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            <title>Ponce de Leon</title>
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               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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                              Entstanden 1801, Erstdruck: Göttingen (Dieterich) 1804. Uraufführung am 18.2.1814, Wien.
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                  <title>Clemens Brentano: Werke. Herausgegeben von Friedhelm Kemp, Band 1–4, München: Hanser, [1963–1968].</title>
                  <author key="pnd:118515055">Brentano, Clemens</author>
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                  <pubPlace>München</pubPlace>
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                              <p rend="zenoPR" xml:id="tg312.2.3">
                                 <seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg312.2.3.1">Seiner Durchlaucht</seg>
                              </p>
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                                 <seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg312.2.4.1">dem Herzoge von Aremberg</seg>
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                              <p rend="zenoPLm20n0" xml:id="tg312.2.6">Mein gnädigster Herr</p>
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                              <p xml:id="tg312.2.8">Cervantes führt in der Zuschrift seiner Novellen die Fehler an, welche in den Zuschriften der meisten Schriftsteller gefunden werden; indem ich diese Fehler zu vermeiden suchte, machte ich die Entdeckung eines ganz neuen, und nehme mir die Freiheit, Ihnen denselben seiner Ungemeinheit wegen mitzuteilen. Es ist nämlich der Fehler, jemanden ein Buch in einer Sprache, deren er nicht ganz mächtig ist, zuzuschreiben; doch, damit Sie mich nicht einer listigen Bescheidenheit beschuldigen können, indem ich das nur entdeckt zu haben vorgebe, dessen ich mich in diesen Zeilen selbst als Erfinder rühmen könnte, so nehme ich mir die Freiheit, Ihnen die Erlaubnis in das Gedächtnis zurückzurufen, welche Sie mir hierzu selbst erteilten. Als ich das letzte Mal die Ehre Ihrer Unterhaltung genoß, gaben Sie mir nämlich die Freiheit, mich in teutscher Sprache ausdrücken zu dürfen, sobald ich etwas zu sagen hätte, was ich nicht in französischer Sprache denken könne, und was mir allein eigen sei; in Rücksicht auf diese Erlaubnis allein wage ich es, Ihnen dieses Lustspiel zu überreichen, welches ich nicht in französischer Sprache denken konnte, und welches mir allein eigen war, bis auf diesen Augenblick, da ich so kühn bin, Ihnen ein Geschenk damit zu machen. Auch erinnere ich mich Ihrer Äußerung, daß den Teutschen Gewandtheit der Sprache und das Wortspiel fehle; ich war damals Ihrer Meinung entgegen und bin es noch; doch mit dem Verdruß, daß meine Arbeit, die Ihnen vielleicht ein Beweis für meine Behauptung <pb n="129" xml:id="tg312.2.8.1"/>
werden könnte, eben durch ihre Anlage dazu an Unverständlichkeit für Sie zunehmen dürfte. Ich unterstehe mich daher nur, Sie durch diese Zeilen versichern zu wollen, daß Ihr gütiges Interesse an mir immer einer der rührendsten Gewinne meines Lebens sein wird, und daß ich jene unter meinen künftigen Arbeiten vorzüglich lieben werde, die würdig sein dürfte, ein angenehmer Gegenstand Ihrer stillen Betrachtungen zu werden.</p>
                              <p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg312.2.9">So nehmen Sie gütig nachfolgende Blätter als einen Beweis, daß ich Ihnen gern mit dem Meinigen ein Vergnügen zu machen wünschte, denn sie enthalten zu wenig, um Ihnen als Beweis der Ehrfurcht übergeben zu werden.</p>
                              <lb xml:id="tg312.2.10"/>
                              <p rend="zenoPR" xml:id="tg312.2.11">Ihr untertänigster Diener,</p>
                              <p rend="zenoPR" xml:id="tg312.2.12">
                                 <hi rend="italic" xml:id="tg312.2.12.1">(Clemens Brentano)</hi>
                              </p>
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                              <head type="h4" xml:id="tg313.2.1">Vorerinnerung</head>

                              <p xml:id="tg313.2.2">Dieses Lustspiel, welches im Sommer 1801 geschrieben ist, war durch einen Zufall während vierzehn Monaten außer meinen Händen. Da ich es nun wieder besitze, finde ich freilich meine Ansicht von dem, was ein Lustspiel überhaupt sein soll, sehr verändert; dennoch glaube ich, ohne den Vorwurf der Unbescheidenheit zu verdienen, einige Worte über meine damalige Absicht beifügen zu dürfen, und zwar um so mehr, da ich mich umsonst nach seiner Gattung umgesehen habe und beinahe fürchte, daß es allein stehen werde, was ich ihm jedoch, sollte es nicht meiner Unbelesenheit zugeschrieben werden können, keineswegs zum Verdienst anrechne. Ich strebte damals, das Komische und Edlere hauptsächlich in dem Mutwill unabhängiger, fröhlicher Menschen zu vereinigen, und um diesen Mutwill als Element in ihnen vorauszusetzen, habe ich ihre Sprache durchaus frei und mit sich selbst in jeder Hinsicht spielend gehalten. Ich hatte kein Muster vor mir als die Fröhlichkeit meines eigenen Herzens und der Freunde, deren es sich gern erfreut, und da ich mich nur erinnere, im Schauspielhause gelacht zu haben, wenn mich das Edle, Rührende oder Tragische als Parodie und das Komische als Unfähigkeit berührte, so wagte ich nicht, mein sehr einsames Lachen als ein Merkmal anzunehmen, dann ein Lustspiel geschrieben zu haben, wenn das, worüber ich lachen konnte, mir zum Muster geworden wäre. Wie weit wir aber von dem Komischen entfernt sind, ist mir vor einiger Zeit auf eine Art deutlich geworden, die für mich mit der ganz neuen Empfindung des tragischen Schreckens begleitet war. Ich sah nämlich die Aufführung des Axurs durch eine vorzügliche Truppe, und freute mich besonders auf das Zwischenspiel der komischen Masken. Meine Erwartung war um so gespannter, da ich den Bouffon der Gesellschaft als einen in seiner Abart sehr geschickten, ja oft frechen Spaßmacher kannte.</p>
                              <p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg313.2.3">Aber wie fand ich mich getäuscht; der selige Harlekin tat vor meinen Augen ein Mirakel, und bestätigte meinen Glauben, daß er nicht gänzlich aus der Zahl der heiligen<ref type="noteAnchor" target="#tg313.2.11">
                                    <anchor xml:id="tg313.2.3.1" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/Vorerinnerung#Fußnote_1"/>
                                    <ptr cRef="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/Vorerinnerung#Fußnoten_1"/>
                                    <hi rend="superscript" xml:id="tg313.2.3.2.1">1</hi>
                                 </ref> Märtyrer zu verwerfen <pb n="131" xml:id="tg313.2.3.3"/>
sei. Kaum hatte der profane Bouffon den freudigen bunten Ornat St. Harlekins angelegt, als ihn eine außerordentliche Traurigkeit überfiel, seine tölpelhafte Beweglichkeit erstarrte, er fühlte Blei an Händen und Füßen: er, der sich sonst in der Genügsamkeit seiner Gönner für einen Gott hielt, bekam zum ersten Mal atheistische Zweifel an dem Dasein eines Publikums, und stand als ein gräßliches Beispiel der Strafe des Himmels, ein wahrer Gegenstand christlichen Mitleids, vor den Augen aller frommen Zuschauer. So war die Geschichte dieses merkwürdigen Mirakels, welche ich allen Bouffons als warnendes Beispiel zur Bekehrung hierhersetze.</p>
                              <p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg313.2.4">Aus der oben angeführten Ansicht entstand nun vorliegendes Lustspiel, ich zweifle gänzlich, daß es etwas Komisches enthalte, da mir bis jetzt das Komische nicht vor Augen gekommen ist und ich daher mit einigem Recht vermuten darf, das Komische müsse entweder unsrer edlen Zeit nicht würdig oder unsre edle Zeit das Komische selbst sein. Ich möchte beinahe das Letztere fürchten; da in diesen Zeiten die Künste und besonders die dramatische nützlich dazu angehalten werden, unsre Begierden nach allem, was uns fehlt, nach Häuslichkeit und andern guten Eigenschaften, durch schlechte Schilderung dieser Bedürfnisse zu trösten, so müssen wir selbst von dem Komischen im höchsten Grade durchdrungen sein, weil wir es von der Kunst nicht verlangen, wir müssen selbst der einzige Gegenstand des Komischen sein, weil es unser Gegenstand nicht mehr sein zu dürfen scheint. Das Komische wäre auf diese Weise nur noch im Zuschauer zu finden, und diesen auf das Theater zu bringen, würde ihm selbst wohl nicht gefallen, da er seinen ernsthaften Platz unten bezahlt hat, damit er oben spielen sehe, und auch nach neuen Erfahrungen die Dinge, wie sie sein sollen, zu hoch schätzt, um sich an einem Dinge, wie er selbst eines ist, nicht zu ärgern. Der fromme Mann also, welcher in der Bitte um das tägliche Brot Gott auch um das Komische bittet und für beides am Abend danken kann, ist nur jener Gesegnete, der sich den Zuschauer und das Schauspiel zusammen nimmt, um über beide zu lachen. Ich wage es nicht, mich solcher Gaben zu rühmen, und sähe es daher für das einzige Mittel an, dem Komischen wieder auf die Bühne zu helfen, wenn man nach <pb n="132" xml:id="tg313.2.4.1"/>
und nach das im Zuschauer gebundene Komische zu befreien und der Tugend von dem Theater wieder in die honetten Familien zu helfen suchte. Das erstere wäre eine Aufgabe für Dichter, an dem letztern arbeiteten die Moraltheologen längst, doch vergebens; denn das Ganze muß, wie die Einrichtung eines verschobenen Gelenks durch einen geschickten Wundarzt, auf einen Ruck vor sich gehen, weil, solange die Tugend auf der Bühne sich aufhält, der Moraltheologe im Parterre sitzt und also selbst komisch ist. Um so mehr wäre jene Auswechselung zu wünschen, da man durch Erfahrung übereingekommen zu sein scheint, die Tugend bei dem Schauspieler nicht suchen und bei dem Bürger kaum finden zu dürfen; aber so wohlfeil jener auch die Tugend hergeben würde, so sehr wäre zu fürchten, der Zuschauer möge seine Untugend in einem für die geringe Gage des Schauspielers zu hohen Preise halten, besonders da er sich damit schmeichelt, alles, was er bis jetzt hinter den Lichtern gesehen, ziemlich unecht und abgenutzt gefunden zu haben, wie er auch wohl weiß, daß das Sprüchwort:<hi rend="spaced" xml:id="tg313.2.4.2"> hinter das Licht geführt werden,</hi> daher abzuleiten ist. Doch hier kann der unparteiische Richter ihm nicht ganz recht geben, weil uns der Gesichtspunkt verloren gegangen ist, aus welchem wir bestimmen könnten, ob der Schauspieler oder der Zuschauer hinter dem Lichte stehe; so viel ist aber gewiß, daß der Souffleur auf dem Indifferenzpunkte sitzt, und daß nur der das Komische dieser Unentschiedenheit belachen kann, der über den Schauspieler und den Zuschauer zugleich lacht. – Da es, wie gesagt, meine Absicht bei diesem Lustspiele war, das Lustige in dem Mutwill schöner Menschen zu schildern, ich dies sogar in einigen häuslichen Szenen so zu zeichnen gesucht und das für den Leser so anzügliche Komische ganz unterlassen habe, so wird er das Ganze, wenngleich etwas fremdartig, doch nicht für seinen Geschmack beleidigend finden. Ich sprach hier von dem Leser, und nicht von dem Zuschauer, da ich fürchte, die Aufführung, sollte sie irgend ein Theater wagen, werde nicht ganz gelingen; um so mehr, da dies Schauspiel bei der Art seiner Sprache durch die Beschneidung einer fremden Hand das elendeste Bruchstück werden müßte. Ich denke mit Zittern an die Leseproben einer Schauspieler-Gesellschaft, denen ich in der letzten Zeit <pb n="133" xml:id="tg313.2.4.3"/>
oft beiwohnte; der Directeur und Bouffon hielten dicke Rötelstifte in der Hand, und strichen die Schauspiele durch; der erste nannte es edler – Zusammenstreichen, der zweite richtiger – Umarbeiten. Wenn ich es jenen Werken etwas gönnte und daher meine Schadenfreude eine ähnliche Strafe verdienen möchte, so erbiete ich mich hier, doch dies Lustspiel auf Begehren irgend eines Theaters für die Aufführung selbst <hi rend="spaced" xml:id="tg313.2.4.4">zusammenzustreichen</hi> oder <hi rend="spaced" xml:id="tg313.2.4.5">umzuarbeiten.</hi>
                              </p>
                              <lb xml:id="tg313.2.5"/>
                              <p rend="zenoPC" xml:id="tg313.2.6">Marburg, im Januar 1803</p>
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                              <pb n="134" xml:id="tg313.2.8"/>
                              
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                              <head type="h4" xml:id="tg313.2.10">Fußnoten</head>

                              <note xml:id="tg313.2.11.note" target="#tg313.2.3.1">
                                 <p xml:id="tg313.2.11">
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                                    <ref cRef="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/Vorerinnerung#Fußnote_1" xml:id="tg313.2.11.2">1</ref> Er wurde, wie bekannt, in der Christenverfolgung unter Gottscheds Regierung zu Leipzig durch die Räuberin auf dem Theater verbrannt.</p>
                              </note>
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                        </div>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.2">Don Sarmiento, Obrister bei der Armee in den Niederlanden</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.4">Don Felix, sein Sohn in Sevilla</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.6">Isidora,</castItem>
                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.7">Melanie, seine Töchter auf seinem Gut, drei Stunden von Sevilla</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.9">Juanna, seine Schwester, ihre Aufseherin</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.11">Don Gabriel Ponce de Leon,</castItem>
                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.12">Fernand de Aquilar, junge Edelleute in Sevilla, Felix' Freunde</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.14">Valerio de Campaceo, armer Bürger in Sevilla</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.16">Valeria, seine Tochter</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.18">Porporino, sein Findelsohn</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.20">Isabella, in Saragossa adelige Witwe</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.22">Lucilla, ihre Tochter in Sevilla bei ihrer Tante, Felix' Geliebte</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.24">Perez, Hausmeister auf dem Gute Sarmientos</castItem>
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                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.26">Alonso, Schulmeister</castItem>
                                    <lb xml:id="tg314.2.27"/>
                                    <castItem rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg314.2.28">Ein Pfeifer, ein Geiger, mehrere Musikanten, Diener</castItem>
                                    <lb xml:id="tg314.2.29"/>
                                 </castGroup>
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                        </div>
                     </div>
                     <div subtype="work:no" type="act" xml:id="tg315" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt">
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                              <title>1. Akt</title>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg316" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/1. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>1. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg316.2.1">Erster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg316.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.4.1">Abend, ein Licht.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg316.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.5.1">Eine kleine bürgerliche Stube in Valerios Haus mit einem Kamin. Ponce, in einer reichen venetianischen Maske, schwarz mit Brillant-Knöpfen, steht auf einem Tabouret; Valeria, die ihn geputzt hat, kniet vor ihm und zupft ihm die Schleifen an den Schuhen und Beinkleidern zurecht. Ponce ist durch und durch launig, kalt, und gut in dieser Szene zu nehmen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg316.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.7.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.7.1.part1">sieht an ihm in die Höhe, und nickt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.7.part2"> Ponce?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.8.part2"> Und? – Wird es bald ein Ende? Man darf euch Mädchen nur unter die Hände kommen, so wird man gleich oder nimmer fertig.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.9.part2"> Nimmer, meiner Liebe zu dir wird nimmer ein Ende, ich könnte mein Leben damit zubringen, dich zu putzen – ach! und ich würde nicht fertig. –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.10.part2"> Putze lieber einmal das Licht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.11.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.11.1.part1">sie tut es.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.11.part2"> Du hast recht, so kann ich dich noch besser bewundern, du bist doch gut, daß du das sagst. –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.12.part2"> Ich bitte dich, stelle dir nichts zu Großmütiges von mir vor; es war der bloßen Dunkelheit wegen, und damit ich schneller von dem dummen Stühlchen herunterkomme. Nun bin ich gut genug?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.13.part2"> O wie bist du! – Du bist ordentlich zu gut für den Ball, <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.13.1.part2">Beleuchtet ihn.</hi> steige nur herunter.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.14.part2"> Zu gut für den Ball, zu gut für mich, zu gut für die ganze Welt. <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.14.1.part2">Er setzt sich.</hi> Mache nur den Mantel fertig; es ist Zeit, daß ich gehe.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.15.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.15.1.part1">näht an dem Mantel.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.15.part2"> Zu gut für die ganze Welt? Ponce, ich bin auch auf der Welt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.16.part1split">PONCE</speaker>
                                    <l> O ja! aber höre, erzähle mir etwas anders.</l>
                                    <p xml:id="tg316.2.16.part2"> VALERIA. Du hast recht, du hörst das schon so lange, ich weiß auch gar nichts mehr als von dieser Liebe. Doch – erwartet Ihr Don Felix noch auf dem Balle?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.17.part2"> Aquilar hat den Ball angestellt, damit Felix Lucillen gleich bei seiner Ankunft bequem sprechen kann, denn er ist <pb n="136" xml:id="tg316.2.17.1.part2"/>
ein sehr bequemer Liebhaber. Lucillen wird er aber nicht finden; Gott weiß, was ihre Tante bewogen hat, sie zurückzuhalten. Bist du bald fertig?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.18.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.18.1.part1">hängt ihm das venetianische Mäntelchen um.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg316.2.18.part2"> Hier – wie bist du nun schön, und wie durch und durch maskiert – die Locken verstellen dich und verschönern dich – ach!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.19.part2"> Was fehlt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.20.part2"> Wenn nun eine andre die Reihen so mit dir durchfliegt und deinem Herzen so nahe ist, und ich bin es nicht, – o! ich möchte auch auf diesem Balle sein, nur sehen, wie du tanzest und alle Augen dir nachgehen; nur in einem Winkelchen möchte ich stehen und für mich sagen: Der Schatz in seinem Herzen ist mein, alle die Edelsteine auf seinem Wamse sind nicht mein, aber er, er selbst ist mein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.21.part2"> Was liegt dir daran, wenn ich andern gefalle? Sei zufrieden, wenn ich dir gefalle.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.22.part2"> Du mir – und Valeria, wem?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.23.part2"> Natürlich jedem, der schöne Mädchen liebt, und also – <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.23.1.part2">Er küßt sie.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.24.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.24.1.part1">umfaßt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg316.2.24.part2"> Du liebst mich – o Ponce, was wird das werden, daß ich mich nicht vor diesem Putze fürchte, den ich so sorgsam ordne und dann nicht schone, dich zu umarmen. – Du schweigst?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.25.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.25.1.part1">windet sich los.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.25.part2"> Mache fort, Liebe, ich muß weg.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.26.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.26.part2"> Dieser Putz ist eine Maske, Ponce, du liebst mich nicht, du hast dich nur maskiert, und ich habe geholfen, mich selbst zu betrügen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.27.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.27.part2"> Gut dann – ich liebe dich, weil du mich so hübsch maskierst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.28.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.28.1.part1">traurig.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.28.part2"> Ach, und ich maskierte dich, weil ich dich so sehr liebe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.29.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.29.part2"> Sei ruhig, Liebe, ich kann ja nicht mit dir gerührt werden, Masken können ja nicht weinen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.30.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.30.part2"> Aber ihre Kälte kann weinen machen –<hi rend="italic" xml:id="tg316.2.30.1.part2"> Wendet sich weg.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.31.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.31.1.part1">umfaßt sie.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg316.2.31.part2"> Wie bist du nun, läßt du mich da stehen! Wo ist der Spiegel, ich will sehen, wie du mich so hübsch geputzt hast, und dich – ja, und dich loben.</p>
                                    <pb n="137" xml:id="tg316.2.32"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.33.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.33.part2"> Ich habe keinen Spiegel mehr, der Vater hat ihn mir zerschlagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.34.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.34.part2"> Ei! so will ich mich in deinen Augen spiegeln.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.35.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.35.part2"> Die sind trübe, und die Tränen sind dein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.36.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.36.part2"> Mein? So gieb mir sie wieder – <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.36.1.part2">Küßt ihr die Augen.</hi> Warum hat der Vater denn deinen Spiegel zerschlagen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.37.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.37.part2"> Er sagt, ich studiere immer Mienen vor dem Spiegel, um dir zu gefallen, und zerschlug ihn letzthin. Da er gehört hatte, Porporino sei in den Krieg, weil ich ihn nicht mehr so sehr liebte, nahm er den Spiegel, brachte ihn vor mich und sagte: Wie siehest du aus, wenn du an den Ponce denkst? Da sah ich treuherzig hinein, und er mit, und als er sah, wie ich so selig hineinsah <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.37.1.part2">Sie sieht freundlich nach Ponce.</hi> – sieh, so sah ich hinein – da warf er den Spiegel an den Boden und sagte: So zertrümmre das Gesicht, das du für den Ponce machst, und wenn du es noch lange machst, wird es dir auch gehen wie dem Spiegel. Ist das wahr, Ponce?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.38.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.38.part2"> Dein Vater soll ein sehr exemplarischer Mensch sein, und ich halte viel auf seine Wahrheit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.39.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.39.part2"> Ponce, du bist boshaft, oder ich sehr unglücklich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.40.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg316.2.40.part2"> Du bist ja nicht von Glas, du wirst nicht zerbrechen. Hast du denn kein Stückchen von dem exemplarischen Spiegel mehr? Es ist ja ein wahrer Beichtspiegel; ich möchte gern sehen, wie ich geraten bin.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.41.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.41.part2"> Gut geraten, und ungeraten – in meiner Kammer steht am Fenster ein Stückchen Spiegel.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.42.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.42.part2"> In deiner Kammer? Ich mochte wohl manchmal drinne sein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.43.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.43.1.part1">beleidigt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.43.part2"> Pfui, Ponce.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.44.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.44.part2"> Sei zufrieden, ich will nachsehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.45.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.45.1.part1">faßt ihn bei der Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg316.2.45.part2"> Ich will dich führen, du findest dich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.46.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.46.part2"> Noch einmal, wer euch Mädchen in die Hände fällt, wird nimmer fertig.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.47.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.47.part2"> Noch einmal, ich finde meiner Liebe kein Ende.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg316.2.48.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg316.2.48.part2"> Ich will allein suchen – bleibe. <hi rend="italic" xml:id="tg316.2.48.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="138" xml:id="tg316.2.49"/>
                                    <lb xml:id="tg316.2.50"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg317" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/2. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>2. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg317.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg317.2.1">Zweiter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg317.2.2.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg317.2.2.part2"> Ich finde meiner Liebe kein Ende, ach! und er will allein suchen.</l>
                                    <lb xml:id="tg317.2.3"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg318" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/3. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>3. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg318.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg318.2.1">Dritter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg318.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg318.2.4.1">Valeria. Valerio hat den Arm voll Mäntel.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg318.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg318.2.6.part2"> Guten Abend, Mädchen, was sinnest du wieder? Du hast ein gutes Leben, ich weiß nicht wohin vor Arbeit zu dem Balle; da habe ich die Mäntel für die Tänzer, daß sich die Wildfänge nicht erkälten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.7.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg318.2.7.1.part1">die in Gedanken stand.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg318.2.7.part2"> Lieber Vater, ich habe die Fackeln schon alle hintragen lassen; wenn nun die Mäntel dort sind, habt Ihr Ruhe.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.8.part2"> Hilf mir die Nummern an die Mäntel heften.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg318.2.9.part2"> Dieser ist für Ponce, Nummer eins, er hat ein samtnes Futter im Kragen, und ich habe ihn auch schon einmal angehabt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.10.part2"> Wo ist dann dieser Ponce? Ich glaubte, du maskiertest ihn.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.11.part2"> Er ist oben in der Stube.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.12.part2"> Allein? – <hi rend="italic" xml:id="tg318.2.12.1.part2">Sieht ihr in die Augen.</hi> Da haben wir es – gehe doch zu ihm, Valerchen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.13.part2"> Er will mich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg318.2.14.part2"> Er will dich nicht? So jage ihn – du hast wieder geweint. Der Ponce ist mir ein seltsamer Gast, und hat eine komische Manier, sich lieben zu lassen. Valerchen, nimm mir deine Augen in acht, es sind die Augen deiner Mutter, und dein bestes Erbstück – nimm sie in acht, und jage den Ponce.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.15.part2"> Ich liebe ihn.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.16.part2"> So jage ich euch alle beide.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.17.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.17.part2"> Mich jagen? Vater, das geht nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.18.part2"> Es wird schon gehen, wenn ich es jage.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.19.part2"> Wer wird Euch dann aus dem dicken Buche vorlesen, von dem Maurenkrieg?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.20.part2"> Das mußt du mir zur Strafe erst so oft vorlesen, bis ich es auswendig kann.</l>
                                    <pb n="139" xml:id="tg318.2.21"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.22.part2"> Wer wird Euch die Halskrausen machen, die Euch nimmer recht sind?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.23.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.23.part2"> Ich werde mich nach der Mode kleiden; da kann ich sie kaufen, und im Sommer brauche ich gar keine.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.24.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg318.2.24.part2"> Wer wird vor Euch gehen, stehen, Euch grüßen und Euch singen wie die liebe selige Mutter.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.25.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg318.2.25.part2"> Ja, wegen des Gehens, Stehens und Singens – da hast du recht; geschwinde, mache mir so etwas, sonst jage ich dich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.26.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg318.2.26.1.part1">legt die Mäntel weg, geht zierlich in der Stube auf und ab, und singt.</hi>
                                    </stage>

                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg318.2.27">O böse Sklaverei!</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg318.2.28">O wär ich wieder frei!</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg318.2.29">Kein Blicken, kein Winken, kein Scherzen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg318.2.30">Kein Äugeln, kein Locken, kein Herzen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg318.2.31">Soll, wird je mein Herzelein flott,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg318.2.32">Mich wieder berücken, umstricken – bei Gott!</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg318.2.33.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg318.2.33.part2"> Gut, Gott gebe, daß es wahr werde; du mußt nur ein wenig mehr schnarren, deine Mutter schnarrte allerliebst.</p>
                                    <lb xml:id="tg318.2.34"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg319" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/4. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>4. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg319.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg319.2.1">Vierter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg319.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg319.2.4.1">Ponce maskiert, mit dem Federhut auf.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg319.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg319.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg319.2.6.part2"> Guten Abend, Papa! Habt Ihr Euch etwas singen lassen? Nun, Mädchen, du hast artig gesungen, und vorhin ebenso artig geweint. <hi rend="italic" xml:id="tg319.2.6.1.part2">Will sie küssen.</hi> Adieu.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg319.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg319.2.7.part2"> Laß mich, das erste konnte ich besser.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg319.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg319.2.8.part2"> Du sollst aber das erste verlernen, und das zweite besser begreifen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg319.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg319.2.9.part2"> Brav, Papa, gebt ihr Unterricht! Ihr seid einer von denen, die sich mit dem Zuhörer in die Sache teilen; wenn Ihr singt, weinen die Leute.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg319.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg319.2.10.part2"> Richtig – bleibt noch ein wenig da, ich will Euch ein Liedchen singen, daß Ihr weinen sollt; doch Ihr seid ein böser Sohn, Ihr hättet Eurem Vater kein Gehör gegeben, wäre er gleich ein Musikant gewesen und hätte es nötig gehabt.</p>
                                    <pb n="140" xml:id="tg319.2.11"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg319.2.12.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg319.2.12.1.part1">abgehend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg319.2.12.part2"> Und Euer Ohr ist so lang; <hi rend="italic" xml:id="tg319.2.12.2.part2">Er macht einen großen Schritt nach der Türe.</hi> ja, der Ton eines Sängers, der eine Glasblaserlunge hat, könnte der Quere hinein. <hi rend="italic" xml:id="tg319.2.12.3.part2">Er macht eine geschmackvolle Verbeugung.</hi> Gute Nacht beisammen.</p>
                                    <lb xml:id="tg319.2.13"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg320" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/5. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>5. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg320.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg320.2.1">Fünfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg320.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg320.2.4.1">Vorige ohne Ponce.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg320.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg320.2.5.1">Kleine Pause.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg320.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.7.part2"> Was denkst du von dem Menschen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.8.part2"> Daß er so eitel ist, als er schön ist; und war er nicht sehr schön, als er seine Verbeugung machte?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.9.part2"> Und was willst du, daß er von dir denke?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.10.part2"> Daß ich ihn liebe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg320.2.11.part2"> Da schlägst du deinem Vater nicht nach; meines ist einfacher, ich denke, er fühlt so gut Prügel, als er sich fühlt, und wünsche, er möge wissen, daß ich sie so gut gebe, als er sie fühlt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.12.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg320.2.12.1.part1">schmeichelnd.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg320.2.12.part2"> Ich schlage Euch nicht nach – Väterchen, laßt mich die Mäntel auf den Ball tragen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.13.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg320.2.13.1.part1">ironisch.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg320.2.13.part2"> Töchterchen, das geht nicht an! Siehst du, die Nachtluft, und du mußt doch auch dein Ruhestündchen haben; ich will das schon machen, was würden die Leute sagen? Nein, ich bin kein Barbar.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.14.part2"> Ihr spottet meiner? Sagt lieber <hi rend="spaced" xml:id="tg320.2.14.1.part2">nein,</hi> Vater, Ihr wißt, ich will nur sehen, wie Ponce tanzt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.15.part2"> Ja, das weiß ich, und darum sollst du nicht, – grade weil ich den ganzen Tanz müde bin. –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.16.part2"> Geht doch mit, Vater.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg320.2.17.part2"> Ja, mitgehen und zusehen, wie du armer Schelm verzwatzlen möchtest, weil du der Schicklichkeit halben bei mir stehen bleiben müßtest. Ich kann nicht mitgehen, es ist mir nichts fataler, als die Liebe zu stören; also bleibe zu Haus! Ja, wenn Porporino hier wäre!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.18.part2"> So wäre es um nichts besser.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.19.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg320.2.19.part2"> Um dich wäre es besser, denn er wäre um dich, und er ist besser für dich als Ponce, und um ihn wäre es besser, denn wenn du ihn gleich nicht mehr liebst wie ehedem, so <pb n="141" xml:id="tg320.2.19.1.part2"/>
schießt du ihn doch nicht tot, was ihm leicht in Flandern geschehen kann.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg320.2.20.part2"> Ihr meint auch gleich das Schlimmste! Habt Geduld mit mir, es wird alles wieder gut werden, laßt mich auf den Ball, ich bitte Euch!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.21.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg320.2.21.1.part1">es klingelt.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg320.2.21.part2"> Ein Stückchen Weg kannst du allein hingehen, aber weiter nicht, das heißt, bis an die Haustüre, hörst du! Es klingelte, mache die Türe auf – nimm das Licht mit, daß du nicht fällst.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg320.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg320.2.22.part2"> Dann laßt Ihr mich aber auf den Ball, nicht wahr, Väterchen? <hi rend="italic" xml:id="tg320.2.22.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg320.2.23"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg321" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/6. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>6. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg321.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg321.2.1">Sechster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg321.2.2.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg321.2.2.part2"> Es ist nichts drückender als die verwickelten Gefühle! Da habe ich das Mädchen lieb, und den Porporino, und meine Ruhe, und meine Ruhe läßt mir keine Ruhe.</p>
                                    <lb xml:id="tg321.2.3"/>
                                 </sp>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg322" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/7. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>7. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg322.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg322.2.1">Siebenter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg322.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg322.2.4.1">Valeria leuchtet der Stube herein, Sarmiento folgt ihr als Automate maskiert; er trägt einen bunten Mantel, chinesischen Spitzhut, einen Trichter in der Maske, setzt sich.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg322.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.6.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg322.2.6.1.part1">beleuchtet ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg322.2.6.part2"> Eine Maske, Vater, ihre Stimme erschreckte mich beinah; seht, mit einem Trichter – ein Wahrsager.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.7.part2"> Setzt Euch, laßt Euch nieder, schöne Maske, – was steht Euch zu Diensten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.8.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.8.part2"> Du – denn du stehst und ich sitze.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.9.part2"> Ha! Ihr seid witzig; soll ich Euch etwas in den Trichter gießen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.10.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.10.part2"> Wie du mir eintrichterst, werde ich dir austrichtern.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.11.part2"> Hörst du, Mädchen? Der lustige Patron!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.12.part2"> Ja, er antwortet recht schnell, macht es auch so; sagt, darf ich nach dem Ball?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg322.2.13.part2"> Schon gut, lasse uns erst hier unsre Maskerade genießen. Lustiger, gewandter Mann mit dem umgewandten Trichter, nun – ja – was wollt ich denn gleich sagen?</p>
                                    <pb n="142" xml:id="tg322.2.14"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.15.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.15.part2"> Was du nicht wußtest, ehrlicher, lustiger Valerio de Campaceo.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.16.part2"> Vater, vergeßt mich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg322.2.17.part2"> Gleich, ich will ihm nur erst eine Frage setzen, die er mir schuldig bleiben soll. So sagt mir denn, was ich vergessen habe; seht, hier über das Kamin möchte ich gerne eine Sentenz schreiben; nun hatte ich zwar sonst eine, jetzt aber habe ich sie vergessen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.18.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.18.part2"> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg322.2.18.1.part2">Bene bibere et laetari.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.19.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg322.2.19.1.part1">verwundert.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg322.2.19.part2"> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg322.2.19.2.part2">Bene bibere et lae</hi>
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg322.2.19.3.part2">tari</hi> – recht – recht, Ihr seid ein Hexenmeister; sagt, woher wißt Ihr das? Ihr müßt ein alter Bekannter sein – es sind doch nun achtzehn Jahre her, daß ich es vergaß.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.20.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.20.part2"> Armer Valerio! seit achtzehn Jahren nicht gut getrunken und nicht gefreut?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.21.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg322.2.21.part2"> Lieber Vater, nun habt Ihr Euren Spruch, daß Ihr zufrieden seid; gebt mir den meinen auch so – soll ich gehn?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.22.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.22.part2"> Gehe, Kind, hole deinen Spruch, wo ich den meinen holte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.23.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg322.2.23.part2"> Mein lieber Freund, heute ist ein Ball, auf welchem ein Mann ist, den ich liebe, und ich möchte ihn gern tanzen sehn – darf ich hingehn? –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.24.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.24.part2"> Dein Vater und ich gehen auch mit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.25.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.25.part2"> Habt Ihr gehört, Vater? – Wie das Orakel klug spricht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.26.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg322.2.26.part2"> Was dir so recht gelegen kömmt, nennst du klug – was willst du denn vorstellen? –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg322.2.27.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg322.2.27.part2"> Seht, ich habe wohl gewußt, daß Ihr mirs noch zugeben würdet, und habe mir schon eine Maske als Kolombine zurecht gemacht. Ich werde Euch gefallen. <hi rend="italic" xml:id="tg322.2.27.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg322.2.28"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg323" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/8. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>8. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg323.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg323.2.1">Achter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg323.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg323.2.4.1">Vorige ohne Valeria.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg323.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.6.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg323.2.6.1.part1">rückt einen Stuhl vor Sarmiento, und setzt sich dicht vor ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg323.2.6.part2"> Es muß nun herauskommen, wer Ihr seid. Daß Ihr mein Sprüchlein wußtet und so vertraut tut, macht mich sehr ungeduldig. Wart Ihr nicht zu Saragossa?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.7.part2"> Da war ich.</l>
                                    <pb n="143" xml:id="tg323.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.9.part2"> Ja, wart Ihr nicht einmal Türmerjunge? Seid Ihr nicht? nu –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.10.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.10.part2"> Cotala bin ich nicht, der dich lehrte nüchtern zu werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg323.2.11.part2"> Cotala, Cotala, den kennt Ihr auch! Das ist wunderbar – O, Ihr seid der jüngre Bruder der Fähnrichs – Wie hieß er doch gleich? – Fadrique – Fadrique?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.12.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.12.part2"> Fadrique Ramiro bin ich nicht, der die schöne, gute Schwester hatte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg323.2.13.part2"> Auch den – ja die gute Schwester, es war eine lustige Zeit – Ihr seid – ja, Ihr seid sicher Zinkenbläser?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.14.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.14.part2"> Auch Colmo bin ich nicht, der ist ja tot.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.15.part2"> Ihr habt recht, der arme Schelm – Seid Ihr des Bäckers Bruder?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.16.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg323.2.16.part2"> Martin, Eurer Frau Onkle, bin ich nicht. Er starb an warmen Kuchen; warum ratet Ihr nur immer auf die Toten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg323.2.17.part2"> Gott weiß, sie habens am nötigsten. Es leben wenige dieser redlichen Leute mehr. Meine Frau kanntet Ihr also – sie ist auch tot.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.18.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.18.part2"> Ich kannte Eure Frau gut; sie wohnte an einer Ecke, ihr Fenster war über der Backstube.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.19.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg323.2.19.part2"> Ich stand immer abends vor der Backstube und schimpfte den Bäcker, bis er um die Ecke herum der Haustüre herauskam, währenddem schwätzte ich mit seiner Tochter, meiner seligen Frau, – ja aber Ihr wißt alles – wer seid –</p>
                                    <lb xml:id="tg323.2.20"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg323.2.21">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg323.2.21.1">Es fliegt ein Federhut der Türe herein.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg323.2.22"/>
                                    <l xml:id="tg323.2.23">He, ein Vogel <hi rend="italic" xml:id="tg323.2.23.1">Nimmt den Hut.</hi> –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg323.2.24.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg323.2.24.part2"> Wenigstens eines lustigen Vogels Hut.</l>
                                    <lb xml:id="tg323.2.25"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg324" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/9. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>9. Auftritt</title>
                              </desc>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg324.2.1">Neunter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg324.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.4.1">Die Vorigen, Porporino in Uniform, außer Atem.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg324.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.6.part2"> Ei, Porporino – du! Woher des Landes?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.7.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.7.1.part1">atmend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg324.2.7.part2"> Laßt mich nur verschnaufen – der Sturm – der gewaltige Sturm.</l>
                                    <pb n="144" xml:id="tg324.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.9.part2"> Hast du gleich Sturm laufen sollen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.10.part2"> Ei nein, der Sturmwind, seht die verdammten Federn auf dem Hute; wenn man den Wind gegen sich hat, ist an kein Avancieren zu denken – der Sturm nahm mir den Hut mit.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.11.part2"> Es ist mir lieb, daß wir dich wieder haben – aber du bist doch nur dem Hut nachgelaufen, und nicht etwa aus Feigheit?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.12.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.12.1.part1">lustig, gravitätisch, geschwind, deutlich.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg324.2.12.part2"> Potz – weil ich hutlos bin, bin ich eben doch nicht mutlos. – Seht, es war lauter eilfertige Bescheidenheit, denn hätte ich meinen Hut nicht verloren, so hätte ich meinen Atem nicht verloren, und hätte ich meinen Atem nicht verloren, so wäre ich zu Ehren gekommen; denn ich lief einem Manne nach, der mir den Hut abgeschlagen, und an dessen Stelle eine Ohrfeige nicht versagt hatte. Nun aber, da ich zu meinem Hut komme, laßt mich zu Atem kommen, und zu Ehren, und zu Eurer lieben Valeria, – was macht sie?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.13.part2"> Sie kleidet sich zum Balle an; du kannst auch hingehen, wenn du nicht zu müde bist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.14.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.14.part2"> Müde? Ich bin nichts müder als die Müdigkeit. Ihr habt keinen Begriff, was es einen Verliebten ermüdet, so ganz mutterselig allein in den Krieg zu gehn. Doch was für ein Trompeter sitzt da in der Ecke?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.15.part2"> Ein recht freundlicher Trichter, der reinen Wein einschenkt; er sagt wahr, aber ich kann nicht schmecken, was vor ein Gewächs es ist.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.16.part2"> Er sagt wahr? Da sagt er was Rares, auch ich werde Euch rare Sachen erzählen, und setze mich neben ihn. <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.16.1.part2">Er setzt sich.</hi> Er soll bestätigen, was ich sage. Als ich so in meinen Gedanken den Wald hinunterging, in meinen Gedanken, die ich mit großer Mühe recht kriegerisch zu machen suchte <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.16.2.part2">Zu Sarmiento.</hi> – nicht wahr?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.17.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.17.part2"> Ja, denn alle deine Gedanken waren friedliche Rekruten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.18.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.18.part2"> Besser gesagt, Kinder des Friedens und Rekreation. Um diese Gedanken nun zu Verteidigern des Vaterlandes [zu] bilden, lief ich mit ihnen alles durch, was ich wußte, das Kadetten<pb n="145" xml:id="tg324.2.18.1.part2"/>
 nötig ist – als zum Beispiel: Marsch! Richt euch! Schwenkt euch! Links um, rechts um! Blitz, Donner, Element, Sapperment! Jesuiter! und dies mit der schweren Rechnung Million multipliziert – endlich kam ich bis ans Halt! denn die Infanterie- Gedanken gingen mir aus, oder vielmehr ich ward müde, und legte mich auf Reiter-Gedanken – nicht wahr?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.19.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.19.part2"> Ja, du wolltest dich auf ein fremdes Pferd setzen, das am Wege graste.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.20.part2"> Ho ho, und die Ohrfeige gab dir der Reiter.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.21.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.21.1.part1">aufspringend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg324.2.21.part2"> Mein Herr, Ihr sagt nicht wahr. Ich wollte das Pferd nicht stehlen, ich wollte nur ein wenig reiten – doch, woher wißt Ihr das?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.22.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.22.part2"> Woher habt Ihre Eure Ohrfeige erhalten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.23.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.23.part2"> Wenn ich nur wüßte, woher der sie erhielt, der sie mir gab, ich wollte sie dem redlichen Finder wieder zustellen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.24.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.24.part2"> Ich wars, und schenke sie dir. Ich ritt durch den Wald, und war der Hitze wegen abgestiegen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.25.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.25.part2"> Und seht, ich wollte der Hitze wegen aufsteigen; es lag der Fehler in der Hitze.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.26.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.26.part2"> So ist der Fehler wieder gutgemacht, denn ich schlug dir in der ersten Hitze den Hut vom Kopf, und du hattest alle Gelegenheit, dich abzukühlen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.27.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.27.part2"> Wie heißt Ihr aber nun ins Guckucks Namen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.28.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.28.part2"> Ins Guckucks Namen habe ich keinen Namen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.29.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.29.part2"> Da hast du's! O, der zahlt gut, der bleibt nichts schuldig.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.30.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.30.part2"> Du irrst, meinen Namen bleibe ich schuldig, und ich hoffe, daß, da Ihr mich für einen guten Zähler haltet, Ihr mir den Nenner auf meinen Namen borgen werdet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.31.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.31.part2"> Das geht in die Brüche. Aber haltet einmal Euren Trichter her. – Wird wohl Valeria mich wieder lieben?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.32.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg324.2.32.part2"> Wirst du ihr liebenswürdig werden, Porporino?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.33.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.33.part2"> Ach, wüßte ich, wo man es lernte! Ich fühle Wißbegierde, und müßte ich in Alkala Bettelstudent werden und meinem eigenen Nebenbuhler das Heft abschreiben. Ich wollte Kreide essen, blaß zu werden, Butter schlingen, wild zu singen, mit den Füßen Trommelschläger werden, gut zu <pb n="146" xml:id="tg324.2.33.1.part2"/>
tanzen; zwei Pfennige wollt ich jedem geben, der mich angähnte, um die lange Weile zu lernen; nachdem sein Maul größer wäre, auch vier. Bin ich so auf guten Wegen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.34.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.34.part2"> Nein, solches Zeug laß liegen, werde zärtlicher und ruhiger; aber gehe jetzt, dich zu maskieren, daß du mit uns zum Balle kannst.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg324.2.35.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg324.2.35.part2"> Ich gehe schon. <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.35.1.part2">Zu Valerio.</hi> Seht, eben wegen der Zärtlichkeit, die mir nötig ist, durfte ich nicht in den Krieg gehen. <hi rend="italic" xml:id="tg324.2.35.2.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg324.2.36"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg325" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/10. Auftritt">
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                              <desc>
                                 <title>10. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg325.2.1">Zehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg325.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg325.2.4.1">Valerio, Sarmiento.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg325.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.6.part2"> Nun, lieber lustiger Gast, Ihr kennt mich, so mögt Ihr auch wissen, wie hoch ich meine Freunde halte. Gönnt mir die Freude nach der Verwunderung, Ihr seid sicher einer aus der alten guten Zeit, mit dem ich mich vielleicht meiner Jugend freute. O gönnt mir den alten guten Freund!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.7.part2"> Du rührst mich, Valerio. Die alte Zeit, da wir jung waren, ist nun jung, da wir alt sind; wir wollen in der jungen Zeit uns unsers Alters freuen. Schließe die Türen ab!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.8.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg325.2.8.1.part1">schließt ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg325.2.8.part2"> Wir sind hier so geheim; nun offenbart Euch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.9.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg325.2.9.1.part1">nimmt die Maske ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg325.2.9.part2"> Gott grüße dich im Vaterland.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.10.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg325.2.10.1.part1">umarmt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg325.2.10.part2"> Mein – mein Herr – mein alter gnädiger Herr – nicht mehr in Flandern – Sarmiento!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.11.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.11.part2"> Du alter, treuer Freund!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.12.part2"> Ihr – Ihr – ich werde toll – ich werde wieder jung.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.13.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.13.part2"> Ruhig, ruhig – freue dich im Stillen, ich bin geheim hier.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.14.part2"> Wie konnt ich Euch nicht raten? – Eben, weil ichs für unmöglich hielt – weil es mir das Liebste war. – Es ist doch nichts vorgefallen? – Was bringt Ihr dann zurück?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.15.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.15.part2"> Ich habe meinen Dienst quittiert – und will nun mit dir und den Meinen lustig sein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.16.part2"> Ich will doch meine Tochter rufen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.17.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.17.part2"> Nein, es soll es niemand wissen; du kannst doch schweigen?</l>
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                                    <speaker xml:id="tg325.2.19.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.19.part2"> Die Frage geht mir heute zum erstenmal ans Herz; sonst ging sie mir ans Maul, und das schwieg.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.20.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.20.part2"> So laß das Herz voll dieser Frage sein, und du wirst schweigen, wenn deine Lippe überfließt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.21.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.21.part2"> Aber Euer Sohn, Eure Töchter?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.22.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.22.part2"> Sollen nichts wissen! Ich will sie probieren und in der Eile wissen, was ich an ihnen habe, da ich sie so lange vermißte, daß ich nicht viel Zeit verlieren mag, sie kennen zu lernen. Mein Sohn Felix ist verliebt? Was weißt du davon?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.23.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.23.part2"> Er ist sehr zärtlich, es ist die Tochter der Witwe Domingos de las Torres, die in Saragossa wohnt. Es ist ein gutes Mädchen, und reich, sie ist hier bei ihrer Tante.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.24.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.24.part2"> Ich kenne die Mutter, ich sprach sie in Saragossa; doch ist es wahr, daß er sich so gar zärtlich anstellt?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.25.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.25.part2"> Ein nun, ich stehe manchmal Schildwache, wenn er ihr Serenaten bringt, während die Tante zu Besuche ist.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.26.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.26.part2"> Pfui – das ist dumm – der Junge hat keinen Mut aber ich habe schon gesorgt, das wird anders werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.27.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.27.part2"> Da irrt Ihr sehr, er ist in den Stiergefechten immer der erste.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.28.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.28.part2"> Eigne Art, die Tante mehr zu fürchten als den Stier. – Ist er in der Stadt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.29.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.29.part2"> Er ist auf Eurem Gute, eine Meile von hier, bei seinen Schwestern, die er sehr liebt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.30.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.30.part2"> Brav, was wißt Ihr von denen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.31.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.31.part2"> Nichts.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.32.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.32.part2"> Das ist der beste Ruf. – Wann kommt Felix zurück?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.33.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.33.part2"> Heute abend erwartet man ihn auf dem Ball, den ihm seine Freunde, des verstorbnen Don Ponce und Aquilars Söhne, geben; da könnt Ihr ihn bequem sehen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.34.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.34.part2"> Was ist aus den beiden geworden, was sind es für Gesellen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.35.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.35.part2"> Gute Gesellschafter, und galant, ritterlich – reiten, fechten. –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.36.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.36.part2"> Stadthelden! – Die Leute müssen alle nach Flandern.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.37.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.37.part2"> Aquilar ist lustig und leicht, ein toller, lebendiger Bursche.</l>
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                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.39.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.39.part2"> Wie der Vater – und Ponce, auf den bin ich begierig, sein Vater starb am Kurzweil seiner Mutter, und die Mutter an der Langweiligkeit seines Vaters. Er muß ein närrischer Junge sein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.40.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.40.part2"> Das weiß Gott – ein wunderlicher, wetterwendscher Kerl, der alle Leute unterhält und immer lange Weile hat, witzig und verlegen, hart und wohltätig, geht immer wie ein Verliebter herum, hat alle Weiber nach der Reihe in sich vernarrt, und quält sie mit Kälte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.41.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.41.part2"> Du scheinst ihn gut zu kennen; du lebst wohl in deinen alten Tagen mit den Wildfängen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.42.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.42.part2"> Ja, ich lebe mit ihnen, ich muß wohl, sie haben mich zu ihrem <hi rend="spaced" xml:id="tg325.2.42.1.part2">Maître de plaisir</hi> gemacht, ich halte ihnen ihren Aufwand in Ordnung, aber, du Gott – Ponce hat sich dafür zu meinem <hi rend="spaced" xml:id="tg325.2.42.2.part2">Maître de chagrin</hi> gemacht, er hat Valerien so verrückt, daß sie mit ihm davonliefe, wenn er sie nur recht wollte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.43.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.43.part2"> Doch in Ehren?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.44.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.44.part2"> Ich wollte, er läge so fest in Eisen, als mein Mädchen in Ehren.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.45.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.45.part2"> Sei zufrieden, das giebt sich; Ponce interessiert mich, hinter dem steckt etwas, – Porporino ist noch lustig, wie ich sehe; wie geht es ihm sonst?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.46.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.46.part2"> Seit Ihr ihn mir brachtet, habe ich ihn täglich lieber gewonnen, er war immer unverdrossen, er war ein so guter Bürger als Ritter, er hat sich auf alles gelegt, ist immer lustig und treu, – wenn sich je seine Eltern melden, er wird ihr Sohn sein können, wer sie auch sind. – Aber auch meiner könnte er sein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.47.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.47.part2"> Er liebt Valerien – warum wollte er dann nach Flandern ziehn?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.48.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.48.part2"> Seht, er hat sich mehrere Mal mit Aquilar geschlagen, der ihn immer mit der Unbekanntheit seiner Eltern neckte, und da Ponce ihm nun sein Mädchen so ganz eingenommen hat, zog er fort nach Flandern.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.49.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.49.part2"> Warum schlug er sich nicht mit Ponce?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.50.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.50.part2"> Er sagte, solang ihn Valeria liebt, darf ich ihm nichts tun; aber seine Mutter ist aus Flandern, so will ich gehen, seine Vettern zu prügeln.</p>
                                    <pb n="149" xml:id="tg325.2.51"/>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg325.2.52.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.52.part2"> Brav, und wendete aus Liebe wieder um, auch gut! Mit deinem Mädchen wird es werden. Wie ging es dir denn, Alter?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.53.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.53.part2"> Ich nährte mich knapp und ehrlich, Valeria arbeitete, Porporino gab Unterricht im Fechten, Reiten und der französischen Sprache, so ging es gut.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.54.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.54.part2"> Knapp? wie hast du gehaust?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.55.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg325.2.55.part2"> Ihr habt mir jährlich 400 Scudi ausgeworfen; jetzt ist es ein beträchtliches Kapital, ich lebte von den Interessen, und heute könnt Ihr das Kapital aufkündigen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.56.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.56.part2"> Du bist ein seltsamer Alter, – nun, wir wollen jetzt das Geld desto schneller miteinander verzehren.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.57.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg325.2.57.part2"> Auf ewig Euer Gast, aber nie Euer Söldner.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg325.2.58.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg325.2.58.1.part1">reicht ihm die Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg325.2.58.part2"> Brav!</l>
                                    <lb xml:id="tg325.2.59"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg326" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/11. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>11. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg326.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg326.2.1">Eilfter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.2.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg326.2.2.1.part1">als Kolombine maskiert, macht einige zierliche Sprünge.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg326.2.2.part2"> Vater, seht, wie gefalle ich Euch?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.3.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.3.part2"> Gut, Mädchen, du bist hübsch – sieh aber auch hier.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.4.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.4.part2"> Ei! ohne Maske, Herr? Aber wer ist es nun, Vater?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.5.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.5.part2"> Gieb ihm die Hand, er ist ein alter Freund von mir.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.6.part2"> Seid mir willkommen, lieber neuer Freund; Ihr habt mir gleich viel Liebe erzeugt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.7.part2"> Liebe, freundliche Kolombine, vergiß den Alten und gieb dem Freunde einen Kuß.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.8.part2"> Vater, darf ich?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.9.part2"> Tochter, kannst du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.10.part2"> Ob ich kann! <hi rend="italic" xml:id="tg326.2.10.1.part2">Küßt Sarmiento.</hi> So, nun kommt, Vater, daß ich Euch geschwind maskiere.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg326.2.11.part2"> Du glaubst, wenn du ihn geküßt hast, könne er keine lange Weile haben; sollen wir den Freund allein lassen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.12.part2"> Ich muß Euch ja die Halskrause machen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.13.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg326.2.13.part2"> Geht nur! Valeria hat recht, ihr Kuß war so belebend, daß alle Küsse meiner Jugend erwachten, um ihren Kuß zu empfangen; mein Leben weilt zwischen diesen Küssen, und wie kurz ist die Zeit zwischen Küssen; geht, eilt Euch!</p>
                                    <pb n="150" xml:id="tg326.2.14"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg326.2.15.part2"> Ihr seid sinnreich, Freund; lasset die Küsse Eurer Jugend meinen Kuß nicht beschämen, seid galant, wachet des Geschenks der Jungfrau und der Zeit.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.16.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.16.part2"> Wenn Ihr für den Sieg Eures Kusses fürchtet, so gebt ihm Sukkurs durch einen zweiten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.17.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.17.part2"> Ei behüte, mein Kuß war treu und gesund, und soll sich gut halten; kommt, Vater!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.18.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg326.2.18.1.part1">winkt Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg326.2.18.part2"> Nun, nicht wahr? <hi rend="italic" xml:id="tg326.2.18.2.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg326.2.19.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg326.2.19.part2"> Wahr und recht hold.</l>
                                    <lb xml:id="tg326.2.20"/>
                                 </sp>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg327" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/12. Auftritt">
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                                 <title>12. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg327.2.1">Zwölfter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg327.2.2.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg327.2.2.part2"> Ein liebes Mädchen! Gott gebe, daß meine Töchter auch so seien! Valerio ist, wie er war, Porporino ist brav, und Felix soll Klettern lernen, wenn er sein Mädchen haben will. Da kömmt wohl Porporino! <hi rend="italic" xml:id="tg327.2.2.1.part2">Maskiert sich.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg327.2.3"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg328" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/13. Auftritt">
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                                 <title>13. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg328.2.1">Dreizehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.2.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg328.2.2.1.part1">als Grazioso maskiert, oder als Harlekin – er spielt im Anfang der Szene die Rolle seiner Maske, er tritt neben Sarmiento, hat seinen Hut in der Hand und weint hinein – mit spöttisch- kläglichem Ton.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg328.2.2.part2"> Oh! Ach! Oh! wie ist das menschliche Geschlecht mit Übeln behaftet, wie mancherlei sind die Plagen, die über den Menschen verhängt sind, mit verhängtem Zügel reitet man dem Tode entgegen; – ja, alles ist Verhängnis einer höheren Hand, denn erhängt sich einer, so muß seine Hand den Strick höher hängen als seinen Kopf; ja, es ist ein verhenkertes Leben, und selbst die Gerechtigkeit verhenkt sich, wenn sie einen Unschuldigen aufhängen läßt. So tröstet Euch dann mit diesem allgemeinen Elend über Euer Kopfweh.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.3.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.3.part2"> Kopfweh werde ich haben, wenn du lange fortfährst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.4.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.4.part2"> Alles wissen macht Kopfweh, und Ihr wißt alles; der Kopf muß Euch brummen wie ein Brummkreisel.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.5.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.5.part2"> Nimm dich in acht, daß er dir nicht an die Schienbeine fährt.</l>
                                    <pb n="151" xml:id="tg328.2.6"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.7.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.7.part2"> Anfahren könnt Ihr einen wohl, aber ich bin kein Schienbein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.8.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.8.part2"> Ja, dein Schienbein mag wohl nur ein Scheinbein sein, und deine Waden falsch. Aber du mußt besser haushalten, Junge, als ich dir die Ohrfeige gab, habe ich dir ja erst Beine gemacht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.9.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.9.part2"> O weh, Ihr wiederholt Euch – ich bitte, sage mir, ist das Wiederholen Herkommen bei Euch? Dann geht nur fort, ich will Euch nicht wieder holen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.10.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.10.part2"> Du solltest mein Herkommen besser kennen, denn ich gab dir die Ohrfeige, als ich im Begriffe war herzukommen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.11.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.11.part2"> Hört, Ihr wißt viel, aber ich will Euch doch beweisen, daß Ihr ein schlechter Schulmeister seid.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.12.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.12.part2"> Wie das, fauler Schüler?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.13.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.13.part2"> Ihr gabt mir die Ohrfeige, ehe Ihr mir Euren Unterricht eintrichtertet.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.14.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.14.part2"> Das tat ich, weil ich vermutete, daß du vertrauten Umgang mit Weinküpern habest, welche, ehe sie den Trichter brauchen, das Faß aufschlagen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.15.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.15.part2"> Brav! Aber nun will ich Euch selbst entwickeln; laßt sehen, wer Ihr seid; komme, mein Kind, aus der Wickelschnur, <hi rend="italic" xml:id="tg328.2.15.1.part2">Er nimmt ihm den Mantel ab.</hi> gieb mir deinen Lütscher, du Engel!<hi rend="italic" xml:id="tg328.2.15.2.part2"> Nimmt ihm Maske und Trichter.</hi> Ei, du Wechselbalg, du Findelkind! O, welche mütterliche Gefühle in mir!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.16.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.16.part2"> Hier bin ich, lieber Porporino, aber du irrtest dich, du wolltest sagen, kindliche Gefühle, da du sagtest, Findelkind; bist du nicht ein Findelkind?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.17.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.17.part2"> Das habt Ihr so richtig gefunden, als ich unrichtig gefunden ward; aber woher wißt Ihr das?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.18.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.18.part2"> Ich bin ein alter Freund Valerios, ich brachte dich zu ihm.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.19.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.19.part2"> Seid Ihr Sarmiento?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.20.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg328.2.20.1.part1">umarmt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg328.2.20.part2"> Ja, ich bins; aber schweige, ich bins jetzt nur für dich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.21.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg328.2.21.part2"> O lieber, lieber Findelvater, nehmt Euer Findelkind!</l>
                                    <pb n="152" xml:id="tg328.2.22"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.23.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.23.part2"> Still, da kömmt dein Liebchen, nimm dich zusammen, sie braucht nicht zu wissen, daß du da bist; geh mit auf den Ball, da kannst du sie und Ponce beobachten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg328.2.24.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg328.2.24.part2"> Ach, wißt Ihr die Geschichte? Nu, ich will mich zusammennehmen. <hi rend="italic" xml:id="tg328.2.24.1.part2">Er hängt den Mantel Sarmientos an die Wand und stellt sich dahinter.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg328.2.25"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg329" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/14. Auftritt">
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                              <desc>
                                 <title>14. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg329.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg329.2.1">Vierzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg329.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.4.1">Vorige, Valeria, Valerio als Pantalon.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg329.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg329.2.6.part2"> Nun munter, Pantalon, laßt uns gehen; nehmt Eure Maske, Herr Automate.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg329.2.7.part2"> Du machst mich in meinen alten Tagen zum Narren; sehe zu, ob mir der Bart fest sitzt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg329.2.8.part2"> Gut, Väterchen, und Euer kurzes Schwert; alles ist in Ordnung.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.9.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg329.2.9.part2"> O! hänge mir den Mantel um, liebe Valeria.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg329.2.10.part2"> Gleich – <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.10.1.part2">Wie sie den Mantel abnehmen will, öffnet ihn Porporino, und umarmt sie im Mantel; sie erschrickt und wehrt sich.</hi> Ach Jesus, wer seid – laßt mich – <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.10.2.part2">Sie laufen beide im Mantel herum, endlich entschlüpft sie und läuft Porporino über das Theater nach.</hi> – wer seid Ihr?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.11.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.11.1.part1">immer verfolgt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg329.2.11.part2"> Ein unglücklicher, aus dem Mantel der Liebe verstoßener Kavalier; he, Maskenrecht, Menschenrecht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.12.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.12.1.part1">lacht und maskiert sich wieder.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.13.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.13.1.part1">zieht sein Schwert.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg329.2.13.part2"> Ruhe, oder!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg329.2.14.part2"> Wer ist denn der Naseweis?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg329.2.15.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg329.2.15.part2"> Ein Harlekin. <hi rend="italic" xml:id="tg329.2.15.1.part2">Läuft zur Türe hinaus, Valeria hinter ihm drein. Alle ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="153" xml:id="tg329.2.16"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg330" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/15. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>15. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg330.2.1">Funfzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg330.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg330.2.4.1">Großer Saal in Aquilars Haus, rechts und links eine Türe, und in der Mittelwand eine offenstehend, durch die man in eine dunkle Stube sieht; in den Stuben rechts und links hört man Getümmel der Masken, welche sich versammeln. In der Mitte des Saals steht ein großes, zierliches Kohlenbecken. – Ponce sitzt in seiner prächtigen Maske an dem Feuerkessel auf der Erde, neben einem Bedienten; sie braten sich Kastanien.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg330.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.6.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg330.2.6.part2"> Ihr stahlt mir schon wieder eine, Herr Ritter.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg330.2.7.part2"> Ei, du Kerl, ich sah soeben mit Freuden zu, wie sie verbrannte, weil du so geizig bist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.8.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg330.2.8.part2"> Sie wird Euch das Herz abbrennen, so heiß Ihr sie stahlt. – Meint Ihr vielleicht, Ihr wäret freigebig? Ich habe noch nichts davon gespürt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg330.2.9.part2"> Danke Gott, denn gegen dich durfte ich es nur mit Prügeln sein, um nicht ein Verschwender aus Gutmütigkeit zu werden.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.10.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg330.2.10.part2"> Freinehmig seid Ihr, denn Ihr stehlt mir die Kastanien vor dem Maule weg; ich habe an Euch gleichsam einen vornehmen <hi rend="italic" xml:id="tg330.2.10.1.part2">Vormund.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg330.2.11.part2"> Kerl, du sprichst gut; hier auf beiden Seiten brummt es wie im Fegfeuer, und dort ist der Himmel, er ist leer, wir sitzen in einer Art Vorhölle.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg330.2.12.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg330.2.12.part2"> Und da kömmt mein Satanas. <hi rend="italic" xml:id="tg330.2.12.1.part2">Springt auf.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg330.2.13"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg331" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/16. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>16. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg331.2.1">Sechszehnter Auftritt</head>

