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            <title>Anderes Straff-Gedichte</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-1CFD-E</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:p90c.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke. Herausgegeben von Marian Szyrocki und Hugh Powell, Tübingen: Niemeyer, 1963.</title>
                  <author key="pnd:118543032">Gryphius, Andreas</author>
               </titleStmt>
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                  <pubPlace>Tübingen</pubPlace>
               </publicationStmt>
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                              <head type="h4" xml:id="tg719.3.1">Anderes Straff-Gedichte</head>
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                                 <p rend="zenoPLm16n16" xml:id="tg719.3.2">
                                    <seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg719.3.2.1">Futa frequensque via per amici fallere nomen.</seg>
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                              <lg>
                                 <l xml:id="tg719.3.4">Man fragt <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.4.1">Eugenie,</hi> woher es doch sey kommen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.5">Daß ich so einsam mir zu leben vorgenommen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.6">Daß mich ein todtes Buch/ ein rauher Wald ergetzt/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.7">Da <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.7.1">Thyrsis</hi> unterdeß von so viel Freunden schwätzt/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.8">Die mit gebeugtem Knie ihm schier die Füsse küssen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.9">Und biß nach Mitternacht vom Morgen ihn begrüssen.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.10">Die/ wenn er über Feld und über See wil gehn/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.11">Als Sclaven/ auf ein Wort/ ihm zu Gebote stehn.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.12">Was mag die Ursach seyn? man hat ja offt verspühret/</l>
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                                 <l xml:id="tg719.3.14">Das mich mein Dünckel nicht in mich allein verführet/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.15">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.15.1">Lisander</hi> kennt mich wol und <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.15.2">Cres</hi> rühmt iederzeit</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.16">Mein niemals falsches Hertz mit grosser Freundligkeit.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.17">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.17.1">Laocles</hi> spricht mir zu: und hat mich hoch gebethen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.18">Sein über-prächtig Haus was öffter zu betreten/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.19">Die grosse <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.19.1">Livia</hi> gönnt mir ein günstig Ohr/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.20">Man zeucht mich hier und dar nicht wenig andern vor.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.21">Man kennt und ehrt mich dort/ wo ich noch nie hinkommen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.22">Viel Seelen haben mich in ihren Bund genommen.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.23">Viel lieb' ich mehr denn mich und bin nicht selber mein/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.24">Dafern zu ihrem Nutz ich kan behülfflich seyn.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.25">Daß ich mich aber nicht mach' iedermann gemeine/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.26">Ist diß wol fragens werth? Viel besser gantz alleine/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.27">Als unter fremden Volck/ das untreu in der That/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.28">Und nichts denn lauter Treu auf falscher Zungen hat.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.29">Mit allen geh ich um. Ich werde nichts versagen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.30">Dafern es möglich ist. Man mag mich sicher fragen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.31">Ich wil mir lieber selbst als andern schädlich seyn.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.32">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.32.1">Eugenia</hi> ihr wisst den Ursprung meiner Pein.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.33">Doch daß ich allen stracks mein Hertze solt entdecken/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.34">Dünckt mich so rathsam nicht. Ehr wolt ich mich verstecken/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.35">In ein verwüstet Land/ in ein verlassen Feld.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.36">Wo ein verdorrter Baum sich an die Felsen hält/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.37">Der nun mit Fallen dräut. Dieweil in wenig Jahren/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.38">Ich/ was ein falscher Freund vor eine Last erfahren/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.39">Dieweil (wo denck ich hin?) dieweil ich offt erkannt/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.40">Wie man mit Eyden schertzt/ und mit dem Mund und Hand.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.41">Mit Aug' und Lippen lieg'/ ich wil euch nicht erzehlen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.42">Wie <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.42.1">Themison</hi> zu nechst ließ mein Gemach bestehlen.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.43">Wie treflich daß er schwur/ als der auf frischer Fahrt</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.44">Mit dem gefasten Raub von mir ergriffen ward.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.45">
                                    <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.45.1">Clearchus</hi> wie ihr wißt/ ist offt bey Nachte kommen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.46">Und hat nächst meiner Thür ein Stücklein vorgenommen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.47">Das auch den Feind verdroß/ um das ich in der Noth/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.48">In die er sich vertäufft ihm treuen Beystand both.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.49">Um daß ich Ursach bin daß man noch heut' ihn ehret/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.50">Doch diß ist Kinderwerck: Der/ der mich angehöret/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.51">Und mir durch Blut verknüpft; Was hat er nicht erdacht?</l>
