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			<titleStmt>
				<title type="short">16. November 1815. Goethe an
					Schopenhauer</title>
				<title type="desc"><name type="place" ref="gnd:4065105-8">Weimar</name>. <date type="orn" when="1815-11-16" sameAs="thursday">Donnerstag, 16. November
						1815</date>. Brief an <name type="person" subtype="rcp" ref="gnd:118610465">Schopenhauer,
						Arthur</name>.<lb/>
				</title>
				<author><name type="person" subtype="aut" ref="gnd:118540238">Goethe, Johann Wolfgang
						von</name></author>
				<editor>Projekt „Wirkungsgeschichte von Goethes Werk ‚Zur
					Farbenlehre‘ in Berlin 1810-1832“</editor>
				<funder><name type="org" subtype="fnd" ref="gnd:2021825-4">Schweizerischer Nationalfonds</name></funder>
				<funder><name type="org" subtype="fnd" ref="gnd:2007744-0">Deutsche Forschungsgemeinschaft</name></funder>
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				<edition>Goethes Farbenlehre in Berlin.
					Repositorium</edition>
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					<resp>Transkription</resp>
					<name type="person" subtype="trc" ref="gnd:112790542">Nickol, Thomas</name>
					<name type="person" subtype="trc" ref="gnd:172196361">Krayer, Albert</name>
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					<resp>Kollationierung</resp>
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					<resp>TEI-Kodierung</resp>
					<name type="person" subtype="dtc" ref="gnd:112790542">Nickol, Thomas</name>
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					<name type="person" subtype="dtc" ref="gnd:1224431839">Hölscher, Steffen</name>
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					<resp>Kommentar</resp>
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					<name type="person" subtype="wac" ref="gnd:172196361">Krayer, Albert</name>
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					<name type="org" subtype="pbl" ref="gnd:2020450-4">Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek
						Göttingen</name>
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					<licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/legalcode">CC-BY-NC-SA-4.0</licence>
					<p>Editionstext kann unter der Lizenz „Creative Commons
						Attribution Non Commercial Share Alike 4.0
						International“ genutzt werden.</p>
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				<pubPlace><name type="place" subtype="pup" ref="gnd:4021477-1">Göttingen</name></pubPlace>
				<date type="pub" when="2021">2021</date>
			<idno type="TextGrid">textgrid:40jvk</idno></publicationStmt>
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				<bibl>
					<author>
						<name type="person" subtype="aut" ref="gnd:118540238">Goethe, Johann Wolfgang
							von</name>
					</author>
					<editor>
						<name type="person" subtype="edt" ref="gnd:116293039">Alt, Carl</name>
					</editor>
					<title level="m" type="main" xml:lang="ger">Briefe</title>
					<title level="m" type="sub">24. Mai 1815 - 30. April
						1816</title>
					<title level="s" type="main" xml:lang="ger">Goethes
						Werke herausgegeben im Auftrage der Großherzogin
						Sophie von Sachsen ; IV. Abteilung</title>
					<biblScope unit="volume" n="26">26. Band</biblScope>
					<pubPlace>
						<name type="place" subtype="pup" ref="gnd:4065105-8">Weimar</name>
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					<publisher>Hermann Böhlaus Nachfolger</publisher>
					<date type="pub" when="1902">1902</date>
					<biblScope unit="page" from="153" to="157">S.
						153-157</biblScope>
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					<bibl>
						<relatedItem type="print">
							<bibl><ref target="https://textgridlab.org/1.0/tgcrud-public/rest/textgrid:3zhh5/data#page=757">LA II 5B/1</ref>, S. 643-645, Z 16. November
								1815. Goethe an Schopenhauer</bibl>
						</relatedItem>
						<relatedItem type="letter" subtype="related">
							<ref target="Z_1815-11-11_k.xml">11. November 1815. Schopenhauer an
								Goethe</ref>
						</relatedItem>
						<relatedItem type="letter" subtype="response">
							<ref target="Z_1816-01-23_r.xml">23. Januar 1816. Schopenhauer an Goethe</ref>
						</relatedItem>
					</bibl>
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			<projectDesc>
				<p>Volltexte und TEI-Kodierung für das Projekt
					„Wirkungsgeschichte von Goethes Werk ‚Zur Farbenlehre‘
					in Berlin 1810-1832“</p>
			</projectDesc>
			<editorialDecl>
				<correction method="markup">
					<p>Sämtliche für das Verständnis des Textes
						erforderlichen Herausgeberkorrekturen werden über
							<gi>choice</gi> in die Texte eingearbeitet.