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                                    <speaker xml:id="tg331.2.2.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.2.1.part1">auch schwarz maskiert.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg331.2.2.part2"> Martin, dummer Teufel, die Kohlenbecken weg, und Fackeln her!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.3.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.3.part2"> He, Kamerad! der Herr ruft.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.4.part1">ANDERER DIENER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.4.1.part1">sie tragen den Feuerkessel weg.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.5.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.5.part2"> Guten Abend, Aquilar.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.6.part2"> Wie kannst du nur dich mit dem Kerl gemein machen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg331.2.7.part2"> Ich stahl ihm Kastanien, weil ich nichts Besseres zu tun hatte. Ich hatte eben keine andere Passion, und es ist doch besser, mit dem Diener Kastanien zu essen als auf den Herrn zu warten. – Ist Felix da?</p>
                                    <pb n="154" xml:id="tg331.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.9.part2"> Ich weiß nicht, wo er bleibt. Wir müssen anfangen, ich tanze nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg331.2.10.part2"> Ich auch nicht. Daß wir Felix erwarten, entschuldigt uns. Vielleicht kommen einige Charakter- Masken, die uns amüsieren.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.11.part2"> Es ist ein allgemeiner Mangel an Charakter in Sevilla.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg331.2.12.part2"> Aber nicht an Masken. <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.12.1.part2">Diener geben den beiden Rittern brennende Fackeln.</hi> Du, wo stehen die Weiber, auf welcher Seite? Ich habe eine heraufgehen sehen, die hatte das Bild eines so schönen Mädchens auf einem so schönen Busen hängen, daß ich mich in das Bild verlieben würde, wenn sie mir in die Hände käme. Sind die Weiber links oder rechts?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.13.part2"> Willst du die Weiber anführen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.14.part2"> Nein, denn jene ist mir zu gefährlich, und die arme Valeria klagt ohnedies über meine Kälte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.15.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.15.part2"> Sie will aber selbst nicht warm werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.16.part2"> Lasse das, das ist ja ihre Tugend. Wo stehen die Weiber?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.17.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.17.part2"> Links. Mein tölpelhafter Diener hat sie links geführt; mache fort!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.18.part2"> Es giebt ein Unglück, wenn die Weiber hier stehen. <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.18.1.part2">Geht rechts.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.19.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.19.part2"> Geschwinde.</l>
                                    <lb xml:id="tg331.2.20"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg331.2.21">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.21.1">Die Türen gehen auf, auf Ponces Seite kommen die Damen heraus, bei Aquilar die Männer; die Dame mit dem Brustbilde ist die erste.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg331.2.22"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.23.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.23.1.part1">läßt die Fackel fallen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg331.2.23.part2"> O Gott, da ist das Bild!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.24.part1">DAME.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.24.part2"> Don Ponce, die Fackel Amors senkt sich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.25.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.25.1.part1">hebt die Fackel auf, tanzt mit der erloschenen Fackel.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg331.2.25.part2"> Aber sie sengt und brennt von Eurem Busen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.26.part1">DAME.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.26.part2"> Es sind die Brillanten um das Bild – <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.26.1.part2">Sie steckt ihm die Fackel im Tanze an.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg331.2.27.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg331.2.27.part2"> Donna, dies sei bedeutend.</l>
                                    <lb xml:id="tg331.2.28"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg331.2.29">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg331.2.29.1">Die zwei Linien der Herren und Damen tanzen nach der Musik, die sich bei dem Eintritt in dem dunkeln Saale hören läßt, einfach mit. Verbeugung gegeneinander, und folgen den beiden Führern in die offene Mitteltüre, so daß sich die andre Stube durch die Fackeln, die sie alle in den Händen tragen, erhellet, und niemand bleibt auf der Szene als zwei Diener, an der Saaltüre, in dem man sie noch tanzen sieht.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg331.2.30"/>
                                    <pb n="155" xml:id="tg331.2.31"/>
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                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg332" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/17. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>17. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg332.2.1">Siebenzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg332.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg332.2.4.1">Valerio und Porporino tragen den Automaten auf einem Stühlchen herein, und stellen ihn hin; Valeria lief gleich an die offne Türe des Tanzsaals, um nach Ponce zu sehen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg332.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg332.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg332.2.6.part2"> Colombina, mach die Türe zu.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg332.2.7.part1">ERSTER DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg332.2.7.part2"> Es geht nicht an, mein Herr.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg332.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg332.2.8.part2"> Aber es geht zu, mein angehender Herr.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg332.2.9.part1">ZWEITER DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg332.2.9.part2"> Die Türen sollen offen bleiben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg332.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg332.2.10.part2"> Halt das Maul, und mache die Türen zu! Colombina, weg von der Türe! <hi rend="italic" xml:id="tg332.2.10.1.part2">Will sie wegziehen und zumachen; die Diener wollen es nicht zugeben.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg332.2.11"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg333" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/18. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>18. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg333.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg333.2.1">Achtzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg333.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.4.1">Aquilar und Ponce kommen heraus.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg333.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.6.part2"> Nun macht meinetwegen die Welt zu.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.7.part2"> Was soll das? <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.7.1.part2">Zu den Dienern.</hi> Geht weg!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.8.part2"> Suchet euer Fortkommen auf ehrlichen und tugendhaften Wegen. <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.8.1.part2">Diener ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.9.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.9.1.part1">vor sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.9.part2"> Das könnte auch für ihn gelten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.10.part2"> Annonciere mich – Grazioso.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.11.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.11.1.part1">vor sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg333.2.11.part2"> Gott gebe, daß ich nicht wild werde. <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.11.2.part2">Laut zu den Rittern.</hi> Ich mache hiermit bekannt, daß Herr Pantalon von Venedig hier mit seinem berühmten Automaten angekommen ist, der allen Leuten die Wahrheit sagen kann, und mit ihm sein vortrefflicher Harlekin, der allen Leuten was vorlügen kann, und wenn seinen Lügen zu trauen wäre, so wollte ich euch sagen, daß ich dieser Harlekin bin, und einen großen Lusten habe, euch beiden die Wahrheit zu sagen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.12.part2"> Schweig, was soll das? Du avisierst dich selbst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.13.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.13.part2"> Ich kam in die Wut.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg333.2.14.part2"> Laßt mich avisieren. <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.14.1.part2">Zu Ponce.</hi> Herr Pantalon, mein Vater, lieber, schöner Ritter, der hier so glänzend freundlich vor mir steht, und dem ich arme Colombina nicht genug sagen kann – <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.14.2.part2">Stockt.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="156" xml:id="tg333.2.15"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.16.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.16.1.part1">lacht.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.16.part2"> Ho ho, du avisierst dich auch selbst; übrigens danke ich dir für die Galanterien.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg333.2.17.part2"> Freilich kannst du ihm nicht genug sagen. Verzeiht, edler Ritter, dies ist mein Automate, fragt ihn selbst.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.18.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.18.1.part1">zu Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.18.part2"> Wer bist du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.19.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.19.part2"> Der Wahrheit Freund.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.20.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.20.part2"> Wer bin ich?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.21.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.21.part2"> Es kann etwas aus Euch werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.22.part2"> Wer ist die Dame, die ich liebe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.23">SARMIENTO.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg333.2.24">Wer sich aus langer Weile sehnt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg333.2.25">Mit offnen Maul nach Sehnsucht gähnt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg333.2.26">Und melancholisch-lustig lacht,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg333.2.27">Den Tag verschläft, die Nacht durchwacht,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg333.2.28">Dem ist der Weiber hold Geschlecht</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg333.2.29">Wie dir, Don Ponce, ja nimmer recht.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.30.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg333.2.30.part2"> Du hast recht, mein Freund, aber das wird bald ein Ende haben. Sage mir aber, wer ist die maskierte Dame hier auf dem Ball, die mich liebt, sie interessiert mich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.31.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.31.1.part1">zu Valerien.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.31.part2"> Gieb acht; lieb Mädchen – damit du die böse Welt kennen lernst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.32.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.32.1.part1">horchend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.32.part2"> Laß mich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.33.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.33.part2"> Verschont sie mit meiner Antwort.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.34.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.34.part2"> Laß ihn sprechen, da weiß er nichts.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.35.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.35.part2"> Wer ist sie? Sie hört es nicht, und ich will es ihr nicht sagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.36.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.36.part2"> Sie hört es gewiß. Erspart ihr die Schamröte, die die Jungfrau ziert.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.37.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg333.2.37.part2"> Ei was, ziert, sie soll sich nicht zieren, sie ist nicht hier, und soviel ich weiß, in der ganzen Stadt nicht, ich kenne keine, die ich liebe.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.38.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.38.1.part1">zu Ponce.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.38.part2"> Ihr kennt keine?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.39.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.39.1.part1">zu Valerien.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.39.part2"> Hörst du es?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.40.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.40.1.part1">zu Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.40.part2"> Wer ist sie denn? Sprecht doch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.41.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.41.part2"> Ich bins. <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.41.1.part2">Sich ihm verschämt entgegenstellend.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.42.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.42.part2"> Dies Stimmchen kenne ich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.43.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.43.1.part1">zu Porporino.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.43.part2"> Bringe sie nach Haus, der ganze Spaß verdirbt. <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.43.2.part2">Zu Valeria.</hi> Gehe nach Haus, gehe, liebes Kind.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.44.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.44.1.part1">faßt sie unters Kinn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg333.2.44.part2"> Ei, bist du auch ein Automat?</l>
                                    <pb n="157" xml:id="tg333.2.45"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.46.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.46.1.part1">wendet sich weg.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg333.2.46.part2"> Habt Ihr mir doch alle Freude verdorben, und nun bin ich freilich stumm, und mag nicht reden, bis man mich fragt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.47.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.47.part2"> Das sind Konfidenzen, Ponce; was Guckuck hast du für Geschichten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.48.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg333.2.48.part2"> Dumme Streiche, in aller Unschuld, ich kenne sie nicht. Aber, liebe Colombina, entdecken Sie mir lieber Ihren Namen als Ihre Liebe, damit ich mich besinnen kann.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.49.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.49.part2"> Komm, Valeria, komme! Nun sieh, wie dir jetzt ist, so ist es mir schon oft bei dir gewesen; komme!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.50.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.50.part2"> Gehe, mein Kind, mit dem guten Harlekin.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg333.2.51.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg333.2.51.part2"> Lebt wohl! Ach Ponce, wie hast du mir die Freude verbittert. <hi rend="italic" xml:id="tg333.2.51.1.part2">Ab mit Porporino.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg333.2.52"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg334" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/19. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>19. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg334.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg334.2.1">Neunzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg334.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg334.2.4.1">Vorige ohne Valeria und Porporino.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg334.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.6.part2"> Ich weiß bei Gott nicht, wie ich dazu komme.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.7.part2"> Du bist auch unausstehlich zerstreut; hörst du dann nicht, es war Valeria.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg334.2.8.part2"> Valeria! So seid Ihr wohl Valerio, Herr Pantalon? Legt Eure Maske ab; und, Herr Automate, wollt Ihr Euch nicht auch demaskieren?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.9.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg334.2.9.1.part1">nimmt die Maske ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg334.2.9.part2"> Guten Abend, meine Herren! Mein Kind und hier mein Freund bewegten mich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.10.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg334.2.10.1.part1">demaskiert.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg334.2.10.part2"> Hier bin auch ich, doch hilft es euch nichts, ich bin euch unbekannt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.11.part2"> Ihr seid ein lustiger Mann, und wir sind jung, so seid willkommen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.12.part2"> Wen erfreuen wir uns zu sehen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.13.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg334.2.13.part2"> Ich bin der Mercado, Kapitän der Kavallerie, und komme aus Flandern. Was ich von Euch wußte, Don Ponce, hat mir unterwegs Porporino, der nach der Armee reiste und den ich in einem Wirtshause traf, erzählt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.14.part2"> Der uns wohl nicht lieben mag.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.15.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.15.part2"> Nicht kann, wie er behauptet, weil Ihr seine Geliebte liebt.</l>
                                    <pb n="158" xml:id="tg334.2.16"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.17.part2"> Ich liebe sie eigentlich nur dann und wann.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg334.2.18.part2"> Aber Ihr quält sie immer.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg334.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg334.2.19.part2"> Lieber Valerio, laßt das! Es tut mir selbst leid, ich glaubte nicht, daß sie so heftig sei – es wird schon werden.</p>
                                    <lb xml:id="tg334.2.20"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg335" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/20. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>20. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg335.2.1">Zwanzigster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg335.2.2.part1">EIN DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg335.2.2.part2"> Don Felix ist gekommen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg335.2.3.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg335.2.3.part2"> Wir wollen ihm entgegengehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg335.2.4.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg335.2.4.1.part1">zu Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg335.2.4.part2"> Nehmt Eure Maske wieder um, wir müssen unsern Freund zerstreuen, weil er seine Geliebte nicht hier findet. <hi rend="italic" xml:id="tg335.2.4.2.part2">Beide ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg335.2.5"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg336" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/21. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>21. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg336.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg336.2.1">Einundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg336.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg336.2.4.1">Valerio. Sarmiento maskiert sich – setzen sich an den Brochero.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg336.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg336.2.6.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg336.2.6.part2"> Nun kömmt mein Sohn, den ich so lange nicht sah, daß die Zeit mich schon für ihn maskiert hätte; ich werde mich kaum halten können.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg336.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg336.2.7.part2"> Ich könnte mich auch kaum halten vor Bosheit, wie der Bursche mit meinem Kinde umging.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg336.2.8.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg336.2.8.part2"> Wir wollen uns schon rächen, Alter! Hörst du, er kömmt; ich werde der unglücklichste Automate sein; hätte ich vier Wochen im Blocke gelegen, ich könnte nicht größern Lusten haben, mich zu bewegen.</p>
                                    <lb xml:id="tg336.2.9"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg337" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/22. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>22. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg337.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg337.2.1">Zweiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg337.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.4.1">Aquilar, Ponce, Felix, die Vorigen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg337.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.6.part2"> Willkommen im Leben!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.7.part2"> Was macht die alte Tante?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.8.part2"> Und ihre Katze?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.9.part2"> Und ihre Brille, und vor allem, vor allem deine holde Schwester?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.10.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.10.part2"> Gut, alles gut. –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.11.part2"> Die Tante hat wohl ein gut Auge auf deine Schwestern und eine gute Brille auf ihrer Nase, weil sie schlechte Augen hat?</p>
                                    <pb n="159" xml:id="tg337.2.12"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.13.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.13.part2"> Laß mich nur ein wenig zu Atem kommen, es sind der Gefühle so mancherlei, die mir hier entgegenkommen; ich bin gerührt, euch wiederzusehen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.14.part2"> Ei, laß die Gefühle so mancherlei sein, wir fühlen hier leider nur einerlei. Es ist gut, daß du wieder da bist, sprich: was machen deine Schwestern, wird man hier bald vor Liebe rasend werden, werden sie bald freigelassen werden?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.15.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.15.part2"> Ja, setze dich, erzähle mir von Isidoren, du weißt, ich habe sie immer lieb gehabt. Du bist es ihr schuldig, den Geliebten zu erhalten, denn es steht gefährlich mit mir, ich habe mich beinahe in ein Gemälde heute abend verliebt; ich möchte sehen, ob sie siegt. –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.16.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.16.part2"> Du liebst nur, was du nicht siehst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.17.part2"> Oder was mich nicht sieht. – Ich sehe sie wohl Tag und Nacht, die ich liebe, und das Bild von heute abend hätte beinahe meinem Ideale geglichen. Rette den Ruhm deiner Schwester, erzähle!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.18.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.18.part2"> Ich muß nur, um dich zur Ruhe zu bringen. Sie ist sanft, stolz, spröde und freundlich, ist fromm wie Maria, und hat letzthin in der Beichte gelacht, und alles das in einem Leibe – nun – Ponce –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.19.part2"> Geschwind, fahre fort, den Leib, den heiligen Leib – du entleibst mich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.20.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.20.part2"> Geschwind, gieb ihm den heiligen Leib, laß das Wort Fleisch werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.21.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.21.part2"> Ich darf nicht so von meiner Schwester sprechen, wie man von einem solchen Körper sprechen muß.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.22.part2"> So hole der Teufel deine Schwester, und bringe mir den Leib.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.23.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.23.part2"> Pfui, sei nicht so heftig, Ponce. Doch wo ist Lucilla? Gieb mir eine Maske, ich will sie sprechen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.24.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.24.part2"> Ich gratuliere zu dem moralischen Sieg, jetzt erst nach ihr zu fragen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.25.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.25.part2"> Ihr ließt mich ja nicht zu Worte kommen, und ich poltre nicht gern mit der Liebe ins Haus; ist sie nicht auf dem Ball?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.26.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.26.part2"> Ihre Tante ließ absagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.27.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.27.part2"> Und schlank ist sie – Felix, nicht wahr?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.28.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.28.part2"> Wer? – aber warum nicht?</l>
                                    <pb n="160" xml:id="tg337.2.29"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.30.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.30.part2"> Gott weiß es, und ihre Tante.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.31.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.31.1.part1">zu Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg337.2.31.part2"> Herr Automate, ist sie schlank?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.32.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.32.part2"> Wie eine Rebe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.33.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.33.part2"> Hängen auch Trauben an der Rebe?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.34.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.34.part2"> Aber sehr hoch – Herr Reineke.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.35.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.35.part2"> So kann ich denn heute nichts von ihr hören?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.36.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.36.part2"> Ich wüßte nicht, unser Wahrsager da müßte dir dann etwas erzählen, er hat gute Einfälle.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.37.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.37.part2"> Wer ist die Maske?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.38.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.38.part2"> Ein Fremder, doch weiß er mit seinen Antworten, wo er zu Hause ist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.39.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.39.1.part1">zu Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg337.2.39.part2"> Und schwarze Augen hat sie?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.40.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.40.part2"> Aber nicht auf Euch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.41.part1">FELIX</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.41.1.part1">zu Sarmiento.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg337.2.41.part2"> Verzeiht, edle Maske, unsre Unachtsamkeit, ich kam eben zu meinen Freunden zurück.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.42.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.42.part2"> Ich ergetzte mich still am Wiedersehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.43.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.43.1.part1">zu Valerio, der eingeschlafen ist.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg337.2.43.part2"> He, Pantalon, schlafe nicht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.44.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.44.1.part1">erwachend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg337.2.44.part2"> Sie hängen draußen vor der Türe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.45.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.45.part2"> Sei klug – was?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.46.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.46.part2"> Die Mäntel –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.47.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.47.part2"> Ho, da war Pantalon eingeschlafen, und Valerio wachte auf. <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.47.1.part2">Zu Sarmiento.</hi> Sie singt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.48.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l xml:id="tg337.2.48.part2"> Sie singt, und zwar folgendermaßen.<hi rend="italic" xml:id="tg337.2.48.1.part2"> Er singt.</hi>
                                       </l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg337.2.49">Wenn ich dich lieben soll,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg337.2.50">So schweige stille,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg337.2.51">Mach mir den Kopf nicht toll</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg337.2.52">Mit vielen Fragen.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.53.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.53.part2"> Guten Abend, Don Felix.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.54.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.54.part2"> Guten Abend, Alter – <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.54.1.part2">Reicht ihm die Hand, Valerio schleicht weg.</hi> Nun, Herr Automate, was macht meine Geliebte?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.55.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.55.part2"> Sie wird wohl bald in Saragossa sein. –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.56.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.56.part2"> Donna Lucilla de las Torres? Ihr irrt Euch, sie ist hier.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.57.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.57.part2"> Deren Mutter in Saragossa wohnt, ist nicht hier. Ich wette tausend Zechinen gegen eine.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.58.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.58.part2"> Gut, wir können es gleich sicher wissen, wir dürfen nur fragen lassen. <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.58.1.part2">Er klingelt, und spricht leise mit dem Diener.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="161" xml:id="tg337.2.59"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.60.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.60.part2"> Sie sollte nicht hier sein? Ihr sagt das mit so vieler Sicherheit; darf ich Euch bitten, Euch zu demaskieren.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.61.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.61.part2"> He, wartet noch ein wenig, Herr Automate, noch eins.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.62.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.62.1.part1">demaskiert sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg337.2.62.part2"> Ihr habt mich schon ganz erschöpft. Ihr kennt mich nicht, ich bin der Mercado, Kapitän bei der Kavallerie, und komme aus Flandern.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.63.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.63.part2"> Aus Flandern? So kennt Ihr vielleicht meinen Vater, Don Miguel Sarmiento de Torbadillo; sprecht, kennt Ihr ihn?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.64.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.64.part2"> Ich freue mich, seinen Sohn zu sehen. Er ist Obrister bei dem Regiment des Königs und mein Freund.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.65.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.65.part2"> Obrister?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.66.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.66.part2"> Seit sechs Wochen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.67.part1">AQUILAR UND PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.67.part2"> Wir gratulieren, Felix!<hi rend="italic" xml:id="tg337.2.67.1.part2"> Diener kommt.</hi> Donna Lucilla ist mit ihrer Tante abgereiset zu ihrer Mutter nach Saragossa; der Hausmeister sagte mir, die Frau Mutter habe dort einen Bräutigam für die junge Dame. <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.67.2.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.68.part1">PONCE UND AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.68.part2"> Wir kondolieren, Felix.<hi rend="italic" xml:id="tg337.2.68.1.part2"> Felix steht stumm.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.69.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.69.part2"> Felix, ha, hörst du nicht? einen Bräutigam, greife nach dem Degen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.70.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.70.part2"> Es ist nicht möglich, nicht möglich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.71.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.71.part2"> Wenns aber doch geschähe?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.72.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.72.part2"> Ich kann es nicht denken.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.73.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.73.part2"> Siehst du, hättest du den Herrn Kapitän noch länger als Automaten bestehen lassen, so könnte der noch allerlei erzählen, denn jetzt ist guter Rat teuer.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.74.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.74.part2"> Ich will versuchen, ob ich auch ohne Maske Euch Aufklärung geben kann. Es ist wunderbar, wie mich ein Zufall in alle Eure Geheimnisse führte. Der Hausmeister sagt allerdings recht. Vorige Nacht schlief ich in einem Gasthause, und die zwei Damen hatten ein Zimmer dicht neben mir; eine dünne Bretterwand trennte mich von ihnen. Die ältere Dame sprach viel von Gehorsam, aber Eure Geliebte desto mehr von Liebe; sie weinte, und rührte mich. Porporino, der in demselben Wirtshause eintraf, erzählte mir den andern Morgen, wer sie gewesen seien. Es war mir sehr traurig zu hören – sie nannte Euren Namen oft in dieser Nacht – und sagte, ohne Euch werde sie sterben.</p>
                                    <pb n="162" xml:id="tg337.2.75"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.76.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.76.part2"> O! das sieht ihr ähnlich, das war sie! Ja, sie wird sterben Ohne mich, und ohne sie auch ich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.77.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.77.part2"> Ja, denn alle Menschen müssen sterben ohne sie, sonst hättest du noch alle zu Nebenbuhlern, die gern ewig lebten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.78.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.78.part2"> Sie härmt sich ab, und kann ohne mich nicht glücklich sein; o, ratet mir!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.79.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.79.part2"> Höre, ich rate dir, wenn sie ohne dich nicht glücklich sein kann und vielleicht Lotterie-Zettel hat, sie ihr abzukaufen, damit sie gewinnt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.80.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.80.part2"> Schweig, und spotte nicht! – Es ist schrecklich, ich wäre zu allem entschlossen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.81.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.81.part2"> Wenn ihr entschlossen seid, sie zu besitzen, so entführt sie.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.82.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.82.part2"> Ein einfacher Weg muß es sein, der sie nicht beschimpft.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.83.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.83.part2"> Ein einfacher Weg? Geht, Ihr seid nicht wie Euer Vater, durch tausend Klingen schlüge er sich um eine Schwiegertochter und Ihr habt nicht so viel Sprossen an der Leiter; giebt es einen einfachern Weg als eine Leiter.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.84.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.84.part2"> Und sie wird nicht im Dachstübchen wohnen, eine Leiter ist einfacher als eine Treppe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.85.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.85.part2"> Du mußt sie entführen, morgen früh mußt du fort.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.86.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.86.part2"> Ihr kennt sie nicht, sie ist so sanft, sie wird so etwas nicht vertragen können.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.87.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.87.part2"> Faßt sie bei ihrer Schwäche, da sind sie alle stark.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.88.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.88.part2"> Ja, entführe sie, und erzähle uns, wie sie aus Schamhaftigkeit über dir die Leiter nicht herab wollte, und du eine breite Feuerleiter bringen mußtest, und Arm in Arm mit ihr herabstiegst.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.89.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.89.part2"> Entschließt Euch, wenn Ihr liebt! gute Nacht meine Herren! <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.89.1.part2">Will ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.90.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.90.part2"> Wir hoffen Euch wiederzusehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.91.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg337.2.91.part2"> Ich bin entschlossen. Ich reise morgen früh, nehmt Schokolate mit uns.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.92.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.92.part2"> Wenn Ihr Valerien seht, tröstet sie; sagt ihr, ich könnte nicht mehr lieben, ich wäre ein böser Bube.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg337.2.93.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg337.2.93.part2"> Ich will das alles, schlafet wohl! Doch, Don Felix, Ihr habt da einen Zug von Eurem Vater an der Lippe, erlaubt, daß ich Euch küsse. <hi rend="italic" xml:id="tg337.2.93.1.part2">Er umarmt ihn; ab.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="163" xml:id="tg337.2.94"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg338" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/1. Akt/23. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>23. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg338.2.1">Dreiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg338.2.4.1">Die Vorigen ohne Sarmiento.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg338.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg338.2.6.part2"> Jetzt wenn du, wie du dran bist, Felix, du hast einen Zug von deinem Vater. – Ein guter Mann – doch erzähle von deiner Schwester, zeichne mir ihre Gestalt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg338.2.7.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg338.2.7.part2"> Sei klug, ich schlafe bei euch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg338.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg338.2.8.part2"> Wenn du nicht willst, es leben noch andere Gemälde, ich suche die Dame auf.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg338.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg338.2.9.part2"> Es wird wenig mehr zu schlafen sein; kommt, laßt uns noch tanzen und trinken, Felix, Mut trinken. <hi rend="italic" xml:id="tg338.2.9.1.part2">Ab, in den Tanzsaal.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
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                     </div>
                     <div subtype="work:no" type="act" xml:id="tg339" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt">
                        <div>
                           <desc>
                              <title>2. Akt</title>
                           </desc>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg340" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/1. Auftritt">
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                                 <title>1. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg340.2.1">Erster Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.4.1">Morgens früh nach dem Ball; die Szene, wie sie im ersten Akt verlassen wurde. Zwei Diener öffnen die Türen und räumen auf.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg340.2.6.part1">ERSTER DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg340.2.6.part2"> Das war eine harte Nacht.</l>
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                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg340.2.7.part1">ZWEITER DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg340.2.7.part2"> Du warst so besoffen, daß du an der harten Erde einschliefst.</l>
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                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg340.2.8.part1">ERSTER DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg340.2.8.part2"> Besoffen? Ich bin so nüchtern an Schlaf, daß ich schlaftrunken bin; ich bin noch, wie ich gestern morgen aufstand. Es ist mir kein Tropfen Schlaf über die Zunge geflossen, und habe kein Maul zugetan. <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.8.1.part2">Er gähnt.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg340.2.9.part1">ZWEITER DIENER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.9.1.part1">gähnt.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg340.2.9.part2"> Wir haben größern Lusten, das Maul aufzusperren als die Türen; räume im Saale auf und stelle die Instrumenten beiseite, ich muß den Herren das Frühstück bereiten. <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.9.2.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg340.2.10.part1">ERSTER DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg340.2.10.part2"> So ein Frühstück ist besser als so ein frühes Stück Arbeit. <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.10.1.part2">Geht in den Tanzsaal, bringt den Baß heraus, hält ein Stück Kuchen in der Hand.</hi> Morgenstund hat ein Stock Kuchen im Mund. <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.10.2.part2">Stellt den Baß an die Wand, setzt sich daran.</hi> Man kann nicht zwei Sachen zugleich tun,<hi rend="italic" xml:id="tg340.2.10.3.part2"> Ißt, an den Baß gelehnt.</hi> ich passe recht zu dem Baß – es schläft sich doch sanft bei der Musik. <hi rend="italic" xml:id="tg340.2.10.4.part2">Er schläft ein.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="164" xml:id="tg340.2.11"/>
                                    <lb xml:id="tg340.2.12"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg341" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/2. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>2. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg341.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg341.2.1">Zweiter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg341.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg341.2.4.1">Felix und Sarmiento.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg341.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.6.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg341.2.6.part2"> Ich bin entschlossen, ich will gleich hin und alles anwenden, des Mädchens Muhme zu bewegen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.7.part2"> Mein Freund, Muhmen gehören nicht unter die beweglichen Güter. – Ihr müßt das Mädchen sogleich entfahren und nach Eurem Gute bringen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.8.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg341.2.8.part2"> Ihr seid zu rasch. Kann eines schwachen Mädchens Ruf eine solche Reise vertragen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.9.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.9.part2"> Ich könnte Euch zwar erwidern, daß Schwindsüchtige durch Kurierreiten oft kuriert werden; doch ich frage besser: Was wollt Ihr an ihr verändern als ihren Ruf, wenn Ihr sie heiratet? Die schnelle Reise wird Euch keine Hörner aufsetzen. Setzt Euren Kopf auf, stoßet in das Horn, betriegt die Weile, indem Ihr den Pferden über die Ohren haut, so wird die Reise vor Eile den Atem verlieren, Eures Mädchens Ruf zu verderben. – Geht, Ihr seid ein anderer Mann als Euer Vater.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.10.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.10.part2"> Ich bin nur meines Vaters Sohn, und schone in meiner Geliebten seine Tochter. – In jedem Falle ist die Sache verdrießlich. Ich kann Sie nur durch schnellen Zwang erringen, und meines Vaters Einwilligung bleibt unsicher.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.11.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg341.2.11.part2"> Wen liebt Ihr denn mehr, dies Weib, oder Euren Vater?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.12.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.12.part2"> Ich liebe meinen Vater wie meine Ehre. Ich sterbe für beide, denn ich kenne ihn nur wie meine Ehre; er und sie sind eins, denn ich kenne nichts von ihm und ihr als das Blut in meinen Adern, das das seine ist. Als ich sechs Jahr alt war, kam ich von meinem Großvater zurück, zu dem ich in meinem dritten Jahre gebracht ward, und mein Vater war schon bei der Armee in Flandern. Ich sah ihn nie, und könnte ich ihn entführen, ich wäre schneller in Flandern als bei Lucillen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.13.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg341.2.13.part2"> Liebt Ihr das Mädchen mehr als Eure Ehre?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.14.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.14.part2"> Fragt nicht so, ich liebe meine Ehre um der Liebe willen, und ehre meine Liebe um der Ehre willen; ich will für Ehre und Vater sterben, und für die Liebe und Lucillen leben.</p>
                                    <pb n="165" xml:id="tg341.2.15"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.16.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg341.2.16.1.part1">zeigt ihm seine Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg341.2.16.part2"> Kennt Ihr diesen Ring?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.17.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.17.part2"> Seid mir willkommen! Ich trage denselben an der Hand.</p>
                                    <p xml:id="tg341.2.18">Es ist der Ring, den mein Vater seinen Kindern und Freunden gab. Er schrieb mir, jeden als seinen besten Freund zu achten, der diesen Ring besitzt. Alle diese Ringe sind Kinder seiner Ehre; er erhielt eine goldne Kette zum Lohne seiner Tapferkeit, und lösete sie in die Ringe auf, die er seinen Geliebtesten verteilte. Seid mir nochmals willkommen! Wie verließt Ihr ihn, Ihr müßt von ihm wissen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.19.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.19.part2"> Er betrieb seinen Abschied bei dem Hof, und sehnte sich sehr nach seinen Kindern. Den Abend vor meiner Abreise sagte er zu mir: »Sage meinen Kindern, ich würde bald kommen, und merkst du, daß sie lieben, rechtliche Menschen ihres Standes, so gebe ihnen meine Einwilligung, und sporne sie an, denn ich möchte Hochzeit sehen, wenn ich komme, und in einer vollen, fertigen Familie leben.« Jetzt versteht Ihr meinen raschen Rat. Nun will ich noch von Euren Schwestern Nachricht holen, und eile dann zurück, denn meine Geschäfte in Madrid sind abgetan. Ich will Euch Euren Vater bringen – macht, daß er die Hochzeit findet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.20.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.20.part2"> Ich eile nun, Ihr habt mich aufgerichtet; warum spracht Ihr nicht gleich so, teurer Freund? Seht, Ihr dürft meine Ängstlichkeit um des Mädchens Ehre nicht für Mutlosigkeit halten, denn ich verdanke dieser Liebe meine Ehre, sie hat sie mir im wilden Jugendleben erhalten. Für meine Schwestern, o welches Glück! wenn der Vater zurückkehrt und diesen Schatz seines Hauses der Liebe und dem Verdienste zum Preise bestimmt. Die armen Mädchen sind sehr gedrückt, sie stehen in dem begehrendsten Alter, und ihre Tante, Juanna, in dem versagendsten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.21.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg341.2.21.part2"> Der launige Don Ponce scheint ja so sehr für Isidoren zu brennen; kennt er sie?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.22.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg341.2.22.part2"> Er sah sie nie, doch liebt er sie schon lange aus meinen Erzählungen auf eine bizarre Art; auch Isidore hat sich stets nach meiner Beschreibung für ihn interessiert. Sie meinte, es müsse eine große Freude für ein still erzogenes Mädchen sein, den Menschen mit aller Kraft in einer solchen kindischen Wiege, wie sie ihn nennt, zu wecken. Sie hat recht, er ist ein <pb n="166" xml:id="tg341.2.22.1.part2"/>
schlummerndes, launiges Kind, mitten in dem Getümmel der Welt. – Hört nur seine Streiche von dieser Nacht! Er schlief mit mir in einer Stube, dreimal stand er auf und weckte mich, mit der Bitte, ihm zu sagen, ob ich nicht wisse, in welcher Stellung Isidora schlafe, und endlich, nachdem ich ihm stets gesagt hatte, ich wisse es nicht, mußte ich, um Ruhe zu haben, ihn versichern, sie ruhe gerad ausgestreckt auf der linken Seite, schweige mäuschenstille, träume gern, und wenn sie wache, sinne sie auf freundliche Worte, ihren künftigen Gatten zu unterhalten. So ward ich ihn endlich los, er ging und versicherte mich, er lege sich auf die entgegengesetzte Seite, der Symmetrie wegen, und sinne auf Worte, seine künftige Gattin zu unterhalten. Heute morgen schlief er erst ein. Ich glaube, diesen Menschen könnte die Liebe vortrefflich machen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg341.2.23.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg341.2.23.part2"> Ich hoffte viel von ihm; doch da kömmt er selbst.</l>
                                    <lb xml:id="tg341.2.24"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg342" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/3. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>3. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg342.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg342.2.1">Dritter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg342.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.4.1">Vorige; Aquilar führt Ponce, der schläfrig ist, im Arme. Ein Diener bringt einen Tisch mit Wein und Speise. Der Bediente schläft immer noch im Hintergrunde.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg342.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.6.part2"> Guten Morgen, Freunde; bei Ponce ists noch zu frühe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.7.part2"> Guten Morgen, Don Ponce!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg342.2.8.part2"> Ihr antwortet, ohne daß ich fragte, Automate. Euer guter Morgen war das Beißendste, was Ihr je gesagt, es ist ein schlechter guter Morgen, er beißt mich in den Augen, <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.8.1.part2">Er reibt die Augen.</hi> ein beißender guter Morgen. <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.8.2.part2">Er setzt sich still auf einen Stuhl, und sieht schlummerhaft sinnend vor sich hin; die andern setzen sich um den Tisch, zu frühstücken.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.9.part2"> Du gehst also aufs Entführen ein, Felix?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.10.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.10.part2"> Zähme nur deine Lippen, Aquilar, – ja, ich gehe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.11.part2"> Ich schweige gern, entführe nur das Mädchen, damit wir bald etwas zu schwätzen haben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.12.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.12.1.part1">hebt das Glas.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg342.2.12.part2"> Auf den guten Willen von Lucillen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.13.part2"> So sehr sich das reimt, ist es doch zweideutig; also auf die Eindeutigkeit! <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.13.1.part2">Trinkt.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="167" xml:id="tg342.2.14"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.15.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.15.part2"> Auf schnelle Fahrt und vertrautes Gespräch im Wagen! <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.15.1.part2">Trinkt.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.16.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg342.2.16.part2"> Vor allem aber, auf feste Sprossen in der Leiter und festen Schlaf in der Tante, auf das Wachen des Mädchens zur Zeit des Schlafs und auf den Schlaf der Stadtwache, wenn sie wachen sollte! <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.16.1.part2">Zu Ponce, der zu schlafen scheint.</hi> He, Ponce, Ihr seid die Nachtwache nicht, die schlafen soll, trinkt mit!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.17.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.17.1.part1">ergreift ein Glas, und spricht schläfrig, doch bestimmt und mit ruhiger, launiger Wärme.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg342.2.17.part2">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.17.1.part2"> – Diese Rede muß der Schauspieler gut verstehen, wenn er sie nicht verderben will. Sie ist nicht Wortspiel, sie ist der Charakter des Ponce, der um wenige Punkte ein größeres Leben dreht, bis ihn die Liebe verwandelt.</hi> O gern will ich des Schlafes Ehre trinken; doch lieber Mohn als Wein, dann schlief die Ehre ein, und auf der Ehre Schlaf läßt sich gut trinken – und besser noch, wenn Ehr und Liebe beieinander schlafen, die eine will die andre nicht erwecken, und beide läßt die Sorge doch nicht schlafen. Die Ehre wacht über die Liebe, und die Liebe schläft über der Ehre ein. Aus Liebe wacht die Liebe wieder auf, und endlich macht die Ehre sich eine Ehre daraus, einzuschlafen, sie drückt ein Auge zu; nun kann die Liebe recht erwachen, und nun ist es gefährlich, die Ehr der Ehre steht auf dem Spiel – drum trink ich auf der Ehre Schlaf; der Schlaf wär wahrlich nicht zu ehren, er wäre bloß zu schlafen, wenn die Ehre nicht in ihm einschliefe, daß die Liebe wachen könne. O, pfui des Schlafes Schlaf – Heia popeia, Ehre. – Nun Wein her! Wein! daß Liebe recht erwache, – o holder Traum, gerad ausgestreckt auf der linken Seite schlief Isidorens Ehre heute nacht, und meine Liebe wachte – <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.17.2.part2">Er trinkt schnell.</hi> o süßer Schlaf der Ehre, wo Liebe wacht, – gute Nacht! <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.17.3.part2">Er setzt sich wieder sinnend hin, wie vorher, die ganze Rede scheint er nur für sich allein gesagt zu haben.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.18.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.18.part2"> Er zwingt uns beinahe, über seiner Liebe und Ehre einzuschlafen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.19.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.19.part2"> Wahrlich, das war eine Gesundheit für einen Überwachten, dem das Schlafen gesund zu. He – Ponce!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.20.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.20.part2"> O süßer Schlaf der Ehre, wo Liebe wacht, gute Nacht!</l>
                                    <pb n="168" xml:id="tg342.2.21"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.22.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.22.part2"> Er geht mit Ehre und Liebe um, wie ein Nachtwandler, der umgeht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.23.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg342.2.23.part2"> Die Ehre und die Liebe sind ihm Dinge, die er über sein Leben hintanzen, kommen und verschwinden läßt, wie die Schiefersteine, welche die Knaben übers Wasser hintanzen lassen; man nennt diese Würfe Jungfernkinder. <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.23.1.part2">Der schlafende Diener schnarcht.</hi> Ponce; wache auf, deine Ehre schnarcht!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.24.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg342.2.24.part2"> Der Schnarchende ist wie ein Wecker an der Uhr, <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.24.1.part2">Er geht zu dem Bedienten, nimmt den Bogen der Geige.</hi> er schnarcht aus dem F moll Adagio, ich will ihn ins dur Allegro bringen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.25.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.25.part2"> Ich sah den Flegel nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.26.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.26.part2"> Still! Wer so der holden Musik im Arme liegt, den soll Musik erwecken. <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.26.1.part2">Er geigt, sie lachen.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.27.part1">BEDIENTER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.27.1.part1">schlaftrunken.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg342.2.27.part2"> Laß mich, Kamerad, – verdammter Kasten, die ganze Nacht ließt du auf dir herumgeigen und nun mich nicht einmal bei dir ruhen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.28.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg342.2.28.part2"> Er wird ungezogen, beleidigt das Ohr der Musik mit Zweideutigkeiten, sie ereifert sich. <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.28.1.part2">Geigt lebhaft.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.29.part1">BEDIENTER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.29.1.part1">aufspringend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg342.2.29.part2"> Unfreundliches Wesen, dummes Gefäß – <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.29.2.part2">Sieht seine Herren sich besinnend an, alle lachen, er läuft fort.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.30.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.30.part2"> Brav, Ponce! Nun, Freunde, lebt wohl!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.31.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.31.part2"> Ich begleite dich ein Stückchen Wegs.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.32.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.32.part2"> Fasset Mut, die Sache geht, wie der Mut steht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.33.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.33.part2"> Treffe ich euch nicht mehr, so berichtet alles meinem Vater. Lebe wohl, Ponce!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.34.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.34.part2"> Sprich, ist es wirklich wahr? Grad ausgestreckt, wie hold! und denkt an ihren künftigen Mann?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg342.2.35.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg342.2.35.part2"> Ja, ja, schlaf aus! <hi rend="italic" xml:id="tg342.2.35.1.part2">Mit Aquilar ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg342.2.36"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg343" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/4. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>4. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg343.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg343.2.1">Vierter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.2.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg343.2.2.part2"> Nun ist mir wohler; wenn einige von uns fortgehen, habe ich immer mit den Übriggebliebenen genug, das heißt mit mir.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.3.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg343.2.3.part2"> Ihr seid meistens melancholisch, und zwar weil ihr müßig seid.</l>
                                    <pb n="169" xml:id="tg343.2.4"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.5.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg343.2.5.part2"> Ihr könntet eher sagen, ich arbeite zuviel Nichts. Ihr solltet mich kennen lernen, wenn mir nicht alle Geschäfte, die ich nicht tue, die Zeit nähmen, Euch mein Herz auszuschütten, in dem nichts ist. – Seht, es giebt keine höllischere Arbeit als die, welche man nicht tut; drum macht mir die Liebe viel zu schaffen, ich vernachlässige sie so, daß ich gar nicht dazu kommen kann, die Melancholie, Freundschaft und Wohltätigkeit einzustellen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.6.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg343.2.6.part2"> Ihr müßt wirklich auf Ruhe denken, das heißt tüchtig arbeiten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg343.2.7.part2"> Ja, ich will mich zur Ruhe setzen und Nachtwächter werden. Wahrlich, ich habe alle Hände voll Arbeit für den Müßiggang. Aber ich merke, es kömmt bald, mein Puls schlägt rascher, und ich habe heute nacht an das Mädchen gedacht, daß ich aus Mitleid mit mir selbst im Traume weinte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.8.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg343.2.8.part2"> Ihr gingt schon mit so vielen Weibern um, hat Euch keine gereizt? Valeria?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg343.2.9.part2"> Es war nur mein guter, unerkannter Wille. Wagstücke, die nicht gelangen. Ich habe sie so emsig auf verschiedene Arten <hi rend="spaced" xml:id="tg343.2.9.1.part2">nicht</hi> geliebt, als sie mich liebten. Der Gedanke, der Ruf, das Bild eines Weibes, diese ferne Strahlen ihrer Sonne können mich allein erwärmen und stärken, der Sonne nach und nach entgegenzugehen. Valeria hat mich gleich zu Stein geschmolzen. Doch laufe ich den Sonnenstrahlen nach und komme endlich auf den Hügel, so ist es meistens währenddem Nacht geworden. – So auch das Bild, das die Dame ja, ich hätte bald vergessen, fragen zu lassen, wessen Bild es ist, das auf dem Busen der Dame hing, das schöne dessen Urbilds Brust ich hängen möchte. <hi rend="italic" xml:id="tg343.2.9.2.part2">Will ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.10.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg343.2.10.part2"> Und Donna Isidora?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg343.2.11.part2"> O weh – seht, das ist es eben, ich komme zu nichts! Nun zieht mich das Bild vorwärts und Isidora rückwärts, so lange ich nirgends an. O lieber Kapitän, wenn so zwei Sachen zusammenklappten, so wäre ich mitten drinne, und zur Ruhe, und liebte, liebte – nun, Ihr würdet sehen, wie ich lieben könnte. <hi rend="italic" xml:id="tg343.2.11.1.part2">Läuft ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg343.2.12.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg343.2.12.part2"> So laßt mich nicht allein in einem fremden Hause, närrscher Mensch. <hi rend="italic" xml:id="tg343.2.12.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="170" xml:id="tg343.2.13"/>
                                    <lb xml:id="tg343.2.14"/>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg344" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/5. Auftritt">
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                                 <title>5. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg344.2.1">Fünfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg344.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.4.1">Der Mittelvorhang fällt; Stube in Valerios Wohnung.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg344.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.6.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.6.1.part1">tritt auf.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg344.2.6.part2"> Ich gehe herum, und hin und her, und mache mir allerlei weis, Ponce kömmt nicht – ich fasse Mut und will stolz sein, aber immer sieht es aus wie Hoffnung und Trost – Ponce liebt mich nicht, er hat es selbst gesagt, – es tut mir leid, auch möchte ich ihm helfen. – Wenn ich wüßte, wen er liebte, – <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.6.2.part2">Sie sieht sein Bild an.</hi> ich konnte ihm den träumerischen Zug nicht nehmen, und mir hat er ihn gegeben. <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.6.3.part2">Sie hört Schritte auf der Treppe.</hi> Das ist er, ich will es ihm freundlich sagen. <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.6.4.part2">Der Türe hinaus.</hi> Komme nur herein, ich bin aber böse auf dich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.7.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.7.1.part1">tritt ein.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg344.2.7.part2"> Es tut mir leid, daß du nicht böse auf mich bist, weil ich Ponce nicht bin, den du erwartetest.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg344.2.8.part2"> Ich bin böse auf mich, daß ich so voreilig bin, und auf Euch war ich es schon lange, seit Ihr das Leben zweier Menschen wagtet, da Ihr Euch mit Porporino schlugt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg344.2.9.part2"> Ich wagte für dich und Ponce.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg344.2.10.part2"> Um einen von uns – ich hätte Euch gedankt; aber um uns beide steht schon ein anderes auf dem Spiele, das meinige.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg344.2.11.part2"> Es ist gut, liebe Valeria, daß du so frühe einsiehst, wie Ponce nur spielte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg344.2.12.part2"> So frühe? – O Ritter, seid ihr ein Bote von ihm, so sagt mir schnell seinen Auftrag; dann verlaßt mich, ich habe Euch nun einmal nicht mehr lieb; Ponce liebe ich mit Schmerz, und alles, was er tut ich werde es belohnen, das ist der Liebe Wesen und ihr Sieg. Euch liebte ich nie – auch wird es Euch reuen, Porporino zum Feinde zu haben. Wißt, er ist wieder hier.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg344.2.13.part2"> Wieder hier? Desto besser, so ist er noch nicht zum Helden geworden. Doch ich komme dir nicht zur guten Stunde, Ponce hat mich eigentlich nicht geschickt, denn er tut nichts eigentlich; aber sieh, er hat sich in Isidora, Felix' Schwester, verliebt, und in ein Brustbild. Ich kam, um dich zu trösten, und wenn er dich nicht liebt – dich um einen Kuß zu bitten – <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.13.1.part2">Er umfaßt sie.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="171" xml:id="tg344.2.14"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg344.2.15.part2"> Laß mich, Ritter; ist dies mein Ruf?<hi rend="italic" xml:id="tg344.2.15.1.part2"> Wehrt sich.</hi> Arme Valeria, armer Porporino!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg344.2.16.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg344.2.16.part2"> Aus Ruf wird bald Beruf. <hi rend="italic" xml:id="tg344.2.16.1.part2">Sie sträubt sich stets.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg344.2.17"/>
                                 </sp>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg345" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/6. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>6. Auftritt</title>
                              </desc>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg345.2.1">Sechster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg345.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.4.1">Vorige, Porporino in Uniform und Degen.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg345.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.5.1">Aquilar läßt sie, sie steht beschämt.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg345.2.6"/>
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                                    <speaker xml:id="tg345.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.7.part2"> Ei, Held! schon hier?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.8.part1">PORPORINO</speaker> 
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                                       <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.8.1.part1">laut, in des Theaters Mitte.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg345.2.8.part2"> So wollt ich dann zum erstenmal, daß er kein Lügner wäre! Sankt Georg! laß dieses Mal so wahr ihn sein, als er ein wahrer Schelm ist – ein Held sei ich, der Drache er, o Heldentum! o Tapferkeit! o Rache! o Myrte werde Lorbeer mir! <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.8.2.part2">Er zog den langen Degen am Ende der feierlichen Rede mit Pathos, dreht sich plötzlich nach Aquilar, und will nach ihm stechen; dieser aber ist während der Rede schon weg.</hi> Desto besser für uns beide – <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.8.3.part2">Legt den Degen hin, wendet sich zu Valeria, die traurig und verlegen stand; als sich Porporino zu ihr wendet, sieht sie ihn mitleidig und traulich an.</hi> Liebe Valeria, du bist zu gut, ich kann das nicht verlangen. Meine Liebe, die habe ich, meine Eifersucht, die gabst du mir; daß du mir diese aber noch variieren willst nein – ich bitte dich – opfre dich nicht auf!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.9.part2"> Ach, Porporino, ich verdiene deinen Spott nicht, wenn du auch glaubst, ich liebte dich nicht mehr. Aquilar war ungezogen – ich hasse ihn – lasse mich nicht fühlen, wie es mit mir steht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.10.part2"> Nun, sieh nur, ich kann dich nicht weinen sehen, das kann Ponce wohl. Aber gieb mir die Hand, ich will dich um etwas bitten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.11.part2"> Was willst du, guter Porporino?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.12.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.12.part2"> Du kannst mich nicht lieben – nicht wahr?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.13.part2"> Ich liebe dich jetzt nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.14.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.14.part2"> Ach – jetzt nicht – und Ponce? Liebt dich Ponce?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.15.part2"> Vielleicht nicht mehr.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.16.part2"> Er liebte dich nie. Nun sind wir beide übel daran – wollen unser Unglück teilen und uns zu helfen suchen. Und wer dem andern hilft, der ist recht gut.</p>
                                    <pb n="172" xml:id="tg345.2.17"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.18.part2"> Wie können wir uns aber helfen, wunderlicher Mensch?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.19.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.19.part2"> Sieh, ich will mich bemühen, dir Ponces Liebe zu gewinnen, ich will ihm Gutes von dir erzählen; sprich du Gutes von mir bei dir, liebe Valeria.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.20.part2"> Du bist sehr gut.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.21.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.21.part2"> Du hast es bequemer, du wirst siegen; willst du mir wohl einen Kuß dafür geben?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.22.part2"> Wenn mir Ponce auch einen gäbe, so aber darf ich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.23.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.23.part2"> Tue es immerhin, es freuet mich sehr.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.24.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.24.part2"> Aber halte Wort – <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.24.1.part2">Er küßt sie.</hi> Höre auf, du kannst es sonst nicht einbringen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.25.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.25.part2"> Ich wollte, ich könnte so lange Kuß halten, daß ich nicht mehr Wort halten könnte, das heißt ewig, denn alsdann wäre Ponce gestorben, wenn ich käme, ihn zu bewegen, daß er dich liebe.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.26.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.26.part2"> Wo hast du dann den Degen und den Federbusch her? Du siehst ja ganz anders aus.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.27.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.27.part2"> Alles von einem Kriegsmann erbeutet, der nicht mehr existiert.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.28.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.28.part2"> Du hast ihn doch nicht umgebracht?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.29.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.29.part2"> Nein, er hat abgedankt. Es ist der Ritter, der gestern maskiert hier war. Er ist der Mann, der mich bis jetzt erhielt, er hat mich hierher gebracht, hier ins Haus zu dir nun bin ich sein treuer Waffengeselle – gefalle ich dir so besser?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.30.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.30.part2"> Das nicht, aber es steht dir gut, und ich freue mich über deine Freude.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.31.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.31.part2"> Freude? ach wie bist du irre! Freude macht mir nichts, wenn du mich nicht liebst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.32.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.32.part2"> Wenn Ponce nicht wäre, so wollte ich dich lieben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.33.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg345.2.33.1.part1">abgehend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg345.2.33.part2"> Lebe wohl! So gehe ich, ihn umzubringen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.34.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.34.part2"> Dann bringst du mich um ihn. – Ei, das ist unserm Vertrage nicht gemäß.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.35.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.35.part2"> Das ist eben das Unverträgliche in diesem Vertrage.</l>
                                    <pb n="173" xml:id="tg345.2.36"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.37.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg345.2.37.part2"> Höre, ich sage mir immer, Porporino ist treu, gut, schön und klug, warum liebst du ihn nicht? Sage das auch Ponce von mir.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg345.2.38.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg345.2.38.part2"> Ja, aber Gott weiß, es ist hart.</l>
                                    <lb xml:id="tg345.2.39"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg346" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/7. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>7. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg346.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg346.2.1">Siebenter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg346.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg346.2.4.1">[Vorige, Sarmiento.]</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg346.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.6.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg346.2.6.part2"> Wenn ihr wüßtet, wie ihr so hübsch zusammen ausseht, ihr bliebt immer zusammen, Kinder.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.7.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg346.2.7.part2"> Hörst du, Valeria?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg346.2.8.part2"> Was Fremde von dir loben, ist außer dem Vertrage; ich will es schon selbst tun.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.9.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg346.2.9.part2"> Zu Hause liegen drei Briefe, Porporino – schließe und besorge sie.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg346.2.10.part2"> Lebe wohl, Valeria – ich wünschte der Schatten von Ponce zu sein, um immer neben ihm zu stehen und dich zu loben; doch ich bin ja sein Schatten, denn er steht mir im Lichte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.11.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg346.2.11.part2"> Du hast wohl allein den langen Degen gewählt, damit er doch etwas an dir – nicht in den Schatten stellen kann.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg346.2.12.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg346.2.12.part2"> Ich danke Euch für Euren Glauben; denn verdunkelt er gleich mein Herz, meinen Degen wird er nie verdunkeln; sein Herz müßte dann meinen Degen unsichtbar machen, wie er mein Herz Valerien verhüllte. <hi rend="italic" xml:id="tg346.2.12.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg346.2.13"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg347" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/8. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>8. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg347.2.1">Achter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg347.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg347.2.4.1">Vorige ohne Porporino.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg347.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg347.2.6.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg347.2.6.part2"> Wie die Liebe ihn entflammt, Valeria. O! solche frohe Seelen steigen am höchsten in ihr. Alles kannst du aus diesem Jungen machen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg347.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg347.2.7.part2"> Es ist nicht gut, wenn Ihr seine Liebe nährt, denn nur Treue ist solcher Menschen Sieg, die nicht glänzen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg347.2.8.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg347.2.8.part2"> Ponce glänzt noch nicht – Treue wird sein Sieg nicht sein.</l>
                                    <pb n="174" xml:id="tg347.2.9"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg347.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg347.2.10.part2"> Doch meine Treue wird ihn siegen machen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg347.2.11.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg347.2.11.part2"> Um dich –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg347.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg347.2.12.part2"> Um seine Liebe –</l>
                                    <lb xml:id="tg347.2.13"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg348" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/9. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>9. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg348.2.1">Neunter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg348.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg348.2.4.1">Valerio und die Vorigen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg348.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg348.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg348.2.6.part2"> Mädchen, Mädchen, stehe nicht so da, du versteinerst ganz. Sonst machte die Liebe Steine weich, aber jetzt ist es umgekehrt. – Gott weiß, wo das hinaus will; wir werden, um diese Liebe loszuwerden, verhungern müssen. Gehe, liebe Valeria, und treibe etwas, oder ich treibe dich. –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg348.2.7.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg348.2.7.1.part1">sieht ihn freundlich an und singt – und tanzt.</hi>
                                    </stage>

