<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns:jxb="http://java.sun.com/xml/ns/jaxb" xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns:tns="http://textgrid.info/namespaces/metadata/core/2010" xmlns:tgl="http://textgrid.info/namespaces/metadata/language/2010" xmlns:tgs="http://textgrid.info/namespaces/metadata/script/2010" xmlns:tgr="http://textgrid.info/namespaces/metadata/agent/2010" xml:id="tg712" n="/Literatur/M/Gryphius, Andreas/Gedichte/Vermischte Gedichte/Auf die Christnacht">
   <teiHeader xmlns:fn="http://www.w3.org/2005/xpath-functions" xmlns:xi="http://www.w3.org/2001/XInclude" xmlns:a="http://www.textgrid.info/namespace/digibib/authors">
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Auf die Christnacht</title>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-1B3A-A</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:p8fs.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
                                   davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von
                                   www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons
                                   Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid) veröffentlicht. Die
                                   Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden
                                   allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen). </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode">Lizenzvertrag</ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
               </p>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title>Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke. Herausgegeben von Marian Szyrocki und Hugh Powell, Tübingen: Niemeyer, 1963.</title>
                  <author key="pnd:118543032">Gryphius, Andreas</author>
               </titleStmt>
               <extent>117-</extent>
               <publicationStmt>
                  <date when="1963"/>
                  <pubPlace>Tübingen</pubPlace>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date notBefore="1616" notAfter="1664"/>
         </creation>
         <textClass>
            <keywords scheme="http://textgrid.info/namespaces/metadata/core/2010#genre">
               <term>verse</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
   </teiHeader>
               <text>
                  <body>
                        
                           
                        
                        
                        
                        <div type="text" xml:id="tg712.3">
                           <div type="h4">
                              <head type="h4" xml:id="tg712.3.1">Auf die Christnacht</head>

                              <lg>
                                 <l xml:id="tg712.3.2">Die seelge Nacht der Wunsch der ersten Zeit</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.3">Des Hoffens Zweck/ des Lebens Zuversicht/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.4">Der Thränen Ziel/ das Pfand der Ewigkeit</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.5">Die alle Macht der Finsternüß zubricht;</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.6"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.7">Die schöne Nacht begrüst die müde Welt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.8">Die Adam hat in grimster Angst begehrt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.9">Als Gott ob ihm ein schweres Urtheil fällt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.10">Und ihn die Glut des rauen Gri is verzehrt.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.11"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.12">Die Nacht tritt ein/ nach welcher Heva rufft</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.13">Schon jenen Tag/ als sie den Garten ließ</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.14">Aus dem nach Angst nach Schmertzen Pein und Grufft</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.15">Der Schöpffer sie in langes Elend stieß.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.16"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.17">Die Nacht bricht an und bringt des Höchsten Kind</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.18">Mit in das Licht das GOTT und Licht von Licht</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.19">Doch als ein Mensch für aller Menschen Sünd</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.20">Sich opffert und vom Fluch uns ledig spricht.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.21"/>
                                 <pb n="117" xml:id="tg712.3.22"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.23">Die Schlang erschrickt/ der Grund der Höll erkracht:</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.24">Die Erdeni it des Weibes Saamen an:</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.25">Der Himmel reist; was hi ilisch singt und wacht/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.26">Weil der nun da/ der GOTT versöhnen kan.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.27"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.28">Weil der nun da/ der auf der Schlangen Haupt</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.29">Ob sie die Zähn auf seine Fersen wetzt</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.30">Ob schon der Gri i des Abgrunds raßt und schnaubt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.31">Den steiffen Fuß mit starcken Kräfften setzt.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.32"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.33">Weil der nun da/ der ihren Kopff zutritt</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.34">Und/ was uns hielt/ in Band und Ketten legt.</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.35">Weil der nun da/ der durch Verdienst und Bitt</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.36">Des Vatern Hertz zu erster Huld bewegt.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.37"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.38">Weil der nun da/ der uns des Himmels-Thor</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.39">Eröffnet/ und den Weg ins Leben weist/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.40">Durch den uns Gott vergönnt ein gnädig Ohr/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.41">Durch den uns Gott selbst seine Kinder heist.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.42"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.43">Weil der nun da/ der in mein Fleisch verhüllt</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.44">Mein Bruder ist und mir das Heil erwirbt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.45">Der Noth und Angst und Schmertz und Wehmuth stillt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.46">Ja selbst vor mich/ damit ich lebe/ stirbt.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.47"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.48">Willkommen Nacht! du Schmuck der letzten Zeit</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.49">Der müden Trost/ der Zweck begreister Jahr.</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.50">Willkommen Nacht! du Quell der Ewigkeit</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.51">Der Väter Wunsch/ Verlangen Heilger Schaar.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.52"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.53">Willkommen Fürst! du Mann/ du Horn/ du Port</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.54">Gewünschter Ruh/ du Trost der grossen Welt/</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.55">Des Abrahms Wonn/ und Jacobs Heil und Hort</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.56">Der Kirchen Haupt/ des Davids Sohn und Held.</l>
                              </lg>
                              <lg>
                                 <lb xml:id="tg712.3.57"/>
                                 <l xml:id="tg712.3.58">Du Kind und Herr/ der keuschen Jungfer Frucht</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.59">Messia/ Freund und Retter in der Noth;</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.60">Des Höchsten Wort/ und Uhrsprung heilger Zucht;</l>
                                 <l xml:id="tg712.3.61">Erlöser/ Felß; Willkommen Mensch und Gott!</l>
                              </lg>
                           </div>
                        </div>
                     </body>
               </text>
            </TEI>