						Innerhalb von <gi>choice</gi> steht der korrigierte
						Wert in <tag>corr type="corrigenda"</tag> und der zu
						korrigierende Wert in <tag>orig</tag>.</p>
				</correction>
				<normalization method="silent">
					<p>Die folgenden Aspekte der Vorlage werden nicht
						erfasst:</p>
					<p>Rezente archivalische Vermerke, Zählungen usw.</p>
				</normalization>
				<normalization method="silent">
					<p>Sogenannte Suspensionsschlingen als Zeichen der
						Abkürzung werden durch einen Schlusspunkt als
						allgemeines Abkürzungszeichen ersetzt.</p>
				</normalization>
				<normalization method="silent">
					<p>Ligaturen werden aufgelöst.</p>
				</normalization>
				<normalization method="markup">
					<p>Textbereiche in einer von der Grundschrift
						abweichenden Schriftart werden als <tag>hi
							rendition="simple:italic"</tag>
						ausgezeichnet.</p>
				</normalization>
				<hyphenation eol="all">
					<p>Worttrennungen an Zeilenumbrüchen (weiche
						Zeilentrennungen) werden durch ein einfaches
						Bindestrich-Minus (002D) angezeigt.</p>
					<p>Erstreckt sich die Worttrennung über einen
						Seitenumbruch steht das Element <gi>pb</gi> direkt
						hinter dem schließenden <tag>lb</tag></p>
				</hyphenation>
			</editorialDecl>
			<tagsDecl>
				<rendition xml:id="no_indent" scheme="css">text-indent:
					none;</rendition>
				<rendition xml:id="indent-1" scheme="css">text-indent:
					-1em;</rendition>
				<rendition xml:id="indent" scheme="css">text-indent:
					1em;</rendition>
				<rendition xml:id="l2em" scheme="css">margin-left:
					2em;</rendition>
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					3em;</rendition>
				<namespace name="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
					<tagUsage gi="pb">Trägt obligatorisch die folgenden
						Attribute: <att>n</att> gibt die Originalseite der
						Vorlage wieder (bei Blattzählung die Zahl mit dem
						Zusatz "r" [recto] bzw. "v" [verso]);
							<att>facs</att> ruft die Faksimiledatei auf,
							<att>xml:id</att> bildet für Seitenverweise eine
						ID aus dem Wert von <att>n</att>.</tagUsage>
				</namespace>
			</tagsDecl>
			<refsDecl>
				<p>Element <gi>pb</gi>: Für das Attribut <att>n</att> sind
					neben Seitenzahlen weitere zugelassene Werte
					definiert.</p>
			</refsDecl>
			<listPrefixDef>
				<prefixDef ident="gnd" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://d-nb.info/gnd/#$1">
					<p>Projektinterne URIs mit dem Präfix "gnd" können
						umgewandelt werden, damit sie auf einen Eintrag der
							<ref target="http://d-nb.info">Gemeinsamen
							Normdatei (GND)</ref> der Deutschen
						Nationalbibliothek zeigen.</p>
				</prefixDef>
			</listPrefixDef>
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			<langUsage>
				<language ident="ger"/>
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			<textClass>
				<keywords scheme="#gnd">
					<term ref="gnd:4008240-4">Brief</term>
					<term ref="gnd:118610465">Schopenhauer, Arthur</term>
				</keywords>
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					<term>Druck</term>
				</keywords>
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			<change when="2021-02-19" who="AK">Datei angelegt</change>
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			<change when="2021-03-11" who="AK">Text eingefügt</change>
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			<div>
				<pb n="153"/>
				<p>Gar sehr, mein <rs type="person" ref="gnd:118610465">Werthester</rs>, bin ich Ihnen dankbar, daß
					Sie durch Ihr freundliches und ausführliches Schreiben
					die Entfernung, die uns trennt, so glücklich aufheben
					wollen. Ich kann dasselbe nur theilweise erwidern und
					beruhige Sie daher vor allem<pb n="154"/>über die
					Frage: ob jemand Ihre Abhandlung gesehen? und ich kann
					aufrichtig sagen: niemand! Doctor <name type="person" ref="gnd:117654698">Seebeck</name> besuchte mich
					auf dem Lande, wo ich Ihre Arbeit nicht bey mir hatte,
					ich dachte wohl daran, allein traute mir nicht genug
					Sammlung zu, um aus dem Gedächtnisse den gehörigen
					Vortrag zu machen; sodann auch, weil uns nur kurze Zeit
					verliehen war, wollte ich <name type="person" ref="gnd:117654698">Seebeck</name> in seiner Darstellung
					der Phänomene und deren Erläuterung nicht unterbrechen,
					welche sämmtlich zu der Abtheilung der physischen
					<name type="object" ref="gnd:4016443-3">Farben</name> gehören. Ferner hinderte mich der Zweifel, ob es
					Ihnen auch angenehm seyn könnte?</p>
				<p>Wenn ich nun aber den Wunsch äußerte, Sie mit <name type="person" ref="gnd:117654698">Seebeck</name>
					in Rapport zu setzen, so gründete er sich darauf, daß
					ich meinen Freund auch für die physiologische
					Abtheilung und für das Allgemeine, Theoretische zu
					interessiren hoffte. Nun, da Sie es ablehnen, werde ich
					nicht weiter darauf bestehen.</p>
				<p>So weit für dießmal, damit wenigstens meine Ansicht des
					Violetten diesen Brief begleiten könne. Zunächst habe
					sodann mich zu erklären über meine unüberwindliche
					Abneigung, auch nur den mindesten öffentlichen Antheil
					an dem Streite über die <name type="object" ref="gnd:4113517-9">Farbenlehre</name> gegenwärtig zu
					nehmen, sodann aber glaube ich Ihnen schuldig zu seyn,
					über Ihre Arbeit selbst, welche ich wieder mit
					Aufmerksamkeit betrachtet, meine Ansichten zu eröffnen.