                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.8">O süßer Liebesschmerz!</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.9">Du tötest wie Sirene mit Gesang,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.10">Erquickst und brichst mein Herz –</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.11">Und machst mit süßer Lust mir angst und bang.</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.12">Dein Ringen, Umschlingen, Umfassen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.13">Dein Drücken, Entzücken, Erblassen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.14">Soll, wird je mein Herzelein flott,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg348.2.15">Mich nimmer berücken, umstricken, bei Gott! –</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg348.2.16"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg348.2.17">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg348.2.17.1">Geht zierlich winkend, tändelnd ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg348.2.18"/>

                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg349" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/10. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>10. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg349.2.1">Zehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg349.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg349.2.4.1">Vorige ohne Valeria.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg349.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.6.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg349.2.6.1.part1">der ihr freundlich zusah.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg349.2.6.part2"> Ja, singe nur, Sirenchen! Wenn das Wesen singt, ist alle meine Autorität hin, ganz wie die Mutter – das weiß sie nun. Aber es ist doch Jammer und Schade, Ritter, um das Kind. Wenn so ein armer Teufel einen Engel besitzt, hat er gleich die ganze Hölle auf dem Halse. Die neue Zucht ist Unzucht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.7.part2"> Wenigstens Ungezogen, und das liegt an uns. Aber wir wollen anfangen – Ponce soll weg.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.8.part2"> Habt Ihr aus Flandern ein Mittel mitgebracht, Tintenflecke wegzubringen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.9.part1">SARMIENTO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg349.2.9.1.part1">scherzend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg349.2.9.part2"> Ja, denn du sollst auch weg.</l>
                                    <pb n="175" xml:id="tg349.2.10"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.11.part2"> Mit Euch und meinem Kinde, zu jeder Stunde.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.12.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.12.part2"> Ich habe einen Plan gemacht, Valerien und Ponce und Porporino zu helfen, und Aquilar zu strafen, und meine Töchter auf die Probe zu stellen; alles zugleich, wenn du hilfst, und dann noch Hochzeiten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.13.part2"> Gerne – sprecht, das wäre auf einen Zug ein reicher Fang.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.14.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.14.part2"> Sieh, Ponce gefällt mir, wenn eine herrschende Königin in sein anarchisches Gemüt käme, könnte er viel werden. Er ist der beste von allen; er ist doch melancholisch.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.15.part2"> Ja, er fühlt sich noch selbst. Wer soll aber Herrscher in ihm werden, und wie werden wir die arme Valeria, die emigrierte Prätendentin, trösten?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.16.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.16.part2"> Sie haftet mehr an ihrer Liebe als an Ponce, und siehet sie ihn ernstlich lieben, so wird sie mit Porporino glücklich sein; denn wenn Ponce ernstlich liebt, so wird er ein anderer. – Mein Plan nun ist der: Ponce liebt meine Tochter Isidora, die er nur durch Felix kennt, und Felix sagte mir, auch Isidora sei ihm geneigt. – Wie wäre es, wenn du und Porporino ihn und Aquilar auf meinem Gute empfinget und sie beide ein bißchen quältet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.17.part2"> Das wäre ganz gut; aber wo soll Valeria bleiben? Auch ist Eure Schwester Juanna alt und streng, und wird die Ritter nicht einlassen, und die Ritter werden mich und Porporino kennen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.18.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.18.part2"> Dafür ist gesorgt. Ich habe meiner Schwester Juanna einen Brief aus Flandern datiert geschickt, der sie nach Valladolid ruft, die Erbschaft meines verstorbenen Vetters zu betreiben; meine andere Schwester, die von allem unterrichtet ist, wird gleich die Aufsicht bei den Mädchen über nehmen; Porporino, als Arzt verkleidet, wird sie hinbringen und dich, den ich von nun an auf ewig zu meinem Hausmeister auf dem Gute ernenne, werden sie gar nicht zu sehen bekommen, du mußt ihnen aus dem Wege gehen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.19.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.19.part2"> Das liegt mir schon von selbst in der Natur; aber Valeria, wo soll sie bleiben?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.20.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.20.part2"> Dein Mädchen wird zwei Tage allein sein, dann kann sie Porporino holen; aber du mußt heute noch hin.</l>
                                    <pb n="176" xml:id="tg349.2.21"/>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg349.2.22.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.22.part2"> Heute noch?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.23.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.23.part2"> Je früher, je schneller ist es vorüber; packe das Nötigste zusammen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.24.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg349.2.24.part2"> Da müßte ich Valerien einpacken; doch auf Euer Wort, verstehe ich die Sache zwar nicht ganz, glaube ich blind.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg349.2.25.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg349.2.25.part2"> Sage es Valerien, und rüste dich.</l>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg350" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/11. Auftritt">
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                                 <title>11. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg350.2.1">Eilfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg350.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg350.2.4.1">Vorige, Porporino.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg350.2.6.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg350.2.6.part2"> Ritter, Ponce bittet Euch, zu ihm zu kommen; Aquilar hat es zweimal sagen lassen; ich hoffe, mein Nebenbuhler liegt in den letzten Zügen. Die Briefe sind besorgt. <hi rend="italic" xml:id="tg350.2.6.1.part2">Valerio ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg350.2.7.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg350.2.7.part2"> Gut, ich gehe gleich hin. Höre, Porporino, ich werde dich als Doktor brauchen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg350.2.8.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg350.2.8.part2"> Ich stehe zu Diensten, wenn Euer Leib es aushalten kann.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg350.2.9.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg350.2.9.part2"> Nein, es ist Maskerade, du sollst eine Schwester von mir nach meinem Gute begleiten als Arzt; Ponce und Aquilar werden sich vermutlich hinschleichen; Ponce ist in meine Tochter verliebt, Valerio geht heute schon hin als Hausmeister. Ihr sollt die Herren dort empfangen und sie für ihren Mutwillen etwas quälen.</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg350.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg350.2.10.part2"> Gut, aber Valeria?</l>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg350.2.11.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg350.2.11.part2"> In zwei Tagen holst du sie auch hin, und versuchst dein Glück weiter. Gehe, suche dir eine recht verstellende Maske, eine Perücke besonders, die dich bedeckt.</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg350.2.12.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg350.2.12.part2"> Und einen Ring werde ich an den Finger stecken, so groß, daß jeder Kranke seinen Grabstein wird zu sehen glauben.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg350.2.13.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg350.2.13.part2"> Ich gehe jetzt zu Ponce, um ihn zu stimmen; nachher treffe mich wieder, daß ich meinen Auftrag vollende. <hi rend="italic" xml:id="tg350.2.13.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="177" xml:id="tg350.2.14"/>
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                                 <title>12. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg351.2.1">Zwölfter Auftritt</head>

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                                    <speaker xml:id="tg351.2.2.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg351.2.2.part2"> Fürchterlicher kann ich nicht gegen meinen Nebenbuhler zu Felde ziehen denn als Arzt. Eulen Doktor soll ich vorstellen? und bin so unheilbar krank. Ihr Kuß hat mir allen Mut genommen. O Abschied, gieb mir alle deine Rührung, damit ich sie rühre. Valeria! <hi rend="italic" xml:id="tg351.2.2.1.part2">Ruft in die Szene.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg351.2.3.part1">VALERIA</speaker> 
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                                       <hi rend="italic" xml:id="tg351.2.3.1.part1">guckt zur Türe herein.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg351.2.3.part2"> Ja du, ich glaubte, du wärst Ponce – <hi rend="italic" xml:id="tg351.2.3.2.part2">Läuft fort.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg351.2.4.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg351.2.4.part2"> So bleibe doch, ich verreise ja, ich will ja Abschied nehmen. – <hi rend="italic" xml:id="tg351.2.4.1.part2">Läuft nach.</hi>
                                    </l>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg352" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/13. Auftritt">
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                                 <title>13. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg352.2.1">Dreizehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg352.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg352.2.4.1">Ponces Stube.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg352.2.6.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg352.2.6.1.part1">legt einen Brief zusammen.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg352.2.6.part2"> An dem alten zahnlosen General hat sich der Tod keinen Zahn ausgebissen. So wäre ich dann der letzte Ponce, und so verliebt als je ein Zweiglein an dem großen Stamme, und doch vielleicht erstirbt er mit mir. Ich stecke zwischen zwei Leidenschaften, wie mein Schattenriß zwischen den zwei Klingen einer Schere. Der Gedanke ist gut: wenn die zwei Klingen zusammenklappten, so wäre es nur eine Schere, und dann eine Scheide dazu, so ist das Instrument tragbar, und verwundet nicht.</p>
                                    <lb xml:id="tg352.2.7"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg353" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/14. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>14. Auftritt</title>
                              </desc>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg353.2.1">Vierzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg353.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.4.1">Ponce, Sarmiento, Aquilar.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg353.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.6.part2"> Ich fand ihn schon auf dem Wege.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.7.part2"> Wir plagen Euch sehr, Ritter. Ich wollte mit Euch von meiner Liebe sprechen, aber Ihr kommt zu früh, ich schickte meine Diener nach der Dame, die das Brustbild trug, um zu fragen, wen es vorstelle.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.8.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.8.part2"> Habt Ihr nur <hi rend="spaced" xml:id="tg353.2.8.1.part2">eine</hi> Liebe?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.9.part2"> Leider sitze ich zwischen zwei Feuern, ganz in der Lage eines gut bratenden Kramsvogels, nur einen Spieß im Herzen, und zwei Feuer um mich – man mag mich drehen und wenden, ich brate immer.</p>
                                    <pb n="178" xml:id="tg353.2.10"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.11.part2"> So hast du doch endlich Hoffnung, genießbar zu werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.12.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.12.part2"> Seid Ihr das alles nicht bald müde?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.13.part2"> O wie müde! Die Juden sind die Inquisition nicht so müde. Ihr wißt gar nicht, wie mir ist; ich bin so zerstreut, daß ich vergesse, mir die ganze Sache aus dem Kopfe zu schlagen, und das Nötigste versäume. <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.13.1.part2">Er klingelt.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.14.part1">EIN DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.14.part2"> Was befehlt Ihr?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.15.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.15.part2"> Der Maler, kömmt er? und der Schneider?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.16.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.16.part2"> Ich fragte, wie Ihr sagtet, bei Valerio nach einem Maler; er will einem schicken, und auch ein Schneider will kommen. <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.16.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.17.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.17.part2"> Was willst du denn mit Maler und Schneider?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.18.part2"> Ich bin der letzte Ponce, der alte General ist gestorben, und ich muß trauren.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.19.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.19.part2"> Das wäre der Schneider. Aber der Maler? Willst du deine Geliebte malen lassen, die du nicht kennst, wie du dir Trauer machen läßt, die du nicht trauerst?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.20.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.20.part2"> Beides, beides.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.21.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.21.part2"> Du bist so ungeduldig –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.22.part2"> Ich bins, denn ich erwarte alles, und habe nichts. <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.22.1.part2">Ein Diener tritt ein.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.23.part2"> Nun, Kerl, wärst du nicht so lange ausgeblieben, daß ich keine Zeit mehr habe, dich zu prügeln, ich täte es.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.24.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.24.part2"> Ich wünsche Euch Glück, Ritter, zum Tode Eures Ohms, Ihr erbt ihn, denkt Eurer Diener, wenn sie Euch tot ärgern sollten – <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.24.1.part2">Giebt ihm ein Billet – und geht ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.25.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.25.part2"> Nun entscheidet sich es. <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.25.1.part2">Bricht auf – liest mitten in der Stube.</hi> Stellt Euch um mich, wenn ich in Ohnmacht fallen sollte. <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.25.2.part2">Liest:</hi> Das Bild, das ich gestern trug, Ritter, ist das Bild – meiner Freundin<hi rend="italic" xml:id="tg353.2.25.3.part2"> Mit immer steigendem Affekt.</hi> I-si-do-ra – von – Sarmiento – Isidora von Sarmiento – Isidora von Sarmiento.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.26.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.26.part2"> Isidora von Sarmiento – <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.26.1.part2">Nicht verwundernd, nur nachbetend.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.27.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.27.part2"> Isidora von Sarmiento – <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.27.1.part2">Ebenso.</hi> Nun?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.28.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.28.part2"> Weh! Weh! Weh! die Schere geht zu, es klappt zusammen; ihr hört es, Leute? Zwei Weiber quälten Ponce, <pb n="179" xml:id="tg353.2.28.1.part2"/>
nun sind sie vereinigt! Geschwinde her, ihr Menschen, das Leben hat ein anderes Gesicht bekommen, ich kann Euch alle küssen. <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.28.2.part2">Er umarmt sie.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.29.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.29.part2"> Herzlich wünsche ich Glück; nun schlage dich durch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.30.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.30.part2"> Nun stört Euch nichts mehr, lauft dem Strahle nach, und setzt Euch zur Ruhe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.31.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.31.1.part1">immer bewegt.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg353.2.31.part2"> Grad ausgestreckt schläft sie, mit dem holden Angesicht, und träumt? O! ist dies Glück ein Traum von ihr, den meine Liebe träumt? Ich finde mich nicht. So schmerzlich war mir das Gestirn der Zwillinge, so freundlich geht mir nun die Jungfrau auf.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.32.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.32.part2"> Ihr seid nun ganz genesen. Handelt, und lebt wohl! Morgen führt mein Weg mich nach Flandern zurück.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.33.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.33.part2"> Ihr wollt gehn? Ihr sollt nicht gehn. In Eurer Gegenwart hat sich mein verwirrtes Leben entsponnen, nun sollt Ihr bleiben, mir raten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.34.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.34.part2"> Wenn Ihr könnt, so bleibt, und laßt uns lustig sein. Es war seither eine dumme Zeit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.35.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.35.part2"> Und seit Ihr hier seid, ward die Zeit klug.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.36.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.36.part2"> Ich reise morgen mit Porporino zur Armee.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.37.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.37.part2"> Mit Porporino!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.38.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.38.part2"> Es wird Euch lieb sein, wenn er weg kömmt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.39.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.39.part2"> Lieb? Nein – sehr leid – Valeria!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.40.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.40.part2"> Wie fällt dir die jetzt ein?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.41.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.41.part2"> Valeria liebt mich sehr; ich glaubte, Porporino könnte sie trösten – nun wird das arme Mädchen ganz verlassen. Es ist, als sei ich ganz verändert.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.42.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.42.part2"> Schmerzt Euch unglückliche Liebe, so verdient Ihr der Liebe Glück. Doch habe ich auch hieran gedacht. Ich glaube, wenn Porporino zurückkehrt, und mit Ruhm, so wird Valeria neuen Reiz in ihm finden.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.43.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg353.2.43.part2"> Gut – ja – aber ratet mir. Ich weiß nicht, wie ich solange an Porporino denken konnte; ratet, wie soll ich zu den Mädchen kommen, die so enge eingesperrt sind.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg353.2.44.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg353.2.44.part2"> Ich besuche Euch heute noch einmal. Bis dahin will ich mich besinnen, lebt wohl! <hi rend="italic" xml:id="tg353.2.44.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="180" xml:id="tg353.2.45"/>
                                    <lb xml:id="tg353.2.46"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg354" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/15. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>15. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg354.2.1">Funfzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg354.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg354.2.4.1">Aquilar, Ponce.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg354.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.6.part2"> Besinnen – das ist dumm. Das Alter bleibt immer langweilig in Liebessachen. – Es ist ein böser Fall – die Mädchen, sagte Felix, sind wie die Nonnen eingesperrt – gieb Rat, rühre dich, Aquilar!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg354.2.7.part2"> Deine Leidenschaft ist so ungeraten, daß sie unberaten bleiben wird. Warte doch, bis Felix kommt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.8.part2"> Warten soll ich? ich? der nichts erwarten kann? O nimm dir neunzehn Gesellen, daß deiner zwanzig auf ein Lot gehn, du Freund in der Not! Warten? Mein ganzes Leben war ein Warten hierauf – und ich will nicht länger warten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg354.2.9.part2"> So gehe hin!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.10.part2"> Höre, wenn ich das Schloß ansteckte in der Nacht, und an ihr Bett hinschlich' und sie in der Verwirrung wegtrüge. An ihr Bett – grad ausgestreckt liegt sie, und träumt so gern, und sinnt auf Gespräche für ihren künftigen Gatten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.11.part2"> So holden Traum willst du stören, die Gespräche stören, die sie für dich ersinnt, deines besten Freundes Gut willst du anstecken? Du bist ein Narr.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.12.part2"> Die Liebe soll ihre Narren haben. Aber ich wollte wohl als Gatte auf ihre Gespräche Verzicht tun und das verbrannte Gut als Mitgift annehmen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.13.part2"> Mitgift! denkst du in der Liebe an die Mitgift, so giebst du der Liebe Gift; komme in die freie Luft!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg354.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg354.2.14.part2"> Gern – ich will doch sehen, wie Ponce nun Atem schöpft, da er liebt. Aber nach Osten laß uns gehen, dort hinaus liegt das Gut. <hi rend="italic" xml:id="tg354.2.14.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg354.2.15"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg355" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/16. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>16. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg355.2.1">Sechszehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg355.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg355.2.4.1">Valerios Wohnung.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg355.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg355.2.6.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg355.2.6.1.part1">tritt ein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg355.2.6.part2"> Ich bin wie ein kleines Kind, das gern alles bietet, wenn es bitten hört, aber das Geben will es nicht begreifen; ich möchte weinen, wenn ich denke, daß ich heute <pb n="181" xml:id="tg355.2.6.2.part2"/>
noch das Haus verlassen soll, es ist ganz mit mir zusammengewachsen, und [ich] werde gar nichts zu sagen wissen in einem fremden Hause.</p>
                                    <lb xml:id="tg355.2.7"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg356" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/17. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>17. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg356.2.1">Siebenzehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.2.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.2.part2"> Ihr seid so unruhig, Vater; was fehlt Euch nur? Ihr gingt so überall herum; sucht Ihr etwas? Sagt mirs doch. Wenn Ihr nicht ruht, kann auch ich nicht zufrieden sein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.3.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.3.part2"> Du gutes Kind, du hast sonst immer mein Glück gemacht, aber nun –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.4.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.4.part2"> O sprecht nicht von meiner Liebe, Vater, laßt mir das allein, sie ein Geheimnis sein vor Euch, da sie nicht fröhlich ist. Soll ich Euch etwas vorlesen? Kommt, setzt Euch in Euren Stuhl. <hi rend="italic" xml:id="tg356.2.4.1.part2">Sie rückt ihm den Lehnstuhl vor.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.5.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.5.part2"> Auch diesen treuen Sorgenteiler, auch diesen – <hi rend="italic" xml:id="tg356.2.5.1.part2">Setzt sich.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.6.part2"> Ihr sprecht so beweglich, Vater, und so geheim, verbergt mir nichts.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.7.part2"> Komme her, mein Kind, setze dich zu mir.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.8.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg356.2.8.1.part1">setzt sich auf seinen Schoß.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg356.2.8.part2"> Nun, Väterchen, sprich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.9.part2"> Sieh, in den langen Abenden, bald nach der Mutter Tod, da Porporino noch so einig mit dir war, hatte ich dich oft so auf dem Schoße, und du sangst mir Lieder von der Mutter, oder erzähltest, was du nur wußtest von ihr; da war ich sehr zufrieden und ruhig, du warst immer mein Glück allein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.10.part2"> Das wird wohl wiederkommen, laßt nur meinem Herzen den Frieden kehren, und ich kann ja wohl noch jetzt singen.</p>
                                    <lb xml:id="tg356.2.11"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.12">Ich wollt ein Sträußlein binden,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.13">Da kam die dunkle Nacht,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.14">Kein Blümlein war zu finden,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.15">Sonst hätt ich dirs gebracht.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.16"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.17">Da flossen von den Wangen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.18">Mir Tränen in den Klee,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.19">Ein Blümlein aufgegangen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.20">Ich nun im Garten seh.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.21"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.22">
                                          <pb n="182" xml:id="tg356.2.22.1"/>
Das wollte ich dir brechen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.23">Wohl in dem dunklen Klee,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.24">Doch fing es an zu sprechen:</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.25">»Ach tue mir nicht weh!</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.26"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.27">Sei freundlich in dem Herzen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.28">Betracht dein eigen Leid,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.29">Und lasse mich in Schmerzen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.30">Nicht sterben vor der Zeit.«</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.31"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.32">Und hätts nicht so gesprochen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.33">Im Garten ganz allein,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.34">So hätt ich dirs gebrochen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.35">Nun aber darfs nicht sein.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.36"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.37">Mein Schatz ist ausgeblieben,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.38">Ich bin so ganz allein.</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.39">Im Lieben wohnt Betrüben,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.40">Und kann nicht anders sein.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.41"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.42.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.42.part2"> Das ist nun noch schlimmer, das höre ich nun morgen nicht wieder.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.43.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.43.part2"> Ei, warum nicht? Ich singe dirs morgen wieder. Was fehlt Euch, nur, warum sagt Ihr immer: »Du warst sonst mein Glück allein« – kann ich es dann nicht mehr sein?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.44.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.44.part2"> Sonst machtest du mein Glück allein, und ich bin traurig, weil ich es nun auch gemacht habe. Ich bin Hausmeister auf dem Gute Sarmientos geworden, und habe nun auf immer und ewig genug. Heute muß ich schon hin und kann dich nicht gleich mitnehmen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.45.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.45.part2"> Ich freue mich über Euer Glück, aber ich wäre es doch lieber allein geblieben. Hier sollt Ihr weg? wir sollen hier weg – Vater, können wir nicht bleiben – und ich soll Euch erst nachkommen – jetzt allein sein – wann soll ich Euch dann nachkommen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.46.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.46.part2"> Porporino wird dich holen, in zwei Tagen, aber hilf nur einpacken, – komme, Mädchen – es ist ja unser Glück.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.47.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.47.part2"> Ich weiß nicht – unser Glück, wohnt es nicht hier?</l>
                                    <pb n="183" xml:id="tg356.2.48"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.49.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.49.part2"> Nein, Kind – und sieh, es ist auch besser für dich, der Ponce hat dich so ins Gerede gebracht; komme!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.50.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.50.part2"> Ich weiß nicht, wie mir ist, Vater, daß wir hier weg sollen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.51">VALERIO.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.52">Im Lieben steckt Betrüben,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg356.2.53">Und kann nicht anders sein.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg356.2.54"/>
                                    <p xml:id="tg356.2.55">So komme dann, und hilf mir; den leeren Koffer hereintragen, er steht schon vor der Türe. <hi rend="italic" xml:id="tg356.2.55.1">Beide ab, holen den Koffer.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.56.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg356.2.56.part2"> Ich glaubte, für mich hätte alles Einpacken ein Ende, und ich hätte keines mehr zu erwarten, als bis mein Eignes eingepackt werde in den engsten Koffer auf ewig. Nun habe ich überlegt, Valeria, was ich mitnehme; vor allem alle Erinnerungsstückchen, also meine Brautkleider, die Hemden, die mir die Mutter nähte, und die Halskrausen von dir, und so fort, denn ich will dort gleichsam niemals dort, sondern immer in diesen Hemden, Halskrausen sein, um das Heimweh nicht zu bekommen; und du, liebes Kind, behalte alles, was sonst da ist, die Sachen deiner Mutter schenke ich dir nun alle, und um dich zu zerstreuen, kannst du manchmal die alten Palatine und Hauben aufsetzen und in der Stube herumspazieren, vielleicht amüsiert dich das.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg356.2.57.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg356.2.57.part2"> Ach, Vater, seid nicht so freundlich, das macht mich immer trauriger; kommt! <hi rend="italic" xml:id="tg356.2.57.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg356.2.58"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg357" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/18. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>18. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg357.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg357.2.1">Achtzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg357.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg357.2.4.1">Porporino tritt ein, hat einen großen Rock auf dem Arme, legt ihn hin; der offne Koffer steht in der Mitte.</hi>
                                 </stage>
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                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg357.2.6.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg357.2.6.part2"> Nun will ich mich geschwind zum Maler machen, Ponce hat einen bestellt, er will sicher eine andere arme Seele malen lassen, die im Fegefeuer seiner Liebe brennt, den Schneiderjungen mache ich auch – <hi rend="italic" xml:id="tg357.2.6.1.part2">Parodierend.</hi> »Hu, mein Herr, was haben sie vor feine Beine, die sind von der ganz feinen Sorte, alle hochgebornen Herrn haben solche, ich meine die Störche, wie soll ich dann das Maß nehmen?« – Dabei kann ich ein Wörtchen für Valerien fallen lassen; ich könnte es nimmer, wenn ich ihn nicht zugleich anführte. <hi rend="italic" xml:id="tg357.2.6.2.part2">
                                          <pb n="184" xml:id="tg357.2.6.2.1.part2"/>
Während der letzten Rede zog er seinen Wams aus, legt den Degen ab, den er erst entblößte und betrachtete; da er sich verkleiden will, hört er jemand.</hi> Teufel, das ist mir nicht recht, warte! <hi rend="italic" xml:id="tg357.2.6.3.part2">Er steigt in den Koffer, macht den Deckel zu.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg357.2.7"/>
                                 </sp>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg358" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/19. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>19. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg358.2.1">Neunzehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.2.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.2.1.part1">mit Wäsche auf dem Arm und einem Korb, den sie hereinzieht, in welchem auch Gerät liegt.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg358.2.2.part2"> Er klagte immer, ich arbeite nicht mehr; er soll sich wundern, wenn er die vielen neuen Krausen und feinen Ärmel sieht. Nun soll ich ganz weg, und werde Ponce nicht einmal mehr sehen. Ja, da liegt ein bloßer Degen, und ein Kleid, das gehört Porporino. Was soll das? – Seit ich so verlassen bin, kann ich gar nichts Gutes mehr vermuten.<hi rend="italic" xml:id="tg358.2.2.2.part2"> Macht den Koffer auf, Porporino liegt still.</hi> Herr Jesus! – Porporino, was machst du denn? Hast du mich nicht erschreckt – Porporino, ich bitte dich – höre auf – Jesus! Porporino – bist du tot? O du Gott! was ist das für eine Welt!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.3.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.3.part2"> Ja, deswegen stieg ich auch in den Koffer! Komme, verlasse die böse Welt, komme zu mir in den guten Koffer!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.4.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.4.part2"> Gehe, du bist ein dummer Mensch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.5.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.5.part2"> Ein rechter plumper Erdenkloß; erschaffe mich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.6.part2"> Ich habe nichts mit dir zu schaffen; geschwinde aus dem Koffer!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.7.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.7.part2"> Ich kann aber nicht heraus, bis du mich geküßt hast.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.8.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.8.1.part1">kniet an den Koffer, küßt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg358.2.8.part2"> Nun her aus! <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.8.2.part2">Er steigt heraus.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.9.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.9.part2"> Nun ist Adam erschaffen, aber er ist so allein, – o steige aus meiner Seite, Eva – o Valeria, wie hab ich dich im Herzen! Wenn ich dich so in den Armen hätte, dann wäre das Männlein und Fräulein erschaffen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.10.part2"> Sei artig! <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.10.1.part2">Bleibt knien und fängt an zu packen. So fährt sie bis ans Ende fort, indem sie sich dann und wann in die Knie setzt, und aufhört, wenn das Gespräch für sie berührender ist.</hi> Was soll das aber bedeuten, daß du dich entkleidest?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.11.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.11.part2"> Ich wollte mich verkleiden, Ponce hat einen Maler bestellt. Du weißt, ich kann ein wenig malen, er will ein Frauenzimmer gemalt haben.</p>
                                    <pb n="185" xml:id="tg358.2.12"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.13.part2"> Ja! weißt du nicht wen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.14.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.14.part2"> Nein, das will ich eben herauskriegen, um es dir zu sagen; und dann hat er auch einen Schneider rufen lassen, um sich Kleider machen zu lassen, und sieh, das sind vielleicht Hochzeitskleider. <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.14.1.part2">Er setzt sich auf die Erde zu ihr.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.15.part2"> Für wen die wohl sind? Wie wirst du das erfahren, Lieber?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.16.part2"> Dem Schneider habe ich einen Real gegeben, daß er sich eine Kanne Wein messen läßt, während ich dem Ponce die Kleider messe. Ich habe schon alles in der Ordnung, da will ich ihm dann immer von dir erzählen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.17.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.17.part2"> Aber hüte dich, so zu sprechen, daß er glaube, ich habe eine Liebschaft mit dem Schneiderjungen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.18.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.18.part2"> Du weißt doch, daß ich morgen fortgehe, Valeria?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.19.part2"> Ja, ich bleibe ganz allein hier, das tut mir sehr leid! Wo gehst du dann hin?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.20.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.20.part2"> Ich darf es nicht sagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.21.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.21.part2"> Du traust mir nicht mehr; habe ich dir jemals etwas ausgeschwätzt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.22.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.22.part2"> Nein, denn ich vertraute dir nichts, als daß ich dich liebe, und davon sprachst du leider nie.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.23.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.23.part2"> Lieber Porporino, ich liebe dich seit ein paar Tagen doch ein bißchen mehr; sage mirs doch – was sollen alle die Anstalten?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.24.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.24.part2"> Die sind alle wegen Ponce.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.25.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.25.part2"> Wegen Ponce? Man will ihm doch nichts zuleide tun?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.26.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.26.part2"> Nein, er ist in Isidora verliebt, und wird mit Aquilar nach dem Gute hingehen, und da wird man ihn dort empfangen und acht geben, daß er keine dumme Streiche macht, denn der fremde Ritter, mein Freund –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.27.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.27.1.part1">schmeichelt ihm.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg358.2.27.part2"> Wer ist denn der fremde Ritter eigentlich?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.28.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.28.part2"> Sarmiento – nun ist es heraus – nun weißt du alles.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.29.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg358.2.29.part2"> Sarmiento?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.30.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.30.1.part1">springt auf.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg358.2.30.part2"> Ich habe alles ausgeschwatzt, und will fort – aber versüße mir doch die Sünde. <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.30.2.part2">Valeria reicht ihm die Wange.</hi> Das war der Sündenfall – und dies ist die Flucht aus dem Paradiese. <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.30.3.part2">Nimmt seine Sachen, und geht ab.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="186" xml:id="tg358.2.31"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg358.2.32.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg358.2.32.part2"> So muß ich denn das Meine allein tun – ich armer Schelm, das dreht sich alles um mich und ich bin allein vergessen. <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.32.1.part2">Singt.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg358.2.33"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg358.2.34">Alle Schmerzen fassen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg358.2.35">Alle Freuden meiden,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg358.2.36">Alle Hoffnung lassen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg358.2.37">Soll ein liebend Herz voll Leiden.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg358.2.38"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg358.2.39">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg358.2.39.1">Ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg358.2.40"/>