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                                 <l xml:id="tg719.3.53">Hat er nicht für und für auf meinen Fall gewacht?</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.54">Wem hab' ichs/ daß ich steh' und ihm entgieng zu dancken?</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.55">O Schande! <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.55.1">Lælia</hi> begunte selbst zu wancken</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.56">Uns schlug mir Beystand ab; Er zog' und rieß zu sich</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.57">Was doch mein eigen war. <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.57.1">Beatrix</hi> hatte mich</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.58">Umsonst/ eh' als sie schied/ zu Erben eingesetzet/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.59">Das schöne Gold/ das ihr/ als sie der Todt verletzet/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.60">Noch um den zarten Halß und beyde Brüste hing/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.61">Der beyden Ohren Pracht/ und der so theure Ring</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.62">Ward/ als sie noch nicht kalt/ in einem nun verrücket!</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.63">Jetzt hat der Mann sein Weib und Kind damit geschmücket!</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.64">Schaut seine Kammern an: Was hier und dar zu sehn/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.65">Steht meines Vatern Geld. Ruffin der alle schmähn/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.66">Und keinen loben kan/ wird sich so schöne machen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.67">Dafern er zu mir kommt: Bald wird er hönisch lachen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.68">Und lästern was ich schrieb: Weil sein verfluchter Mund</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.69">(Trotzt diesem/ den es schmertzt) von mir mit gutem Grund</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.70">Nichts schändlichs sagen kan. Kein Tag' ist vor erblichen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.71">In welchem nicht Levin schier stündlich kam geschlichen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.72">Und seine Dienst' anboth. Biß er von mir erlangt</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.73">(Den er nunmehr nicht kennt) womit er pocht' und prangt.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.74">Da auch was mehr denn sonst/ die Taffel wird besetzet/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.75">Kommt <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.75.1">Tallus</hi> von sich selbst/ den guter Wein ergötzet/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.76">Und Speise frölich macht. Schleust man die Küchen zu/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.77">Denn hat mein Diener wohl für seinem klopffen Ruh.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.78">Sucht <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.78.1">Flaccus</hi> guten Rath/ ist <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.78.2">Crispus</hi> nicht bey Gelde/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.79">Darff <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.79.1">Celadon</hi> ein Buch/ den fragt man auf dem Felde/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.80">Den fragt man auf der Burg/ den fragt man in der Stadt/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.81">Biß dieser oder der mich angetroffen hat.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.82">Denn heiß ich Herr und Freund/ denn wil <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.82.1">Paulin</hi> sein Leben</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.83">Und <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.83.1">Celadon</hi> die Seel'/ und Habe vor mich geben.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.84">So bald man ohne mich den Wagen führen kan/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.85">Denn sieht mich <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.85.1">Celadon</hi> kaum über Achsel an.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.86">Und <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.86.1">Crispus</hi> acht mich nicht. Und <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.86.2">Flaccus</hi> hat vergessen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.87">Wo meine Wohnung war/ und wo ich angesessen/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.88">Was red' ich? Ist ein Mensch/ dem <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.88.1">Phillidor</hi> bekand/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.89">Und dem verborgen ist/ wie ich mit Hertz und Hand</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.90">Ihm beygesprungen bin. Was hab' ich nicht erlitten?</l>
                                 <pb n="191" xml:id="tg719.3.91"/>
                                 <l xml:id="tg719.3.92">Als er von so viel Angst und grimmer Noth bestritten</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.93">Wir in die Armen fiel/ und sein Anliegen klagt</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.94">Da ich mein Leben selbst für seines hingewagt.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.95">Was hat er vor und ietzt? Das er mir nicht zu dancken?</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.96">Jetzt schmäht mich <hi rend="italic" xml:id="tg719.3.96.1">Phillidor</hi> und laufft als in den Schrancken/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.97">Ein rasend tolles Pferd ohn Zaum und Ziegel rennt/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.98">Das weder rechte Bahn noch Menschen-Stimm' erkennt/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.99">Und seinen Meister Tritt/ und durch den Sand umreisset/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.100">Und was entgegen kommt voll Grimm zu boden schmeisset.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.101">Nicht wenig die es schmertzt/ beklagen meine Treu/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.102">Umsonst ihr Liebsten! Ach! es ist nicht heute neu;</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.103">Daß Undanck auf den Danck und Schimpff auf Wolthat folge/</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.104">Drum mögen immerhin die Scythen an der Wolge</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.105">Und dort bey Astracan auf recht und redlich seyn.</l>
                                 <l xml:id="tg719.3.106">Der überklugen Welt geht nur die Falschheit ein.</l>
                              </lg>
                           </div>
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