vollkommen überzeugt und beruhigt, so
					bedienen wir uns der <hi rendition="simple:letterspace">Analogie</hi>, um uns selbst und andere einstweilen
					zu überreden und zu beschwichtigen. Ferner ist ein
					Urphänomen nicht einem Grund<hi rendition="simple:letterspace">satz</hi>
					gleichzuachten, <hi rendition="simple:letterspace">aus</hi> dem sich mannichfaltige Folgen ergeben,
					sondern anzusehen als eine Grund<hi rendition="simple:letterspace">erscheinung</hi>, <hi rendition="simple:letterspace">innerhalb</hi> deren
					das Mannichfaltige anzuschauen ist. Schauen, wissen,
					ahnen, glauben und wie die Fühlhörner alle heißen, mit
					denen der Mensch in's Universum tastet, müssen denn doch
					eigentlich zusammenwirken, wenn wir unsern wichtigen,
					obgleich schweren Beruf erfüllen wollen.</p>
				<pb n="168"/>
				<p>Mehr kann ich für dießmal nicht sagen, denn die
					Herausgabe meiner Werke legt dem schon Verpflichteten
					vielfache Pflichten auf. Ich habe mich in dem
					sittlich-ästhetischen Kunstkreise beschränkt zu
					erhalten und darf gegen das große Naturleben meine
					Blicke nicht hinwenden, in Furcht gleich abgelenkt zu
					werden. Und doch kann ich diesen Betrachtungen niemals
					entgehen. Wie manche Stunde der, seit dem Abdruck
					meines Versuchs der <name type="object" ref="gnd:4113517-9">Farbenlehre</name> verflossenen siebenzehn
					Jahre habe ich mich nicht den unerschöpflichen Reizen
					einer ewigen Natur hingegeben. Auch Sie fahren gewiß
					fort in dem löblichen Bemühen, die nie veraltende
					Mutter zu verstehen und zu verkünden, wo sie sich
					offenbart, sie zu ahnen, wo sie sich verbergen will
					und, trotz aller Hindernisse, nach Maaßgabe der Kräfte
					und des Glücks dieselbe sich und den Ihrigen zu
					enthüllen. Manches ist dem Menschen zugängig, manches
					nicht; einiges erreichbar auf diese, anderes auf jene
					Weise. - Und somit dem geübten Denker für dießmal
					genug. Erregen Sie mich durch fernere Mittheilung! So
					freundlich genöthigt begebe ich mich wohl gerne wieder
					auf den alten Pfad, mich umzuschauen, wo mir und andern
					Probleme liegen geblieben. ...</p>
			</div>
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</TEI>