                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg359" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/20. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>20. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg359.2.1">Zwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg359.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg359.2.4.1">Ponces Wohnung.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg359.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg359.2.5.1">Ponce tritt auf, gleich darauf Aquilar.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg359.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg359.2.7.part2"> Die Sache geht herrlich, der Fremde ist ein Trost aller Verliebten, ein Schrecken aller Tanten und Vormünder.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.8.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg359.2.8.1.part1">eintretend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg359.2.8.part2"> Es wird ein vollkommner Spaß werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg359.2.9.part2"> Du gehst also gewiß mit?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg359.2.10.part2"> Ja – aber den Verwundeten kann ich nicht spielen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg359.2.11.part2"> Das mußt du doch, weil mich die Liebe schon verwundet hat, du nicht singen kannst und wir kanten vorstellen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg359.2.12.part2"> Ich bin aber gesund wie ein Fisch – könnten wir dann nicht ohne Wunde als Pilger in das Schloß kommen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg359.2.13.part2"> Ohne daß einer verwundet ist, wird uns nicht aufgemacht. Die Keuschheit fürchtet alles, und traut selbst der Krankheit nicht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg359.2.14.part2"> Nun, so sei es; ich gehe nach Haus und zeige an, daß wir nach Madrid reisen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg359.2.15.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg359.2.15.part2"> Vergiß nicht, dir Pilgerkleider machen zu lassen. <hi rend="italic" xml:id="tg359.2.15.1.part2">Aquilar ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg359.2.16"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg360" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/21. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>21. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg360.2.1">Einundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg360.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg360.2.4.1">Diener, Ponce.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg360.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg360.2.6.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg360.2.6.part2"> Ein Maler und ein Schneider.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg360.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg360.2.7.part2"> Den Schneider lasse hereintreten, den Maler brauche ich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg360.2.8.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg360.2.8.part2"> Der Schneider will nicht ohne den Maler kommen, sie halten fest aneinander.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg360.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg360.2.9.part2"> Ich kann beide aber nicht brauchen.</l>
                                    <pb n="187" xml:id="tg360.2.10"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg360.2.11.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg360.2.11.part2"> So könnt Ihr einen auch nicht brauchen, denn sie sind beide eine und dieselbe Person.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg360.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg360.2.12.part2"> Lasse sie kommen, oder vielmehr ihn. <hi rend="italic" xml:id="tg360.2.12.1.part2">Diener ab.</hi> An dem Hermaphroditen mag der Schneider wohl besser sein als der Maler.</p>
                                    <lb xml:id="tg360.2.13"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg361" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/22. Auftritt">
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                              <desc>
                                 <title>22. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg361.2.1">Zweiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg361.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.4.1">Porporino als Schneider und Maler zugleich. Die Perücke muß ihn besonders maskieren; er hat eine Staffelei unter dem Arm, aus der Tasche hängen ihm Maße, Nadel und Zwirn am Ärmel, Pinsel und Palette in der Hand; er muß etwas gelassen sprechen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg361.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.6.part2"> Ihr gefallt mir, Ihr habt entweder die Malerei auf die Schneiderei gepfropft, um diese zu veredeln, oder die Schneiderei auf die Malerei, weil Ihr in dieser nur Böcke machen könnt. Ihr seid ein Mann wie eine Gabel mit zwei Zinken, Ihr seid gut gespalten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.7.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.7.part2"> Die Künste werden immer weitschichtiger, wie die jetzigen Hosen, denn die neue Zeit füllt beide nicht aus, und die zwei Beine, Hosen- Beine, sind die wahre Dualität, aus der sie nicht heraus können, ohne die arme Blöße zu zeigen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.8.part2"> Wie kommt Ihr aber gerade zu dieser Vereinigung, malerischer Schneider?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.9.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.9.part2"> Anfangs war ich nur ein Maler, ich bemerkte aber bald, daß die Menschen nach und nach zu Stöcken wurden, und legte mich auf die Schneiderkunst. Ihr glaubt nicht, Sennor, wie das hilft, das Eckige rund und das Platte gewölbt zu machen; der rundende Schatten ist heutzutage ganz in der Gewalt der Schneiderei, und da das Gefühl in den Fingerspitzen bei einem gefühlvollen Schneider ebenso nach dem Herzen strömt wie bei einem gefühlvollen Maler vom Herzen nach den Fingerspitzen, so habe ich durch meine Vereinigung eine doppelte Gefühlszirkulation in mir angelegt, und messe den Damen immer erst Schnürbrüste an, ehe ich ihnen Brüste male.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.10.part2"> Ihr habt eine Zirkulation im Leibe wie ein Sparofen, – kann man Euch aber wohl ein Porträt diktieren?</p>
                                    <pb n="188" xml:id="tg361.2.11"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.12.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.12.part2"> Wollt Ihr ein bewegliches Kunstwerk, wie viele aus meiner Hand hier leben, täuschend wie Menschen aussehen, ja selbst in den angesehensten Häusern Liebe und Freundschaft und andere natürliche Empfindungen genießen; wollt Ihr ein solches Porträt von mir – so stellt Euch, oder irgend eine männliche oder weibliche Grundierung, und diktiert in die Schere.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.13.part2"> Ihr seid boshaft; nein, ein Gemälde in den Pinsel; setzt Euch an die Staffelei, ich will sehen, was Euch einfällt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.14.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.14.1.part1">sitzt an der Staffelei; Ponce geht diktierend auf und ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg361.2.14.part2"> Nun, in welchem Stile, Bübchen oder Mädchen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.15.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.15.part2"> Im maimonatlichen – feines, sanft gerundetes Köpfchen, meine Geliebte –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.16.part2"> Gerundetes Köpfchen, Komma, meine Geliebte!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.17.part2"> Kerne Interpunktion, und nicht deine Geliebte, meine!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.18.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.18.part2"> Kein Schönpflästerchen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.19.part2"> Überhaupt keine Pflästerchen – zarte rote Wangen – <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.19.1.part2">Porporino wiederholt das folgende einzeln, und Ponce spricht wie ein Diktierender mit einem Schreibenden.</hi> kleiner Mund, etwas schwermütig – die Oberlippe etwas geschürzt, – halb schmollend, halb küssend – braune Augen – feucht glänzend, verliebt und fromm – schwarze Locken – etwas hoher, doch voller Hals.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.20.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.20.part2"> Kitzliche Stelle –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.21.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.21.1.part1">steigend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg361.2.21.part2"> Hoher – fester, runder – spröder, blendender, kleiner –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.22.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.22.part2"> He, he, haltet, nicht so eilend, hier ist gut weilen, bös eilen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.23.part2"> 
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.23.1.part2"> – nachlässig verhüllter, reiner Busen. –</hi> O du, gerad ausgestreckt, auf der linken Seite, und träumst so gern!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.24.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.24.part2"> Wie ich das malen soll? Da steht meine Kunst still; ein Porträt, gerad ausgestreckt, auf der linken Seite, träumend?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.25.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.25.part2"> Das letzte gehörte nicht dazu.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.26.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.26.part2"> Nun, so bin ich fertig; seht, ich wünsche Glück; Ihr liebt das holdeste, edelste, beste Mädchen der Welt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.27.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.27.1.part1">sieht zum Bilde.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg361.2.27.part2"> Nein, dies ist sie nicht – doch – was ist das – dies Bild gleicht Valerien de Campaces.</l>
                                    <pb n="189" xml:id="tg361.2.28"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.29.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.29.part2"> Ich habe treu nachgeschrieben, Ihr habt so diktiert.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.30.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.30.part2"> ES ist ein wunderlicher Zufall, doch Eure Schneiderei mag sicherer sein. Es ärgert mich, daß Ihr mir diese dahin maltet. – Messet mir Pilgerkleider an.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.31.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.31.part2"> Ihr liebt wohl die Madonna von Montserrat, und wollt sie besuchen? – Aber Valeria ist und bleibt ein Mädchen wie keines in Sevilla. <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.31.1.part2">Nimmt die Maße.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.32.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.32.part2"> Nur nicht zu weit!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.33.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg361.2.33.part2"> Immer ein bißchen zu weit, sonst kömmt die Rundung nicht heraus. <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.33.1.part2">Mißt.</hi> – Es wundert mich, daß Ihr von Valerien ungern sprechen hört; sonst haßten sie die Ritter doch nicht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.34.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.34.part2"> Ihr seid sehr vermessen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.35.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.35.1.part1">immer im Messen.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg361.2.35.part2"> Sorget nicht, Herr Ritter, mein Maß trifft zu, ich habe mich noch nie vermessen. – <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.35.2.part2">Sieht nach dem Maß.</hi> Richtig, gerade dieselbe Länge wie Herr Porporino, aber in der Weite, <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.35.3.part2">Auf seine Beine sehend.</hi> da seid Ihr etwas stark feiner gebaut – Porporino könnte sich mit Euch messen. Ihr kennt ihn wohl, er geht eben der Valeria nach, und nach dem Bilde zu urteilen, dürfte sie ein König lieben, ohne sich herabzulassen. Doch ein solches Mädchen zu verlassen, wäre wohl schändlich – erst die Ruhe und dann den Ruf genommen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.36.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.36.1.part1">zornig.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg361.2.36.part2"> Ins Teufels Namen, Schneider, schweigt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.37.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.37.1.part1">erschreckend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg361.2.37.part2"> Nun, ich wollte Euch nur zerstreuen, daß alles leichter sitze.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.38.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.38.part2"> Zerstreuen? Höllenbund, jede Ader treibst du mir auf.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.39.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.39.part2"> Was fehlt Euch, soll ich Euren Diener rufen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg361.2.40.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg361.2.40.part2"> Ja! <hi rend="italic" xml:id="tg361.2.40.1.part2">Porporino ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg361.2.41"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg362" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/2. Akt/23. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>23. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg362.2.1">Dreiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg362.2.2.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg362.2.2.1.part1">schließt die Türe ab, geht nach dem Bild.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg362.2.2.part2"> Wie nur der Kerl das Bild herausbrachte – verdammt! er hat es nur heraus gewaschen. Das Porträt war nur mit schwarzer Wasserfarbe überzogen – du bist doch ein hübsches Mädchen – und es waren Tage, wo ich dich liebte – aber du wolltest keine Nacht für mich erschwingen, – es ist besser so – nie will ich <pb n="190" xml:id="tg362.2.2.2.part2"/>
dir Rechenschaft über meine Untreue geben – ich müßte dein Teuerstes, deine Keuschheit, zu geringe anschlagen. Wie! die Unterschrift – Porporino pinxit – ei, du feiner Schelm! er rührt sich in der Liebe. Auch ich! auch ich! <hi rend="italic" xml:id="tg362.2.2.3.part2">Vorhang fällt.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
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                     <div subtype="work:no" type="act" xml:id="tg363" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt">
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                           <desc>
                              <title>3. Akt</title>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg364" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/1. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>1. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg364.2.1">Erster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg364.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg364.2.4.1">Szene vor dem Landhause Sarmientos, eine Art Esplanate vor dem mit einem Tore versehenen Schloßhofe; ein Flügel des Schloßhofs so gebaut, daß Personen vom Fenster herab deutlich erscheinen und sprechen können. Es ist Nachmittag. Valeria als Negerin maskiert mit kurzem Haar, ein Bündelchen auf dem Rücken, ein Tamburin in der Hand, kömmt schüchtern und reisend vor dem Schlosse an; sie lehnt an einen Baum.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg364.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg364.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg364.2.6.part2"> Da bin ich nun, allein und müde – wenn sie mich nur annehmen! – Die Liebe ist närrisch mit mir gewesen. Ponce, Ponce; ich will lieben, was du liebst, und dir zeigen, daß ich lohnen kann, – wenn mich der Vater nur nicht erkennt!<hi rend="italic" xml:id="tg364.2.6.1.part2"> Sieht in ein kleines Spiegelchen.</hi> Ich gleiche mir nicht, die langen schwarzen Haare sind aufgeopfert, – was tut es? Porporino hätte sie doch nicht so schön geflochten als Ponce. Ich liebe mich mehr als sonst und bin doch häßlicher. – Ich will ein wenig singen, vielleicht hört mich jemand.</p>
                                    <lb xml:id="tg364.2.7"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.8">Wenn die Sonne weggegangen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.9">Kömmt die Dunkelheit heran,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.10">Abendrot hat goldne Wangen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.11">Und die Nacht hat Trauer an.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg364.2.12"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.13">Seit die Liebe weggegangen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.14">Bin ich nun ein Mohrenkind,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.15">Und die roten, frohen Wangen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.16">Dunkel und verloren sind.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg364.2.17"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.18">Dunkelheit muß tief verschweigen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.19">Alles Wehe, alle Lust,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.20">
                                          <pb n="191" xml:id="tg364.2.20.1"/>
Aber Mond und Sterne zeigen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.21">Was ihr wohnet in der Brust.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg364.2.22"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.23">Wenn die Lippen dir verschweigen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.24">Meines Herzens stille Glut,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.25">Müssen Blick und Tränen zeigen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg364.2.26">Wie die Liebe nimmer ruht.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg364.2.27.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg364.2.27.1.part1">in dem Hofe.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg364.2.27.part2"> Ei, ein Singvögelchen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg364.2.28.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg364.2.28.part2"> Das ist mein Vater. <hi rend="italic" xml:id="tg364.2.28.1.part2">Versteckt sich.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg364.2.29"/>
                                 </sp>
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                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg365" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/2. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>2. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg365.2.1">Zweiter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.2.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg365.2.2.part2"> ES ist mir hier wie einem einsamen Robinson, so ein Singvögelchen wäre mir gerade recht. He! wo bist du? <hi rend="italic" xml:id="tg365.2.2.1.part2">Lockt pfeifend.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.3.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg365.2.3.part2"> Da bin ich –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.4.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg365.2.4.part2"> Ei, ein Rabe!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.5.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg365.2.5.part2"> Ist dein Herz von Gold, so will ichs stehlen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg365.2.6.part2"> Ei, so sei artig, daß du schwarz werdest; wo kommst du dann her?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg365.2.7.part2"> Ich war bei einer Edelfrau, sie jagte mich weg, weil sie glaubte, ihr Geliebter wende sich zu mir. Nun suche ich einen andern Dienst. Ich zog in Sevilla abends durch die Straßen, und nährte mich mit Singen, aber die Ritter stellten mir nach. Da bin ich denn fortgelaufen bis hierher, und weiß nun nicht wohin.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg365.2.8.part2"> Du bist freilich schwarz genug, um eine Alletagsdame zu verdunkeln und sieh, die Nachstellungen, mußt du wissen, sind Nachtstellungen; die Nacht ist keines Menschen Freund. Vielleicht kannst du hier bleiben, du mußt dich aber noch ein paar Minuten verstecken. Es wird gleich ein Sarg herausgetragen werden und ein Totengräber hinterdrein gehen; wenn der fort ist, darfst du dich sehen lassen, schöne Trauer.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg365.2.9.part2"> Ist jemand gestorben?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg365.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg365.2.10.part2"> Nein, es ist eigentlich vielmehr eine alte Schachtel als ein Sarg, vielmehr eine alte Tante, die abreist, und vielmehr <pb n="192" xml:id="tg365.2.10.1.part2"/>
ein Grobian, ein Totärgerer, als ein Totengräber, vielmehr ein grober Hausmeister, der sie begleitet; die werden nun bald fortgehen, dann bin ich mit zwei jungen Fräulein allein, und die nehmen dich wohl an. – Sieh, ich habe das Singen nötig, denn ich habe sonst täglich meine Tochter singen hören. Du mußt aber ihre Lieder von mir lernen. Nun verstecke dich, ich höre sie schon kommen. <hi rend="italic" xml:id="tg365.2.10.2.part2">Valeria verbirgt sich.</hi> Es ist mir, als wäre ich in der Neuen Welt, auf einer Entdeckungsreise, da habe ich nun einen schwarzen Singevogel. Was abreist, sind Naturalien, die ich gleich nach Haus ins königliche Kabinett schicken muß, weil sie sich nicht lange halten. Wahrlich, die Tante ist schon sehr unscheinbar, und der Hausmeister kann sich auch nicht halten, denn er ist immer besoffen. Doch, das ist der Weingeist um das Präparat.</p>
                                    <lb xml:id="tg365.2.11"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg366" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/3. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>3. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg366.2.1">Dritter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg366.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.4.1">Donna Juanna, eine uralte Dame in der steifsten ältesten spanischen Tracht, wird von zwei Dienern auf einem Tragstuhle sitzend heraus getragen; Perez, der vorige Hausmeister, abenteuerlich gekleidet und bewaffnet, geht neben dem Tragstuhle, und hält einen großen Sonnenschirm über Juanna. Am Fenster erscheinen Melanie und Isidora, mit Schnupftüchern vor den Augen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg366.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.6.part1">JUANNA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.6.1.part1">zu Valerio.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg366.2.6.part2"> Kann Er sich nicht beugen? sind die Maultiere am Ende der Esplanate? hat Er einpacken lassen? ist der Tragsessel gewaschen? sind die Polster geschüttelt?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.7.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.7.1.part1">tief beugend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg366.2.7.part2"> Alles zu Euren Diensten von Eurem untertänigsten Diener. Ich stehe nur hier, um Eurer Herrlichkeit traurigstem Abscheiden mein unwürdiges Beileid zu bezeugen und dann die Tore zu schließen in diesem Hause der Trauer und Dunkelheit. <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.7.2.part2">Er beugt sich tief, stößt Perez, daß ihm das Parasol etwas über Juannas Augen niederfällt.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.8.part1">PEREZ.</speaker>
                                    <l xml:id="tg366.2.8.part2"> Nun, Tölpel –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg366.2.9.part2"> Ihr seid wankelfüßig, der Regenschirm bezeugte nur seinen Beifall.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.10.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg366.2.10.part2"> Es ward mir soeben wieder ganz dunkel vor den Augen aus Traurigkeit. Perez, sind meine Niècen, wie schicklich, am Fenster, ihr Beileid zu bezeugen? Gebt mir <pb n="193" xml:id="tg366.2.10.1.part2"/>
meine Trauerbrille und, Träger, wendet mich nach dem Schlosse!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.11.part1">PEREZ</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.11.1.part1">zu Valerio.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg366.2.11.part2"> Nun nehmt mir den Sonnenschirm ab, Tölpel. <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.11.2.part2">Er stolpert.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg366.2.12.part2"> Dankt Gott, daß Ihr über Euren eigenen Tölpel stolpertet, sonst wollte ich Euch die schiefen Beine gerade brechen. Seid Ihr schon so frühe besoffen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.13.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg366.2.13.part2"> Besoffen, wer? Welche Ausdrücke!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.14.part1">PEREZ</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.14.1.part1">zu Valerio.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg366.2.14.part2"> Still, Freund, ich lasse dir den Kellerschlüssel! – Eure Herrlichkeit, er sagte nur, daß er den Maultieren habe zu saufen gegeben.<hi rend="italic" xml:id="tg366.2.14.2.part2"> Setzt ihr eine ziemliche Brille auf.</hi> Hier ist dero Herrlichkeit Brille – die tugendhaften Fräulein weinen schon lange.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.15.part1">JUANNA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.15.1.part1">hinaufsehend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg366.2.15.part2"> Mein Gott, Isidora, wie halten Sie sich wieder in der Gegenwart meiner Abwesenheit? Sie werden buckelig werden, ehe ich wiederkomme; und Melanie, wie fassen Sie das Schnupftuch – mit beiden Händen – ist das eine Traurigkeit von Stand, eine Kondolenz? Sie würden eine schlechte Rolle bei der Abreise einer Königin-Mutter spielen. So, das ist schicklicher – alles mit Sitte und Anstand. Haben Sie nicht vergessen, wie Sie die Stunden bis zur Ankunft der Schwester meines schätzbaren Vetters, ihres verehrungswürdigen Vaters, zubringen sollen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.16.part1">ISIDORA UND MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.16.1.part1">verneigen sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg366.2.16.part2"> Nein, Ihre Herrlichkeit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.17.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg366.2.17.part2"> Nein? Schon so unhöflich, seit ich vor der Türe bin?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.18.part1">BEIDE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.18.1.part1">verneigen sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg366.2.18.part2"> Sie verzeihen; nein, Ihre Herrlichkeit!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.19.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg366.2.19.part2"> So leben Sie wohl, und mäßigen Sie Ihre Trauer; gegen Abend können Sie sich derselben wieder etwas überlassen. Auch erinnere ich Sie nochmals, hochspanisch zu sprechen, denn respektable Gefühle sollen in respektablen Worten ausgedrückt werden, so will es die Moral. <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.19.1.part2">Sie wird leise links durch die Kulissen weggetragen.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg366.2.20.part1">MELANIE UND ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.20.1.part1">verneigend und ein wenig die Hände ringend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg366.2.20.part2"> O! Sie Vortrefflichste verlassen uns – <hi rend="italic" xml:id="tg366.2.20.2.part2">Ziehen sich zurück.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="194" xml:id="tg366.2.21"/>
                                    <lb xml:id="tg366.2.22"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg367" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/4. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>4. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg367.2.1">Vierter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.2.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.2.part2"> He, Mohrenkind, freundliche gute Nacht! komme auf den schwülen Hundstag.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.3.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.3.part2"> Wollt Ihr mich nun hineinbringen, Freund?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.4.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.4.part2"> Rühre deine Musik, da werden sich die Fräulein sehen lassen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.5.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg367.2.5.1.part1">rührt das Tamburin; Isidora und Melanie treten ans Fenster; für sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg367.2.5.part2"> Ach! das ist sie, das ist Ponces Geliebte; o gerne trete ich zurück.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.6.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.6.part2"> Tanze, Mädchen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.7.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.7.part2"> Singe lieber, du scheinst müde von der Reise.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.8.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg367.2.8.1.part1">sie singt, begleitet sich mit dem Tamburin, schreitet dabei zierlich hin und wider, oder steht still, wie es die Pantomime des Wechselgesangs, den sie singt, erfordert.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg367.2.8.part2">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg367.2.8.1.part2"> Da sie in dem Duodrama des Liedes beide Personen spielt, so muß sie die vier ersten Zeilen jeder Abteilung etwas tiefer singen, denn sie sind der Gesang des Liebhabers, der sein Liebchen im Walde einsam träumend findet, die ihn nicht eher erkennt als im letzten Verse.</hi>
                                    </p>
                                    <p rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.9">Was mag dich nur betrüben,</p>
                                    <p rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.10">Daß du so traurig denkst?</p>
                                    <p rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.11">Du mußt wohl Buße üben,</p>
                                    <p rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.12">Weil du die Blicke senkst.</p>
                                    <lb xml:id="tg367.2.13"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.14">Wie durch die stillen Wiesen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.15">Die Bächlein murmelnd gehn,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.16">Die Blumen, die dran sprießen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.17">Wie die hinuntersehn,</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg367.2.18"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.19">So seh ich zu, so horch ich zu,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.20">Bin freundlich mit ihnen auf du und du,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.21">Und wollt, daß es mein Liebchen wär;</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.22">Ei, das begreifst du wohl nimmermehr.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.23.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.23.part2"> Recht artig.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.24.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.24.part2"> Kommt doch ein wenig zu mir in den Sonnenschein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.25.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg367.2.25.part2"> Isidore, gehe ein wenig mit, ich möchte mit dem Mädchen plaudern.</l>
                                    <pb n="195" xml:id="tg367.2.26"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.27.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg367.2.27.part2"> Ich wünschte wohl, aber ich weiß nicht, ob es sich schickt. Die Tante könnte uns vielleicht nicht gerne unten finden. Doch gehe du, ich will bleiben. – <hi rend="italic" xml:id="tg367.2.27.1.part2">Melanie ab.</hi> – Singe fort, mein Kind!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg367.2.28">VALERIA.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.29">Was ist dir nur geschehen?</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.30">Daß du so ganz allein</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.31">Im dunkeln Wald magst gehen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.32">Du mußt wohl närrisch sein!</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg367.2.33"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.34">Wie grüne Büsche lauschen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.35">Und Echo wiederklingt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.36">Was leis die Büsche rauschen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.37">Und froh das Vöglein singt,</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg367.2.38"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.39">So horch ich zu, so ruf ich zu,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.40">Bin freundlich mit ihnen auf du und du,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.41">Und wollt, daß es mein Liebchen wär;</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg367.2.42">Ei, das begreifst du wohl nimmermehr.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg367.2.43"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg368" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/5. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>5. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg368.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg368.2.1">Fünfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg368.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg368.2.4.1">Melanie und die Vorigen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg368.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.6.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.6.part2"> Woher des Landes, kleine Sängerin?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.7.part2"> Ich habe keine Herrschaft mehr, und biete Euch meine Dienste an; ich heiße Flammetta.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg368.2.8.part2"> Nehmt das Kind an, Fräulein, sie erquickt uns alle mit ihrem artigen Wesen. Eure Tante, ich kenne sie, ist eine gute Dame, und wird sich ihrer freuen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.9.part2"> Ich kann singen und tanzen, auch nähen und sticken, und will Euch recht schön putzen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.10.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.10.part2"> Wenn du nur singst, so ists schon gut. Bleibe nur bei uns.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.11.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.11.part2"> Bleibe, Lohn können wir nicht geben, aber du kannst mit uns teilen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.12.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.12.part2"> Ja, du kannst alles teilen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.13.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg368.2.13.1.part1">vor sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg368.2.13.part2"> Ponce, Ponce.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.14.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.14.part2"> Tanze auch ein wenig, dann tanze ich mit.</l>
                                    <pb n="196" xml:id="tg368.2.15"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.16.part2"> Gleich, ich singe mein Lied nur aus, am Ende gehört ohnedies der Tanz dazu.</l>
                                    <lb xml:id="tg368.2.17"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.18">Ich kann es wohl begreifen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.19">Sieh nicht so vor dich hin,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.20">So wirst du wohl begreifen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.21">Daß ich dein Liebchen bin.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg368.2.22"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.23">So laß uns tanzen, springen</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.24">Im kühlen, grünen Wald,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.25">Die Töne laß erklingen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.26">Daß alles freudig schallt,</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg368.2.27"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.28">Tur, lu, tu, tu, tur, lu, tu, tu,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.29">Wir leben und schweben auf du und du,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.30">Und wenn es nicht mein Liebchen wär,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg368.2.31">Ei, so begriff ichs wohl nimmermehr.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg368.2.32"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg368.2.33">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg368.2.33.1">Melanie tanzt am Ende des Liedes mit ihr</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg368.2.34"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.35.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg368.2.35.part2"> Schön, recht schön, aber komme herauf, liebe Melanie, ich höre die Glocken von Maultieren, unsre Tante kömmt wohl. <hi rend="italic" xml:id="tg368.2.35.1.part2">Zieht sich zurück.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.36.part1">MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg368.2.36.1.part1">geht nach dem Tor.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg368.2.36.part2"> Je, da ist die Türe zugefahren; habt Ihr den Schlüssel, Hausmeister?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.37.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.37.part2"> Nein, er ist drinne.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.38.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg368.2.38.part2"> Isidora, Isidora, wirf mir den Schlüssel herunter!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg368.2.39.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg368.2.39.1.part1">am Fenster.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg368.2.39.part2"> Sie kömmt, ich sehe sie an dem Ende der Allee, ich suche den Schlüssel.</l>
                                    <lb xml:id="tg368.2.40"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg369" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/6. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>6. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg369.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg369.2.1">Sechster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg369.2.2.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg369.2.2.1.part1">als Arzt, sehr verstellt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg369.2.2.part2"> Hausmeister, geschwind, empfangt die Signora.</l>
                                    <lb xml:id="tg369.2.3"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg369.2.4">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg369.2.4.1">Isidora wirft den Schlüssel herunter, er fällt auf ihn. – Valerio ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg369.2.5"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg369.2.6.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg369.2.6.1.part1">vor sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg369.2.6.part2"> Wie Porporino närrisch aussieht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg369.2.7.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg369.2.7.1.part1">zu Melanie.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg369.2.7.part2"> Ei, bei solcher Luft, wo es Schlüssel regnet, vor dem Hause, mein Kind! <hi rend="italic" xml:id="tg369.2.7.2.part2">Fühlt ihr den Puls.</hi> Der Puls geht sehr schnell, und er läuft gleichsam, Ihr werdet ihm nicht nachkommen können.</p>
                                    <pb n="197" xml:id="tg369.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg369.2.9.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg369.2.9.part2"> Er mag gehen, wie er will, Herr Doktor, so geht er Euch doch nichts an. – Meine gespannte Erwartung, und weil ich über die geschloßne Türe erschrocken bin –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg369.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg369.2.10.part2"> Ich nehme Euch für krank an – <hi rend="italic" xml:id="tg369.2.10.1.part2">Geht zu Valerien, die in einem Winkelchen sitzt, und scherzt mit ihr.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg369.2.11"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg370" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/7. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>7. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg370.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg370.2.1">Siebenter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg370.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.4.1">Valerio führt die Tante Isabella herein.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg370.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.6.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.6.1.part1">umarmt Melanie.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg370.2.6.part2"> Willkommen, Liebe!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.7.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.7.part2"> Verzeiht, mich hier zu treffen, ich wollte Euch entgegengehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.8.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.8.part2"> Es freut mich, so konnte ich dich gleich küssen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.9.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.9.1.part1">zu Valerien.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg370.2.9.part2"> Du kleine Hexe wirst sicher noch verbrannt. Ich sei ein schlechter Arzt, sagst du, und ein guter Mensch? Freilich ich bin heilloser verliebt als in der Heilkunde erfahren.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.10.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.10.part2"> Ihr seid sehr gütig, liebe Tante!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.11.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.11.part2"> Wo ist deine Schwester, Liebe?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.12.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.12.part2"> Oben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.13.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.13.part2"> Oben? Geschwinde soll sie herunterkommen; sie fürchtet sich doch nicht vor mir?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.14.part1">MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.14.1.part1">ruft hinauf.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg370.2.14.part2"> Isidore, Isidore, du sollst herabkommen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.15.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.15.1.part1">am Fenster, verneigt sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg370.2.15.part2"> Ich freue mich sehr, liebe Tante!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.16.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg370.2.16.part2"> Wenn du dich freust, so komme herunter, Kind! <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.16.1.part2">Isidora zurück.</hi> Aber was ist das für eine kleine Mohrin?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.17.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg370.2.17.1.part1">führt Valerien hervor.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg370.2.17.part2"> Eine von den Schwarzen; übrigens will ich sie nicht bei Euch anschwärzen, denn sie scheint so gut als schwarz.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.18.part2"> Man nahm mich soeben hier auf, ich bin ein armes Kind, ich habe keine Eltern mehr.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.19.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.19.part2"> Sie ist ein kleiner Widerspruch, sie ist eine schwarze Waise.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.20.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg370.2.20.part2"> Du gefällst mir; wenn du willst hübsch lustig sein und dich mit allen gut vertragen, so sei mir willkommen; aber sei wahr und aufrichtig!</p>
                                    <pb n="198" xml:id="tg370.2.21"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.22.part2"> Ich will euch allen Freude machen und allen aufrichtig begegnen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.23.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.23.part2"> Ja, Farbe mußt du halten, bekennen oder trumpfen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.24.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.24.part2"> Mache nur, daß sie dich nicht in den Skat legt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg370.2.25.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg370.2.25.part2"> Der Bube sticht den Kavalier nicht, Hausmeister.</l>
                                    <lb xml:id="tg370.2.26"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg371" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/8. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>8. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg371.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg371.2.1">Achter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg371.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.4.1">Vorige, Isidora; Melanie führt sie heran.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg371.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.6.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg371.2.6.part2"> Sei nicht schüchtern, Liebe, die Tante ist sehr freundlich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.7.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.7.1.part1">nähert sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg371.2.7.part2"> Ich freue mich sehr – <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.7.2.part2">Die Tränen in den Augen.</hi> meines lieben Vaters Schwester zu sehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.8.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.8.1.part1">umarmt sie.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg371.2.8.part2"> Auch ich, auch ich, seine lieben Kinder! Wie ihr noch klein waret, hatte ich euch oft auf dem Schoße; nun seid ihr schöne Jungfrauen, nun sind wir Freundinnen. Aber lustig! Ihr seid so schüchtern, wie habt ihr denn gelebt?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.9.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg371.2.9.part2"> Hier War ich nie, vor dem Tore, ich bin so gerührt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.10.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg371.2.10.part2"> Donna Juanna war sehr strenge.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.11.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg371.2.11.part2"> Arme Kinder, nun wollen wir leben in Sonnenschein und freier Luft, und Euer Vater kömmt bald, da wollen wir noch fröhlicher sein. Lustig, Herr Leitarzt! nehmt meine Niècen an den Arm, wir wollen einen freudigen Einzug halten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.12.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.12.1.part1">steht gebückt zwischen beiden mit hingebotenen Armen; sie stehen verwundert.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.13.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg371.2.13.part2"> Ein Arzt darf sogar verbotene Bücher lesen, scheut euch nicht, Kinder! Mohrenkind, tanze voraus, rühre dein Tamburin!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.14.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.14.1.part1">der immer in der vorigen Stellung stand.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg371.2.14.part2"> Meine Damen, ich schwöre euch, <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.14.2.part2">Sie geben ihm den Arm.</hi> ich bin zwar ein bißchen dumm, aber doch kein Esel zwischen zwei Heubündeln, auch setze ich mich nicht zwischen zwei Stühlen nieder, sondern ich stehe zwischen zwei Feuern. Und soll man wirklich das Eisen schmieden, wenn es warm ist, so gebt mir einige Schläge. <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.14.3.part2">Melanie schlägt ihn etwas mit der Hand. – Valeria tanzt vor ihnen hin mit dem Tamburin. Porporino mit den Mädchen nach.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="199" xml:id="tg371.2.15"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.16.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.16.1.part1">zu Valerio.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg371.2.16.part2"> Nun, lieber Freund meines Bruders, wie geht es mit uns?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg371.2.17.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.17.1.part1">nimmt sie bei der Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg371.2.17.part2"> Es wird mit mir im Tanzen so schlecht gehen, daß es mehr <hi rend="spaced" xml:id="tg371.2.17.2.part2">gehen</hi> wird als tanzen. <hi rend="italic" xml:id="tg371.2.17.3.part2">Alle ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg371.2.18"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg372" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/9. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>9. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg372.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg372.2.1">Neunter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg372.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg372.2.4.1">Zwei Diener mit dem Koffer Isabellens, den sie auf dem Rücken ins Schloß tragen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg372.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.6.part1">ERSTER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.6.part2"> Setz ab – was nur so eine Dame Schweres im Koffer haben mag?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.7.part1">ZWEITER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.7.part2"> Das sind die Jahre, das sammelt sich bei so einer Herrschaft von Jugend auf.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.8.part1">ERSTER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.8.part2"> Braucht sie's doch nicht selber zu tragen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.9.part1">ZWEITER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.9.part2"> Huck auf! <hi rend="italic" xml:id="tg372.2.9.1.part2">Sie heben auf.</hi> Da haben wir ihre Vierzig auf dem Rücken.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.10.part1">ERSTER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.10.part2"> Alle Monat ein Hemd – macht zwölf im Jahr – macht vierzig Dutzend – nun wer die auf dem Leibe hat –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.11.part1">ZWEITER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.11.part2"> Daran hat ein Esel genug.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg372.2.12.part1">ERSTER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg372.2.12.part2"> Und so eine alte Dame auch überflüssig.<hi rend="italic" xml:id="tg372.2.12.1.part2"> Beide ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg372.2.13"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg373" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/10. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>10. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg373.2.1">Zehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg373.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg373.2.4.1">Garten, links eine Statue des Apollo auf einem viereckigen Piedestal, um welches ringsum Bänke angebracht sind. Porporino und Valerio treten ein.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg373.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.6.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.6.part2"> Nun, wie geht es dem Hausmeister?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.7.part2"> Nicht besser als dem Leibarzte. Ich habe kein Haus als meines in Sevilla, und an dieses denke ich den ganzen Tag.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.8.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.8.part2"> Und ich habe keinen Leib als den meinen, an den denke ich den ganzen Tag. Besonders seit dem Jahre, daß die Perücken aufkamen, die kosten mir viel Studium.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.9.part2"> Tue sie ab, armer Schelm, bis jemand kömmt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.10.part2"> Ich möchte, der Herr Apoll trüge sie statt meiner! <hi rend="italic" xml:id="tg373.2.10.1.part2">Er nimmt sie ab und legt sie auf das Piedestal.</hi> So, nun kann ich trocken hinter den Ohren werden – ich opfre sie ihnen einstweilen auf.</p>
                                    <pb n="200" xml:id="tg373.2.11"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.12.part2"> Es ist ordentlich recht melancholisch hier im Garten, so recht still; nicht wahr, Porporino?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.13.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.13.part2"> Ja, es scheint eine gute, stille Haushaltung, alles an seiner Stelle, im Hause pfeifen die Hausmäuse, und hier die Feldmäuse.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.14.part2"> Du kannst deine Perücke in acht nehmen, daß dir die lieben Hausmäuse kein Mäusehaus dar aus machen. Was das Gras so hoch stellt! – Der vorige Hausmeister war ein Esel.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.15.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.15.part2"> Vermutlich ein verwöhnter, der kein Gras mehr fraß. – Ich wollte nur, Aquilar und Ponce kämen, uns die Zeit zu vertreiben; wahrlich, ich werde nicht eher Hausarzt gewesen sein, bis ich die Mäuse mit dem Gift, das die beiden haben werden, vertrieben habe. Es wird alles freundlich aussehen, wenn sie einen Tag hier sind, wir wollen ihnen einen Esel bohren, der schon in das Gras beißen wird.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.16.part2"> Die Leute sind freundlich und gut, aber auch die Mäuse sind sehr human. Ich konnte die vorige Nacht gar nicht schlafen, ich mußte mit dem tölpelhaften Perez in einem Bette schlafen. So sehr er auch mit Wein zugedeckt war, zog er mir doch immer die Decke weg; da dachte ich dann recht herzlich nach Hause. Was mich so recht daran erinnerte, war eine von den vielen lieben Mäusen; die pfiff ordentlich wie die in meiner Kammer zu Sevilla. Du weißt, sie war schon zu meiner selgen Frau Zeit da, es war, als wäre sie mitgezogen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.17.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.17.part2"> Ja, ich kenne sie wohl, sie wird jetzt recht allein sein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.18.part2"> Valeria hört sie nun, dachte ich immer.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.19.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.19.part2"> Die hört jetzt eine andere Gattung – die hört Kirchenmäuse, die singen gar auferbaulich. – Habe ich es Euch nicht gesagt? daß sie das Haus verschlossen und zu Eurer Base ins weiße Nonnenkloster ist.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.20.part2"> Ist sie? Brav – nu sieh, was das Kind auf Ehre hält.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.21.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.21.part2"> Ach, ich wollte, sie wäre hier, sie wäre mein, ich bin des Scherzes so müde!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.22.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.22.part2"> Es wäre schön, es wird auch werden. Hier bei den lieben Fräulein wird sie erst recht artig werden.</l>
                                    <pb n="201" xml:id="tg373.2.23"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.24.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg373.2.24.part2"> Artiger? Sie kann nicht. Ich muß ohnedies schon viel artiger werden, um sie einzuholen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg373.2.25.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg373.2.25.part2"> Ei, laß das; behalte deine Fröhlichkeit. Sieh, da kommen die lieben Leute. <hi rend="italic" xml:id="tg373.2.25.1.part2">Porporino setzt die Perücke auf.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg373.2.26"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg374" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/11. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>11. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg374.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg374.2.1">Eilfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg374.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg374.2.4.1">Isabella, Valeria, die beiden Fräulein und die Vorigen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg374.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg374.2.6.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg374.2.6.part2"> Nun, liebe Kinder, geht noch etwas im Garten auf und ab, und vertragt euch gut mit Flammetten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg374.2.7.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg374.2.7.part2"> Liebe Tante, wir wissen gar nicht, wie uns geschieht, wir haben nie so gelebt. Es ist alles ganz anders.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg374.2.8.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg374.2.8.part2"> Ja, das ganze Gut ist verändert; es ist, als ob der Garten viel lustiger und grüner sei, seit Ihr da seid.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg374.2.9.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg374.2.9.part2"> Ich teile alle Eure Freude. Hört, heute abend will ich von jeder ein Liebesliedchen hören.<hi rend="italic" xml:id="tg374.2.9.1.part2"> Valeria und die beiden Fräulein ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg374.2.10"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg375" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/12. Auftritt">
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                                 <title>12. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg375.2.1">Zwölfter Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg375.2.4.1">Isabella, Valerio, Porporino.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg375.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg375.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg375.2.6.part2"> Ihr seid schon recht einig mit Euren Niècen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg375.2.7.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg375.2.7.part2"> Die armen Kinder waren so verschüchtert, Ihr glaubt nicht, wie sie mich rührten. Isidore blieb etwas kalt, ihr Feuer ist im Herzen; Melanie ist leichter, ihr Feuer ist in der Welt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg375.2.8.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg375.2.8.part2"> Ach, mein Feuer ist auch im Herzen, ich wollte Valeria wäre hier!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg375.2.9.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg375.2.9.part2"> Geduld, meine Freunde! Ich glaube, heute abend kommen die Pilger noch. Porporino, Ihr müßt ein wenig im Walde herumspionieren. Kommt jetzt herauf, wir wollen das Nötige noch verabreden. <hi rend="italic" xml:id="tg375.2.9.1.part2">Alle ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg375.2.10"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg376" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/13. Auftritt">
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                                 <title>13. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg376.2.1">Dreizehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg376.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg376.2.4.1">Isidora, Melanie, Valeria.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg376.2.6.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.6.part2"> Die Tante ist schon wieder oben, Melanie, sollten wir ihr nicht folgen? Zwar bliebe ich gern noch hier, bleibst du wohl lieber als ich?</p>
                                    <pb n="202" xml:id="tg376.2.7"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.8.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.8.part2"> Ich freue mich so, daß du lebendig wirst und unsre Freude mitgenießest – ich gehe hinauf.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.9.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.9.part2"> Wir sollen ihr heute noch singen; was singen wir dann?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.10.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.10.part2"> Wir haben ja noch die weltlichen Lieder, die uns Felix brachte. – Wir haben sie so heimlich lernen müssen, wirst du deine Stimme noch können?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.11.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.11.part2"> Ich glaube wohl.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.12.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.12.part2"> Ich kann so etwas nicht behalten, ich will mich ein wenig üben, dann rufe ich dich. <hi rend="italic" xml:id="tg376.2.12.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.13.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.13.part2"> Komme, setzen wir uns hierher, Flammetta, wir wollen reden, damit wir bekannter werden. <hi rend="italic" xml:id="tg376.2.13.1.part2">Sie setzen sich an die Statue.</hi> Erzähle mir allerlei von dir.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.14.part2"> Und wenn ich Euch nun etwas von Euch erzählte, was Euch noch nicht bekannt ist? Ihr seid so still und Eure Schwester ist so fröhlich?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.15.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.15.part2"> Ich war selten abends im Freien, der Abend berührt mich still, so antworte ich. Doch, Liebe, was weißt du von mir? Ich glaubte nicht, daß jemand von uns spräche; wir leben so verborgen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.16.part2"> Wo Schätze tief in der Erde verborgen sind, erscheint oft ein Feuer in der Nacht, auch stellt der Regenbogen seinen Fuß dahin. Das Vortreffliche bleibt nie geheim.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.17.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.17.part2"> Es ist ein <hi rend="spaced" xml:id="tg376.2.17.1.part2">schöner</hi> Aberglaube.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.18.part2"> Geizhälse glauben noch an ihn, und einen solchen hört ich sprechen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.19.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.19.part2"> Mädchen, sei nicht so geheimnisvoll, du bist schon ohnedies ein Wunderkind. Du wirst mir bange machen; sage, was hörtest du von mir?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.20.part2"> O – großes Lob! wie stolz und sanft Ihr seid, wie fröhlich, und wie fromm, und schön, wie schön! Ich hörte Eurem Bruder eine Stunde zu.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.21.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.21.part2"> Mein Bruder! Ich Kind, daß ich nicht an ihn dachte; wer kann mich loben als Don Felix? – Wo sahst du ihn?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.22.part2"> Er kam von Euch zurück und war noch ganz gerührt. Es war auf einem Balle, ich hatte mich mit einem kleinen Bürgermädchen hingeschlichen, die mir sehr gut geworden ist.</p>
                                    <pb n="203" xml:id="tg376.2.23"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.24.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.24.part2"> Mein Bruder sprach so öffentlich von mir?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.25.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.25.part2"> Er wurde dazu aufgefordert, denn Ponce, sein Freund, drang mit vielen Fragen in ihn.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.26.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.26.part2"> Du sprichst so abgebrochen, Flammetta, als sollte ich immer staunen. – Ich höre gern von Felix sprechen, und von seinen Freunden – von Ponce hat er mir oft erzählt. Ich hörte immer mit größerer Freude zu, denn Felix liebt ihn sehr; er sagt, daß Ponce unendlich von ihm verschieden sei, und doch so liebenswürdig, darüber habe ich oft gedacht. Erzähle, was du weißt, aber nicht abgebrochen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.27.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.27.part2"> Das Mädchen, das mich hinbrachte, stand mit mir am Eingange, und zeigte mir Don Ponce, sie liebt ihn.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.28.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.28.part2"> Liebt ihn – wer ist dies Mädchen denn?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.29.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.29.part2"> Seht, nun unterbrecht Ihr mich selbst. Sie ist ein armes Bürgermädchen, aber sie hat ein gutes, weiches Herz, und Ponce ging lange mit ihr um. Zu diesem Balle selbst hatte sie ihn angekleidet, und freute sich, wie er so zierlich aussah.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.30.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.30.part2"> Ist er ein schöner Mann?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.31.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.31.part2"> Ich bin viele Städte durchzogen, und habe keinen schönern Mann gesehen. Er fragte Euren Bruder so dringend nach Euch, und wie dieser so schön von Euch sprach, war er ganz entzückt, und wollte gar nichts anders mehr hören. Meine Freundin war sehr traurig darüber, denn sie liebt ihn sehr.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.32.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.32.part2"> Felix sagte mir oft, er sei sehr wankelmütig.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.33.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.33.part2"> Aber er verwandelt sich immer in etwas Schöneres. Da das arme Mädchen sah, wie er sich verändere, ging sie zu ihm hin.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.34.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.34.part2"> Vor allen diesen Menschen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.35.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.35.part2"> Die Liebe könnte wohl dies Mädchen bewegen, ihm die weite Welt nachzufolgen. Aber er lachte über sie, er sagte kalt, es liebe niemand ihn in Sevilla.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.36.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.36.part2"> Er lachte? Flammetta, das konnte er wohl nicht, du hörtest falsch, oder er verstand das Mädchen nicht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.37.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.37.part2"> Ich hörte es wohl, das Mädchen ging mit mir nach Haus, und weinte sehr, – Ponce kam auch nicht mehr zu ihr. <hi rend="italic" xml:id="tg376.2.37.1.part2">Weint.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="204" xml:id="tg376.2.38"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.39.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.39.part2"> Du bist ein gutes Kind, daß dich das Leid deiner Freundin so schmerzt. Auch mich schmerzt es sehr – sehr; hat er das Mädchen denn jemals wirklich geliebt?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.40.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.40.part2"> Ihr kennt das Mädchen nicht, und seid gerührt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.41.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.41.part2"> Ich weiß nicht, aber dieser Ponce, gerade dieser – ich kannte außer Felix keinen Mann als ihn; doch sah ich ihn nie. Liebte er das Mädchen je? sage –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.42.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.42.part2"> Das Mädchen schien es fest geglaubt zu haben, daß er sie liebe; ja, er hatte sie ganz verwandelt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.43.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.43.part2"> Wie das?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.44.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.44.part2"> Sie war vorher geringer, und brauchte weniger im Herzen und im Leben. Aber nun ist sie wohl bald wieder wie ehedem, denn auch Ponce habt Ihr verwandelt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.45.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.45.part2"> Ich? ich sah ihn nie!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.46.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.46.part2"> Valeria sagte mir, er sei ganz anders geworden, er sei lebendig und sanfter geworden, Euer Bild sei in seine Brust wie ein Funken in ein schönes Kunstfeuer gefallen, und tausend schöne Flammen loderten aus ihm empor, die alle alle Euren Namen in ihren hellen Zügen kreisten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.47.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.47.part2"> Die arme Valeria! Was soll das Spiel mit mir? Auch das wird bald verloschen sein. Das ewige Feuer kreist und sprühet nicht, es war vor der Nacht, und zog als Sonn und Mond und Stern am neuerschaffenen Himmel hin.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.48.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.48.part2"> Doch da die Welt aus der Liebe hervorbrach, war da das Feuer nicht einem Kunstfeuer zu vergleichen, das sich in seiner schönen Ordnung in die Planeten entzündete?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.49.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg376.2.49.part2"> Doch nie verlosch –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.50.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.50.part2"> Wißt Ihr das Ende der Welt, und wißt Ihr das Ende von Ponces Liebe zu Euch? Valeria wird glücklich, wenn Ihr ihn liebt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.51.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg376.2.51.1.part1">steht auf.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg376.2.51.part2"> Wer bist du, Mohrenkind? Es ist, als wärst du eine Zauberin, als wär ich dort in der Fontäne eingeschlummert und eine Nymphe sag' mir wundersamen Traum ins Ohr. – Vor wenig Stunden war ich noch allein – und nun bewegt sich eine fremde Welt um mich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.52.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.52.part2"> Verzeiht, wenn man so traulich spricht und sich liebt, von Dingen redet, die beiden lieb sind, so trägt oft das Gespräch, wie ein geheimes drittes Leben, die Seelen wunderbar <pb n="205" xml:id="tg376.2.52.1.part2"/>
empor. Doch wißt, Liebe, Valeria hat mich gebeten, Euch zu grüßen. »Wenn sie so hold ist,« sagte sie, »als Ponce sie liebt, so bitte sie, daß sie ihn wiederliebe, mich wird das glücklich machen.« Auch ist sie wieder froh, wie ehedem.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.53.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.53.part2"> Ich werde nimmer diesen Ponce lieben, der meine Freundin so gekränkt, und dieser Ponce – wie will er zu mir gelangen? Mein Vater ist nicht hier, – Felix darf ihn nicht bringen; ich wollte, er hätte von mir geschwiegen, ich wollte, ich wäre bei Valeria! – Felix will ich schreiben, er solle mit diesem Manne behutsamer sein. Auch ich will nicht mehr an ihn denken, denn ich bin schuld an allem.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg376.2.54.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg376.2.54.part2"> Ihr seid es nicht, Ihr seid nicht schuld an Eurer Anmut, und Ponce ist auch nicht schuld, daß er Euch liebt.</p>
                                    <lb xml:id="tg376.2.55"/>
                                 </sp>
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                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg377" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/14. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>14. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg377.2.1">Vierzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg377.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg377.2.4.1">Valerio, Vorige.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg377.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg377.2.6.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg377.2.6.part2"> Man ruft mich, Liebe, und deiner Freundin schreibe, daß ich Ponce niemals lieben werde, weil sie ihn liebt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg377.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg377.2.7.part2"> Eure Fräulein Schwester bittet Euch, zu ihr zu kommen. Auch wird es dunkel, und da die Mäuse hier im Schlosse so kultiviert sind, daß sie den Gebrauch aller Speisen kennen, so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch einige Aerostatiker oder so genannte Fledermäuse unter ihnen sind, drum zieht Euch zurück.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg377.2.8.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg377.2.8.part2"> Ich gehe; lebe wohl, Flammetta. <hi rend="italic" xml:id="tg377.2.8.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg377.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg377.2.9.part2"> Du, kleine Silhouette! gehe mit mir, wir wollen uns vor das Tor in die Esplanate setzen und gegen Sevilla gucken. <hi rend="italic" xml:id="tg377.2.9.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg377.2.10"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg378" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/15. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>15. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg378.2">
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                                 <head type="h4" xml:id="tg378.2.1">Funfzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg378.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg378.2.4.1">Porporino schleicht stillschweigend übers Theater weg und giebt mit Pantomime zu verstehen, daß er die Ankunft der beiden Ritter bemerkt.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg378.2.5"/>
                                 <pb n="206" xml:id="tg378.2.6"/>
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                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg379" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/16. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>16. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg379.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg379.2.1">Sechszehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg379.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.4.1">Ponce geht ohne Rock und Hut rasch quer über das Theater weg, von der Rechten zur Linken; Aquilar tritt auf, er geht müde, schwer bepackt, auf seinem großen Pilgerhut hat er noch Ponces Pilgerhut sitzen; er hat zwei Pilgerstäbe, zwei Mäntel und die Laute – steht und ruft dem Ponce in die Kulisse.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg379.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg379.2.6.part2"> Der Verliebte läuft wie unsinnig; he, Ponce, stehe! Ich gehe keinen Schritt weiter.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.7.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.7.1.part1">in der Kulisse.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg379.2.7.part2"> Wir sind ja gleich dort, es zieht wie ein Magnetfelsen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg379.2.8.part2"> Gleich dort? Ich spüre nichts als meine Müdigkeit und deine Bequemlichkeit – ich gehe keinen Schritt mehr – nimm deinen Mantel, und deinen Hut – du läufst wie zwei.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.9.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.9.1.part1">tritt ein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg379.2.9.part2"> Verdammt der Schritt zurück! und folgst du nicht wie zwei, hast du nicht zwei Hüte, zwei Mäntel, zwei Röcke, könntest du nicht folgen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg379.2.10.part2"> Du bist unerträglich bequem, seit du verliebt bist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg379.2.11.part2"> Ach, fühltest du die Last, die auf mir liegt; auch dieses Kleid möchte ich abwerfen, um hinzufliegen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg379.2.12.part2"> Oho – nackt möchtest du wohl willkommen sein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg379.2.13.part2"> Noch mehr als nackt, ermorden möcht ich mich, daß meine Seele in den Himmel schwebe – in den Himmel, sage ich, denn sicher wölbet sich ein seidner Himmel voll selger Träume über ihrem Bette, – ich will nicht selig werden, Aquilar, in keinem Himmel als in diesem.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.14.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.14.1.part1">wirft Ponces Kleider hin.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg379.2.14.part2"> Nimm – du bist ja sehr erfahren in der Himmelskunde.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.15.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.15.1.part1">kleidet sich an.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg379.2.15.part2"> Auch das, ich will dich lehren – drei Himmel sind. Der dritte ist der schlechteste. – Der erste Himmel ist über Liebchens Bette, wo Leben, Liebe und Tod sich lösen, wo alles eins nur wird, das ist der höchste, beste Himmel. Der zweite Himmel ist der Himmelwagen oder Totenwagen, in ihm ist Liebe und Leben hin, der Tod fährt einmal noch spazieren, das ist der ganze Spaß. Der dritte Himmel aber ist ein armer Himmel, der alle seine Freude an das Leben versetzte, da ist kein Anfang und kein Ende, kein Leben und kein Tod, da sitzt die Liebe ganz allein – das ist ein <pb n="207" xml:id="tg379.2.15.2.part2"/>
langweiliger Himmel – <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.15.3.part2">Wirft den Mantel um.</hi> Fort, mein Mantel brennt, – es ist heute meine Himmelfahrt – <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.15.4.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.16.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg379.2.16.part2"> Stecke nur den Wald nicht an. <hi rend="italic" xml:id="tg379.2.16.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg379.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg379.2.17.part2"> Du Kalter, lösche seine grünen Flammen.<hi rend="italic" xml:id="tg379.2.17.1.part2"> Hinter der Szene.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg379.2.18"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg380" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/17. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>17. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg380.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg380.2.1">Siebenzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg380.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg380.2.4.1">Valerio und Valeria in der Esplanate auf einer Bank; es ist schon ziemlich dunkel.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg380.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.6.part2"> Du hast also meine Tochter gesehen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.7.part2"> Wie ich Euch sagte, lieber Valerio – Sie reichte mir im Kloster die Suppe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.8.part2"> Da ist sie wohl ordentlich wie ein Nönnchen – was sprach sie dann?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.9.part2"> Wenig – sie schien traurig zu sein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg380.2.10.part2"> Traurig? Ja, das ist es eben, das ist es – ich bin auch traurig – sieh, meine Tochter ist verliebt – und da ist sie traurig.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.11.part2"> Davon sprach sie nichts; ich fragte sie, ob sie eine Nonne werden wolle. Ei, behüte Gott! sagte sie.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg380.2.12.part2"> Ja, ja, Nonne werden, das war auch eine possierliche Frage. – Ei, behüte Gott! sagte sie; das sieht ihr ähnlich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.13.part2"> Ich fragte sie, warum sie so traurig sei.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.14.part2"> Da sagte sie wohl, ich bin verliebt? Doch das sagte sie nicht – man sagt es nicht was sprach sie da?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.15.part2"> Sie sprach, mein lieber Vater ist verreist, und das tut mir leid.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg380.2.16.part2"> Sagte sie das? Komme, Mädchen, <hi rend="italic" xml:id="tg380.2.16.1.part2">Er küßt sie.</hi> du bist viel Geld wert, ich lasse dich dafür in Gold einfassen, und trage dich am Finger wie Karfunkelstein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.17.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.17.part2"> Wie Euch das freut! Wenn ich einen Vater hätte, der so gut wäre, ich liefe ihm nach.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.18.part2"> Wenn aber dein Geliebter in der Stadt wäre, machtest du es wie sie, und bliebst dort.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg380.2.19.part2"> Wenn aber Euer Mädchen Euch nachliefe, und ihrem Geliebten, wie dann?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg380.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg380.2.20.part2"> Dann –? Wenn ich es jetzt bedenke, wäre es nicht recht; wäre sie aber da, ich verzieh' es ihr aus Freude.</p>
                                    <pb n="208" xml:id="tg380.2.21"/>
                                    <lb xml:id="tg380.2.22"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg381" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/18. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>18. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg381.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg381.2.1">Achtzehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg381.2.2.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg381.2.2.1.part1">kömmt rechts aus der Allee, singt mutwillig.</hi>
                                    </stage>