					Wer selbst geneigt ist, die Welt aus dem Subject zu
					erbauen, wird die Be-<pb n="155"/>trachtung nicht
					ablehnen, daß das Subject, in der Erscheinung, immer
					nur Individuum ist, und daher eines gewissen Antheils
					von Wahrheit und Irrtum bedarf, um seine
					Eigentümlichkeit zu erhalten. Nichts aber trennt die
					Menschen mehr als daß die Portionen dieser beyden
					Ingredienzien nach verschiedenen Proportionen gemischt
					sind.</p>
				<p><hi rendition="simple:centre">(<hi rendition="simple:italic">Beilage</hi>.)</hi></p>
				<p>In meiner Vorstellung vom <hi rendition="simple:letterspace">Violetten</hi>
					bestärken mich folgende Gründe.</p>
				<p>1) Auf <name type="person" ref="gnd:118804790">Saussures</name> <name type="object" ref="gnd:7753452-9">Kyanometer</name> wird das allerdunkelste
					Blau Königsblau genannt, welches ohne ein <hi rendition="simple:italic">Oeil de rouge</hi> nicht
					denkbar ist. Diesen röthlichen Schein möchte ich nun für
					das Violette halten, welches sich in der feinsten Trübe
					auf dem entschiedensten Dunklen zeigt. Auf so hohe
					Berge, um das Phänomen selbst zu beobachten, bin ich
					nie gekommen.</p>
				<p>2) Man bereite ein ganz finsteres Zimmer, in dessen
					Thüre eine weiße Blechtafel mit scharfgeränderter
					Öffnung angebracht ist, man betrachte diese von außen
					und der leere Raum wird als ein schwarzer Gegenstand
					auf weißem Grund erscheinen. Diesen sehe man durchs
					<name type="object" ref="gnd:4354287-6">Prisma</name> an und das schönste Violett wird sichtbar
					werden, ohne daß denkbar sei, das finstere Zimmer werfe
					irgend <name type="object" ref="gnd:4035596-2">Licht</name> zurück.</p>
				<p>3) Besitze ich unter meinem <name type="object">Apparat</name> eine gemahlte
					Fensterscheibe, auf welche, an gewissen Stellen, die<pb n="156"/>feinste Trübe leicht aufgetragen ist, die
					bey durchfallendem <name type="object" ref="gnd:4035596-2">Lichte</name> ein vollkommenes Hellgelb,
					bey durchwirkender Finsternis aber das herrlichste
					Violett sehen läßt. Man mag diesen Versuch vor einem
					schwarzen Hute oder vor jener finstern Öffnung des
					bemeldeten Zimmers anstellen.</p>
				<p>Was die Herstellung des Weißen aus verschiedenen Farben
					betrifft, so kann ich mir sie auch nicht zueignen. Das
					gewaltsam wirkende <name type="object" ref="gnd:4139254-1">Sonnenlicht</name> hebt das Skieron der
					<name type="object" ref="gnd:4016443-3">Farbe</name> für unsere Sinne auf. Dieses Finstere mag nun
					einfach als gelb und blau oder gesteigert, verbunden
					und zusammengesetzt, oder auch durcheinander gemischt
					seyn.</p>
				<p>Ich trat in eine nachgeahmte gothische Capelle, die
					Fensterscheiben waren sämmtlich von buntem böhmischen
					Glas, und ich konnte bemerken, daß die <name type="object" ref="gnd:4055562-8">Sonne</name>, sie
					mochte durch eine Scheibe, durch welche sie wollte, in
					mein <name type="object" ref="gnd:4122841-8">Auge</name> kommen, mir immer farblos, nur etwas weniges
					gedämpft erschien.</p>
				<p>Man bilde aus den reinsten drey <name type="object" ref="gnd:4132245-9">Pigmenten</name>, Gelb, Blau
					und Roth, eine kleine Portion Schwarz, und mische diese
					in eine große Wanne Wasser, man wird dieser nichts
					anmerken, aber doch auch nicht behaupten, daß es
					dadurch klarer geworden sei.</p>
				<p>Bey sinnlichen Dingen gibt es eine Gränze, wo sie uns
					verschwinden, und sowohl bey Erfahrung als bey Urtheil
					sind wir hier an der gefährlichsten Stelle.</p>
				<pb n="157"/>
				<p>Was die Herstellung des Weißen aus der Herstellung der
					getheilten Augesthätigkeit betrifft, nächstens</p>
			</div>
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	</text>
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