                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg381.2.3">Die heiligen drei König mit ihrem Stern,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg381.2.4">Sie essen und trinken und bezahlen nicht gern.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg381.2.5"/>
                                    <p xml:id="tg381.2.6">Guten Abend, Herodes! guten Abend, Mohrenkönig! die zwei andern kommen schon, der Verliebte läuft wie besessen, der andere muß schon aus einem trägern Klima sein, er kann kaum nach.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg381.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg381.2.7.part2"> Was schwätzest du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg381.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg381.2.8.part2"> Herr Doktor, ihr seid sehr lustig.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg381.2.9.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg381.2.9.1.part1">faßt sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg381.2.9.part2"> Man ist nicht grade kein Mensch, wenn man ein Doktor ist, obschon etwas unmenschlich. Ich wollte Euch nur sagen, Herr Hausmeister, die Patienten laufen schnurstracks hierher, und sind schwer verwundet, ich schlich immer um sie herum, und schon wieder – <hi rend="italic" xml:id="tg381.2.9.2.part2">Ab. – Schleicht durch eine andere Kulisse denselben Weg.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg381.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg381.2.10.part2"> Ich gehe herein, mein Kind.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg381.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg381.2.11.part2"> Ich komme Euch gleich nach, laßt mich noch ein wenig. <hi rend="italic" xml:id="tg381.2.11.1.part2">Valerio ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg381.2.12"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg382" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/19. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>19. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg382.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg382.2.1">Neunzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg382.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.4.1">Valeria allein. Gleich darauf Ponce; es ist dunkel.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg382.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg382.2.6.part2"> Er kömmt, er kömmt – nun kömmt er! Ach, was hat mir dieser Mann getan, und was kann ich um <hi rend="spaced" xml:id="tg382.2.6.1.part2">ihn</hi> tun? Sonst liebte er mich, und hielt mich in den Armen – und eine andere nimmt ihn hin, die er nie sah. Unter einem Dache wird er mit mir sein, und mein armes Kind, die Sklavin seiner Geliebten. Ich bin es gern, er soll durch mich zu ihr nur einmal noch, o könnt ich nur ein einzig armes Mal noch ihn umarmen! An seiner Brust soll mir der Sieg entgegenkommen, an seiner Brust, an der mein Mut erlag. Ich höre seine Schritte – er ist es – er redet – nein – wie anders ist seine Stimme –<hi rend="italic" xml:id="tg382.2.6.2.part2"> Zieht sich an die linke Seite des Theaters; Ponce erscheint auf der rechten Seite.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg382.2.7.part2"> Da bin ich armer Pilger nun – wie arm, die ganze Welt legt vor mir.</l>
                                    <pb n="209" xml:id="tg382.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg382.2.9.part2"> O wenn er es wäre! Ich harre schon den ganzen Tag mit Schinerzen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg382.2.10.part2"> Ich höre sprechen – sie harrt mit Schmerzen – o wäre sie es selbst! O Gott, sie harrte eines andern – o Isidora!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg382.2.11.part2"> Schweig, banges Herz! er ist es, er nannte ihren Namen, meinen nennt er nimmer – ich will hin, will ihn um einen Kuß betrügen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg382.2.12.part2"> Bei Gott, sie ist es, sie liebt schon; ich komme zu der Stunde, die ein anderer versäumte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.13.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.13.1.part1">lauter ihm entgegen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg382.2.13.part2"> Geliebter, mein Geliebter, trete näher!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.14.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.14.1.part1">nähert sich.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg382.2.14.part2"> Wer sollte solchem holden Ruf nicht folgen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.15.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.15.1.part1">umfängt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg382.2.15.part2"> O lieber, einzig lieber Mann!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg382.2.16.part2"> Verzeiht, ich kenne Euch nicht, ich bin ein Pilger.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.17.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.17.1.part1">hält ihn immer umfangen.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg382.2.18.part2"> O wäre ich der, der ich deinen Armen bin! Laßt mich, ich bin ein Fremdling!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg382.2.19.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.19.1.part1">zurücktretend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg382.2.19.part2"> Ein Fremdling – ach! ein Fremdling seid Ihr? Ich irrte mich – verzeiht, – und rühmt Euch nicht, daß Euch an diesem Schlosse ein Weib umarmte. <hi rend="italic" xml:id="tg382.2.19.2.part2">Sie geht schnell ins Schloß.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg382.2.20"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg383" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/20. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>20. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg383.2.1">Zwanzigster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg383.2.2.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg383.2.2.1.part1">allein; heftig.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg383.2.2.part2"> Ein Schurke bist du, den dies Weib erwartete – ein Schurke, der solche Liebe nicht empfing, – und ach! so köstlich ist die Liebe, kein Tropfen ihres süßen Giftes soll verloren gehen – was jenem hingegeben war wie Süßigkeit, brennt nun wie Gift durch alle meine Adern! O käme er nun, der schändlich solche Gabe versäumte, er müßte sterben, weil ich ihm das Leben abgewann – ich höre Schritte – war er es vielleicht – dicht hinter diesem ersten Himmel geht der Himmelwagen, und wer nicht in den Arm der Liebe fiel, gehört dem Tod – <hi rend="italic" xml:id="tg383.2.2.2.part2">Er zieht den Dolch.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="210" xml:id="tg383.2.3"/>
                                    <lb xml:id="tg383.2.4"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg384" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/21. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>21. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg384.2.1">Einundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg384.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg384.2.4.1">Aquilar, Ponce.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg384.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.6.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg384.2.6.1.part1">geht auf ihn los und faßt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg384.2.6.part2"> Du kömmst zu spät zum Leben, zum Tode eben recht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.7.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg384.2.7.1.part1">stößt ihn zurück.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg384.2.7.part2"> Und <hi rend="spaced" xml:id="tg384.2.7.2.part2">du</hi> kommst zu früh – was willst du mit dem Dolche? Ich glaube, du bist verrückt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.8.part2"> Bist du es, träger Freund? O wärst du doch der träge Feind, den ich erwartete!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.9.part2"> Ich glaube gar, du willst mich ernstlich verwunden! So ist es nicht bedungen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.10.part2"> Ich bin zerrissen –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.11.part2"> Nein, abgerissen bist du, hier zu lärmen, wo wir als arme, bedrängte Pilger ankommen sollen.</l>
                                    <lb xml:id="tg384.2.12"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg384.2.13">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg384.2.13.1">Man hört hier eine Laute und weiblichen Gesang im Schlosse, in dem einzelne Fenster erleuchtet sind.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg384.2.14"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.15.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.15.part2"> O höre, wie zerschneidet das das Herz!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.16.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.16.part2"> Ich finde, daß es Ohr und Herz erquickt, ich höre keinen falschen Ton.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg384.2.17.part2"> Wie sollten solche süße Lippen falsche Töne singen? Doch sage ich, <hi rend="italic" xml:id="tg384.2.17.1.part2">Des.</hi> Menschen Herz ist falsch, den diese klagenden Töne beschuldigen, und falsch ist <hi rend="spaced" xml:id="tg384.2.17.2.part2">der,</hi> der sie hört, denn ach! ich bin der Rechte nicht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.18.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.18.part2"> Sei klug – mache, daß wir hineinkommen; wenn wir länger warten, gehen die guten Leute schlafen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.19.part2"> Ach! sie wird heute nicht schlafen können.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.20.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg384.2.20.part2"> Wenn du die ganze Nacht hier lärmst, nein! Mache fort, und singe – ich bin schon verwundet <hi rend="italic" xml:id="tg384.2.20.1.part2">Er setzt sich an einen Baum.</hi> – langweile mich nicht hier im Dunkeln.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg384.2.21.part2"> Singen? Bei Gott! ich singe keine Note, mir sind die Lippen so versiegelt, die Augen so geöffnet, weinen möchte ich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.22.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.22.part2"> Nun so will ich schreien – Ach! – helft!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg384.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg384.2.23.part2"> Um Gotteswillen, schweige! – ich höre ihn.</l>
                                    <pb n="211" xml:id="tg384.2.24"/>
                                    <lb xml:id="tg384.2.25"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg385" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/22. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>22. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg385.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg385.2.1">Zweiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.2.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.2.1.part1">aus dem Wald.</hi>
                                    </stage>

                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg385.2.3">Ach wenn das Mädchen wüßte,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg385.2.4">Daß ich, daß ich es bin,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg385.2.5">Der sie so freundlich küßte,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg385.2.6">Sie gäb, sie gäb sich hin.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.7.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.7.1.part1">springt auf ihn los.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg385.2.7.part2"> Du kömmst zu spät – ich habe schon genommen, was dir gehört.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.8.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg385.2.8.part2"> Hülfe! ins Teufels Namen, mein Herr! seid Ihr ein Mörder, oder <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.8.1.part2">Vor sich.</hi> mein Nebenbuhler?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.9.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.9.1.part1">hält Ponce zurück.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg385.2.9.part2"> Was soll das, Gabriel, so höre auf; ich glaube, du bist verrückt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg385.2.10.part2"> Ihr habt mir genommen, was mir gehört, das mag wohl sein, Ihr scheint eine Anlage zum Stehlen zu haben, aber das Leben sollt Ihr mir nicht nehmen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.11.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.11.1.part1">Aquilar hält ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg385.2.11.part2"> So lasse mich doch, er ist es.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg385.2.12.part2"> Ich begreife dich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg385.2.13.part2"> Wer seid Ihr? sprecht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.14.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg385.2.14.part2"> Ich bin der Arzt hier aus dem Schlosse, und komme aus dem Walde, der voller Diebe sein soll, aber hier vermutete ich keine.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.15.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.15.1.part1">läßt Ponce los.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg385.2.15.part2"> Ach! so seid Ihr besser weggekommen als wir – wir sind arme Pilger, man hat uns geplündert, und ich bin verwundet – mein Freund hielt Euch für den Täter.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg385.2.16.part2"> Mein Herr, seid in Zukunft nicht so hastig im Halten, und Euch danke ich, daß Ihr ihn so schnell festhieltet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg385.2.17.part2"> Verzeiht, Herr Doktor, helft uns, schafft uns ein Unterkommen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.18.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.18.1.part1">lehnt am Baum.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg385.2.18.part2"> Ach, die Anstrengung erschöpfte mich ganz!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg385.2.19.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg385.2.19.part2"> Wartet, ich will rufen, daß man Euch hereinschaffe. <hi rend="italic" xml:id="tg385.2.19.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg385.2.20"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg386" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/23. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>23. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg386.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg386.2.1">Dreiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg386.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg386.2.4.1">Ponce, Aquilar.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg386.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg386.2.6.part2"> Ich danke dir, Freund, daß du meinen Anfall so gut gewendet hast.</l>
                                    <pb n="212" xml:id="tg386.2.7"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg386.2.8.part2"> Deinen Anfall? Du hast einen erschrecklich dummen Anfall.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg386.2.9.part2"> Sei zufrieden, wir kommen <hi rend="spaced" xml:id="tg386.2.9.1.part2">so</hi> hinein. Das Schicksal hat es gut gewendet – ach, Aquilar, wenn du wüßtest, was ich erfahren habe!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg386.2.10.part2"> Ich wundre mich nicht, du hast dich in ein Gemälde verliebt, und könntest über jede Schilderei eifersüchtig werden. Aber auch ich habe etwas Fatales erfahren.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg386.2.11.part2"> Und?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg386.2.12.part2"> Es ist ein Arzt im Hause, der wird nun immer nach meiner Wunde sehen wollen, die ich nicht habe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg386.2.13.part2"> Setze ihm eine Brille mit goldnen Gläsern auf, so sieht er sie nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg386.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg386.2.14.part2"> Das ist auch keine Kunst, eine Kunst wäre, sie zu sehen; doch man kömmt.</l>
                                    <lb xml:id="tg386.2.15"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg387" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/3. Akt/24. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>24. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg387.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg387.2.1">Vierundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg387.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg387.2.4.1">Vorige, Porporino mit einer Fackel, zwei Diener mit einer Tragbahre.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg387.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.6.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.6.part2"> Wo ist Ihre Wunde, mein Herr?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.7.part2"> Meine Wunde? Sie ist – sie ist –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.8.part2"> In der rechten Seite.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.9.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg387.2.9.part2"> So gebe Gott, daß Ihr links seid, wie es auch scheint, da Ihr nicht wußtet, daß Eure Wunde rechts ist. Träger, ladet ihn auf. <hi rend="italic" xml:id="tg387.2.9.1.part2">Sie stellen die Bahre hin und wollen ihn fassen.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.10.part2"> Ich bitte, ich werde wohl noch so weit gehen können.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.11.part1">TRÄGER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.11.part2"> Ei, legt Euch nur auf die Bahre.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.12.part2"> Auf die Bahre? So weit bin ich hoffentlich noch nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.13.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.13.part2"> Wir wollen Euch schon hinbringen; legt ihn auf die Tragbahre. <hi rend="italic" xml:id="tg387.2.13.1.part2">Sie legen ihn drauf.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.14.part2"> O Gabriel! ich werde des Teufels –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.15.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.15.part2"> Seid nur geduldig, es wird schon werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg387.2.16.part2"> Ruhig, Fernand, wenn ich nur je des Engels wurde! <hi rend="italic" xml:id="tg387.2.16.1.part2">Sie tragen ihn langsam ab.</hi> Du bist ein wahres Bild des Lebens, ein festlich Kleid, das später tragbar wird, und endlich abgetragen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg387.2.17.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg387.2.17.part2"> Nun fort, Kerls! Ich hätte in <hi rend="spaced" xml:id="tg387.2.17.1.part2">der</hi> Zeit eine Festung abtragen wollen. <hi rend="italic" xml:id="tg387.2.17.2.part2">Alle ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="213" xml:id="tg387.2.18"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                     </div>
                     <div subtype="work:no" type="act" xml:id="tg388" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt">
                        <div>
                           <desc>
                              <title>4. Akt</title>
                           </desc>
                        </div>
                        
                        
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg389" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/1. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>1. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg389.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg389.2.1">Erster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg389.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg389.2.4.1">Kleine Stube im Schloß.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg389.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg389.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg389.2.6.part2"> Habe ich nicht ein kindisches Herz? Nun ist er im Hause, nun bin ich froh und ruhig – ich habe nun alles so lieb, ich möchte ihn und alle Menschen glücklich machen. Wie seine Augen heute morgen voll Tränen stiegen, da er Isidoren ansah. – Solche Tränen weinte auch schon Porporino um mich – und solche Tränen werden alle noch erhört. Mein Herz spricht nicht dagegen – so wie er war, so habe ich ihn geliebt – so wie er nun ist, habe ich keinen Anspruch mehr auf ihn – ich wäre bitterböse – wie schön kann alles werden! Du treuer Porporino, freue dich; du lieber Vater, freue dich – wenns nur zu Ende wäre, mein Herz war nie so voll, so voll Glück für alle, die ich liebe, und liebt Valeria sich nicht auch selbst – da kömmt Porporino. –</p>
                                    <lb xml:id="tg389.2.7"/>
                                 </sp>
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                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg390" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/2. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>2. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg390.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg390.2.1">Zweiter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg390.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg390.2.4.1">Porporino, Valeria.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg390.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.6.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg390.2.6.part2"> Deine Fräulein sollen in die Stube der beiden flandrischen Musikanten kommen, ihre Tante erwartet sie dort.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.7.part2"> Flandrische Musikanten sind die Pilger? Haben sie schon Musik gemacht?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.8.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.8.part2"> Noch nicht bis jetzt, denn dem einen ist eine Seite zerrissen, und der andre ist verstimmt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.9.part2"> Ihr werdet sie bald geheilt haben, Herr Doktor.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg390.2.10.part2"> Geheilt? Ach Kind! ich habe, was ihnen fehlt, und kann es ihnen doch nicht geben – ich habe das Herz in der Seite zerrissen, und bin verstimmt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.11.part2"> Kommt her, ich will Euch heilen, Herr Doktor; seht mir in die Augen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.12.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg390.2.12.1.part1">umfaßt sie.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg390.2.12.part2"> Deine Augen sind Flammen und christlich. <hi rend="italic" xml:id="tg390.2.12.2.part2">Läßt sie los.</hi> Alles andere an dir magst du von neuem <pb n="214" xml:id="tg390.2.12.3.part2"/>
taufen lassen. Sie haben deine Augen allein getauft, als sie dich Flammetta nannten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg390.2.13.part2"> Ja, ich weinte bei der Taufe – und Ihr errötetet, denn Eure Wangen sind auch allein getauft, als man Euch Porporino nannte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.14.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.14.part2"> O, welche Artigkeit liegt in dir begraben, du schwarzer Sarg!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.15.part2"> Kommt, laßt Euch die christlichen Wangen küssen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.16.part2"> Ich gäbe vieles drum, könnte ich dich schamrot machen, schwarzer Engel.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.17.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg390.2.17.1.part1">küßt ihn.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.18.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg390.2.18.part2"> Du heilst mich nicht, mein Heil ist in Sevilla! Ach, Mädchen, deine Augen hast du doch gestohlen, <hi rend="spaced" xml:id="tg390.2.18.1.part2">ihr</hi> gestohlen. Die Raben sollen stehlen, was glänzt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.19.part2"> Glänzt Euer Herz?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.20.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.20.part2"> Nein, es ist schwarz, es trauert.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.21.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.21.part2"> So ist es umgekehrt – Ihr stehlt mir sicher meine Augen noch mit diesem Herzen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.22.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.22.part2"> Deine gestohlnen Augen stehle ich dir, und bringe sie Valerien zurück, die du blind gemacht hast;</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.23.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.23.part2"> Wer ist dann diese Valeria?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.24.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.24.part2"> Das weiß der Himmel, denn sie ist der Himmel selbst, und ich will selig sterben – drum gehe!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.25.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg390.2.25.part2"> Ich hindre Euch doch nicht an der Seligkeit?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg390.2.26.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg390.2.26.part2"> Deine Augen sind Basilisken, Mädchen; ich müßte ein Verbrecher werden, um vor ihnen zu sterben. <hi rend="italic" xml:id="tg390.2.26.1.part2">Valeria ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg390.2.27"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg391" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/3. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>3. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg391.2.1">Dritter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg391.2.2.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg391.2.2.1.part1">allein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg391.2.2.part2"> Ich muß mich sehr zusammennehmen, sonst verliebe ich mich gar in die Mohrin – das menschliche Herz ist sehr zu Extremen geneigt – aber wer noch keine Dame im Brett hat, darf nicht von Weiß auf Schwarz ziehen. Don Aquilar muß ich nun noch verbinden – aber dann bleibe ich keine Stunde länger hier, dann lauf ich nach Sevilla. <hi rend="italic" xml:id="tg391.2.2.2.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="215" xml:id="tg391.2.3"/>
                                    <lb xml:id="tg391.2.4"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg392" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/4. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>4. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg392.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg392.2.1">Vierter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg392.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.4.1">Durch Aufziehung des Mittelvorhangs.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg392.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.5.1">Ponces und Aquilars Wohnung.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg392.2.6">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.6.1">Aquilar liegt auf einem Sopha, ein dickes Pfühl auf ihn gelegt; Isabella sitzt neben den, Bette, Ponce entfernt auf einem Stuhl, und sieht traurig vor sich hin.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg392.2.7"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.8.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.8.1.part1">sich aufrichtend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg392.2.8.part2"> Eure Güte, vortreffliche Sennora, ist unstreitig an sich so groß, daß dies Federbett überflüssig wäre – auch empfinde ich einen großen Dank im Herzen, der sich ordentlich mit einer Art von Druck etwas seitwärts zu ziehen scheint.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.9.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg392.2.9.part2"> Eure Galanterie übersteigt Eure Krankheit. Wo empfindet Ihr dies Drücken – hier in der Gegend des Herzens?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.10.part2"> Ich bitte, etwas mehr in der Gegend des Magens, und zwar innerlich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.11.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.11.part2"> Eure Wunde wird sich doch mit der Hülfe Gottes nicht inflammieret haben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.12.part2"> Ich bitte sehr, ich glaube mit der Hülfe eines Kochs könnte eine gute Mahlzeit den Schmerz heben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.13.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg392.2.13.part2"> Aber Euer geschwächter Körper wird keine Mahlzeit vertragen können. Ihr habt wohl heute zuviel gegessen?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.14.part2"> Ein ganzes Ei.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.15.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg392.2.15.part2"> Ei! – ein ganzes Ei – das war auch unmäßig – ein halbes wäre auch genug gewesen – Ihr haltet Euch für hungriger, als Ihr seid!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.16.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.16.part2"> O – ich bin eigentlich so hungrig, daß ich mich gar nicht mehr halten <hi rend="spaced" xml:id="tg392.2.16.1.part2">kann.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg392.2.17"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg392.2.18">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.18.1">Ponce steht auf und geht heftig auf und nieder.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg392.2.19"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.20.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg392.2.20.part2"> Mäßigt Euren Schmerz, die Krankheit Eures Freundes ist nicht so gefährlich, als Ihr glaubt – doch soll man gleich nach seiner Wunde sehen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.21.part2"> Verbinden?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.22.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg392.2.22.part2"> Nein, man wird nimmermehr meine Wunde sehen; aber ich will nun aufstehen.</l>
                                    <pb n="216" xml:id="tg392.2.23"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.24.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg392.2.24.part2"> Nicht Eure Wunde sehen – ich will sie ja nicht sehen Ihr seid schamhaft auf Rechnung Eures Lebens – doch wenn Ihr aufsteht, will ich meinen Niècen sagen, daß sie wegbleiben.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.25.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.25.1.part1">faßt sie und wendet sie von Aquilar weg.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg392.2.25.part2"> Nein – nein bleibt – wendet Euch so; nun stehe auf!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.26.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.26.1.part1">springt angekleidet aus den Küssen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg392.2.26.part2"> Gott sei Dank, nun seid so gütig, und laßt mir etwas zu essen geben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg392.2.27.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.27.1.part1">wendet sich zu ihm.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg392.2.27.part2"> Um Gottes willen! bewegt Euch nicht heftig, setzt Euch nieder. <hi rend="italic" xml:id="tg392.2.27.2.part2">Setzt ihn in den Lehnstuhl.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg392.2.28"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg393" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/5. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>5. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg393.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg393.2.1">Fünfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg393.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.4.1">Vorige, Isidora, Melanie.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg393.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.5.1">Aquilar will auf alle Weise aufstehen, Isabella hält ihn zurück – Ponce geht Isidoren gerührt entgegen, und küßt ihr die Hand.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg393.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.7.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.7.1.part1">zu Aquilar.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.7.part2"> Nehmt eine Grenze der Höflichkeit, Eure Krankheit entschuldigt Euch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.8.part2"> O laßt mich meine Pflicht tun!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.9.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg393.2.9.part2"> Isidora, Melanie, der kranke Herr möchte euch seine Verehrung bezeugen, ihr entschuldigt ihn. <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.9.1.part2">Sie neigen sich.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.10.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.10.1.part1">zu Isidora.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.10.part2"> Eure Güte ist unendlich, Fremdlinge zu besuchen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.11.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.11.part2"> Wir besuchen hier den Kranken, das ist Pflicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.12.part2"> O wüßtet Ihr, wer hier der Kränkste wäre, und verweiltet!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.13.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.13.1.part1">zu Ponce.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.13.part2"> Ich bitte, zerstreut Euch – Ihr werdet uns so auch noch krank.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.14.part1">MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.14.1.part1">zu Aquilar.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.14.part2"> Ihr befindet Euch besser als heute früh?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.15.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.15.part2"> Durch Eure Gegenwart unendlich – aber eigentlich schlechter – das Ei von heute morgen –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.16.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg393.2.16.part2"> Hat Euch krank gemacht. – Ja, es liegt schwer im Magen – aber gleich soll der Wundarzt nach Euch sehen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.17.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.17.1.part1">zu Ponce.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.17.part2"> Ist die Wunde wirklich bedeutend?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.18.part2"> Ich weiß es nicht – ich hoffe es nicht – o Sennora! verzeiht mir.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.19.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.19.part2"> Ich muß ein für allemal sagen, meine Wunde ist zu unbedeutend, daß sie berührt werde.</l>
                                    <pb n="217" xml:id="tg393.2.20"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.21.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.21.1.part1">zu Ponce.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.21.part2"> Ich verstehe Euch nicht, lieber Freund. Ich soll Euch verzeihen, was?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.22.part2"> Daß ich gestern in Euren Armen lag, daß ich so glücklich war –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.23.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.23.part2"> Um Gottes willen! was sprecht Ihr – seid Ihr krank bedenket, wo Ihr seid.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.24.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.24.part2"> O leider, leider, ich bin nimmer hier willkommen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.25.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.25.part2"> Ach, liebe Tante, dieser Jüngling ängstigt mich; ich glaube, er ist krank.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.26.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.26.part2"> Was fehlt Euch, der Schrecken hat Euch doch kein Fieber zugezogen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.27.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.27.1.part1">faßt Isidora.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.27.part2"> O schweigt, um meiner Liebe willen schweigt, verschweigt mein Unglück!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.28.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.28.1.part1">macht sich los.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.28.part2"> O laßt mich – Tante, seht – seht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.29.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.29.part2"> Gehe, mein Kind – rufe schnell den Arzt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.30.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.30.part2"> O gehet nicht, o bleibt, damit mein Arzt und meine Krankheit mich nicht fliehen – <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.30.1.part2">Isidora ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg393.2.31"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg393.2.32">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.32.1">Isabella hält Ponce rückwärts die zwei Arme.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg393.2.33"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.34.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.34.part2"> O laß mich, ihr versteht mich alle nicht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.35.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.35.1.part1">den nun Isabella verlassen, springt lustig auf.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.35.part2"> Gott sei Dank! nun habe ich etwas Luft.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.36.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.36.part2"> Melanie, halte ihn – den Blessierten, halte ihn – Hülfe! Hülfe!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.37.part1">MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.37.1.part1">faßt Aquilar schüchtern ebenso; er ist gelassen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.37.part2"> Wenn ich nur halten kann, ich habe das noch nie getan.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.38.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.38.part2"> Ihr könnt es schon, o schönes Fräulein, Ihr könnt mich ewig halten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.39.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.39.part2"> Seid ruhig, um Gottes willen, setzt Euch, lieber –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.40.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.40.1.part1">vor sich hin, immer gehalten.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg393.2.40.part2"> Grad ausgestreckt schläft sie, und denkt an Gespräche für ihren künftgen Gatten – o holdes Bild – dein künftger Gatte, er stirbt durch mich, oder ich durch ihn. –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.41.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.41.part2"> Ums Himmels willen, welche Phantasien!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.42.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.42.part2"> Meiner ist ganz ruhig, ich lasse ihn los.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.43.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg393.2.43.part2"> Los? Bei Gott, laßt mich nicht los, sonst werde ich ein loser Vogel! Wie seid Ihr doch so hold, und wär ich hundert Meilen von Euch, Ihr hieltet mich, seit ich Euch sah. Aber <pb n="218" xml:id="tg393.2.43.1.part2"/>
ach, ein anderer Hunger bricht in mir hervor! <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.43.2.part2">Er will sie umarmen.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.44.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.44.part2"> Um Gottes willen, Tante, er wird auch närrisch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.45.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.45.part2"> Halte ihn nur fest, – daß er in der Raserei nicht entwischt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.46.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.46.1.part1">küßt sie.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.46.part2"> O welcher Blitz, der rückwärts schlägt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.47.part1">MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.47.1.part1">läßt ihn los, läuft fort; Aquilar nach.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg393.2.47.part2"> Jesus – Jesus –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.48.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.48.part2"> O Fernand, bleibe – <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.48.1.part2">Reißt sich los.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg393.2.49.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg393.2.49.part2"> Da ist der Verwundete entwischt. <hi rend="italic" xml:id="tg393.2.49.1.part2">Läuft ab, schließt die Türe zu.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg393.2.50"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg394" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/6. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>6. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg394.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg394.2.1">Sechster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg394.2.2.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg394.2.2.1.part1">allein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg394.2.2.part2"> O lauft zum Guckuck alle, ihr plumpes Volk! das ganze Haus ist breit und unausstehlich – zu ihr allein hat alle Zierde sich gewendet. Wie unter dem gemeinen Haufen scheuen Wildes ein weißer Hirsch mit goldenem Geweih einhergeht, den eine Fee bewohnt, so ragt an stiller Größe sie empor, – und ach! nicht Rast, nicht Ruh, mein Sinnen ewig nach ihr hin, wie stolz sie auf mich niedersah – sie liebet einen andern, und selbst, daß ich in ihren Armen lag, will sie nicht wissen, ist nicht wahr. – Verrückt bin ich, wenn ichs zu glauben wage, und wüßte sie, daß ich so kühn geträumt, so dürfte bald der schöne Traum ein Traum nur sein.</p>
                                    <lb xml:id="tg394.2.3"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg395" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/7. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>7. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg395.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg395.2.1">Siebenter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg395.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.4.1">Ponce; Porporino und ein Diener bringen Aquilar gebunden; mehrere Diener im Hintergrunde.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg395.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.6.part2"> Laßt mich los, sage ich, oder ich breche euch Arm und Bein! O Gabriel, hilf mir doch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.7.part2"> Wie kannst du nur solche Streiche machen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.8.part1">DIENER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.8.1.part1">zu Porporino.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg395.2.8.part2"> Ist das der andere? Der soll auch nicht richtig im Oberstübchen sein: ein schöner Fang, zwei tolle Menschen!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.9.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg395.2.9.part2"> Wir wollen ihn noch immer etwas in gebundner Rede sprechen lassen, er phantasiert noch stark, er will uns Arm und Bein brechen, und kann sich nicht rühren; überdies <pb n="219" xml:id="tg395.2.9.1.part2"/>
scheint seine Prosa, seine ungebundene Rede grob werden zu können.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg395.2.10.part2"> Du bist fatal, du sprichst, wie ich nur solche Streiche führen könne, und ich kann kein Glied rühren.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.11.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.11.1.part1">legt abenteuerliche Instrumente auf den Tisch.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg395.2.11.part2"> Nun werde ich Eure Wunde untersuchen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.12.part2"> Ihr wollt mich verbinden?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.13.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.13.part2"> Ja, es ist hohe Zeit, und wenn Ihr es ruhig leiden wollt, soll man Euch losbinden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.14.part2"> Gern, aber laßt die Leute abtreten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.15.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.15.part2"> Geht hinaus, doch wenn ich rufe, kommt – <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.15.1.part2">Diener ab.</hi> Nun wollt Ihr ruhig sein?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.16.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.16.part2"> Ja – wenn Ihr mich in Ruhe lassen wollt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.17.part2"> Fernand, mache fort, der Lärm bringt mich noch um.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.18.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.18.part2"> Sei nicht so mürrisch. Herr Doktor, ich werde Euch sehr verbindlich sein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.19.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.19.part2"> Daran zweifle ich nicht, ich habe wohl schwerere Wunden verbunden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.20.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.20.part2"> Ihr werdet mich sehr verbinden, sage ich, wenn Ihr mich nicht verbindet.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.21.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.21.part2"> Aha – also doch ein Aderlaß am Kopfe nötig? Ihr schwätzt verrückt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.22.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg395.2.22.part2"> Kurz und gut – bindet mich los, und laßt mich unverbunden, – und schafft mir zu essen, ich bin nicht verwundet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.23.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.23.part2"> Nicht verwundet?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.24.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.24.part2"> Nur hungrig – fünfzig Realen, wenn Ihr schweigt und mir zu essen schafft.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.25.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.25.part2"> Ich stutze – was macht Ihr denn hier – ei, ei – doch wo ist das Geld?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.26.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.26.part2"> Fragt jenen, warum wir uns verstellen! Sprich, Ponce!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.27.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.27.part2"> O, daß ich mich verstellen muß – daß sie mich nicht kennt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.28.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.28.part2"> Ich verstehe nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.29.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.29.1.part1">zählt Dukaten auf den Tisch.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg395.2.29.part2"> Versteht Ihr?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.30.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.30.part2"> Noch nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.31.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.31.1.part1">zählt fort.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg395.2.31.part2"> Nun?</l>
                                    <pb n="220" xml:id="tg395.2.32"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.33.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.33.part2"> Ich habe einen harten Kopf; aber es wird mir klar.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.34.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.34.part2"> Die Wunde sei nicht bedeutend, werdet Ihr sagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.35.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.35.part2"> Und wacker Essen und Trinken sei die einzige Kur, werdet Ihr sagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg395.2.36.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg395.2.36.part2"> Ganz recht, ganz recht, Ihr habt es mir eingeprägt. <hi rend="italic" xml:id="tg395.2.36.1.part2">Steckt ein und geht.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg395.2.37"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg396" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/8. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>8. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg396.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg396.2.1">Achter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg396.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg396.2.4.1">Ponce, Aquilar.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg396.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.6.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg396.2.6.1.part1">bindet ihn los.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg396.2.6.part2"> O wären meine Fesseln so gelöst!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.7.part2"> Isidora läßt sich wohl nichts einprägen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.8.part2"> Ich bin so ohne Hoffnung, so erbärmlich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.9.part2"> Wenn wir nur nicht so schlechte Musikanten vorstellten!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.10.part2"> Was kann dir dran liegen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.11.part2"> Glaubst du, mir liege so wenig dran, mit dir verwandt zu werden?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.12.part2"> Als Musikant bist du es mehr denn als Edelmann.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg396.2.13.part2"> Nein, lieber Gabriel, wie es jetzt steht, haben wir wenig Hoffnung zum Quartett; die Mädchen spielen aus Dur, und wir aus Moll, und du sollst wissen, daß ich verliebt bin.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.14.part2"> In ein honettes Weib?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.15.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg396.2.15.part2"> Wenn sie das einmal ist, wird sich die Liebe schon mehr gelegt haben – nein; in eine schöne Jungfrau, Melanie de Sarmiento.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.16.part2"> Wie ist dir dabei zumute?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.17.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.17.part2"> Das wollte ich von dir hören – und lernen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg396.2.18.part2"> O guter Fernand! wenn du noch etwas lernen willst, so liebst du nicht. Wenn du nicht alles weißt und alles vergessen hast, nicht ewig deine Gedanken zu ihr hinziehen, so liebst du nicht. Ist dir nicht, als hättest du in die Sonne geschaut, seit du sie sahst, ist vor deinem Auge nicht ein schimmernder Fleck, wie du es wendest, flieht er mit ihm, und überall ihr Bild, das du nur ansehen kannst – und alles weißt du, was du mit ihr sprachst, die nie mit dir geredet und immer bangt es dir, sie zu verlieren, die du nie besaßest – <pb n="221" xml:id="tg396.2.18.1.part2"/>
ein ganzes Leben in schönen, sonnenreichen Tagen und liebestillen Abenden hast du mit ihr gelebt, die nimmer mit dir war – wie sie an deinen Lippen hing, in deinen Armen lag, nur wenige Minuten aus tiefen Lebensnächten, wie sie geflüstert, wie du scherzend ihren Puls gezählt, und dein Aug, ihrem Auge genaht, ihre Blicke fühlte, weil euch die Nacht verhüllt, daß alle Seligkeit nur euch gehöre – ach! in diesem schönen Leben lebst du nur, die Welt versank, es ist nichts gut mehr, nichts mehr bös – alles nur aus dem Herzen ruhiger Erguß in wohltätigen Strömen, alles nur ewiges Empfangen mit süßem, tiefem Durste. – Ist es nicht so, so liebst du nicht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.19.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.19.part2"> Und wenn sie vor dich tritt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.20.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg396.2.20.part2"> Und wenn sie vor dich tritt, so bricht der ganze schöne Traum zusammen, du warst im Traum ein Held, und nun, da du sie siehst, bist du so arm, und wünschest, ein Bettler nur zu sein, damit sie gerührt sich zu dir wende und dir einen Pfennig gebe, und dieser Pfennig wird dein höchstes Gut, du wirst ein Geizhals, bettelst immer fort, und hat sie vieles schon gegeben, so schön, so ohne Anspruch, wie der Engel giebt, so hast du einen Schatz gesammelt, und bauest einen Tempel auf, gehst still vor ihr hinein, und betest, denn auf dem Altar steht ihr Bild, und bist du dann recht fromm, so recht ergeben, so steigt sie vom Altare zu dir nieder, und hat dir alles hingegeben – in ihren Armen liegst du, der Tempel, den du dir aus ihren Reizen aufgebaut, erscheint dir wie [die] Welt – die Welt ist schön, Fernand, wenn sie die Liebe neu erschafft.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.21.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg396.2.21.part2"> Die Welt ist schön, unstreitig – und mein Hunger ärgert mich nun doppelt; er könnte mich hindern, die schönen Pfennige zu nehmen, die die Liebe, wie du sagst, zu geben pflegt, denn ich hätte große Lust, sie um ein Stückchen Brot zu bitten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg396.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg396.2.22.part2"> Es kömmt jemand, vielleicht erhältst du Speise.</l>
                                    <pb n="222" xml:id="tg396.2.23"/>
                                    <lb xml:id="tg396.2.24"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg397" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/9. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>9. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg397.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg397.2.1">Neunter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg397.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.4.1">Vorige, Valeria mit einer Pastete.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg397.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.6.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.6.1.part1">auf sie zulaufend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg397.2.6.part2"> Willkommen, tausendmal willkommen, und wärst du auch ein Teufelchen, so bringst du doch Pasteten! <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.6.2.part2">Setzt sich und ißt.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.7.part2"> Ihr seid ja schnell genesen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.8.part2"> Sogleich, sogleich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.9.part2"> Du Kleine, bist du lange hier im Hause?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.10.part2"> Seit gestern nur, und doch geliebt, als wär ich Jahre hier, die Fräulein sind so freundlich gegen mich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.11.part2"> O glückliches Mädchen, wie beneide ich dich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.12.part2"> Ihr wißt nicht, was Ihr beneidet, ich bin sehr arm.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.13.part2"> Arm? – Du bist um sie und darfst mit deiner schwarzen Farbe den Glanz von Isidoren erheben; sie giebt dir freundliche Worte? Ach, ich wäre gern wie du ein Diener hier im Hause, ich wäre dann wohl auch geliebt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.14.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.14.1.part1">aufspringend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg397.2.14.part2"> Au, au, o weh – was Teufels ist das – au!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.15.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.15.part2"> Was schreist du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.16.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.16.part2"> Ich habe mir beinahe einen Zahn ausgebissen – ein Goldstück stak in der Pastete.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.17.part2"> Leg es beiseite, der Koch hat es verloren.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.18.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.18.part2"> O weh, noch eins, es ist, als wäre ich zum Midas geworden. <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.18.1.part2">Ißt behutsamer fort.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.19.part2"> Liebt ihr dann Isidoren?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.20.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.20.part2"> Kannst du schweigen, bist du treu?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.21.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.21.part2"> Ich schweige gern, und bin auch treu – wäre ich ein weißes Mädchen und Ihr liebtet mich, Ihr dürftet dann nicht fragen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.22.part2"> Ich glaube dir; doch weißt du, ob Isidora liebt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.23.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.23.part2"> Und wieder eins! Höre, Mädchen, wenn du weißt, ob Melanie liebt, so erlaube ich dir mitzuessen, und alle das Gold soll auf dein Teil kommen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.24.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.24.part2"> Ich will kein Gold, doch helf ich gerne, wenn Ihr liebt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.25.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.25.part2"> Du gutes Mädchen – ach, liebte sie nur keinen andern!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.26.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.26.part2"> Wißt Ihr es dann gewiß? Ich weiß es nicht.</l>
                                    <pb n="223" xml:id="tg397.2.27"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.28.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.28.1.part1">steht auf.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg397.2.28.part2"> Wohlan, ich bin gesund – aber das Gold in der Pastete begreife ich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.29.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.29.part2"> Fernand, ist es nicht besser, wenn wir schriftlich unsere Liebe bekennen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.30.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.30.part2"> Wir müssen dann sehr gescheit schreiben, weil man uns vor kurzen noch für unklug hielt, und das ist schwer bei der Liebe.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.31.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.31.part2"> Es ist kein andrer Weg, die Mädchen fürchten uns seit jener Szene.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.32.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.32.part2"> Ich will die Briefe abholen, schreibt nur.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.33.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.33.part2"> Um deinen Hals leg ich die schönste Perlenschnur, in deine Ohren häng ich goldne Ringe, und Diamanten soll dein dunkler Busen tragen, lieb Mädchen, wenn du hilfst!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.34.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.34.part2"> Hilf! Mädchen, hilf! Sieh, alles Liebesfeuer, was uns armen Jungen im Herzen brennt, soll sich zu strahlenden Geschenken dir verwandeln.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.35.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.35.1.part1">zu Ponce.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg397.2.35.part2"> Ihr seid ein Jüngling und ein Sänger, Freund; ich kenne eine Gabe nur, mit der Ihr mich belohnen könnt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.36.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.36.part2"> Begehre!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.37.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.37.part2"> Habt Ihr wohl früher schon geliebt, hat jemals ein gutes Mädchen so von ganzer Seele Euch umfaßt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.38.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.38.part2"> Wie fragst du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.39.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.39.part2"> Wie kann dich das belohnen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.40.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.40.part2"> Habt Ihr ein treues Herz vergessen, hat diese Liebe einer andern Glück verschlungen, so sollt Ihr, ehe Ihr sie beginnt, der guten abgeschiedenen Liebe einen Kuß opfern, und ein frommes Lied singen, wie man die Seele abgeschiedner Freunde ehrt, ehe man in ein neues Leben tritt. Es ist dies eine Sitte meiner Heimat, und soll ich Euch von Herzen dienen und Eure Freundin sein, so müßt Ihr mir an Eurer vorgen Liebe Statt dies Opfer bringen – dann rechnet, daß ich Euer sei.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.41.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.41.part2"> Ich zähle hin und her – die Sitte gefällt mir, und du auch – denn ich küßte dich gern – nu, Ponce –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.42.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.42.1.part1">gerührt.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg397.2.42.part2"> Schön ist die Sitte deines Landes, Mädchen. Nur <hi rend="spaced" xml:id="tg397.2.42.2.part2">eine</hi> Liebe soll das Leben sein, und wie das Leben eins nur ist, wenngleich die Freunde still hinüberschreiten, so <pb n="224" xml:id="tg397.2.42.3.part2"/>
reiche stets die rührende Erinnerung die Hand auch zu den Lieben hin, die nicht mehr sind, und freundlich schlingen tausend Reihen sich mit Ernst und Freud und Schmerz durchs Leben hin – kein Tod ist dann, wir leben alle, all und lieben doch schmerzlich, schmerzlich ist mir dieses Opfer, die neue Liebe reißt so ganz mich in das Leben!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.43.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.43.part2"> Wenn du die Vorzeit ehrst, so wird die Gegenwart dich lieben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.44">PONCE.</speaker>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.45">So sei es dann –</l>
                                    <lb xml:id="tg397.2.46"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg397.2.47">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.47.1">Er nimmt die Laute.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg397.2.48"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.49">Hier, wo neue Liebe mich gefangen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.50">Der ich nimmer, nimmermehr entgehe,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.51">Denk ich gerne deiner, die vergangen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.52">Süße Liebe voller Lust und Wehe!</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.53">VALERIA.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.54">Zürnet seiner nicht, ihr roten Lippen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.55">Wollet Trost aus andern Küssen saugen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.56">Denn er scheiterte an fremden Klippen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.57">Wendet nimmer heimwärts seine Augen.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.58">PONCE.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.59">Wenn das Leben nicht hinaus mich triebe,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.60">Nicht nach Ferne Sehnsucht mich verzehrte,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.61">Blieb ich dir, du Heimat meiner Liebe,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.62">Die mich scherzen, tändeln, küssen lehrte.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg397.2.63"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg397.2.64">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.64.1">Er küßt sie.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg397.2.65"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.66">VALERIA.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.67">So sei dann feierlich entbunden;</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.68">Wie dieses Kusses Feuer leicht verglühet,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.69">So schließen sich der frühen Liebe Wunden</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg397.2.70">Und neue, schönre Liebe bald erblühet.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.71.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.71.part2"> Herzlichen Dank! Mädchen, es ist mir beinahe besser ums Herz; willst du mir nun treu dienen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.72.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.72.part2"> So treu als Euer Liebchen Euch einst liebte – und Ihr, mein Herr? <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.72.1.part2">Zu Aquilar.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.73.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg397.2.73.part2"> Liebes Kind, ich bin so verliebt, daß ich das Summieren vergessen habe, und ich könnte nichts singen als das Lied aus dem Don Juan, der mein Almherr war:</p>
                                    <p rend="zenoPLm12n12" xml:id="tg397.2.74">»Und in Hispanien tausend und drei.«</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg397.2.75.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg397.2.75.part2"> Das sind zu viele! Lebet wohl, ich hole die Briefe ab. <hi rend="italic" xml:id="tg397.2.75.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="225" xml:id="tg397.2.76"/>
                                    <lb xml:id="tg397.2.77"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg398" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/10. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>10. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg398.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg398.2.1">Zehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg398.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg398.2.4.1">Ponce, Aquilar.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg398.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.6.part2"> Das Mädchen ist unser guter Engel.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.7.part2"> Ich verstehe das viele Gold in der Pastete nicht, so viel kann der Koch nicht aus Versehen hineingebacken haben; ich habe eine Idee darüber, die mir nicht lieb ist.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.8.part2"> Das Gold ist unstreitig befremdend.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.9.part2"> Ich zweifle nicht, daß es ein honettes Almosen sein soll. – Man hält uns für arme Teufel, und will uns die Pille vergulden, oder macht uns eine Pastete ums Gold. – Ponce, das sind die Pfennige nicht, die die Liebe giebt, wie du sagtest.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.10.part2"> Nein – es ärgert mich – aber es zeigt von einer schönen Mildtätigkeit der Mädchen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.11.part2"> Die Bettler werden sie nicht lieben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.12.part2"> Und doch wäre es schön, wenn wir als bloße Menschen geliebt würden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.13.part2"> Als bloße, nackte Menschen? Bettler sind ja meistens ziemlich bloß.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.14.part2"> Dir reicht man Almosen, und was mir ward, darf ich nicht besitzen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.15.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.15.part2"> Gut, daß du mich erinnerst, was ward dir dann, was fehlt dir? Ich habe eben nicht gesehen, daß man dich so vorzüglich begünstigte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.16.part2"> Ach, Fernand! sie liebet einen andern, sie lag in meinen Armen, und gab mir Küsse, ihr Herz schlug an dem meinigen, ach, und all die süße Lust und Heimlichkeit war an mir verschwendet, war nicht mir war einem andern hingegeben;</p>
                                    <p xml:id="tg398.2.17">sie irrte sich in mir.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.18.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.18.part2"> Aber – ich bin ja nicht von deiner Seite gekommen; ich glaube, du träumst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.19.part2"> Mir träumet nicht – o wärs ein Traum gewesen, so wär es mein, was ich erhielt, denn wahrlich, Fernand, ich lebe nicht, seit ich dies Mädchen sah, ich träumte nur, und was du jetzt von meinen Lippen hörst; wie du mich siehst, das ist mein Leben nicht. In süßen Träumen leb ich nur, im tiefen Schlafe trennt die Wolke sich, die zwischen ihr und mir im <pb n="226" xml:id="tg398.2.19.1.part2"/>
Leben ruht, durch die ich liebend meine Arme in öde, gestaltlose Ferne nach ihr ausstrecke, im Schlafe trennt die Wolke sich, und wie der stille Vollmond durch die dunkle Pforte, so bricht sie liebeglänzend zu mir herüber, und all mein Dasein glänzt in ruhgem Lichte, still ruht das Leben rings erleuchtet, und mein Gemüt zieht feierlich die milde Bahn der Strahlen zu ihrem Bild, das an dem tiefen, blauen Liebeshimmel steht. Dann ist sie nichts als lindes, ergebendes Widerstreben, wie des Mädchens Busen, der an des Geliebten Brust sich drängt und hinstrebt, sich in ihm zu lösen, hin, wie die Woge strebt, das Ufer zu küssen, und stutzt, und rückwärts eilt, wie die Elemente, die im Liebesstreite ringend die schöne Welt in ihres Kampfes Mitte erzeugen, und rückwärts kehren, jedes unbesiegt. So wird im Traum mir eine Welt von Liebe im Herzen, und wenn der Tag erwacht – und Ponce erwacht, ach! da ist Ponce das Glühefeuer nur, und ferne von ihm sie, das feuchte Element, aus dem die Göttin aller Liebe ewig zeugend steigt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.20.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.20.part2"> Du sprichst schön, aber lang, lieber Ponce, und schade, daß sie es nicht gehört – doch verwirre dich nicht, was hat sie dir dann gegeben, woher weißt du, daß sie einen andern liebt?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.21.part2"> Als ich gestern, von Sehnsucht getrieben, früher als du hier ankam, ging eine Jungfrau unter den Bäumen auf und nieder. Ich merkte aus ihren Worten, daß sie mich für ihren Geliebten hielt, den sie erwartete; sie umarmte mich heftig, und küßte mich, bis sie den Irrtum einsah und mich beschämt verließ.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.22.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.22.part2"> Das dummste ist, daß es auch Melanie gewesen sein könnte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.23.part2"> Nein, es war Isidora, ich nannte sie mit Namen, Fernand, ich lag in diesen Armen, und ein Verbrechen ist es, das mir ihre Jungfräulichkeit vielleicht nie verzeiht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.24.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg398.2.24.part2"> Freilich, dann solche Verbrechen sind Anschläge auf das Leben der Jungfräulichkeit – aber mit dem Schreiben wird es wunderlich gehn – die Dukaten schicke ich ihr zurück; das gute Mädchen hat vielleicht ihre ganze Sparbüchse mit dieser Wohltat erschöpft – übrigens wollen wir <pb n="227" xml:id="tg398.2.24.1.part2"/>
heute abend doch nachspüren, ob wir nicht den Liebhaber fangen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg398.2.25.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg398.2.25.part2"> Wissen wollen wir, wer er ist – ja! Komme, lasse uns im Garten weiter denken. <hi rend="italic" xml:id="tg398.2.25.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg398.2.26"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg399" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/11. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>11. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg399.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg399.2.1">Eilfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg399.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg399.2.4.1">Garten mit der Statue; die beiden Mädchen sitzen auf der Bank des Piedestals.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg399.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg399.2.5.1">Melanie, Isidora.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg399.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.7.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.7.part2"> Es ist eine mißverstandene Freiheit, die man uns giebt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.8.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.8.part2"> Wir dürfen sie ja nur verstehen, die Tante meint es sicher gut.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.9.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.9.part2"> Was sie Mildtätigkeit nennt, nimmt beinahe den Charakter der Vertraulichkeit an.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.10.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.10.part2"> Ich tat, was ich konnte, aber er küßte mich doch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.11.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.11.part2"> Ich könnte den Gedanken nicht ertragen, daß mich ein Fremder küßte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.12.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.12.part2"> Den Gedanken? Ich denke nicht an den Gedanken, aber den Kuß mußte ich nehmen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.13.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.13.part2"> Ich begreife die beiden Leute nicht – Flandrische Pilger, und sprechen so gut kastilisch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.14.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.14.part2"> Ich möchte sie wohl flandrisch sprechen hören, es sind vielleicht vornehme Pilger.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.15.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg399.2.15.part2"> Die wurden nicht ohne Bedeckung gereist sein; allerdings ist etwas Edles in ihrem Betragen, und ich kann darum gar nicht begreifen, wie der eine sagen konnte, er habe in meinen Armen gelegen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.16.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.16.part2"> Das war sicher im Fieber.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.17.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.17.part2"> So küßte dich der andere auch wohl im Fieber – ich möchte ihr Gelübde kennen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.18.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg399.2.18.part2"> Vielleicht hat deiner eine unglückliche Liebe gehabt, und meiner begleitet ihn; sie reisen vielleicht, um sich zu zerstreuen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.19.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.19.part2"> Meiner? und deiner? Du sprichst von ihnen wie von Sachen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.20.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.20.part2"> Ich weiß ja nicht, wie sie heißen.</l>
                                    <pb n="228" xml:id="tg399.2.21"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.22.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.22.part2"> Ich wollte, sie wären wieder weg, und doch habe ich Mitleid mit meinem.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.23.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.23.part2"> Sieh da! Sieh da! – Deiner? Da sagst du ja auch wie ich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.24.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.24.part2"> Ich versprach mich, wir wollen ihnen Namen geben; welcher Name ist dir am liebsten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.25.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.25.part2"> So lustig mir die Benennung »meiner« klingt, so soll meiner doch Juan heißen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.26.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.26.part2"> Und jener, den du meinen nanntest – heiße Carlos.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.27.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.27.part2"> So können wir dann ohne Störung von ihnen reden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.28.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg399.2.28.part2"> Carlos, glaubst du also, habe eine unglückliche Liebe gehabt; ach! dann ist er sehr unglücklich, er ist so gerührt in seinem Wesen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg399.2.29.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg399.2.29.part2"> Du gleichst vielleicht seiner Geliebten.</l>
                                    <lb xml:id="tg399.2.30"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg400" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/12. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>12. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg400.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg400.2.1">Zwölfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg400.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg400.2.4.1">Valeria, die Vorigen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg400.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.6.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.6.part2"> Woher, liebes Flämmchen, kömmst du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.7.part2"> Ich sprach die Pilger, sie sind genesen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.8.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.8.part2"> Beide?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.9.part2"> Ich meinte den Verwundeten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.10.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.10.part2"> Ist nicht vielleicht der andre kränker? Es blickt eine tiefe Melancholie aus ihm.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.11.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.11.part2"> Und sein Freund scheint ihn nur zu begleiten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.12.part2"> Ich glaube, daß Ihr recht gesehen habt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.13.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg400.2.13.part2"> Der Anfall seines Schmerzes in meiner Gegenwart, so sehr er mich auch erzürnte, rührte mich doch sehr; er ist ein schöner Mann.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.14.part2"> Und sein Leiden ist so wunderbar.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.15.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.15.part2"> Weißt du etwas Näheres davon?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.16.part2"> O! es ist rührend, wie er so schön von der Liebe spricht, er muß unglücklich geliebt haben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.17.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.17.part2"> Wie betrug er sich – was sprach er?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg400.2.18.part2"> Sein Freund hat mir entdeckt, daß er immer noch liebt – und daß er nicht glauben kann, daß seine Geliebte ganz für ihn verloren ist, die ihn nicht mehr liebt. Seine traurige Verirrung ist, daß er oft ganz fremde Wesen für seine <pb n="229" xml:id="tg400.2.18.1.part2"/>
Geliebte hält, und auch Ihr, liebe Isidora, macht diesen Eindruck heftiger als je auf ihn. Sein Freund versichert selbst, Ihr seid ihr ähnlich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.19.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.19.part2"> Das macht mich sehr unglücklich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.20.part2"> Ihr könnt ihn sehr glücklich machen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.21.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.21.part2"> Wie kann ich das?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.22.part2"> Wenn Ihr ihn ruhig anhört und ihn freundlich von seinem Irrtum abwendet.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.23.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.23.part2"> O gern! wenn er nicht heftig werden will.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.24.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.24.part2"> Hat der andere nicht auch so eine Krankheit, die ich wenden könnte?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.25.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.25.part2"> Ei, sieh! wie artig –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.26.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.26.part2"> Vielleicht, vielleicht – <hi rend="italic" xml:id="tg400.2.26.1.part2">Zu beiden.</hi> Habt ihr mich lieb?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.27.part1">BEIDE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.27.part2"> Lieb, recht lieb.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.28.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.28.part2"> Und wollt ihr nicht auf mich zürnen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.29.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.29.part2"> Wenn du artig bist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.30.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.30.part2"> Und immer die Wahrheit sagst.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.31.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg400.2.31.part2"> Ach, ich weiß, wie Liebe schmerzt, drum verzeiht, daß mir die Schmerzen dieser Menschen weh tun, und daß sie mir Briefe gaben, die ich euch geben soll.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.32.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.32.part2"> Briefe?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.33.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.33.part2"> An uns beide?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.34.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.34.part2"> Zürnet nicht, ich liebe euch so sehr.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.35.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.35.part2"> Nun, weil du sie bringst, gieb!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.36.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.36.part2"> Aber ich weiß nicht – <hi rend="italic" xml:id="tg400.2.36.1.part2">Valeria giebt jeder ihren Brief.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.37.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg400.2.37.part2"> Mein Brief ist so schwer. Geschwind, Schwester, aufgemacht, sonst bin ich verloren! Meiner ist schon auf; doch was soll das Gold im Briefe?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.38.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.38.part2"> Auch dieser ist offen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.39.part1">MELANIE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg400.2.39.1.part1">liest.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg400.2.39.part2"> O wehe, sie sind beide melancholisch; was soll das Gold? Was soll das Gold? Er dankt für meine Wohltätigkeit, er habe es nicht nötig – und die Liebesschwüre!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.40.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.40.part2"> Und hier – schon wieder die wunderbare Idee, er habe in meinen Armen gelegen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.41.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.41.part2"> Das muß auf ihre Krankheit einen Bezug haben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.42.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.42.part2"> Soll ich laut lesen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.43.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.43.part2"> Nein, nein! den meinen lese ich nimmer laut – hier, Valeria, gieb den Brief zurück.</l>
                                    <pb n="230" xml:id="tg400.2.44"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.45.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.45.part2"> Und diesen auch – ich kann ihn auswendig – er ist gemein, oder nicht klug mit seinem Golde.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.46.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg400.2.46.part2"> Wir dürfen das alles nicht erklären wollen, die ganze Sache könnte mich beleidigen; ich wollte, Felix wäre hier.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.47.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.47.part2"> Ich bringe die Briefe zurück, doch seid den armen Unglücklichen nicht unfreundlich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.48.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.48.part2"> Gieb mir den Brief noch einmal – <hi rend="italic" xml:id="tg400.2.48.1.part2">Liest.</hi> Hier, hier, geschwinde weg mit ihm!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.49.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.49.part2"> Ich gehe, an Don Felix alles zuschreiben, und bitte ihn, zu kommen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg400.2.50.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg400.2.50.part2"> Ich schließe einen Brief mit ein. <hi rend="italic" xml:id="tg400.2.50.1.part2">Valeria und Melanie ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg400.2.51"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg401" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/13. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>13. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg401.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg401.2.1">Dreizehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg401.2.2.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg401.2.2.1.part1">allein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg401.2.2.part2"> Ich habe solche Worte nie gehört, und nie einen solchen Mann gesehen – Du böses Mädchen, das ihn verlassen konnte, er geht mit irrer Phantasie umher; ach mir! wie schön ist mir sein Leid, mich fleht er an um Hülfe für sein Herz – und wenn er an mir genesen könnte und nicht mehr träumte, daß ich seine Liebe sei, wer würde <hi rend="spaced" xml:id="tg401.2.2.2.part2">mich</hi> dann heilen? – Was Ponce an jener armen Bürgerin getan, das tat an diesem Mann ein Weib – wie traurig und wie innig waren die Worte seines Briefs: »Ich lebte nicht, mein Leben war ein ödes, dunkles Meer, da zogst du über mir herauf, du stiller, voller, liebevoller Mond; die Ufer, die freudigen Lebensufer wachen rings in mildem Glanz, und Ebb und Flut ström ich mit Sehnsucht zu dir hin, und flieh ich ohne Ruh in mich zurück. O soll ich nimmer denn ein Mensch geworden sein! o steig aus mir hervor, du Liebes-Göttin!« – Du armer, kranker Mann, o wäre nicht dein Unglück die Bedingnis deiner Liebe!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg401.2.3.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg401.2.3.1.part1">hinter der Szene.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg401.2.3.part2"> O weh! verhaßter Brief!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg401.2.4.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg401.2.4.part2"> Das ist seine Stimme; ich wollte, er wäre freundlich und käme zu mir her – er kömmt – ach, ich verliere den Mut! <hi rend="italic" xml:id="tg401.2.4.1.part2">Versteckt sich.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="231" xml:id="tg401.2.5"/>
                                    <lb xml:id="tg401.2.6"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg402" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/14. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>14. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg402.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg402.2.1">Vierzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg402.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.4.1">Ponce hat den Brief in der Hand, Isidora sitzt auf der andern Seite der Statue; er bemerkt sie nicht.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg402.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.6.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.6.1.part1">sieht in den Brief.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg402.2.6.part2"> Sind diese Worte nicht freundlich – sind sie nicht flehend? Und hat sie denn kein Herz? – Ach! ist die Liebe dann nur stumm, und ist die Sprache nur fürs tote eben? O dann verstumme, armer Mann – o dann verwandle mich, allmächtger Gott! – Laß mich zur Blume werden, die ihr entgegenduften darf, zur stillen Lilie, die an ihrem Fenster blüht; die Sonne sollte mich nicht erschließen, nur ihrem Auge wollt ich die stumme Lippe öffnen – <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.6.2.part2">Er sieht die Statue des Apoll an, hinter der Isidora sitzt.</hi> O wäre ich des ernsten Gottes Bild, der sanfte Todespfeile sendet, der alles Lebens, aller Liebe Zauberei beherrscht, der Lieder giebt und Töne, sie würde dann an mir vorübergehen und ihr Gemüt an mir erheben, und ihre heiligsten Gedanken dächte sie vor mir – o Isidora!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.7.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.7.1.part1">leise und schüchtern hervortretend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg402.2.7.part2"> Wer ruft?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.8.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.8.1.part1">steht stumm, läßt den Brief fallen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg402.2.8.part2"> O heiliger Gott! du bist es!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.9.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.9.1.part1">hebt den Brief auf.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg402.2.9.part2"> Hier Euer Brief –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.10.part2"> So gebt Ihr zweimal ihn zurück?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.11.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.11.part2"> Er ist nicht mein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.12.part2"> Ach, alles, alles ist ja Euer – nur ich allein nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.13.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.13.part2"> Euer Unglück schmerzt mich sehr!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg402.2.14.part2"> O alles, alles habt Ihr hingenommen, das ganze Leben habt Ihr gefangen – reizende Sennora – und ich allein, ich stehe bodenlos, und himmellos – und steig und sinke, – bloß ein trauriger Gedanke.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.15.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.15.part2"> Ruht, seid nicht heftig, sprecht gelinde! Auf stillen Wegen flieht der Schmerz allein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.16.part2"> Wie still seid Ihr – und ach, mein Schmerz, er ruht auf Euch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.17.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.17.part2"> Ihr bewegt mich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.18.part2"> So laßt ihn fliehen, meinen Schmerz!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.19.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.19.part2"> Ihr seid krank, mein Freund.</l>
                                    <pb n="232" xml:id="tg402.2.20"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg402.2.21.part2"> Krank und doch im ewigen Genesen, – denn nimmer einzig Heil! wollt Ihr mich heilen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg402.2.22.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg402.2.22.part2"> Ihr ängstigt mich – ich bin nicht Eure Liebe – Ihr liebtet mich nicht – ich bin Isidora de Sarmiento – lieber Freund – aber zürnet nicht auf mich. <hi rend="italic" xml:id="tg402.2.22.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg402.2.23"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg403" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/15. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>15. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg403.2.1">Funfzehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg403.2.2.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg403.2.2.part2"> Nicht <hi rend="spaced" xml:id="tg403.2.2.1.part2">meine</hi> Liebe? So ist dies dann nicht <hi rend="spaced" xml:id="tg403.2.2.2.part2">mein</hi> Leben. – Ich liebte eine andere – Isidora de Sarmiento – habe ich dich nicht versöhnt, Valeria? – Ist dies nur Strafe, muß ich nur diese lieben, weil ich jene verließ – ach, und wie freundlich sie mich hörte, wie sie so gütig war! Wärst du hier, Valeria, du entbändest mich vor ihren Augen meiner Schwüre, vor ihr muß Mann und Weib entsagen – <hi rend="spaced" xml:id="tg403.2.2.3.part2">entsagen?</hi> – Ein andrer lebt, den sie liebt – ein andrer? – Soll ich leben, da ein andrer so unendlich besser ist als ich?</p>
                                    <lb xml:id="tg403.2.3"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg404" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/16. Auftritt">
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                              <desc>
                                 <title>16. Auftritt</title>
                              </desc>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg404.2.1">Sechszehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg404.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg404.2.4.1">Ponce; Aquilar wirft den Brief mit dem Golde an die Erde.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg404.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg404.2.6.part2"> Da bin ich auch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg404.2.7.part2"> Ich wollte, du wärst im Himmel, und ich, und die ganze Welt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg404.2.8.part2"> Auch im Himmel würden uns die Mädchen die Hölle heiß machen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg404.2.9.part2"> Was sagte Melanie?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg404.2.10.part2"> Sie sagte – sie verachte mich mit dem Golde – und als ich fragte: Ohne das Gold? sagte sie: Das ist zu spät!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg404.2.11.part2"> Und mich bemitleidet Isidora auf eine bezaubernde Weise, sie sagte: sie sei es nicht, die ich liebe, sie bedaure meine Krankheit!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg404.2.12.part2"> Ich glaube immer fester, daß beide ihre Liebe schon haben. Du weißt, im Walde hörten wir einen Mann, der ein Liebeslied sang – wir wollen heute abend doch zu erfahren suchen, wer die Glücklichen sind.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg404.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg404.2.13.part2"> Ich möchte wissen, wer er ist – mein Feind – vielleicht der einzige, der mein Freund sein könnte! <hi rend="italic" xml:id="tg404.2.13.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </p>
                                    <pb n="233" xml:id="tg404.2.14"/>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg405" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/17. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>17. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg405.2.1">Siebenzehnter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg405.2.2.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg405.2.2.part2"> Da liegt der wunderliche Brief mit dem Golde wieder – ich tripple herum, und weiß nicht, was ich soll ich habe gar keine Ruhe mehr, er ist ein schöner Mann, aber daß er auch so eine seltsame Art von Liebe hat, daß er meint, ich hätte ihm die Dukaten gegeben, – vielleicht hat es die gute Tante getan, und er ist nur im Irrtum, – da kömmt ja mein Schwesterchen. –</p>
                                    <lb xml:id="tg405.2.3"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg406" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/18. Auftritt">
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                              <desc>
                                 <title>18. Auftritt</title>
                              </desc>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg406.2.1">Achtzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg406.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg406.2.4.1">Melanie, Isidora.</hi>
                                 </stage>
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                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.6.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg406.2.6.part2"> Liebe Melanie – wie ist dir?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.7.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg406.2.7.part2"> Mir? mir ist es etwas langweilig! Ich ging im Garten herum, und wußte nicht, was ich sollte, und endlich stand ich hier, wo soeben die Fremden gestanden waren, und es war mir, als sei ich ihnen nachgelaufen – da stehe ich dann vor dem dummen Briefe – und weiß wieder nicht, was ich soll.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.8.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg406.2.8.part2"> Hast du an Felix geschrieben, und mein Zettelchen mit eingeschlossen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.9.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg406.2.9.part2"> Alles.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.10.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg406.2.10.part2"> Ich wollte, diese Leute wären fort, und doch –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.11.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg406.2.11.part2"> Und doch?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg406.2.12.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg406.2.12.part2"> Und doch wollte ich, sie wären keine Fremde, und wären nicht krank. Sieh, da kömmt Flämmchen, die hat vielleicht Trost für uns.</p>
                                    <lb xml:id="tg406.2.13"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg407" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/19. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>19. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg407.2.1">Neunzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg407.2.4.1">Valeria, die Vorigen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg407.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.6.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.6.part2"> Nun, ihr lieben, holden Ärzte, was machen unsere Kranken?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.7.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg407.2.7.part2"> Immer krank, ach, und wüßte er, wie er so schön in seiner Krankheit ist, wie schön er spricht, er würde nicht gesund.</p>
                                    <pb n="234" xml:id="tg407.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.9.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg407.2.9.part2"> Und hätte mein Patient die fixe Idee mit dem Golde nicht gehabt, ich wüßte nicht, wie er vernünftiger sein könnte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.10.part2"> Habt Ihr denn nicht gefragt, was er damit wollte?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.11.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg407.2.11.part2"> Ich glaube nicht – ich gab ihm sein Briefchen hin, und war so angst und bang, daß ich davonlief, es war hier im Garten – wie ich um den Busch herum war, ging [ich] ganz langsam, aber er kam nicht mehr.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg407.2.12.part2"> Ich komme soeben von eurer Tante, wo ich die beiden sah. Die Tante will, ihr sollt ihnen den Schlüssel von eures Bruders Garderobe bringen, daß sie sich ein wenig umkleiden können – Hier ist er, wer will ihn bringen? <hi rend="italic" xml:id="tg407.2.12.1.part2">Die Schwestern sehen sich an.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.13.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg407.2.13.part2"> Aber wird Felix nicht ungehalten sein, wenn wir über seine Kleider schalten und walten, wie wir ihnen schon seine Wohnung einräumten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.14.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg407.2.14.part2"> Die Pilgerkleidung ist allerdings so breit – es werden ganz andere Leute sein in Felix seinen schönen Kleidern. Aber ich glaube gar, Felix hat die Kleider hier, die wir ihm gestickt haben; es wäre wunderlich, wenn sie diese Kleider anzögen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.15.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.15.part2"> Ich fürchte, wir würden durch diese Kleider zu vertraut mit ihnen werden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.16.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg407.2.16.1.part1">den Schlüssel hebend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg407.2.16.part2"> Geschwind, wer will den Schlüssel bringen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.17.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.17.part2"> Tust du es lieber, Isidora?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.18.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.18.part2"> Mir ist es gleich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.19.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.19.part2"> Wenn ich dir einen Gefallen damit tue –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.20.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.20.part2"> Ziere dich nicht, gehe, gehe!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.21.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.21.part2"> Wenn du glaubst, es mache mir viel Spaß –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.22.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg407.2.22.1.part1">giebt ihr den Schlüssel.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg407.2.22.part2"> Fort, fort, geschwind!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.23.part1">ISIDORA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg407.2.23.1.part1">sie drängen sich fort.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg407.2.23.part2"> Ei, wie gern sie es tut!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg407.2.24.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg407.2.24.part2"> Nun, wenn es euch freut, mit Gewalt! <hi rend="italic" xml:id="tg407.2.24.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="235" xml:id="tg407.2.25"/>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg408" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/20. Auftritt">
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                                 <title>20. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg408.2.1">Zwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg408.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg408.2.4.1">Valeria, Isidora.</hi>
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                                    <p xml:id="tg408.2.6.part2"> Lieb Mädchen, ich habe heute viel an deine unglückliche Freundin gedacht – die arme Valeria – ich habe auch Felix geschrieben, er solle Ponce zanken – ach, dieser Ponce!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.7.part2"> Dieser Ponce? Ihr habt doch nicht vergessen, wie dieser Ponce Euch liebt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.8.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg408.2.8.part2"> Hier an der Statue saß ich vorhin, als der Fremde seine wunderbare Liebe und seine Trauer ergoß; er sprach in schönen Worten, Flamma!</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg408.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.9.part2"> Und Ihr wart freundlich gegen ihn?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.10.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.10.part2"> So freundlich als ich konnte. Da ich merkte, daß meine Freundlichkeit aufhörte, verließ ich ihn.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.11.part2"> Aufhörte? Warum hörte sie denn auf? War er Euch unangenehm?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.12.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg408.2.12.part2"> O Himmel, nein, das kann er nimmer – aber es ward mir bang – es war keine Freundlichkeit mehr – ich wünschte, er verwandle sich in Felix, ich hätte ihm dann um den Hals fallen können – aber <hi rend="spaced" xml:id="tg408.2.12.1.part2">so</hi> ist er nur krank – ich bin ein schlechter Arzt – Flammetta, es war mir plötzlich, als sei er gar nicht krank – als liebe er mich wirklich – da ging ich von ihm weg, und dachte an die arme Valeria.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.13.part2"> An die arme Valeria? was dachtet Ihr?</l>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg408.2.14.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg408.2.14.part2"> Ach, wie muß es erst einem armen Mädchen sein, wenn sie unglücklich liebt! Sie kann nicht fortlaufen, nicht reisen, – sie muß immer stumm fortleiden!</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg408.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg408.2.15.part2"> Valeria würde ganz ruhig sein, wenn sie wüßte, wie hold Ihr seid; und wenn Ihr Ponce lieben werdet, wird sie glücklich sein.</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg408.2.16.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg408.2.16.part2"> Ponce – still, still, ich will von ihm nichts wissen – ich hasse ihn, wie ich das Mädchen hasse, das meinen armen Pilger so unglücklich machte – wenn ich machen könnte, daß zur Strafe der böse Ponce und das böse Mädchen sich ineinander verliebten!</p>
                                 </sp>
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                                    <p xml:id="tg408.2.17.part2"> Und Valeria erhielt', was sie will – und der Pilger verwandelte sich in einen reichen Grafen, und seine Krankheit würde sein Ernst – und?</p>
                                    <pb n="236" xml:id="tg408.2.18"/>
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                                    <speaker xml:id="tg408.2.19.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg408.2.19.part2"> Schweig, schweig! du machst mich ganz verwirrt! Du und der Fremde, seit ihr im Hause seid, habe ich ohnedies keine Ruhe mehr; wenn du nun noch so verwickelte Sachen sprichst! – Wo nur Melanie bleibt, sie wird doch nicht so lange bei den Pilgern verweilen?</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg408.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.20.part2"> Da kömmt der gute Hausmeister. Ich bin ihm recht gut, er hegt mich und pflegt mich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg408.2.21.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg408.2.21.part2"> Auch ich mag ihn leiden, er ist immer so fröhlich wie die Ehrlichkeit.</l>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg409" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/21. Auftritt">
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                                 <title>21. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg409.2.1">Einundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg409.2.4.1">Ich muß bemerken, daß dieser Akt Nachmittag gegen drei Uhr an fängt, in der vorhergehenden Szene schon Abend wird und es nun schon ziemlich dämmert. Vorige, Valerio.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg409.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg409.2.6.part2"> Donna Isidora, Ihr werdet oben verlangt – Ihr werdet Eure Augen nicht genug auftun können über die Herrlichkeit – die beiden Fremden schlagen die Laute und singen dazu, und tanzen und sprechen Flandrisch, und sind so schlank und zierlich in der veränderten Kleidung – Ihr fehlt allein noch, um die Freude zu vollenden.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg409.2.7.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg409.2.7.part2"> Das Gelübde der beiden muß so leicht sein, als die Wunde des einen war.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg409.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg409.2.8.part2"> Wenigstens sind sie selbst leichter als ihr Gelübde.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg409.2.9.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg409.2.9.part2"> Guten Abend, ihr Lieben! <hi rend="italic" xml:id="tg409.2.9.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg410" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/22. Auftritt">
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                                 <title>22. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg410.2.1">Zweiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.4.1">Valeria, Valerio.</hi>
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                                    <p xml:id="tg410.2.6.part2"> Gute Kinder sind das, du dunkles Flämmchen, du hast dein Glück gemacht, und ein ehrliches, stilles Haus ist das; aber ich kann doch nicht recht froh werden, und war diesen Nachmittag sehr traurig.</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg410.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.7.part2"> Was fehlte Euch dann, Lieber?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.8.part2"> Alles, ich bin eigentlich ganz allein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.9.part2"> Ei, bin ich dann nicht Eure gute Freundin?</l>
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                                    <speaker xml:id="tg410.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg410.2.11.part2"> Ja, aber meine gute Tochter nicht – und da habe ich heute nachmittag an einem Briefe für sie geschrieben, und wollte ihn heute abend hineinschicken; über dem Schreiben ging aber die Zeit so hin, daß es nun schon dunkel ist und er heute nicht kann hingetragen werden.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.12.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.12.1.part1">giebt ihm die Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg410.2.12.part2"> Glaubt, ich wäre Eure Tochter, und gebt mir den Brief; ich will Eure Tochter werden!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.13.part2"> Warte noch ein wenig, da wird es ganz dunkel, da kann ich nicht sehen, daß du schwarz bist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.14.part2"> Ihr seid ein guter, höflicher Mann!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.15.part2"> Ha, ha, hast du gemerkt, daß ich das Sprüchwort nicht vorbrachte: Bei der Nacht sind alle –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.16.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.16.1.part1">hält ihm den Mund zu.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg410.2.16.part2"> Artig, Väterchen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.17.part2"> Du sagtest heute morgen, du hättest ein Lied für mich gemacht; singe mirs nun!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.18.part2"> Setzt Euch hierher – ich verstecke mich, damit es Euch täuscht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.19.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.19.1.part1">setzt sich an die Seite der Statue, gegen die rechte Kulisse über.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.20.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.20.1.part1">setzt sich auf die entgegengesetzte Seite, fängt an zu singen.</hi>
                                    </stage>

                                    <l rend="zenoPLm8n8" xml:id="tg410.2.21">Nach Sevilla, nach Sevilla –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.22.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.22.1.part1">im Schlosse erleuchtete Fenster und Musik.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg410.2.22.part2"> Still, mein Kind – halte noch ein wenig ein – ich will mich erst recht bedenken – hier diese Bank ist die Bank vor meiner Türe – vor mir Nachbars Garten – dort die erleuchteten Fenster und die Musik, das ist des Tanzmeisters Pallero Haus, wo Valeria tanzen lernte, und du bist Valeria, kömmst eben vom Tanze.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.23.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.23.part2"> Wartet, ich komme! <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.23.1.part2">Geht fort.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.24.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg410.2.24.part2"> Ein gutes Mädchen – <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.24.1.part2">Pfeift rufend.</hi> Nun könnte sie doch kommen, ich habe gern, daß sie hübsch tanzen lernt, ihre Mutter tanzte wie ein Engel, auch ich konnte es so ziemlich, doch zuviel macht Ernst aus Spiel – <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.24.2.part2">Pfeift rufend.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.25.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.25.1.part1">kommt von der Schloßseite her, hüpft und trallert eine Tanzmelodie.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg410.2.25.part2"> Guten Abend, Väterchen – <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.25.2.part2">Küßt ihn.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.26.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg410.2.26.part2"> Gehe hinein, Kind, du bist warm, die Luft ist kühl, kleide dich wärmer an, – sing mir ein Liedchen durchs Fenster, dann komme heraus zu mir!</p>
                                    <pb n="238" xml:id="tg410.2.27"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.28.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.28.part2"> Ich komme gleich wieder. <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.28.1.part2">Geht auf die andere Seite der Statue.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg410.2.29"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.30">Nach Sevilla, nach Sevilla,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.31">Wo die hohen Prachtgebäude</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.32">In den breiten Straßen stehen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.33">Aus den Fenstern reiche Leute,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.34">Schön geputzte Frauen sehn,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.35">Dahin sehnt mein Herz sich nicht!</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg410.2.36"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.37">Nach Sevilla, nach Sevilla,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.38">Wo die letzten Häuser stehen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.39">Sich die Nachbarn freundlich grüßen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.40">Mädchen aus dem Fenster sehn,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.41">Ihre Blumen zu begießen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.42">Ach, da sehnt mein Herz sich hin!</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg410.2.43"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.44">In Sevilla, in Sevilla</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.45">Weiß ich wohl ein reines Stübchen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.46">Helle Küche, stille Kammer,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.47">In dem Hause wohnt mein Liebchen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.48">Und am Pförtchen glänzt ein Hammer.</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.49">Poch ich, macht die Jungfrau auf!</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg410.2.50"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg410.2.51">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.51.1">Hier nähert sich Porporino, giebt Zeichen der Verwunderung über den Gesang; er ist nicht als Doktor, sondern in seiner rechten Kleidung.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg410.2.52"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.53">»Guten Abend, guten Abend –</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.54">Lieber Vater, setzt Euch nieder!</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.55">Ei, wo seid Ihr dann gewesen?«</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.56">Und dann singt sie schöne Lieder,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.57">Kann so hübsch in Büchern lesen,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg410.2.58">Ach! und ist mein einzig Kind.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.59.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.59.part2"> Gut, hübsch, komme heraus, liebes Kind, komme!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg410.2.60.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg410.2.60.part2"> Gleich! <hi rend="italic" xml:id="tg410.2.60.1.part2">Sie tritt hervor.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg410.2.61"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg411" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/23. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>23. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg411.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg411.2.1">Dreiundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg411.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg411.2.4.1">Vorige.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg411.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.6.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg411.2.6.1.part1">umfängt die vortretende Valeria.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg411.2.6.part2"> Guten Abend, Engel, Valeria!</l>
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                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.8.part2"> Ei, was fällt Euch ein? Herr Doktor!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.9.part2"> Da bist du drein geplumpt. Flammetta spielte mir Komödie, als wäre ich zu Hause.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg411.2.10.part2"> Komödie? Freilich, es ist nur Komödie – aber nun auch keine Minute länger – ich bin auf dem Wege, ich gehe nach Sevilla, heute nacht noch, und setze mich vor die Haustüre auf die Bank.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.11.part2"> Ihr, Herr Doktor?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.12.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg411.2.12.part2"> Ja, ich habe Geschäfte dort – und will es nicht länger verbergen und aushalten, ich will zu Valerien.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.13.part2"> Die ist aber im Kloster.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.14.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.14.part2"> So gehe ich ins Kloster.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.15.part2"> Ins Nonnen-Kloster?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.16.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.16.part2"> Wenn sie mich nicht hineinlassen, so werde ich eine Nonne.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.17.part2"> Wenn du mit aller Gewalt hin willst gehen, so grüße sie, und bringe sie her.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.18.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.18.part2"> Ich habe auch einen Brief von Isidora an Don Felix bei mir; lebt wohl!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.19.part2"> Ich gehe ein bißchen mit.</l>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg411.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.20.part2"> Aber nicht weit! Du weißt, es ist nicht richtig im Walde.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.21.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.21.part2"> Sie sehen mich nicht bei der Nacht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.22.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.22.part2"> Wenn du nicht bald kömmst, kannst du nicht herein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.23.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.23.part2"> Ei, Ihr macht Eurer Tochter die Türe doch auf!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.24.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg411.2.24.part2"> Ja, wenn sie zur rechten Zeit kömmt. Nun lebe wohl, Porporino, mache aber heute nacht nicht zuviel Lärm vor dem Kloster. <hi rend="italic" xml:id="tg411.2.24.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg411.2.25.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg411.2.25.part2"> Geschwind, Nachtvogel!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg411.2.26.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg411.2.26.1.part1">singt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg411.2.26.part2"> Nach Sevilla, nach Sevilla! <hi rend="italic" xml:id="tg411.2.26.2.part2">Beide ab.</hi>
                                    </l>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg412" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/24. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>24. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg412.2.1">Vierundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg412.2.4.1">Isidora, Melanie.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg412.2.6.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg412.2.6.part2"> Hier ist Flammetta nicht, aber ich wollte jemand anders wäre hier.</l>
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                                    <speaker xml:id="tg412.2.7.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg412.2.7.part2"> Wer könnte das sein?</l>
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                                    <speaker xml:id="tg412.2.8.part1">MELANIE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg412.2.8.part2"> Ach! Felippo, und –</l>
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                                    <speaker xml:id="tg412.2.10.part1">ISIDORA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg412.2.10.part2"> Und Carlos, meinst du? Nein hier – jetzt wäre es nicht gut, die schöne Musik, der Tanz, alles das könnte ihnen das Wort zu sehr reden – Flammetta wird schon oben sein.</p>
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                                    <l xml:id="tg412.2.11.part2"> Es wird schon spät, komme – <hi rend="italic" xml:id="tg412.2.11.1.part2">Scherzhaft.</hi> Gute Nacht, Carlos!</l>
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                                    <l xml:id="tg412.2.12.part2"> Gute Nacht, Felippo! <hi rend="italic" xml:id="tg412.2.12.1.part2">Beide ins Schloß.</hi>
                                    </l>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg413" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/25. Auftritt">
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                                 <title>25. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg413.2.1">Fünfundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
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                                    <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.4.1">Ponce, Aquilar treten plötzlich hervor.</hi>
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                                    <speaker xml:id="tg413.2.6.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.6.1.part1">nicht ganz laut.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg413.2.6.part2"> Gute Nacht, Carlos? Gute Nacht, Felippo? Haben wir euch, ihr glücklichen, verdammten Namen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.7.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.7.1.part1">ruft ihnen nach.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg413.2.7.part2"> Gute Nacht, Melanie! Gute Nacht, Isidora!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.8.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.8.1.part1">geht hinten aus dem Walde schnell übers Theater weg und ruft.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg413.2.8.part2"> Gute Nacht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.9.part2"> Hörst du, Ponce! sie glaubten, ihre Liebhaber grüßten noch einmal, und antworten. Gewiß haben die Glückseligen ihren Weg hier durch den Wald genommen – komme, komme!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.10.part2"> So ist es wahr?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.11.part2"> So komme doch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.12.part2"> O Isidora, verzeihe mir!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.13.part2"> O Melanie, ich verzeihe dir es nimmer!<hi rend="italic" xml:id="tg413.2.13.1.part2"> Wollen abgehen.</hi> Halt! ich höre sprechen, sie nähern sich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.14.part2"> Die Mädchen entfernten sich ja grüßend.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.15.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.15.part2"> Ja, aber sehr laut, sie wollten vielleicht nur den Horcher täuschen – der Gruß schien mir für die Liebe zu laut.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.16.part2"> Du sprichst wahr, die Liebe flüstert nur, und zu allem, was wirklich in ihr ist, dazu braucht sie das klingende, verräterische Wort nicht; nur die einsame Liebe ertönt, wo zwei sich einigen, da sprechen Blicke und –</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.17.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.17.part2"> Und wenn es dunkel ist? da sieht man die Blicke nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.18.part2"> O laß es dunkel sein, erkläre nicht, wie Liebe spricht in der Dunkelheit – als sie mich umarmte, küßte, ach! da war es dunkel.</p>
                                    <pb n="241" xml:id="tg413.2.19"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.20.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.20.1.part1">lauschend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg413.2.20.part2"> Still, ich höre flüstern, die ein Stimme fragte die andere, ob sie den Schlüssel hätte; ja, zu allen Türen, war die Antwort, zu allen Türen, die wir unsrer Liebe öffnen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.21.part2"> O wehe – verstandst du recht? – <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.21.1.part2">Lauter.</hi> O! armer Felix, deine Schwestern sind Buhlerinnen bei Nacht – komm, laß uns zurück, über seiner Ehre zu wachen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.22.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.22.part2"> Sprich leiser; so ist dies Haus dann nicht mehr das Haus unsrer Geliebten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.23.part2"> Nein, und doch – o ich wollte, die ganze Welt wäre liederlich und lasterhaft; ich schnitte dann den beiden Herren die Hälse ab, und die Mädchen machten sich nichts draus, und ließen uns statt ihrer ein.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.24.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.24.part2"> Du bringst mich auf einen Einfall – die Mädchen erwarten ihre Geliebten; wir wollen ihnen zuvorkommen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.25.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.25.part2"> O Himmel, es wäre schrecklich, es wäre viel gewagt es wäre völliger Triumph – ich fasse es nicht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.26.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.26.part2"> Wenn nur die Mädchen uns umfassen – komme!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.27.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.27.part2"> Was sind wir?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.28.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg413.2.28.part2"> Waghälse, die sich gern an schönen Hälsen wiegten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.29.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.29.part2"> Grad ausgestreckt liegt sie, und denkt auf Gespräche an ihren künftgen Gatten – o Gott – und solche Träume soll ich stören!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg413.2.30.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg413.2.30.part2"> Ins Teufels Namen! lamentiere nicht – ich weiß nicht, ob Melanie grad oder schief liegt, darum will ich es sehen! Fort! <hi rend="italic" xml:id="tg413.2.30.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg413.2.31"/>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg414" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/26. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>26. Auftritt</title>
                              </desc>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg414.2.1">Sechsundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg414.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg414.2.4.1">Felix und Lucilla, die als Mann gekleidet ist.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg414.2.6.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.6.part2"> Hier ist das Haus, wo wir sicher sind, wo uns die Liebe glücklich macht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.7.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg414.2.7.1.part1">stößt mit dem Fuß an den Brief mit dem Gelde.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg414.2.7.part2"> Da hat jemand Geld verloren – und Papiere.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.8.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg414.2.8.part2"> Gieb, ich will es zu dem Briefe stecken, der mir im Walde gegeben ward; morgen sehen wir, was es ist.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.9.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.9.part2"> Ich bin immer noch so scheu, hier ins Haus zu gehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.10.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.10.part2"> Wir haben viel gewagt – die Liebe lohnt alles.</l>
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                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.12.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.12.part2"> Wenn Isidora und Melanie nur nicht böse werden!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.13.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.13.part2"> Ei, bös? Sei klug!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.14.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.14.part2"> Bist du sicher, daß uns niemand hört?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.15.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg414.2.15.part2"> Die alte Tante schläft hinten hinaus – die Mädchen vorn, und die sollen es ja wissen, – ich weiß ja Weg und Steg komme!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.16.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg414.2.16.part2"> Hast du gehört, was vorher hier gesprochen wurde?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg414.2.17.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg414.2.17.part2"> Ich bitte dich, vergesse es – sie sprachen Böses von den lieben Mädchen – es wäre traurig – und wer macht es besser? Sind wir selbst auf Wegen, die das Geschwätz billigen würde? Komme! <hi rend="italic" xml:id="tg414.2.17.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg414.2.18"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg415" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/27. Auftritt">
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                                 <title>27. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg415.2.1">Siebenundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg415.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg415.2.4.1">Ponces Stube, dunkel. Ponce, Aquilar, eintretend.</hi>
                                 </stage>
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                                    <speaker xml:id="tg415.2.6.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg415.2.6.part2"> Tue, was du willst! Genug, daß ich meines Unglücks versichert bin. Ihr Glück, das Glück der Liebenden zu stören, ist fürchterliche Sünde.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg415.2.7.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg415.2.7.part2"> Sind wir nicht Liebende? stören diese Herren unser Glück nicht?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg415.2.8.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg415.2.8.part2"> Wird sind nicht geliebt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg415.2.9.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg415.2.9.part2"> Wenn ich die Sache so einrichten könnte, daß Isidora ihren Geliebten ruhig empfangen könnte – freilich, auf die habe ich keine Rechte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg415.2.10.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg415.2.10.part2"> Schweig, tue was du willst – ich gehe morgen nach Flandern zur Armee!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg415.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg415.2.11.part2"> Ohne dich zu erkennen zu geben?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg415.2.12.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg415.2.12.part2"> Wozu die Prahlerei? Tue das Deinige – auf mich hat kein Mensch mehr Rechte, seit Isidora einen andern liebt.</p>
                                 </sp>
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                                    <speaker xml:id="tg415.2.13.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg415.2.13.part2"> Ich gehe auf gut Glück! Sollte ich durch Zufall sehen, ob Isidora grad oder schief im Bette liegt – so werde ich es Ihnen hinterbringen, Herr Ponce! <hi rend="italic" xml:id="tg415.2.13.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
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                                 <title>28. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg416.2.1">Achtundzwanzigster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg416.2.2.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg416.2.2.1.part1">allein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg416.2.2.part2"> Valeria! – Valeria! mir wird schwer gelohnt doch auch das ist gut – alles ist gut – ich will dreinschlagen, so hat der König einen neuen Diener – es ist lustig, weil mich <pb n="243" xml:id="tg416.2.2.2.part2"/>
das Mädchen nicht liebt, liebe ich das Vaterland – man muß auch gar nichts haben oder alles, um ein Vaterland zu haben. – Lange, lange Weile, o ich möchte die Stühle zusammenbrechen, um zu arbeiten, – ich will mein Testament machen, denn wahrlich, ich liege in den letzten Zügen! <hi rend="italic" xml:id="tg416.2.2.3.part2">Er schlägt Feuer.</hi> Wie die Funken so lebendig sprühen, ein schönes, kurzes Leben! Auch ich habe gesprüht, kein Licht an mir gezündet! <hi rend="italic" xml:id="tg416.2.2.4.part2">Er steckt das Licht an.</hi> – So, mein liebes Licht, brenne, solange ein Fäserchen an dir ist – da ist ja auch noch das Testament meines Onkels, das mich um eine Million reicher macht; ich habe diese wichtigen Geschäfte über der Liebe ganz vergessen – da kann ich die Formeln absehen, es unterhält mich! Ihr alten Ponce alle – ich bin der letzte Ponce <hi rend="italic" xml:id="tg416.2.2.5.part2">Mit dem Licht und Testament nach der Nebenstube.</hi> Feuer schlagen will ich, Feuer schlagen bei der Armee, bis kein Stahl und Stein mehr an mir ist! <hi rend="italic" xml:id="tg416.2.2.6.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg416.2.3"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg417" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/29. Auftritt">
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                                 <title>29. Auftritt</title>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg417.2.1">Neunundzwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg417.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg417.2.4.1">Felix, Lucilla. Es ist ganz dunkel.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg417.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.6.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.6.part2"> Hier werden wir also bleiben heute nacht?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.7.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg417.2.7.part2"> Ja hier, wo ich schon oft recht froh und traurig war. Gleich hier neben in der Stube steht ein Ruhebett für dich, und ich bleibe hier auf einem Stuhle.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.8.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.8.part2"> So zeige mir den Weg in die Stube, ich könnte mich stoßen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.9.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.9.part2"> Verzeihe, ich liebe dich so, daß ich immer glaube, du wüßtest alles, was ich weiß.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.10.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.10.part2"> Du bist etwas unzufrieden?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.11.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg417.2.11.part2"> Was ich von den Mädchen hörte, stört mich – komm! <hi rend="italic" xml:id="tg417.2.11.1.part2">Er führt sie, kömmt an einen Stuhl auf dem Kleider liegen.</hi> Da liegen ja meine Kleider, wer tat sie hierher? Die ganze Stube scheint mir verändert.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.12.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.12.part2"> Du bist vielleicht irre gegangen – ich sehe durch eine Spalte in der Türe Licht in der Nebenstube.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.13.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.13.part2"> Licht?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.14.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.14.part2"> Es spricht – <hi rend="italic" xml:id="tg417.2.14.1.part2">Lauscht.</hi> »O Isidora, o Isidora!«</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.15.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.15.part2"> Wie, so wäre es wahr – höre recht!</l>
                                    <pb n="244" xml:id="tg417.2.16"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.17.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg417.2.17.1.part1">lauscht.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg417.2.17.part2"> »Zweitausend Dublonen dem alten Valerio viertausend dem Porporino zur Ausstattung« – es ist ein Sterbender – man macht ein Testament – höre! – »Valerien mein ganzes Hab und Gut, wenn ich sterbe.«</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.18.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.18.part2"> Aber um Gottes willen! – wer soll das sein?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.19.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.19.part2"> Ich bin so müde, Lieber!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.20.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.20.part2"> Setze dich dort in den Stuhl, liebes Kind, ich bin ganz verwirrt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.21.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.21.part2"> Gehe, Lieber, und erkundige dich bei deinen Schwestern!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg417.2.22.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg417.2.22.part2"> Du hast recht – bleibe nur ruhig. <hi rend="italic" xml:id="tg417.2.22.1.part2">Geht nach der Türe.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg417.2.23"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg418" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/30. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>30. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg418.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg418.2.1">Dreißigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg418.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg418.2.4.1">Aquilar, Vorige.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg418.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg418.2.6.part2"> Bist du noch da? He, mein Herr! nun ist es zu spät; ob Isidora gerad oder schief im Bette liegt, willst du wissen, – o ich Glücklicher, ich Glücklicher, warum gingst du nicht mit!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.7.part1">FELIX</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg418.2.7.1.part1">faßt ihn bei der Kehle.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg418.2.7.part2"> He, Schurke, Ehrenräuber!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.8.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg418.2.8.1.part1">ringt mit ihm.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg418.2.8.part2"> Ei, Ihr! Herr Felippo, seid es, Ihr seid irr gegangen – aber auch an mir seid Ihr irre.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.9.part1">FELIX</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg418.2.9.1.part1">ruft.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg418.2.9.part2"> Licht! Licht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg418.2.10.part2"> Die Klingen los, die Klingen sollen leuchten!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.11.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg418.2.11.part2"> O Gott, o Gott!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.12.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg418.2.12.part2"> Ei, sieh, doch eine der Damen hier!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg418.2.13.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg418.2.13.part2"> He, aus der Nebenstube heraus, Herr Testamentarius!</l>
                                    <lb xml:id="tg418.2.14"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg419" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/4. Akt/31. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>31. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg419.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg419.2.1">Einunddreißigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg419.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg419.2.4.1">Vorige, Ponce in Hemdärmeln mit dem Lichte; alle in der höchsten Verwunderung.</hi>
                                 </stage>
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                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg419.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg419.2.6.part2"> Um Gottes willen, Felix! ei, und Lucilla! ich gratuliere.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg419.2.7.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg419.2.7.part2"> Ihr, Ihr seid es, aber Himmel!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg419.2.8.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg419.2.8.1.part1">umarmt ihn.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg419.2.8.part2"> Ja, wir und – du! Gottes Segen über dich – und Fluch über uns! So haben also wir deinen Schwestern Unrecht getan!</p>
                                    <pb n="245" xml:id="tg419.2.9"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                     </div>
                     <div subtype="work:no" type="act" xml:id="tg420" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt">
                        <div>
                           <desc>
                              <title>5. Akt</title>
                           </desc>
                        </div>
                        
                        
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg421" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/1. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>1. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg421.2.1">Erster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg421.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg421.2.4.1">Garten mit der Statue, sehr frühe. Valerio und Valeria.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg421.2.5"/>
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                                    <speaker xml:id="tg421.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.6.part2"> Hörst du nichts klimpern oder quieken, Flämmchen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.7.part2"> Ich höre nichts – auf was wartet Ihr nur, und was soll ich dabei? Ihr hättet mich wohl noch ein bißchen schlafen lassen können, es ist noch kühl. <hi rend="italic" xml:id="tg421.2.7.1.part2">Sie hüllt sich ein.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.8.part2"> Ja, es war eine unruhige Nacht, eine ungezogne Nacht, so recht nach der neuen Sitte. Hörst du immer noch nichts klimpern oder quieken? Die Mohren sollen ja so ein vortrefflich Gehör haben.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.9.part2"> Ei, wie soll es dann klimpern und quieken?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.10.part2"> Es soll klimpern und quieken wie eine Hochzeit, die in der Ferne übers Land zieht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.11.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.11.part2"> Wessen Hochzeit? Sprecht doch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.12.part2"> Das weiß ich selbst noch nicht. Heute, mein Kind heute ist ein herrlicher Tag, und wenn Porporino Valerien mitbringt, so ist die Freude vollkommen. Sage, was war das heute nacht für ein Partikularlärmen? Die Hauptsache weiß ich: der Sohn aus dem Hause hat die Tochter aus einem andern Hause entführt und in dieses Haus gebracht. Aber ich hörte auch deine Stimme, du zanktest.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.13.part2"> Ei, der eine Pilger wollte in der Fräulein Stube!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.14.part2"> Nun sage mir noch einer einmal, daß die großen Herren nicht gradeaus sind, – und du jagtest ihn gehörig?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.15.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.15.part2"> Natürlich! Jetzt höre ich Geräusch im Walde, aber keine Musik, keine Hochzeit, die über Land zieht; und wer sollte auch so frühe Hochzeit halten?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.16.part2"> Ei, liebes Kind, es ist manchmal in aller Frühe hohe Zeit. Aber ich will dir nun sagen, worauf ich eigentlich warte. Ich warte auf Hülfstruppen und Musikanten, denn heute ist ein wunderlicher Tag, ein wetterwendscher Tag, der nicht wissen wird, wozu er sich entschließen soll. – Es ist wahrscheinlich, daß die entführte Jungfrau verfolgt und wir belagert werden; da müssen wir uns null wehren. Auch ist <pb n="246" xml:id="tg421.2.16.1.part2"/>
es möglich, das alles gut abläuft und die Leute sich heiraten, und da müssen wir tanzen. Gieb nur acht, ob, du nichts klimpern hörst.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.17.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.17.part2"> Wißt Ihr denn das alles zum voraus?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.18.part2"> Nein – darum eben harre ich auf ein Zeichen vom Himmel, denn sieh, morgens so ganz früh glaubt die Zukunft, die Menschen schliefen noch, und exerziert sich einstweil, wie sie's machen soll; ja, aber bei mir da müßte sie früher aufstehen. Nun beobachte ich, was es geben wird. Klimpert es in der Ferne wie Musik, so bedeutet es Hochzeit; klimpert es wie Schwerter, so giebt es Krieg.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.19.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg421.2.19.part2"> Aber wenn es gar nicht klimpert, wie jetzt, was bedeutet es wohl dann? – Da kommt ein Mann, das war das Geräusch.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.20.part2"> Ein Mann, kein Phänomen, der wird reden können; desto besser, auf den wartete ich eigentlich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.21.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.21.part2"> So habt Ihr mich wohl nur zum besten gehabt?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg421.2.22.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg421.2.22.part2"> Ei freilich, du sollst ja die Beste sein, so will es die Moral.</l>
                                    <lb xml:id="tg421.2.23"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg422" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/2. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>2. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg422.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg422.2.1">Zweiter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg422.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg422.2.4.1">Vorige; Alonso, ein Schulmeister.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg422.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.6.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.6.part2"> Seid Ihr der Hausmeister? Hier ist ein Brief an Euch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.7.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg422.2.7.1.part1">liest.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg422.2.7.part2"> Gut! Ich mache Euch mein Kompliment, Herr Schulmeister. Es ist mir leid, daß Ihr so frühen Auftrag erhieltet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.8.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.8.part2"> Früh gesattelt, spät geritten! Was man früh lernt, kömmt einem spät zustatten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.9.part2"> Nur nicht zu spät! Wieviel streitbare Männer habt Ihr im Dorfe?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.10.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.10.part2"> Ach, die lassen sich zählen, besser als die Prügel, die sie von ihren streitsüchtigen Weibern kriegen mögen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.11.part2"> Die Prügel mögen den Takt und die Taktik in sie schlagen, denn die Ordre im Briefe des gnädgen Herrn lautet <hi rend="italic" xml:id="tg422.2.11.1.part2">Liest.</hi> »Der Herr Schulmeister wird Euch eine Anzahl Musikanten stellen, welche, ehe sie ihr freundliches Spiel anfangen, voll feindlichem Ernst zu sein scheinen.«</p>
                                    <pb n="247" xml:id="tg422.2.12"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.13.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.13.part2"> Alles das zusammen wird Mühe kosten. Lasset uns erwägen, <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.13.1.part2">voll feindlichem </hi> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.13.2.part2">Ernst – voll?</hi> Nun, das wäre zu haben, wenn Ihr eine gute Portion Wein zum besten gebt; <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.13.3.part2">feindlich?</hi> Ja, auch so – volle Leute werden grob und prügeln sich untereinander, leider, leider! <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.13.4.part2">Ernst?</hi> Das ist nun der böse Punkt; es wäre selbst nicht zu hoffen, nein, es wäre schrecklich, wenn es einem Besoffen Ernst wäre! Hui, das gäbe der Lehre von Gutem und Bösen eine böse Wendung!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.14.part2"> Nun, das wird sich alles finden, wenn Eure Musikanten nur gut spielen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.15.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.15.part2"> Ich will sie Euch zusammenzählen, ob sie gut zusammen zählen oder zusammen spielen werden, muß der Himmel verfügen, denn es sind einige theoretische Genies unter ihnen, die alles schlechter zeigen als die andern, aber dafür wieder alles besser wissen; – in meinem Dorfe sind drei Lautenschläger, aber nur eine Laute.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.16.part2"> Wenn sie nur nicht alle drei auf der einen Laute schlagen wollen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.17.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.17.part2"> Eher stünde zu erwarten, daß sie sich um die eine Laute schlügen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.18.part2"> Hier im Schlosse sind zwei Lauten.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.19.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.19.part2"> So wäre geholfen, – dann habe ich einen Geiger, der etwas mager und auf der E-Saite nicht ganz <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.19.1.part2">capable</hi> ist.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.20.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.20.part2"> Gott gebe dann, daß er nicht verheiratet sei!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.21.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.21.part2"> Oder Gott nehme ihm seine Frau, denn sie ist allein schuld, sie hat ihm diese E-Saite oft gebrochen. Dann habe ich einen Pfeifer, der von der Armee zurückblieb, weil er die schnellen Märsche nicht vertragen kann.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.22.part2"> Er wird wohl nur Leichenmärsche blasen können; der paßt nicht zur Hochzeit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.23.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.23.part2"> Er hat wohl die Schwindsucht, weil er die schnellen Märsche nicht blasen konnte?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.24.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.24.part2"> O! er mußte leider so viel blasen, daß er keine Zeit zum Pfeifen behielt, er ist sehr dick, und da es zu schnell in den Krieg ging, bekam er unterwegs die Verschwindsucht, verirrte sich in ein Kornfeld, und fand den Weg nach Haus; bei der Armee glaubt man noch jetzt, er sei unterwegs geschmolzen, übrigens ist er ein pfiffiger Pfeifer.</p>
                                    <pb n="248" xml:id="tg422.2.25"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.26.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.26.part2"> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.26.1.part2">Summa Summarum?</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.27.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.27.part2"> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg422.2.27.1.part2">Summa Summarum,</hi> mit diesen Fünfen und mehreren aus der Gegend, welche aber nur biskayische Tänze spielen können, wird ein Dutzend zusammenzubringen sein. – Gott gebe, daß sie zusammenbleiben!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.28.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.28.part2"> Zusammen pausieren werden sie vortrefflich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.29.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.29.part2"> Diese schlechten Musikanten und guten Leute also werden sich unter Eurer Anführung im Walde versammeln, wo sie sich womöglich so still als möglich verhalten werden; Ihr sollt einem jeden ein Seitengewehr verschaffen, ihre Instrumente werde ich von einem hier empfangen und verwahren bis zur gehörigen Zeit; im Walde werdet ihr Essen und Trinken finden, damit der Hunger euer Stillschweigen nicht bricht, und Ihr, Herr Alonso, stehet vor die Nüchternheit.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.30.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.30.part2"> Ich werde so mäßig sein, daß ich noch vor ihnen stehen kann, wenn sie noch so trunken wären.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.31.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.31.part2"> Seht, mein Freund, ich werde Euch ein Zeichen mit einem ordinären Horne geben, dann kommt ihr alle hierher, und sollte ich nicht zugegen sein, so werdet ihr in allem diesem Mohrenkinde, welches an Weisheit viele übertrifft, Folge leisten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.32.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg422.2.32.part2"> Ich sehe sie mir an und merke sie mir, damit ich sie unter den vielen weißen Menschen nicht verliere. In einer Stunde soll alles bereit sein.<hi rend="italic" xml:id="tg422.2.32.1.part2"> Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.33.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.33.part2"> Aber wozu alle die Anstalten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg422.2.34.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg422.2.34.part2"> Zu großen Freuden! Komme herein, daß ich dich unterrichte! <hi rend="italic" xml:id="tg422.2.34.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg422.2.35"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg423" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/3. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>3. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg423.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg423.2.1">Dritter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg423.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg423.2.4.1">Stube im Schlosse. Isabella, Felix.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg423.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.6.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg423.2.6.part2"> Ihr habt einen raschen Schritt getan, lieber Neffe! Die Familie ist mächtig, die Ihr Euch zu Feinden machtet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.7.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg423.2.7.part2"> Die Liebe ist mächtiger als alle Familien, und ich habe mir die Liebe zum Freunde gemacht. Das Schicksal begünstigt mich schon durch Eure Gegenwart; mein Vater tat mir Gutes, ohne es zu wissen, durch diesen Wechsel.</p>
                                    <pb n="249" xml:id="tg423.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.9.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg423.2.9.part2"> Euer Vorurteil für mich freut mich, ich biete Euch zu allem meine Hülfe recht gern. – Ihr habt einen Überfall von den vielen Freunden der Familie aus der Nachbarschaft zu erwarten, besonders, da Eure Braut noch einen Prätendenten hat, und dieser wird nicht zögern.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.10.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.10.part2"> Was glaubt Ihr, würdige Tante, daß zu tun sei?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.11.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.11.part2"> Ihr müßt Euch gleich vermählen, damit Eure Feinde schon unauflösliche Bande finden.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.12.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.12.part2"> Ich will gleich nach unserm alten Freunde, dem Dechant, reiten, und ihn herüberholen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.13.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.13.part2"> Lieber Neffe – Ihr seht ein, Eure Schwestern können in diesem Sturme nicht schicklich hier bleiben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.14.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg423.2.14.part2"> Ihr habt recht, besonders, da meine Freunde die Ungezogenheit hatten, sich hier als Pilger einzuschleichen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.15.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg423.2.15.1.part1">lächelnd.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg423.2.15.part2"> Und ich beinahe vermute, auch in der Mädchen Herzen! Ich will also mit den beiden Fräulein sogleich nach Saragossa, wo Ihr herkommt, – ich kenne die Mutter der Entführten.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.16.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.16.part2"> Ich kenne sie nicht, Lucilla war immer bei ihrer Tante in Sevilla.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.17.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.17.part2"> Sie ist eine gute Frau, und ich will das Meinige beitragen, die Familie zu versöhnen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.18.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.18.part2"> Ihr seid unser guter Engel in dieser Verwirrung!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.19.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.19.part2"> Ich gehe lieber, mich zur Reise anzuschicken.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.20.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.20.part2"> Ich weiß nicht, wie ich alle Eure Güte verdienen werde.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.21.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg423.2.21.part2"> Ihr wisset ja nicht, ob ich ganz uneigennützig handle. Ihr seid der erste Sarmiento, der entführt – ich bin die erste, die entführt ward, aber man holte mich wieder ein, und da ich weiß, wie unangenehm dies ist, so will ich Euch unterstützen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.22.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.22.part2"> Eure schöne Laune selbst in dieser Verwirrung macht mich lustiger.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.23.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg423.2.23.part2"> Lebt wohl, lieber Neffe, ich eile zur Mutter, und hoffe so einig mit ihr zu werden als Ihr mit der Tochter. <hi rend="italic" xml:id="tg423.2.23.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg423.2.24.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg423.2.24.part2"> Dank, herzlichen Dank!</l>
                                    <pb n="250" xml:id="tg423.2.25"/>
                                    <lb xml:id="tg423.2.26"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg424" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/4. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>4. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg424.2.1">Vierter Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg424.2.2.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg424.2.2.part2"> Ich habe nicht geglaubt, daß eine Tante so human sein könnte. – Ich will doch erst die Briefe lesen, die ich im Walde erhielt, und zusehen, was ich im Garten fand – <hi rend="italic" xml:id="tg424.2.2.1.part2">Erbricht den Brief von Melanie und Isidora an ihn und liest.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg424.2.3"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg425" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/5. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>5. Auftritt</title>
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                           <div type="text" xml:id="tg425.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg425.2.1">Fünfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg425.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.4.1">Lucilla, Voriger.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg425.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.6.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.6.1.part1">umarmt ihn rücklings.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg425.2.6.part2"> Was liest du, Lieber?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.7.part1">FELIX</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.7.1.part1">küßt sie.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg425.2.7.part2"> Guten Morgen, schöne Beute!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.8.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.8.part2"> Ei, die Beute geht ja nicht freiwillig mit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.9.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.9.part2"> Also holder Überläufer!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.10.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.10.1.part1">sie nimmt den Brief und liest.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg425.2.10.part2"> Was steht in dem Briefe? Deine guten Schwestern rufen dich um Hülfe an gegen zwei Pilger, aus denen sie nicht klug werden können; Melanie schrieb: »Sie sind so liebenswürdig und unklug; komme bald, lieber Felix, sonst steckt es an.« – Hier ist aber noch ein Zettelchen von Isidora. <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.10.2.part2">Liest.</hi> »Lieber Felix, Du hast mir immer so viel von Ponce erzählt, und wie ich alles liebe, was Dir angehört, hatte ich einen stillen Bund mit diesem Ponce errichtet – diesen Bund habe ich gebrochen, und auch Du sollst Deinem Freunde weniger verzeihen, denn ich weiß, daß Ponce ein armes Bürgermädchen mit Liebe täuschte, und daß dies Mädchen nun sehr unglücklich ist, – auch weiß ich, daß dieser Ponce mich liebt, mich, die er nie sah, und dies um Deiner gütigen Schilderung willen, wie mußt Du mich nicht lieben, lieber Felix! Ich kenne Ponce nicht, und will ihn nie sehen, doch gestehe ich gern, meine Phantasie hat ihn immer allen Männern vorgezogen. Sprich ihm nicht mehr von mir, tadle mich vor ihm, damit er seinen Sinn von mir wendet; kannst Du, guter Bruder, so führe ihn zu seiner ersten Liebe zurück, daß er die Tränen des treuen Kindes trockne. Diese Sache beschäftigt meine ganze Seele. Der eine der Fremden, der sich hier aufhält, ist unglücklich durch Liebe, sehr unglücklich, ich bin ihm sehr gut – ein schöner Wahn läßt ihn in mir seine untreue Geliebte sehn – ich wollte, ich wäre stark genug, ihn sich selbst wiederzugeben, – aber Felix! <pb n="251" xml:id="tg425.2.10.3.part2"/>
das will nicht gelingen, ich muß ihn vermeiden, er ist mir sehr gefährlich – komme bald, gleich, zu Deiner bedrängten Isidora.«</p>
                                    <p xml:id="tg425.2.11">Aber Felix! wie ist da zu helfen, sie liebt den Pilger, und haßt Ponce!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.12.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.12.part2"> Ponce muß unterliegen, der Pilger muß siegen – nun lesen wir, was wir im Garten fanden –<hi rend="italic" xml:id="tg425.2.12.1.part2"> Er untersucht.</hi> Ei, noch einer dabei – an Isidoren – Ponces Hand – <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.12.2.part2">Liest.</hi> Gott! wie anders lautet das – er ist entzückt, er fleht um Verzeihung, daß er in ihren Armen lag – er <hi rend="spaced" xml:id="tg425.2.12.3.part2">lügt!</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.13.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.13.part2"> Das ist eine Verwirrung! <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.13.1.part2">Liest den Brief mit dem Golde.</hi> An Melanie.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.14.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.14.part2"> Das ist Aquilars Hand.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.15.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.15.1.part1">liest.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg425.2.15.part2"> Er dankt fürs Geld, preist ihre Mildtätigkeit – Ei, Felix, wie ging das hier zu – auch er preist mit poetischen Worten die Minuten, die sie ihn in den Armen hielt, und er sie küßte.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.16.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.16.part2"> Ich begreife das alles nicht und die Reden gestern im Garten, und was Aquilar sprach, als er gestern abend ins Zimmer trat – Lucilla, was ist das?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.17.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.17.part2"> Dinge, über die man schweigen muß! Hast du deine Schwestern gesprochen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.18.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.18.part2"> Ja, sie sprechen wunderbar unbestimmt über die beiden; doch habe ich ihnen noch verschwiegen, wer die Pilger sind. Was die Mädchen sagten, lautete wie Liebe, die sich selbst nicht traut.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.19.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.19.part2"> Und deine Freunde?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.20.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.20.part2"> Brennen vor Liebe.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.21.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.21.part2"> Bemerke, daß Ponce deine Ankunft segnete und laut gestand, er habe den Mädchen Unrecht getan. Das Ganze mag Eifersucht und Mißverständnis sein. Doch rufe deine Schwestern und die Ritter, mache sie bekannt miteinander, schnell! so wendet sich alles.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.22.part1">FELIX</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.22.1.part1">klingelt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg425.2.22.part2"> Du hast recht! <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.22.2.part2">Diener tritt auf.</hi> Meine Schwestern!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.23.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.23.part2"> Die gnädige Tante ist vor einer Viertelstunde mit den Fräuleins abgereist, alle meine Kameraden begleiteten sie, sie bittet Euch, zu eilen.</p>
                                    <pb n="252" xml:id="tg425.2.24"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.25.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.25.part2"> So ist es dann zu spät, die beiden Fremden rufe mir.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.26.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.26.part2"> Diese sind soeben dem Hause hinausgelaufen, ich wollte ihnen das Frühstück bringen, und erzählte von der Abreise der Damen, da sprangen sie wie Raketen aus den Betten, warfen sich in die Kleider und stürzten dem Schlosse hinaus. »Wir müssen sie einholen, um Verzeihung flehen«, schrie der eine. Sie liefen ins Blaue hinein, ohne nur zu fragen, wo die Damen hin seien.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.27.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.27.part2"> Geschwind ein Pferd gesattelt! <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.27.1.part2">Diener ab.</hi> Es ist nun zu spät, ich muß weg!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.28.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.28.part2"> Du! wohin?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.29.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.29.part2"> Nach dem Dechant, der uns verbindet. Du mußt mein Weib sein, ehe uns die Feinde einholen. Verzeih, Geliebte, daß ich dich schon jetzt über andere vergaß.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.30.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.30.part2"> So eile nur, eile! ich bin ja gern dein Weib, auch ist nichts zu fürchten. Ist es nicht die Liebe, die zwischen jenen waltet, und was wird vollenden als die Liebe?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.31.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.31.part2"> O Lucilla, wie sprichst du wahr, wie wahr spricht die Liebe aus dir! Ich armer Schelm <hi rend="spaced" xml:id="tg425.2.31.1.part2">werde</hi> doch nichts tun, wo die Liebe waltet. Lebe wohl, meine Braut, ich muß dich aufgeben, süße Braut, ich muß dir untreu werden, ich sehe dich nicht wieder! <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.31.2.part2">Umarmt sie.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.32.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg425.2.32.part2"> Ich sehe dich nicht wieder, lieber Bräutigam, ach! kein Scheiden ist süß, als wenn Braut und Bräutigam scheiden!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg425.2.33.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg425.2.33.part2"> Weil der Bräutigam den Priester holt. Lebe wohl! <hi rend="italic" xml:id="tg425.2.33.1.part2">Ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg425.2.34"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg426" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/6. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>6. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg426.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg426.2.1">Sechster Auftritt</head>

                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg426.2.2.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg426.2.2.1.part1">allein.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg426.2.2.part2"> Ist je ein sterbliches Mädchen in einer solchen Lage gewesen, und in aller Unschuld? und ohne im mindesten verdrießlich, traurig oder bang zu werden? Felix weiß eigentlich gar nicht, wo er dran ist, vielleicht muß er mich noch gar erkämpfen, und <hi rend="spaced" xml:id="tg426.2.2.2.part2">ich</hi> werde immer ganz ruhig zusehen. Wer nur mein andrer Bräutigam sein wird? O Liebe, o Not, bewegt mich doch, nehmt mir doch diese Seelenruhe! Die Zärtlichkeit des ganzen Geschlechts wird an mir scheitern. <pb n="253" xml:id="tg426.2.2.3.part2"/>
Ich will mich nur traurig stellen, damit man mich nicht etwa gar für einen verkleideten Mann hält. <hi rend="italic" xml:id="tg426.2.2.4.part2">Setzt sich in einen Winkel, nimmt das Schnupftuch vor die Augen.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg426.2.3"/>
                                 </sp>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg427" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/7. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>7. Auftritt</title>
                              </desc>
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                           <div type="text" xml:id="tg427.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg427.2.1">Siebenter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg427.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.4.1">Lucilla, Valerio, Valeria. Letztere hält eine Liste in der Hand und eine Feder, Valerio ein Tintenfaß.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg427.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.6.part2"> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.6.1.part2">Dito,</hi> ein weinendes Frauenzimmer – lies, Adjudant, was du bis jetzt aufgeschrieben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.7.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.7.part2"> Aber Ihr seid auch heute gar zu komisch, Valerio.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.8.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.8.part2"> Es wird dir noch vieles in der Welt gar zu komisch vorkommen, ehe du aufhörst, ein gar zu komisches Mädchen zu sein. Wenn der Scherz taugen soll, so muß er Ernst enthalten. – Also nenne mich nicht mehr Valerio, denn ich bin nun Kommandant dieses bald belagerten Schlosses; gewöhne dich an diesen Titel, wie ich dich schon lange Adjudant nenne.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.9.part2"> Solange aber Porporino und Eure Tochter nicht zurück sind, könnt Ihr ja die Zugbrücken nicht aufziehen lassen, die ohnedies gar nicht da sind.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.10.part2"> Sprich nicht so vor der Prinzessin, die wir bewachen, du unehrerbietiger Adjudant!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.11.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.11.part2"> O der Schmerz, der Schmerz! <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.11.1.part2">Lacht.</hi> Ha, ha, ha, verlassen – verraten – ha, ha – belagert!<hi rend="italic" xml:id="tg427.2.11.2.part2"> Lacht.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.12.part2"> Sieh, da hast du schon der Prinzessin ihren gerechten Schmerz verdorben.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.13.part2"> Denn sie muß lachen, wo sie weinen sollte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.14.part2"> Still, es giebt allerlei Nationen unter den Weibern, die nicht so einseitig sind als so eine Mohrin. <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.14.1.part2">Nähert sich Lucillen.</hi> Gebt Euch zufrieden, Ihr steht unter meinem Schutze, und wenn mein kleiner Adjudant etwas frevelhaft spricht, so ist dies nur schlecht übersetzte Vorsichtigkeit.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.15.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.15.1.part1">lacht.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg427.2.15.part2"> Ihr werdet meinen gerechten Schmerz nicht beruhigen. <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.15.2.part2">Lacht.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.16.part2"> Ihr sollt die beruhigende Einsicht in alle Verteidigungsanstalten haben. Lies also, was wir notiert haben!</p>
                                    <pb n="254" xml:id="tg427.2.17"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.18.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.18.part2"> Ihr wart heute schon so früh lustig, Herr Kommandant; die Vögel, die so früh pfeifen, trifft abends der Jäger.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.19.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.19.part2"> Ei was, du wirst mich nicht mutlos machen, sie werden schon kommen, ich habe für sie das Hinterpförtchen aufgelassen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.20.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.20.part2"> Ihr wolltet das Inventarium der Festung vorlesen, mich zu beruhigen. Geschwind ans Werk, die Beruhigung ist mir nötig! <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.20.1.part2">Lacht.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.21.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.21.part2"> Ich habe wohl von einem schmerzlichen Lächeln gehört, aber Dero schmerzliches Lachen ist mir bis jetzt noch nicht vorgekommen. Ihr erlaubt, daß ich Euch vor allem notieren lasse, denn ich muß vor Euch stehen; schreib, Adjudant!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.22.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.22.part2"> Diktiert!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.23.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.23.1.part1">diktierend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg427.2.23.part2"> In der Festung anwesende Standespersonen, die nicht im Verteidigungszustande sind.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.24.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.24.part2"> He, Ihr werdet mich doch nicht unter die Invaliden setzen wollen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.25.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.25.part2"> Schreibe also: Nicht invalide, bloß durch Geschlecht gebrechlich. <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.25.1.part2">Diktiert.</hi> Donna Lucilla, Kleinod und Preis des Kampfs; <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.25.2.part2">Zustand:</hi> wird durch sein Lachen auch in der größten Verzweiflung die Besatzung ermuntern. <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.25.3.part2">Lucilla lacht.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.26.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.26.part2"> O! mäßigt Euch, wir sind noch sehr munter, greifet unsre beste Munition, Dero Lachen, nicht zu sehr an. <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.26.1.part2">Valerio, Valeria, Lucilla lachen nacheinander.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.27.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.27.part2"> Ja, ja, wir sind alle noch sehr mutvoll; lies das Verzeichnis, Adjudant!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.28.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.28.1.part1">liest ab.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg427.2.28.part2"> Hoffentliche Freiwillige, welche in dem Augenblicke vermißt werden. <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.28.2.part2">Perso</hi>
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.28.3.part2">nen:</hi> Don Gabriel Ponce de Leon, Duca Fernand de Aquilar. <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.28.4.part2">Zustand:</hi> Nicht ganz richtig. <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.28.5.part2">Be</hi>
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.28.6.part2">satzung:</hi> Valerio de Campaces, Kommandant. <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.28.7.part2">Zustand: Vacat.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.29.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.29.part2"> Schreibe hin – Eigenlob sieht nicht gut aus.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.30.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.30.1.part1">schreibend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg427.2.30.part2"> Sieht nicht gut aus.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.31.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.31.part2"> He! vergiß Eigenlob nicht, denn ich sehe doch ziemlich aus.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.32.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.32.1.part1">lacht.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg427.2.32.part2"> Ha, ha – ach, Felix – Felix!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.33.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg427.2.33.part2"> O! er ist sicher nicht vergessen, der Herr Adjudant <pb n="255" xml:id="tg427.2.33.1.part2"/>
überging ihn, um Euch die alten Wunden nicht aufzureißen. <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.33.2.part2">Stößt Valerien an.</hi> Schreibe ihn hin, lies weiter!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.34.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.34.1.part1">liest.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg427.2.34.part2"> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.34.2.part2">Personen:</hi> Flammetta, Adjudant. <hi rend="spaced" xml:id="tg427.2.34.3.part2">Zustand:</hi> Kohlrabenschwarz, wird den Feinden schrecklich vorkommen; Gott wolle, daß der Schrecken sie nicht bleiche!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.35.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.35.part2"> Gut, und die Gemeinen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.36.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.36.part2"> Die Besatzung ist so vornehm, daß der Kommandant außer einem alten Bedienten der allergemeinste ist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.37.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.37.1.part1">liest.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg427.2.37.part2"> Weiter – Proviant-Verzeichnis.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.38.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg427.2.38.part2"> Hierzu rufe den Kellermeister und Hausmeister.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.39.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.39.1.part1">ruft zur Türe hinaus.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg427.2.39.part2"> Kellermeister, Hausmeister!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg427.2.40.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg427.2.40.1.part1">ruft.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg427.2.40.part2"> Hier – das war nur des Zeremoniells halber. Die Speisekammer und der Keller, diese Hauptbatterien, diese angreiflichsten, kitzlichsten Posten, durften nur dem Kommandanten vertraut sein.</p>
                                    <lb xml:id="tg427.2.41"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg428" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/8. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>8. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg428.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg428.2.1">Achter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg428.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg428.2.4.1">[Alter Diener, die Vorigen.]</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg428.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.6.part1">DER ALTE DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.6.part2"> Ich sehe Staub auf der Heerstraße.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.7.part2"> Sahst du Waffen glänzen, Fahnen wehen, Geräusch?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.8.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg428.2.8.part2"> Es glänzt nichts und weht nichts, Geräusch auch nicht, es trippelt nur wie ein paar tausend Füße, und blärrt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.9.part2"> Es ist doch kein Kriegslied, das gesungen wird?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.10.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.10.part2"> Ei behüte, das wäre ja die verkehrte Welt, wenn die Schafe Kriegslieder sängen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.11.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg428.2.11.part2"> Nein, mein Freund, ich versichere dich, die Schafe singen oft Kriegslieder. Doch gehe; wenn du Menschen siehst, so schließe die Tore, bis auf das hintere Türchen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.12.part1">DIENER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg428.2.12.part2"> Hier ist auch der Schlüssel zu des gnädigen Herrn Rüstkammer, die vielmehr eine Rostkammer sein mag; auch hütet Euch dort vor den Ratzen, Ihr müßt etwas trommeln, ehe Ihr hineingeht, die Trommel habe ich hier vor die Türe gestellt. Aber sagt, lieber Herr Valerio, ist es wirklich so gefährlich?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.13.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.13.part2"> Kannst du schweigen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.14.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.14.part2"> Wie ein Fisch.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg428.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg428.2.15.part2"> Ich auch! Gehe und tue, was ich befahl!<hi rend="italic" xml:id="tg428.2.15.1.part2"> Diener ab.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="256" xml:id="tg428.2.16"/>
                                    <lb xml:id="tg428.2.17"/>
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                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg429" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/9. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>9. Auftritt</title>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg429.2.1">Neunter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg429.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg429.2.4.1">Vorige [ohne den alten Diener]</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg429.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.6.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.6.part2"> Ihr haltet ja strenge Subordination!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.7.part2"> Der gute Soldat wisse nie, was er tue.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.8.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.8.part2"> Und der gute Spion wisse nie, was er spioniert.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.9.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.9.part2"> Sei nicht so vorlaut, sonst wirst du mich noch in Harnisch bringen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.10.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg429.2.10.part2"> Brav, es ist nötig, daß ein guter Krieger im Harnisch sei; also kommt, kommt in die Rüstkammer, ich will die Trommel holen. <hi rend="italic" xml:id="tg429.2.10.1.part2">Ab.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.11.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.11.part2"> Ich gehe mit in die Rüstkammer.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.12.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg429.2.12.1.part1">hat die Trommel umhängen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg429.2.12.part2"> Nun fort, gegen die Ratzen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.13.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.13.part2"> Wir wollen alle drei Harnische anlegen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg429.2.14.part2"> O tapfre Zeit! wo ruhmentglüht ein alter Diener, und ein närrisch Mohrenkind, und ein entführtes Mädchen nach den alten Waffen der braven Ritter Spaniens greifen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.15.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.15.part2"> Ihr werdet ja ganz feierlich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg429.2.16.part2"> Ja, ich habe manchmal Unpäßlichkeiten, für die kein Aderlaßmännchen die rechte Ader zeigt. Ich meine die poet'sche Ader.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.17.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg429.2.17.part2"> Ihr seid ein lustiger Alter, und du bist ein freundliches Mädchen, ich will euch die Geheimnisse meines Herzens vertrauen; seht, ich bin eigentlich gar nicht traurig, ich bin von allem unterrichtet. Kommt, den Spaß zu vollenden!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.18.part2"> Ach! wäre nur Valeria und Porporino hier, so wären unsrer fünf.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.19.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.19.part2"> Alle gute Dinge sind drei.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg429.2.20.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg429.2.20.part2"> Ja, laßt uns alle drei guter Dinge sein!<hi rend="italic" xml:id="tg429.2.20.1.part2"> Rührt die Trommel; alle ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg429.2.21"/>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg430" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/10. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>10. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg430.2.1">Zehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg430.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg430.2.4.1">Garten mit der Statue.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg430.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg430.2.5.1">Alonso und der dicke Pfeifer kommen aus dem Wald; sie tragen die Instrumente herbei.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg430.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg430.2.7.part1">PFEIFER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg430.2.7.1.part1">zu Apollo.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg430.2.7.part2"> Ist dies der Herr, der sie in Empfang nimmt? <hi rend="italic" xml:id="tg430.2.7.2.part2">Legt die Instrumente auf das Piedestal.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="257" xml:id="tg430.2.8"/>
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                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg430.2.9.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg430.2.9.part2"> Pfui über einen Pfeifer, der seinen Gott nicht kennt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg430.2.10.part1">PFEIFER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg430.2.10.part2"> Nun, so sage ich dann: <hi rend="spaced" xml:id="tg430.2.10.1.part2">Unser tägli</hi>
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg430.2.10.2.part2">ches Brot gieb uns heut!</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg430.2.11.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg430.2.11.part2"> Du bist ein Nimmersatt; haben wir nicht Essen und Trinken im Walde erhalten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg430.2.12.part1">PFEIFER.</speaker>
                                    <p xml:id="tg430.2.12.part2"> So kehre ich die Sache um, und sage: <hi rend="spaced" xml:id="tg430.2.12.1.part2">Unser heutiges Brot gieb uns täg</hi>
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg430.2.12.2.part2">lich.</hi> Doch kommt, damit unsre Gesellen uns nicht zu sehr zurücklassen, oder zu wenig zurücklassen. Ihr wißt, der Geiger ist stark in den Fugen und hohl in den Rippen. Er könnte dem kalten Braten ein paar Rippen aus den Fugen reißen, und wir müßten dann pizzikando an den Knochen pausieren.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg430.2.13.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg430.2.13.part2"> Du sprichst triftig. <hi rend="italic" xml:id="tg430.2.13.1.part2">Beide ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg430.2.14"/>
                                 </sp>
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                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg431" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/11. Auftritt">
                           <div>
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                                 <title>11. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg431.2.1">Eilfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg431.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.4.1">Ponce, Aquilar, außer Atem.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg431.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.6.part2"> Das ganze Schloß ist leer, wie ein ausgeblasenes Ei!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.7.part2"> Auch hier niemand?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.8.part2"> So ist es dann nicht übertrieben, wenn wir sagen, das ganze Schloß ist leer, seitdem die Mädchen weg sind. Es ist verdammt, daß wir sie nicht einholten!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.9.part2"> Laß es uns als ein Glück ansehen, so brauchen wir uns nicht zu schämen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.10.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.10.part2"> Der Teufel schäme sich und seh es für sein Glück an, Mensch, wie sprichst du?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.11.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.11.1.part1">immer gelassen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg431.2.11.part2"> Ich bitte dich, schweige still, und störe mich nicht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.12.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.12.1.part1">immer heftig.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg431.2.12.part2"> O Himmel, deine Geduld! sie fehlt mir noch zu meiner Ungeduld.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.13.part2"> Fernand – in mir ist eine fürchterliche Sanftmut, und eine große Ruhe schlummert in mir – wecke sie nicht.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.14.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.14.part2"> Der große Riese Faulheit schläft in dir – o den erwecken Kanonen nicht – und wahrlich, ich möchte es, es ist mir recht zum Totschlagen – o brave, fabelhafte Zeit! wo bist du? Ich möchte Alt- Kastilien von ein halb Dutzend Lindwürmer säubern.</p>
                                    <pb n="258" xml:id="tg431.2.15"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.16.part2"> Fernand! du bist es, der alles verdorben hat; du hast durch deinen Vorwitz der Mädchen Ehre gekränkt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.17.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.17.part2"> Brav, ich habe deiner Göttin Ehre gekränkt – laß es eine Herausforderung sein!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.18.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.18.part2"> Ich fordre keinen Menschen mehr heraus, und wisse es, von mir ist ebenso in Zukunft nichts zu fordern – das ist vorbei!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.19.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.19.1.part1">heftig.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg431.2.19.part2"> Vorbei? Vorbei? Ins Teufels Namen seis vorbei! In mir brennt helle Wut – o Ponce, ich bitte dich, laß dich erbittern!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.20.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.20.part2"> Erbittern wird dein Zorn mich nie. So laß mich ruhn! In meinem Herzen ist ein wunderbares Leben, meine Liebe wird zu Grabe getragen, und alle guten Wunsche meiner Seele wandeln mit. Sei ruhig, Aquilar, o! störe nicht den feierlichen Zug. Bald wirds vorüber sein, dann bin ich einer wie die andern alle, habe weiter keine Sehnsucht mehr, mein Leben hinzupflanzen in seinen eignen Boden, wo es nur gedeiht; dem ersten Besten gebe ich mich hin, und sollte nicht der König und sein Land das <hi rend="spaced" xml:id="tg431.2.20.1.part2">erste Beste</hi> sein?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.21.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.21.1.part1">spottend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg431.2.21.part2"> Bei Gott! das ist erbaulich – so wollte ich doch lieber vor Liebchens Tür erfrieren! Höre, Ponce, hast du dir auch schon einen Hund gekauft, der sich auf des Helden Grab zu Tode hungert?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.22.part2"> Der Liebe Haus hat keine Tür als Auf- und Untergang. Den Hund? Ich werde mir ihn kaufen, um jenen auf das Maul zu schlagen, die von Freundschaft sprechen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.23.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.23.part2"> Brav, es wird, es wird! Das war bitter –<hi rend="italic" xml:id="tg431.2.23.1.part2"> Sieht an die Statue.</hi> Da liegen ja auch Pfeifen, um die Liebe auszupfeifen; gieb Achtung, Freund, ich blase deiner Liebe einen Leichenmarsch.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.24.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.24.part2"> O lasse diese Pfeifen ruhn, denn sie regieren diese Welt. – Auspfeifen kannst du die Liebe nimmer, da jeder Ton die Liebe ist, welche den Mensch auspfeift.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.25.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.25.part2"> Die Pfeifen regieren die Welt? So habe ich denn endlich die Welt unter den Fingern, ich will mich rächen und sie an falschen Tönen verzweifeln lassen – <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.25.1.part2">Nimmt die Pfeife.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.26.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.26.part2"> Lasse ab, ich bitte dich; wer nicht liebt, versteht die Töne nicht, – o blase nicht! <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.26.1.part2">Aquilar lamentiert auf der Pfeife.</hi> 
                                       <pb n="259" xml:id="tg431.2.26.2.part2"/>
O höre auf, gieb unsrem stummen Mißton keine Worte! <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.26.3.part2">Aquilar dudelt fort.</hi> Ich bitte, Aquilar, hör auf! o laß den Riesen meines Unmuts schlummern – ich sage dir, du erbitterst mich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.27.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.27.part2"> So habe ich das Mittel doch gefunden – ei, ich wäre doch begierig, das zu sehn – dein Übel wäre also nichts als die schlummernde Disharmonie. <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.27.1.part2">Dudelt und läuft um die Statue herum.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.28.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.28.1.part1">erbittert, läuft ihm nach.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg431.2.28.part2"> Ich sage, steh, du empörst mich – <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.28.2.part2">Steht.</hi> O Gott! o Isidora! – warum hat dieser Tor dich von mir gewendet? Höre auf! –<hi rend="italic" xml:id="tg431.2.28.3.part2"> Aquilar auf der andern Seite dudelt fort.</hi> O alle Mächte, infamer Mensch, stehe still, du rennst in meinen Degen! <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.28.4.part2">Er zieht.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.29.part1">AQUILAR</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.29.1.part1">wirft die Pfeife weg und zieht.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg431.2.29.part2"> Gut! so wollt ich dich, zwei Leben vor der Klinge – <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.29.2.part2">Fechten.</hi> Komm, braver Ponce! laß unsrer Liebe ein Ende machen – <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.29.3.part2">Fällt aus.</hi> Isidora, ich bohre ein Loch in deine Residenz, daß du herauskannst!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.30.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.30.part2"> Melanie, dein schlechter Tempel stürze über dir zusammen. <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.30.1.part2">Fechten.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.31.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg431.2.31.part2"> Du fichst so matt; warte, ich will dich reizen. <hi rend="italic" xml:id="tg431.2.31.1.part2">Springt hinter die Statue, nimmt die Pfeife in den Mund und ficht dudelnd.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg431.2.32.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg431.2.32.part2"> Teufel – !</l>
                                    <lb xml:id="tg431.2.33"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg432" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/12. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>12. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg432.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg432.2.1">Zwölfter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg432.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg432.2.4.1">Valeria, Lucilla, Valerio; geharnischt, alle mit langen Hellebarten und geschloßnem Visier, letzterer sehr abenteuerlich. Valerio und Lucilla schlagen mit den Spießen zwischen die beiden, Aquilar entfällt die Pfeife, Valeria reißt Ponce zurück.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg432.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.6.part2"> Wollt ihr Ruhe haben! – Schöner Trost, wenn die Besatzung uneins wird!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.7.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.7.part2"> Wendet euren Mut gegen die Feinde an.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.8.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.8.part2"> Alle gute Geister loben Gott den Herrn! O weh, Rittergespenster – sie handeln mit alt Eisen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.9.part2"> Was soll die Maskerade?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.10.part2"> Besser das alte Eisen als das kalte.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.11.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.11.part2"> Da waren wir eben dran.</l>
                                    <pb n="260" xml:id="tg432.2.12"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.13.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.13.part2"> Wir sind Freunde; kommt herauf, das Schliß zu verteidigen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.14.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.14.part2"> Gegen wen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.15.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.15.part2"> Sie wollen uns als Ratzengift gebrauchen; du weißt, es sind viele Mäuse hier im Schlosse!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg432.2.16.part2"> Spottet nicht – Ihr wißt, Don Felix, Euer Freund, hat seine entführte Braut hier und ist weggeritten, einen Prediger zu holen; nun aber ist ein Überfall von dem andern Bräutigam und der Familie zu erwarten, und wir verteidigen das Schloß.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.17.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.17.part2"> Ihr seid wohl die Nachtwächter aus der Gegend?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.18.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg432.2.18.part2"> Nein, unsres Herrn Don Felix treue Diener! Nachtwächter sind keine hier im Schlosse, sonst würden gewisse Unordnungen nicht begangen worden sein; doch wir fordern euch auf, eures Freundes Sache zu verteidigen!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.19.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.19.part2"> Er stichelt auf uns.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.20.part1">DIENER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg432.2.20.1.part1">außer Atem gelaufen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg432.2.20.part2"> Ich sehe Staub, und Leute zu Pferde!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.21.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.21.part2"> Hast du die Zugbrücken gleich herabgelassen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.22.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.22.part2"> Ach! ich hätte es ja gern getan, wenn nur welche da wären; die Tore habe ich aber zugemacht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.23.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.23.part2"> Nun stelle dich ans Hintertürchen, und fragt einer unsrer Freunde nach mir, so rufe mich.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.24.part1">DIENER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.24.part2"> Verzeiht, wer seid Ihr denn?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.25.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.25.part2"> Ich stelle den geharnischten Hausmeister vor. <hi rend="italic" xml:id="tg432.2.25.1.part2">Diener ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.26.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg432.2.26.1.part1">nimmt seinen Degen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg432.2.26.part2"> Bringt mich vor die Türe Lucillens!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.27.part1">LUCILLA UND VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.27.part2"> Wir sind ihre Diener, wir werden mit Euch hingehen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.28.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg432.2.28.part2"> Ich werde vor das Tor gehen und ihnen wie ein mörderischer Sphinx, der diese Burg bewacht, halsbrechende Rätsel aufzubeißen geben.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.29.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg432.2.29.part2"> Es kam auch gar zu schnell – ich muß geschwinde die Hülfstruppen zusammenblasen –<hi rend="italic" xml:id="tg432.2.29.1.part2"> Nimmt ein Kuhhorn.</hi> Geht nur, geht – nehmt die Pfeifen mit – <hi rend="italic" xml:id="tg432.2.29.2.part2">Bläst wie ein Kuhhirt.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.30.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.30.part2"> Ihr wollt doch nicht erst jetzt die Herden eintreiben lassen?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg432.2.31.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg432.2.31.part2"> Fort, fort! <hi rend="italic" xml:id="tg432.2.31.1.part2">Alle ab mit den Instrumenten bis auf Valerio.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="261" xml:id="tg432.2.32"/>
                                    <lb xml:id="tg432.2.33"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
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                        <div subtype="work:no" xml:id="tg433" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/13. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>13. Auftritt</title>
                              </desc>
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                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg433.2.1">Dreizehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg433.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg433.2.4.1">Valerio bläst: ut, ut, ut. – Der Schulmeister Alonso, hinter ihm der dicke Pfeifer und magre Geiger, dann die übrigen Musikanten, alle mit Seitengewehr aus der linken Kulisse, dem Walde; der Geiger nagt an einem Bratenknochen.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg433.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.6.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.6.part2"> Ich stelle Euch hier meine Familie vor; sucht sie zu verwenden, wie Ihr könnt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.7.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.7.part2"> Macht fort, kauet aus, und laßt die Knochen hier!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.8.part1">PFEIFER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.8.part2"> Wenn die Knochen hierbleiben sollen, werde ich wohl allein mitgehen müssen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.9.part1">GEIGER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.9.part2"> Schweige still, du Blasbalg!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.10.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg433.2.10.part2"> Blasbalg, schweige still, und Knochen, schweige still! Aber lege deine Knochen ab, du bist zu rachsüchtig! Weil du kein Fleisch auf den Rippen hast, meinst du an einem andern ehrlichen Knochen dürftest du keines lassen. Kommt!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.11.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg433.2.11.part2"> Nun, wie sollen wir uns verhalten? Seht, diese sind die Lautenisten, und diese die Biskaiyer, die können gut zuschlagen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.12.part1">PFEIFER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.12.part2"> Ja, Trumpf, mit der Karte auf den Tisch beim Spiele.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.13.part1">GEIGER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.13.part2"> Kannst du dein Maul nicht halten?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.14.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.14.part2"> Still, ihr habt immer etwas!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.15.part1">PFEIFER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.15.part2"> Er? Er hat sein Lebtage nichts, er versäuft alles.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.16.part1">ALONSO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg433.2.16.part2"> Das war gesalzen, das war gesalzen; da trinkt es sich gut drauf.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg433.2.17.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg433.2.17.part2"> Kommt, und wenn ihr nicht ruht, so zwinge ich den Knochen, dich Pfeifer aufzuessen, dann wird er eine Karbonade. <hi rend="italic" xml:id="tg433.2.17.1.part2">Alle ab.</hi>
                                    </p>
                                    <lb xml:id="tg433.2.18"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg434" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/14. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>14. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg434.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg434.2.1">Vierzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg434.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.4.1">Ein großer Vorsaal im Schloß, rings Türen.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg434.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.5.1">Ponce, Lucilla, Valeria.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg434.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.7.part2"> So wolle Ihr dann wirklich geharnischt bleiben, Lucilla?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.8.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.8.part2"> Ja, ich und meine Kammerfrau, wir sind so sichrer, und mitten im Getümmel vermutet man mich nicht.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.9.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.9.part2"> Aber was war denn die Ursache Eures Gefechts?</l>
                                    <pb n="262" xml:id="tg434.2.10"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.11.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.11.part2"> Berührt die Wunde nicht! Ich gehe einen Augenblick nach meiner Stube. <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.11.1.part2">Links in eine Türe.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.12.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.12.part2"> Dieser Mann ist sehr niedergeschlagen, er ist ein edler Mann.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.13.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.13.part2"> Liebt ihn Isidora nicht?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.14.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.14.part2"> Sie liebt ihn, aber weiß nicht, wer er ist.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.15.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.15.1.part1">kömmt aus der Stube, sein Testament in der Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg434.2.15.part2">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.15.1.part2"> Zu Lucillen.</hi> Meine Dame, verkennet meinen Unmut nicht, es ist nicht Mutlosigkeit – ich habe viel verloren, – dies ist mein Testament – ich stelle es Eurer Gesellschafterin zu. <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.15.2.part2">Giebt es Valerien.</hi> Sollte ich im Kampfe fallen, und solltet Ihr, Lucilla, eines andern als meines Freundes Felix werden, <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.15.3.part2">Zu Valerien.</hi> so werdet Ihr es Don Felix einhändigen, daß er es vollziehe!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.16.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.16.part2"> Euer Testament?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.17.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg434.2.17.part2"> Ich bin ohne Liebe, Freundin, und dem Untergange nah. Was soll das Gold? Denn ohne Liebe ist ja kein Besitz; doch ich höre Getöse – <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.17.1.part2">Lucilla und Valeria treten hinter ihn vor die Türe rechts.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.18.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.18.part2"> In dieser Stube, soll es scheinen, sei Lucilla.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.19.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.19.part2"> Gut, ich stehe hier mit bloßer Klinge!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.20.part1">LUCILLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg434.2.20.part2"> Das klingt so fürchterlich um ein Mädchen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.21.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg434.2.21.part2"> Um das Weib klingt es allein, die Liebe ist allein im Weibe, die Liebe allein ist Klang, und ohne sie ist alles stumm, auch Ponce wird bald verstummen.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.22.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg434.2.22.1.part1">aus der Fülle des Herzens.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg434.2.22.part2"> Du armer Ponce!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg434.2.23.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg434.2.23.part2"> O wie das klang! von Euren Lippen; Ihr wißt nicht, liebe Jungfrau, welche Stimme der Euren gleicht – o Valeria! wie denke ich dein! – sie kommen!</p>
                                    <lb xml:id="tg434.2.24"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg435" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/15. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>15. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg435.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg435.2.1">Funfzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg435.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.4.1">Die Vorigen, Valerio, Alonso, die Musikanten.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg435.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg435.2.6.part2"> Brav, brav, ihr Kinder, das sieht tapfer drein, – <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.6.1.part2">Zu den Musikanten.</hi> ihr verteilt euch links und rechts in die Stuben, und wer von den Feinden hineinkömmt, den faßt ihr! Diese beiden Stuben stellen gleichsam Mausefallen vor.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.7.part1">GEIGER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg435.2.7.part2"> So müßt Ihr den Pfeifer in Stocke reißen, denn die Mäuse gehen nur nach Speck.</l>
                                    <pb n="263" xml:id="tg435.2.8"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.9.part1">PFEIFER.</speaker>
                                    <l xml:id="tg435.2.9.part2"> Der Geiger wird wie eine hungrige Katze die Mäuse fangen, um etwas in den Leib zu kriegen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.10.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.10.1.part1">schiebt den Pfeifer und einige andere in die Stube rechts.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg435.2.10.part2"> Hier ist also die Mausefalle. Wenn ich mit dem Fuß stampfe, wißt ihr, was ihr zu tun habt – <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.10.2.part2">Schiebt den Geiger und die andern in die Stube links.</hi> und hier ist also die Mausekatze; wenn ich das Zeichen mit dem Fuße gebe, so wißt ihr, was ihr zu tun habt.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.11.part1">DIENER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.11.1.part1">kommt.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg435.2.11.part2"> Es hat sich am Hinterpförtchen eine alte Zigeunerin eingefunden, sie will mit Euch sprechen; sie sagt, sie bringe dem Hause Frieden.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.12.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg435.2.12.part2"> Gehe hinab, Adjudant, und ist sie kein Spion, so bringe sie herauf! Man muß den Finger Gottes achten, sonst schlägt er einem auf die Pfoten. <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.12.1.part2">Valeria und Diener ab.</hi> So könnte dann der Feind in Gottes Namen kommen!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg435.2.13.part2"> Ich bin bereit.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.14.part1">DIENER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.14.1.part1">stürzt herein.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg435.2.14.part2"> Ach, um Gottes willen! um Gottes willen! sie kommen, sie kommen! alle durchs Hinterpförtchen herein.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.15.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg435.2.15.part2"> Schurke, packe dich, halt sie auf, da sollten sie ja nicht herein! <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.15.1.part2">Diener ab.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg435.2.16.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg435.2.16.part2"> Ruhig, ich empfange sie. <hi rend="italic" xml:id="tg435.2.16.1.part2">Geht gegen die Tür.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg435.2.17"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg436" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/16. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>16. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg436.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg436.2.1">Sechszehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg436.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.4.1">Getöse.</hi>
                                 </stage>
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg436.2.5">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.5.1">Vorige, ein Ritter mit einer Maske, in einem schönen reichen Kleide, mehrere Edelleute mit ihm.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg436.2.6"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.7.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.7.1.part1">gelassen entgegen.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg436.2.7.part2"> Steht! was ist Euer Begehr? daß Ihr so ungezogen in ein fremdes Haus dringt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.8.part1">RITTER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.8.1.part1">heftig.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg436.2.8.part2"> Ungezogen Ihr selbst! Ich komme mit gezogenem Degen, ich komme nicht ungezogen – ich komme in kein fremdes Haus, ich komme, meine Braut zu holen – Donna Lucilla, die Don Felix de Sarmiento mit Gewalt entführte – ich habe den Willen der Mutter.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.9.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.9.1.part1">gelassen.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg436.2.9.part2"> Ihr könnt den Willen der Mutter nicht heiraten, Lucilla will Euch nicht – Ihr holt hier keine Braut – den Tod könnt Ihr hier nur holen.</p>
                                    <pb n="264" xml:id="tg436.2.10"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.11.part1">RITTER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.11.1.part1">ironisch.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg436.2.11.part2"> Seid Ihr vielleicht mein Tod? Ha ha, ein galanter Tod, willkommen, Tod!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.12.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.12.1.part1">steigend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg436.2.12.part2">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.12.1.part2"> – Valeria tritt im Hintergrund herein.</hi> Willkommen, Tod! Ihr seid der meine, oder ich der Eure, das werden unsre stählernen Zungen aussprechen – laßt ab und geht zurück! <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.12.2.part2">Bedeutend.</hi> Ich schwöre Euch, wir holen beide keine Bräute hier – steht ab! Ihr wißt nicht, wen Ihr vor Euch habt – <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.12.3.part2">Traurig.</hi> Ich bin zu sterben willens – ich wage alles – nehmt Euch in acht – o Isidora!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.13.part1">RITTER</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.13.1.part1">steigend.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg436.2.13.part2"> So wende ich dann Euer Wort – ich wage alles – ich bin zu sterben willens – o Lucilla! Nein, ich kann nicht lügen – ich spreche laut – o Valeria! <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.13.2.part2">Steigend.</hi> Ficht, Ponce! – ich bin Porporino – ich sterbe hier – wo ist Valeria? wo? ficht! <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.13.3.part2">Er dringt auf ihn ein, Ponce wirft den Degen hin, Valeria reißt Porporino zurück.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.14.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.14.1.part1">auf ihn zu.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg436.2.14.part2"> Du, du bist es! Was sprachst du? Valeria! wo ist sie?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.15.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg436.2.15.part2"> Nirgends, in ganz Sevilla nicht!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg436.2.16.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg436.2.16.part2"> Ach, ach! <hi rend="italic" xml:id="tg436.2.16.1.part2">Läuft ab.</hi>
                                    </l>
                                    <lb xml:id="tg436.2.17"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg437" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/17. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>17. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg437.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg437.2.1">Siebenzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg437.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg437.2.4.1">Vorige, Isabella mit Isidora und Melanie.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg437.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg437.2.6.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg437.2.6.1.part1">der verwirrt stand, läuft auf sie zu.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg437.2.6.part2"> O Gott! Ihr, Ihr! o Isidora, zu dieser Stunde?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg437.2.7.part1">ISABELLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg437.2.7.1.part1">zurückweisend.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg437.2.7.part2"> Ruhig, mein Herr! erwartet!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg437.2.8.part1">PORPORINO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg437.2.8.1.part1">faßt Ponce.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg437.2.8.part2"> Wo ist Valeria – he, Mensch! – wo ist sie?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg437.2.9.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg437.2.9.1.part1">drängt ihn bescheiden zurück.</hi>
                                    </stage>
                                    <p xml:id="tg437.2.9.part2"> Auf Ehrenwort, lieber Porporino, ich weiß es nicht; doch schwöre ich, ich suche sie mit dir am Ende der Welt!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg437.2.10.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg437.2.10.part2"> Genug, wenn Ihr es nicht wißt; Ihr wärt imstande und liebtet sie wieder!</l>
                                    <pb n="265" xml:id="tg437.2.11"/>
                                    <lb xml:id="tg437.2.12"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg438" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/18. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>18. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg438.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg438.2.1">Achtzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg438.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg438.2.4.1">Vorige, Valerio und eine alte Zigeunerin mit einer großen Pelzmütze.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg438.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg438.2.6.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg438.2.6.part2"> Beruhigt euch, hier ist ein Weib, die uns alles lösen will.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg438.2.7.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg438.2.7.part2"> Hier ist keine Zeit zum Scherz – sag, Porporino.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg438.2.8.part1">ZIGEUNERIN</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg438.2.8.1.part1">in der Mitte.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg438.2.8.part2"> Zerhaut mich in Stocke, wenn ich nicht helfe, ihr habt mich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg438.2.9.part1">VIELE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg438.2.9.part2"> Das läßt sich hören!</l>
                                    <lb xml:id="tg438.2.10"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg439" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/19. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>19. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg439.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg439.2.1">Neunzehnter Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg439.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg439.2.4.1">Vorige; Aquilar führt Donna Juanna herein.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg439.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.6.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <p xml:id="tg439.2.6.part2"> Wie, hier ist der Feind schon, ich habe einstweilen einen alten Spion gefangen – <hi rend="italic" xml:id="tg439.2.6.1.part2">Sieht Melanie, geht auf sie los.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.7.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg439.2.7.1.part1">zieht ihn zurück.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg439.2.7.part2"> Ruhig, wir sind hier am Vergleich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.8.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <p xml:id="tg439.2.8.part2"> Aber Gott und Herr, welche Verwirrung, welch Getöse, die Herren alle, präsentiert doch Stühle! <hi rend="italic" xml:id="tg439.2.8.1.part2">Man setzt ihr einen Stuhl.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.9.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg439.2.9.part2"> Sitzt und schweigt!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.10.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg439.2.10.part2"> Welche Redensarten! Bin ich unter Christen, ich, mich, Donna Juanna, Grazia, Gabriele?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.11.part1">AQUILAR UND ANDERE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg439.2.11.part2"> Schweigt, still, still! sprich, Zigeunerin!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.12.part1">ZIGEUNERIN</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg439.2.12.1.part1">zählt die Anwesenden.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg439.2.12.part2"> Es fehlt noch einer.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg439.2.13.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg439.2.13.part2"> Don Felix ist es.</l>
                                    <lb xml:id="tg439.2.14"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                        <div subtype="work:no" xml:id="tg440" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/5. Akt/20. Auftritt">
                           <div>
                              <desc>
                                 <title>20. Auftritt</title>
                              </desc>
                           </div>
                           
                           <div type="text" xml:id="tg440.2">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg440.2.1">Zwanzigster Auftritt</head>

                                 
                                 
                                 <stage rend="zenoPC" xml:id="tg440.2.4">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.4.1">Vorige, Don Felix und der Prediger.</hi>
                                 </stage>
                                 <lb xml:id="tg440.2.5"/>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.6.part1">FELIX.</speaker>
                                    <p xml:id="tg440.2.6.part2"> Welche Menge! mit gezogenem Degen! Wo ist mein Nebenbuhler? – wo ist Lucilla? <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.6.1.part2">Er zieht.</hi> Was soll das alte Weib in der Mitte? Donna Isabella, auch Ihr, was soll das?</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.7.part1">ISABELLA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.7.part2"> Dort steht der Prätendent.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.8.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.8.part2"> Porporino, du? Es ist nicht möglich!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.9.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.9.part2"> Seid ruhig!</l>
                                    <pb n="266" xml:id="tg440.2.10"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.11.part1">ALLE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.11.part2"> Schweigt, laßt die Zigeunerin sprechen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.12">ZIGEUNERIN.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.13">Wenn Schwarz in Eisen sich verhüllt</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.14">Und weiß aus diesem Eisen kehrt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.15">Hat sich ein freundlich Herz enthüllt</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.16">Und jeder hat, was er begehrt.</l>
                                    </lg>
                                    <lb xml:id="tg440.2.17"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.18">Wenn aus dem Pelz ein Herrscher steigt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.19">Der jedem wieder nehmen kann,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.20">Was die Entwicklung ihm gereicht,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.21">So wird aus einem Weib ein Mann.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.22.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.22.part2"> Was soll das?</l>
                                    <lb xml:id="tg440.2.23"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.24">Wenn Schwarz in Eisen sich verhüllt</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.25">Und weiß aus diesem Eisen kehrt –</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.26">PORPORINO.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.27">Hat sich ein freundlich Herz enthüllt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.28">Und jeder hat, was er begehrt!</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.29.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.29.part2"> Schafft das Eisen weg, alle weg!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.30.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.30.1.part1">tritt in die Mitte, nimmt den Helm ab, sie ist wieder weiß.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.31.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.31.part2"> Jesus – Valeria – ach, mein Kind!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.32.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.32.part2"> O Valeria, Valeria! <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.32.1.part2">Umarmung.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.33.part1">PONCE.</speaker>
                                    <p xml:id="tg440.2.33.part2"> Valeria, du, du warst die Mohrin selbst – o Engel!</p>
                                    <p xml:id="tg440.2.34">ISIDORA, MELANIE <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.34.1">umarmung.</hi> Flammetta, Engel, du, du bist das Bürgermädchen – du Valeria! <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.34.2">Freudengetümmel um sie.</hi>
                                    </p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.35.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.35.part2"> Laßt mich, ich will euch noch alles erklären – ach, die Freude – willkommen, alle, alle!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.36.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.36.part2"> Deswegen hast du es so natürlich gemacht – ei, mich so anzuführen!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.37.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l xml:id="tg440.2.37.part2"> Und mir die Angst einzujagen!</l>
                                       <l xml:id="tg440.2.38">ISIDORA, MELANIE. So seid <hi rend="spaced" xml:id="tg440.2.38.1">Ihr</hi> Ponce! <hi rend="spaced" xml:id="tg440.2.38.2">Ihr</hi> Aquilar! in Zukunft seid artiger, Herr Pilger!</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.39.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.39.part2"> Wir sind es selbst – verzeiht der Leidenschaft – Valeria, o du Engel!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.40.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.40.part2"> Ei, laßt sie – bist du mein – ganz mein?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.41.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.41.part2"> Ja, ja!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.42.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.42.part2"> O, ich verzeihe dir alles!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.43.part1">VALERIO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.43.part2"> Hat sich was zu verzeihen; ei, du Kind – du Tausendkind!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.44.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.44.part2"> Aber wo ist Lucilla – um Gottes willen! wo ist sie?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.45.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.45.1.part1">entmaskt.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg440.2.45.part2"> Hier! <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.45.2.part2">Umarmt ihn.</hi>
                                    </l>
                                    <pb n="267" xml:id="tg440.2.46"/>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.47.part1">ZIGEUNERIN.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.47.part2"> Still!</l>
                                    <lb xml:id="tg440.2.48"/>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.49">Wenn aus dem Pelz ein Herrscher steigt,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.50">Der jedem wieder nehmen kann,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.51">Was die Entwicklung ihm gereicht,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.52">So wird aus einem Weib ein Mann.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.53.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.53.1.part1">nimmt ihm den Pelz ab.</hi>
                                    </stage>

                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.54.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.54.part2"> Der Automate, der Ritter, der uns herschickte –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.55.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.55.part2"> Der mich zur Entführung beredete –</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.56.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l xml:id="tg440.2.56.part2"> Ist dein Vater!</l>
                                       <l xml:id="tg440.2.57">FELIX, ISIDORA, MELANIE <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.57.1">umarmung.</hi> Vater! lieber Vater! Ihr, ach! lieber Vater! usw.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.58.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.58.part2"> Don Sarmiento, geliebter Bruder! <hi rend="spaced" xml:id="tg440.2.58.1.part2">o </hi> 
                                       <hi rend="spaced" xml:id="tg440.2.58.2.part2">dios!</hi> welche Verwirrung!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.59.part1">PONCE.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.59.part2"> Ihr habt uns zu Euren Töchtern geschickt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.60.part1">AQUILAR.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.60.part2"> Steht für die Leidenschaft, Ihr habt uns verführt.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.61.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg440.2.61.part2"> Ruhig, nun kömmt erst was ganz Neues! Isabella, Lucilla, Porporino! <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.61.1.part2">Sie treten herbei.</hi> Hier, Lucilla, ist dein Bruder: Porporino ist mein Sohn!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.62.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.62.part2"> Euer Sohn?</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.63.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.63.part2"> Vater, Vater, Ihr seid es selbst! o, nicht mehr Findelvater!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.64.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg440.2.64.part2"> Isabella ist dein Mutter, und nun mein Weib! Ich schickte sie als meine Schwester her, damit ihr eure Mutter kennen lerntet.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.65.part1">JUANNA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.65.part2"> Ei, wegen dem Unsinn mich ins Blaue hineinzujagen! Am Ende bin ich auch jemandes Kind!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.66.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.66.part2"> Ich beredete dich, Felix, Lucillen zu entführen, um dich aus der Zärtlichkeit zu jagen.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.67.part1">LUCILLA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.67.1.part1">Isabellen an der Hand.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg440.2.67.part2"> Und ich wußte alles, stellte mich nur so, die Mutter war auch unterrichtet.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.68.part1">FELIX.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.68.part2"> Habe ich dich doch!</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.69.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.69.part2"> Porporino, da du Ritter bist, willst du mich noch? <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.69.1.part2">Er umfängt sie lächelnd.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.70.part1">SARMIENTO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg440.2.70.part2"> Isidora, liebst du Ponce? Ponce, liebt Ihr Isidora?</p>
                                    <p xml:id="tg440.2.71">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.71.1">Stehen einander gegenüber, schlagen die Augen nieder, Ponce kniet – Isidora hebt ihn auf.</hi> Melanie, liebst du Aquilar? Aquilar, liebst du Melanie?<hi rend="italic" xml:id="tg440.2.71.2"> Beide ebenso.</hi> Lucilla, liebst du Felix? Felix, liebst du Lucillen? <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.71.3">Beide ebenso.</hi> Isabella, wir <pb n="268" xml:id="tg440.2.71.4"/>
lieben uns, so sage ich dann das Letzte – Aquilar, Ponce, ich verspreche euch meine Kinder, lernt sie näher kennen, und rührt euch für das Vaterland!</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.72.part1">VALERIA.</speaker>
                                    <l xml:id="tg440.2.72.part2"> Don Ponce, hier, nehmt Euer Testament, – wißt, ich war es, die Ihr vor dem Schlosse umarmtet.</l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.73.part1">PORPORINO.</speaker>
                                    <p xml:id="tg440.2.73.part2"> Don Ponce, ich war der Schneider und Maler; Duca Aquilar, ich war der Arzt, und habe Euch Eure Bestechungsdukaten in die Pastete gebacken.</p>
                                    <p xml:id="tg440.2.74">PONCE, AQUILAR. Wir sind glücklich.</p>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.75.part1">VALERIA</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.75.1.part1">zu Porporino.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg440.2.75.part2"> Sei nicht böse. <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.75.2.part2">Küßt Ponce.</hi>
                                    </l>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.76.part1">PONCE</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.76.1.part1">singt.</hi>
                                    </stage>

                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.77">Wenn das Leben nicht hinaus mich triebe,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.78">Nicht nach Ferne Sehnsucht mich verzehrte,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.79">Blieb ich dir, du Heimat meiner Liebe,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.80">Die mich scherzen, tändeln, küssen lehrte.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.81">VALERIA.</speaker>
                                    <lg>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.82">So sei dann feierlich entbunden!</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.83">Wie dieses Kusses Feuer leicht verglühet,</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.84">So schlossen sich der frühen Liebe Wunden</l>
                                       <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg440.2.85">Und neue schönre Liebe ist erblühet.</l>
                                    </lg>
                                 </sp>
                                 <sp>
                                    <speaker xml:id="tg440.2.86.part1">VALERIO</speaker> 
                                    <stage>
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.86.1.part1">stampft mit dem Fuß.</hi>
                                    </stage>
                                    <l xml:id="tg440.2.86.part2">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.86.1.part2"> Laut.</hi> Laßt es euch gefallen!</l>
                                    <lb xml:id="tg440.2.87"/>
                                    <stage rend="zenoPC" xml:id="tg440.2.88">
                                       <hi rend="italic" xml:id="tg440.2.88.1">Die Musikanten treten, links und rechts, spielend hervor. – Alle schließen einen Kreis; Porporino und Valeria in der Mitte tanzen Solo, die andern um sie her.</hi>
                                    </stage>
                                    <lb xml:id="tg440.2.89"/>
                                 </sp>
                              </div>
                           </div>
                        </div>
                     </div>
                     <div subtype="work:no" xml:id="tg441" n="/Literatur/M/Brentano, Clemens/Dramen/Ponce de Leon/Zugabe">
                        <div>
                           <desc>
                              <title>Zugabe</title>
                           </desc>
                        </div>
                        
                        <div type="text" xml:id="tg441.2">
                           <div type="h4">
                              <head type="h4" xml:id="tg441.2.1">Zugabe</head>
                              
                                 <pb n="269" xml:id="tg441.2.2.1"/>
                              
                              
                           </div>
                           <div type="h4">
                              <head type="h4" xml:id="tg441.2.4">Zugabe</head>

                              <sp>
                                 <speaker xml:id="tg441.2.5">VALERIA.</speaker>
                                 <lg>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.6">Noch einmal trete schüchtern ich hervor –</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.7">Ich schäme mich, so ganz allein vor euch</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.8">Und ohne Vater oder Freund zu reden.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.9">O wär ich von dem Harnisch noch umgeben,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.10">Geschlossen das Visier, ich wäre kühner!</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.11">Die andern sagten, einem guten Mädchen</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.12">Wird wohl der Leser leichter es verzeihen</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.13">Als uns, die nicht nach jedes Menschen Wunsch,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.14">Nur wunderliche, bunte Leute sind,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.15">Und selbst Juanna, die von Schicklichkeit</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.16">Und dem, was Damen wohl geziemen mag,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.17">Seit langen Jahren viele Fälle kennt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.18">Spricht, daß es wohl in meiner Rolle liegt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.19">Wenn ich, die alle heut beglückte, auch</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.20">Noch einem fernen Freunde Freude mache,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.21">Der unter euch, ihr lieben Leser, uns</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.22">Der Liebste ist, weil er sich unsichtbar</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.23">In unsrer Abenteuer Schicksal mischte.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.24">O! fragt mich nicht, wer dieser Ferne sei,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.25">Denn erstens hat man mir es selbst verschwiegen</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.26">Und dann muß auch dem Herzen, das den Freund</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.27">Sich in dem Zauberspiegel gütger Phantasie</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.28">So nahe wähnt, die Frage schmerzlich sein,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.29">Die du aus deiner Wirklichkeit, o Leser,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.30">In seine Träume weckend rufst. Es geht</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.31">Nachtwandelnd der Verliebte auf dem Dach</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.32">So kühn nach seines Glückes Kammerfenster –</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.33">O! nenne seinen Namen nicht, du läufst Gefahr,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.34">Daß er vom Dache fallend auf dich fällt.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.35">So schweige dann, und laß den Freund mich grüßen,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.36">Der, als ich und die andern dieses Spiels</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.37">Des Lebens erste Szenen kaum erlebt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.38">Mit unserm Vater an der Wiege stand,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.39">Den Feen gleich, die gute Kinder wiegen.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.40">Da er bemerkt', wie Porporino, Ponce und ich</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.41">In wunderlicher Liebe Lieb und Streit</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.42">
                                       <pb n="270" xml:id="tg441.2.42.1"/>
Die Arme nacheinander streckten, uns nicht faßten,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.43">Da glaubte er, wir seien Drillinge</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.44">Und wurden zum Beschlusse ein Terzett</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.45">Vor unsrer unbekannten Mutter singen,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.46">Zu der er uns Juanna scherzhaft vorschlug.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.47">Doch waren wir ihm lieb, und unserm Vater,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.48">Der wegen unsrer eignen Art und Weise</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.49">In Sorgen oft und oft in Unmut lebte,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.50">Hielt lächelnd er die wilde Hand zurück,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.51">Die seine Schande in uns töten wollte.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.52">Du teurer Ferner sahst ihn lächelnd an,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.53">Und um dies Lächeln hat er damals schon</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.54">Sein ganzes Leben freudiger gefaßt.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.55">Dir dank auch ich, Valeria, das Leben.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.56">Du hast nach uns am Rheine ihn gefragt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.57">Wo du und Sonnenschein und froher Wein,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.58">Des Herzens harten Fels ihm tönen ließen.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.59">Wie weislich, Güt'ger, dort für uns zu bitten!</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.60">So zürne nicht, daß du uns so, nicht besser,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.61">Vor dich, Geliebter, kühnlich treten siehst!</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.62">Wir sind nur wild gewachsen, ohne Zucht;</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.63">Du hieltst den Vater fest, sich selbst erziehend</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.64">Für deine Liebe hat er uns versäumt –</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.65">Durch dich nur sind wir und durch uns nur so.</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.66">Auch laß mich, da du gütig zu mir blickst,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.67">Noch unter dieses gütgen Blickes Schutz</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.68">Die freudige Nachricht, Lieber, mit dir teilen!</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.69">Denk' unsre Freude; von derselben Schwelle</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.70">Und zu derselben Zeit geht in die Fremde</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.71">Von dir ein frohes, liederreiches Kind;</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.72">So sind wir dann zur Wanderschaft Gesellen,</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.73">Und wollen uns wie unsre Väter lieben;</l>
                                    <l rend="zenoPLm4n4" xml:id="tg441.2.74">O liebe mich, wie ihn, der dich nur liebt!</l>
                                 </lg>
                              </sp>
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